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Überstunden berechnen: vom Gehalt zur Stunde
Mit Monatsgehalt rechnest du erst den Stundenlohn aus. Ein Jahr hat 52 Wochen, im Schnitt also 13 ÷ 3 Wochen je Monat. Ob es einen Zuschlag gibt, steht im Tarif- oder Arbeitsvertrag, das Gesetz schreibt für normale Überstunden keinen vor.
Überstundenvergütung = Monatsgehalt ÷ (Wochenstunden × 13 ÷ 3) × Überstunden × (1 + Zuschlag)
- Stunden im Monat: 40 × 13 ÷ 3
- 173,33
- Stundenlohn: 3.500 € ÷ 173,33
- 20,19 €
- 10 Überstunden mit 25 % Zuschlag
- 252,40 €
- Davon netto, Steuerklasse I
- 138,25 €
Normale Überstunden und ihre Zuschläge sind voll steuer- und beitragspflichtig. Steuerfrei sind nur Zuschläge für Nacht-, Sonntags- und Feiertagsarbeit, siehe unten.
In Teilzeit zählt jede Stunde über deiner vereinbarten Zeit als Überstunde. Bekommen Vollzeitkräfte ab der ersten Überstunde einen Zuschlag, steht er dir ebenfalls ab der ersten zu. Eine Regel, nach der Teilzeitkräfte erst über der Vollzeit Zuschläge bekommen, ist ohne sachlichen Grund unwirksam (EuGH, Urteil vom 29. Juli 2024, C-184/22 und C-185/22; BAG, Urteil vom 5. Dezember 2024, 8 AZR 370/20).
Welche Zuschläge steuerfrei sind
| Arbeit | steuerfrei bis |
|---|---|
| Nacht, 20 bis 6 Uhr | 25 % |
| Nacht, 0 bis 4 Uhr, wenn vor 0 Uhr begonnen | 40 % |
| Sonntag | 50 % |
| Gesetzliche Feiertage, Silvester ab 14 Uhr | 125 % |
| 24.12. ab 14 Uhr, 25. und 26.12., 1. Mai | 150 % |
Prozent des Grundlohns, der dafür höchstens mit 50 € je Stunde angesetzt wird (§ 3b EStG).
In der Sozialversicherung sind dieselben Zuschläge nur frei, soweit der Grundlohn 25 € je Stunde nicht übersteigt (§ 1 SvEV). Wer mehr verdient, zahlt auf den Teil darüber Beiträge. Zuschläge für normale Überstunden und Samstagsarbeit sind immer steuer- und beitragspflichtig.
Beispiel: Sonntag und Nacht
- 8 Sonntagsstunden × 25 €
- 200,00 €
- 6 Nachtstunden × 25 €
- 150,00 €
- Sonntagszuschlag 50 %
- 100,00 €
- Nachtzuschlag 25 %
- 37,50 €
- Brutto zusammen
- 487,50 €
- davon steuer- und beitragsfrei
- 137,50 €
Der Rechner nimmt vereinfacht 25 % für alle Nachtstunden und 125 % als Grenze für Feiertage. Alle Sätze aus der Tabelle, den Grundlohn aus dem Monatslohn und den Netto-Vorteil rechnet der Nachtzuschlag-Rechner.
Steuerfrei sind die Zuschläge nur, wenn sie für tatsächlich geleistete Arbeit zu diesen Zeiten gezahlt und auf der Abrechnung getrennt ausgewiesen werden. Pauschale Zuschläge sind nur steuerfrei, wenn sie später anhand der tatsächlich geleisteten Stunden abgerechnet werden.
Muss ich Überstunden machen?
Nur wenn Arbeitsvertrag, Tarifvertrag oder Betriebsvereinbarung es vorsehen, oder in echten Notfällen, etwa wenn sonst ein Schaden für den Betrieb droht. Einfach anordnen kann der Arbeitgeber Mehrarbeit ohne eine solche Grundlage nicht.
Auch mit Überstunden gelten Grenzen: höchstens zehn Stunden am Tag, und im Schnitt von sechs Monaten oder 24 Wochen nicht mehr als acht Stunden je Werktag (§ 3 ArbZG). Zwischen zwei Arbeitstagen müssen mindestens elf Stunden Ruhezeit liegen (§ 5 ArbZG). Wer regelmäßig darüber liegt, arbeitet unzulässig lange, auch wenn jede Stunde bezahlt wird.
Pauschalen und Nachweis
Viele Arbeitsverträge sagen, dass Überstunden mit dem Gehalt abgegolten sind. So pauschal ist das in einem Formularvertrag meist unwirksam: Das Bundesarbeitsgericht verlangt, dass du erkennen kannst, wie viele Überstunden ohne Extrabezahlung gemeint sind (BAG, Urteil vom 1. September 2010, 5 AZR 517/09). Anders ist es bei hohen Gehältern, bei denen niemand eine Bezahlung jeder einzelnen Stunde erwarten kann.
Arbeitgeber müssen die Arbeitszeit ihrer Beschäftigten erfassen (BAG, Beschluss vom 13. September 2022, 1 ABR 22/21). Führe trotzdem selbst Buch, mit Datum, Beginn, Ende und Pausen. Kommt es zum Streit, musst du darlegen, an welchen Tagen du wie lange über die normale Arbeitszeit hinaus gearbeitet hast und dass der Arbeitgeber die Überstunden angeordnet, gebilligt oder zumindest geduldet hat. Daran ändert auch die Pflicht zur Zeiterfassung nichts (BAG, Urteil vom 4. Mai 2022, 5 AZR 359/21). Eine Zeiterfassung des Arbeitgebers ist dafür aber ein starkes Beweismittel.
Viele Arbeits- und Tarifverträge setzen kurze Fristen, oft drei Monate, in denen du Ansprüche schriftlich geltend machen musst. Wer seine Überstunden zu spät einfordert, verliert den Anspruch.
Häufige Fragen
Wie berechne ich die Bezahlung meiner Überstunden?
Bekomme ich in Teilzeit Überstundenzuschläge?
Habe ich einen gesetzlichen Anspruch auf Überstundenzuschläge?
Sind Überstundenzuschläge steuerfrei?
Welche Feiertage bringen die höchsten steuerfreien Zuschläge?
Freizeitausgleich oder Auszahlung, wer entscheidet?
Wie lange kann ich Überstunden nachfordern?
Gefährden Überstunden meinen Minijob?
Zählen Überstunden beim Urlaubsgeld oder bei Krankheit mit?
Wie viel bleibt netto?
Quellen
- BAG, Urteil vom 05.12.2024, 8 AZR 370/20: Überstundenzuschläge in Teilzeit, nach EuGH C-184/22 und C-185/22 bundesarbeitsgericht.de
- BAG, Urteil vom 4. Mai 2022, 5 AZR 359/21: Darlegungslast im Überstundenprozess bundesarbeitsgericht.de
- § 8 SGB IV: Minijob: unvorhersehbares Überschreiten (Abs. 1b) gesetze-im-internet.de
- § 3 ArbZG: Höchstarbeitszeit gesetze-im-internet.de
- § 5 ArbZG: Ruhezeit gesetze-im-internet.de
- BAG, Urteil vom 01.09.2010, 5 AZR 517/09: Pauschale Abgeltung von Überstunden bundesarbeitsgericht.de
- BAG, Beschluss vom 13.09.2022, 1 ABR 22/21: Pflicht zur Arbeitszeiterfassung bundesarbeitsgericht.de
- § 3b EStG: Steuerfreie Zuschläge für Nacht-, Sonntags- und Feiertagsarbeit gesetze-im-internet.de
- § 1 SvEV: Beitragsfrei nur bis 25 € Grundlohn je Stunde gesetze-im-internet.de
- Koalitionsvertrag 2025 von CDU, CSU und SPD: Zeilen 569 bis 573: steuerfreie Zuschläge für Mehrarbeit (Vorhaben) koalitionsvertrag2025.de