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Pfändungsfreigrenzen ab 1. Juli 2026
Die Beträge stehen in der Pfändungsfreigrenzenbekanntmachung 2026 vom 19. März 2026 (BGBl. 2026 I Nr. 80) und gelten vom 1. Juli 2026 bis zum 30. Juni 2027. Sie steigen jedes Jahr zum 1. Juli im selben Verhältnis wie der Grundfreibetrag im Einkommensteuertarif (§ 850c Abs. 4 ZPO). Der stieg von 12.096 € auf 12.348 €, die Pfändungsfreigrenzen deshalb um 2,1 %.
Freibetrag nach Zahl der Unterhaltspflichten
Personen meint hier alle, denen du Unterhalt leistest. Wegen der Abrundung auf volle 10 € wird etwas mehr geschützt als der Freibetrag selbst. Die Spalte „Lohn frei bis“ zeigt, bis zu welchem Netto gar nichts gepfändet wird.
| Personen | Freibetrag | Lohn frei bis | P-Konto |
|---|---|---|---|
| keine | 1.587,40 € | 1.589,99 € | 1.590,00 € |
| 1 | 2.184,82 € | 2.189,99 € | 2.187,42 € |
| 2 | 2.517,65 € | 2.519,99 € | 2.520,25 € |
| 3 | 2.850,48 € | 2.859,99 € | 2.853,08 € |
| 4 | 3.183,31 € | 3.189,99 € | 3.185,91 € |
| 5 und mehr | 3.516,14 € | 3.519,99 € | 3.518,74 € |
Monatslohn netto. Auf dem P-Konto zählen Unterhaltspflichten nur, wenn du der Bank eine Bescheinigung vorlegst (§ 903 ZPO). Mehr als fünf Personen erhöhen den Freibetrag nicht.
Alle Eckwerte im Vergleich zum Vorjahr
| Im Monat | ab Juli 2026 | bis Juni 2026 |
|---|---|---|
| Grundfreibetrag§ 850c Abs. 1 ZPO | 1.587,40 € | 1.555,00 € |
| Erhöhung für die erste Person, der du Unterhalt leistest§ 850c Abs. 2 Satz 1 ZPO | 597,42 € | 585,23 € |
| Erhöhung je zweite bis fünfte Person§ 850c Abs. 2 Satz 2 ZPO | 332,83 € | 326,04 € |
| Höchstbetrag, darüber ist alles pfändbar§ 850c Abs. 3 Satz 3 ZPO | 4.866,30 € | 4.766,99 € |
| Grundfreibetrag auf dem P-Konto§ 899 Abs. 1 ZPO | 1.590,00 € | 1.560,00 € |
| Weihnachtsgeld unpfändbar bis§ 850a Nr. 4 ZPO | 795,00 € | 780,00 € |
Wer als unterhaltsberechtigt zählt
Berücksichtigt wird nur, wer von dir aufgrund einer gesetzlichen Pflicht tatsächlich Unterhalt bekommt (§ 850c Abs. 2 ZPO): Kinder, Eltern, der Ehepartner oder eingetragene Lebenspartner und frühere Partner. Ein minderjähriges Kind in deinem Haushalt zählt auch ohne Zahlungen, weil du es versorgst (§ 1606 Abs. 3 BGB). Schuldest du jemandem Unterhalt, zahlst ihn aber nicht, zählt diese Person nicht. Ein Partner ohne Trauschein zählt nur als Elternteil eures gemeinsamen Kindes, dem du rund um die Geburt oder wegen der Kinderbetreuung Unterhalt schuldest (§ 1615l BGB).
Welche Spalte der Tabelle gilt, stellt dein Arbeitgeber fest. Sag ihm deshalb, wem du Unterhalt leistest, und leg Nachweise vor, etwa Geburtsurkunden oder einen Unterhaltstitel.
§ 850c ZPO: Pfändungsgrenzen für Arbeitseinkommen
§ 850c ZPO legt fest, wie viel von deinem Arbeitseinkommen ein Gläubiger nicht bekommen darf. Arbeitseinkommen sind Löhne und Gehälter, Beamtenbezüge, Betriebsrenten und Pensionen, Hinterbliebenenbezüge und Renten aus Versicherungen, die du zur Versorgung abgeschlossen hast (§ 850 Abs. 2 und 3 ZPO). Die sechs Absätze im Überblick, mit den Werten ab dem 1. Juli 2026:
| Absatz | Inhalt |
|---|---|
| Abs. 1 | Grundfreibetrag: Bis 1.587,40 € im Monat ist Arbeitseinkommen unpfändbar. Für Wochen- und Tageslohn gibt es eigene Beträge. |
| Abs. 2 | Erhöhung für jede Person, der du aufgrund einer gesetzlichen Pflicht Unterhalt gewährst: 597,42 € für die erste, je 332,83 € für die zweite bis fünfte. Mehr Personen zählen nicht. |
| Abs. 3 | Vom Lohn über dem Freibetrag bleibt dir ein Teil, gestaffelt in Zehnteln nach der Zahl der Unterhaltspflichten (Rechnung im nächsten Abschnitt). Lohn über 4.866,30 € ist voll pfändbar. |
| Abs. 4 | Das Bundesjustizministerium macht die Beträge im Bundesgesetzblatt bekannt. Sie steigen jedes Jahr zum 1. Juli wie der Grundfreibetrag im Einkommensteuertarif, der am 1. Januar gilt. |
| Abs. 5 | Der Lohn wird abgerundet: Monatslohn auf volle 10 €, Wochenlohn auf volle 2,50 €, Tageslohn auf volle 0,50 €. So entsteht die amtliche Tabelle, im Pfändungsbeschluss genügt ein Verweis auf sie. |
| Abs. 6 | Hat eine unterhaltsberechtigte Person eigenes Einkommen, kann der Gläubiger beantragen, dass sie ganz oder teilweise nicht mitzählt. Das Vollstreckungsgericht entscheidet nach billigem Ermessen. |
Wer den Paragrafen bei gesetze-im-internet.de nachliest, stößt auf andere Zahlen: 1.178,59 € Grundfreibetrag, 443,57 € und 247,12 € für Unterhaltspflichten, 3.613,08 € als Höchstbetrag. Das sind Ausgangsbeträge, die im Wortlaut stehen bleiben. Gültig sind die Beträge der jeweils letzten Bekanntmachung nach Absatz 4, seit dem 1. Juli 2026 also die vom 19. März 2026. Die Fußnote unter dem Paragrafen verweist auf alle Bekanntmachungen seit 2021.
Pfändungsfreigrenze berechnen: so rechnet die Tabelle
Die amtliche Tabelle folgt einer festen Rechnung aus § 850c ZPO. Der Rechner oben geht genauso vor, und so kannst du deinen Pfändungsschutz auch von Hand berechnen.
- Freibetrag bestimmen1.587,40 €, dazu 597,42 € für die erste und je 332,83 € für die zweite bis fünfte Person, der du Unterhalt leistest.
- Netto abrundenDer Monatslohn wird auf volle 10 € abgerundet, aus 2.345,00 € werden 2.340,00 €. Deshalb gilt jeder Wert der Tabelle für eine ganze Stufe von 10 €.
- Mehrbetrag aufteilenVom Lohn über dem Freibetrag bleiben dir 3 Zehntel, dazu 2 Zehntel für die erste und je 1 Zehntel für die zweite bis fünfte unterhaltsberechtigte Person. Den Rest bekommt der Gläubiger.
- Höchstbetrag beachtenLohn über 4.866,30 € ist voll pfändbar. Was dir bleibt, wächst ab dort nicht mehr.
Pfändbar = (Netto, auf volle 10 € abgerundet − Freibetrag) × pfändbarer Anteil
Der pfändbare Anteil liegt ohne Unterhaltspflicht bei 70 %, mit einer Person bei 50 %, mit zwei bei 40 %, mit drei bei 30 %, mit vier bei 20 % und ab fünf bei 10 %. Ohne Unterhaltspflicht behältst du von jedem zusätzlich verdienten Euro also 30 Cent.
Drei Beispiele
Gerechnet mit dem Rechner oben und den Beträgen ab dem 1. Juli 2026.
Durch die Abrundung zählen 2.340,00 € statt 2.345,00 €.
- Nettolohn
- 2.345,00 €
- Auf volle 10 € abgerundet
- 2.340,00 €
- Freibetrag ohne Unterhaltspflicht
- −1.587,40 €
- = Mehrbetrag
- 752,60 €
- Davon pfändbar: 7 Zehntel
- 526,82 €
- Pfändbar im Monat
- 526,82 €
- Dir bleiben
- 1.818,18 €
Der Ehepartner hat kein eigenes Einkommen, zwei Kinder leben im Haushalt. Das sind drei Unterhaltspflichten.
- Nettolohn
- 3.600,00 €
- Auf volle 10 € abgerundet
- 3.600,00 €
- Freibetrag mit 3 Unterhaltspflichten
- −2.850,48 €
- = Mehrbetrag
- 749,52 €
- Davon pfändbar: 3 Zehntel
- 224,86 €
- Pfändbar im Monat
- 224,86 €
- Dir bleiben
- 3.375,14 €
Ein hoher Lohn ohne Unterhaltspflicht.
- Nettolohn
- 5.500,00 €
- Davon über 4.866,30 €
- 633,70 €
- Rest, auf volle 10 € abgerundet
- 4.860,00 €
- Freibetrag ohne Unterhaltspflicht
- −1.587,40 €
- = Mehrbetrag
- 3.272,60 €
- Davon pfändbar: 7 Zehntel
- 2.290,82 €
- + Teil über 4.866,30 €
- 633,70 €
- Pfändbar im Monat
- 2.924,52 €
- Dir bleiben
- 2.575,48 €
Ab 4.866,30 € netto bleiben dir immer 2.575,48 €, egal wie viel du darüber verdienst.
Pfändungstabelle 2026 im Auszug
Pfändbarer Betrag im Monat nach Nettolohn und Zahl der Unterhaltspflichten. Die vollständige Tabelle mit allen Stufen steht im Anhang der Bekanntmachung im Bundesgesetzblatt, der Rechner oben liefert für jeden Lohn denselben Wert.
| Netto im Monat | keine | 1 Person | 2 Personen | 3 Personen | 4 Personen | 5 und mehr |
|---|---|---|---|---|---|---|
| 1.600 € | 8,82 € | – | – | – | – | – |
| 1.800 € | 148,82 € | – | – | – | – | – |
| 2.000 € | 288,82 € | – | – | – | – | – |
| 2.200 € | 428,82 € | 7,59 € | – | – | – | – |
| 2.400 € | 568,82 € | 107,59 € | – | – | – | – |
| 2.600 € | 708,82 € | 207,59 € | 32,94 € | – | – | – |
| 2.800 € | 848,82 € | 307,59 € | 112,94 € | – | – | – |
| 3.000 € | 988,82 € | 407,59 € | 192,94 € | 44,86 € | – | – |
| 3.300 € | 1.198,82 € | 557,59 € | 312,94 € | 134,86 € | 23,34 € | – |
| 3.600 € | 1.408,82 € | 707,59 € | 432,94 € | 224,86 € | 83,34 € | 8,39 € |
| 4.000 € | 1.688,82 € | 907,59 € | 592,94 € | 344,86 € | 163,34 € | 48,39 € |
| 4.400 € | 1.968,82 € | 1.107,59 € | 752,94 € | 464,86 € | 243,34 € | 88,39 € |
| 4.860 bis 4.866,30 € | 2.290,82 € | 1.337,59 € | 936,94 € | 602,86 € | 335,34 € | 134,39 € |
Jeder Wert gilt für eine ganze Stufe, die Zeile 2.000 € also für ein Netto von 2.000,00 bis 2.009,99 €. Über 4.866,30 € kommt jeder weitere Euro zum Wert der letzten Zeile dazu. Ein Strich heißt: nichts pfändbar.
Welches Netto zählt (§ 850e ZPO)
Die Tabelle rechnet mit dem Nettolohn nach § 850e ZPO. Vom Brutto gehen Lohnsteuer, Solidaritätszuschlag, Kirchensteuer und deine Sozialbeiträge ab, bei privater Krankenversicherung die üblichen Beiträge dafür. Dein Netto aus dem Brutto zeigt der Brutto-Netto-Rechner.
Unpfändbare Bezüge nach § 850a ZPO zählen nicht mit. Der Arbeitgeber nimmt sie mit dem Bruttobetrag heraus und zieht danach nur die Steuern und Beiträge ab, die auf den übrigen Lohn entfallen (Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 17. April 2013, 10 AZR 59/12).
| Bestandteil | Unpfändbar |
|---|---|
| Vergütung für Überstunden§ 850a Nr. 1 ZPO | die Hälfte |
| Urlaubsgeld zusätzlich zum Lohn, Jubiläumszuwendungen, Treugelder§ 850a Nr. 2 ZPO | im üblichen Rahmen |
| Weihnachtsgeld§ 850a Nr. 4 ZPO | bis 795 € |
| Zuschläge für Sonntags-, Feiertags- und Nachtarbeit§ 850a Nr. 3 ZPO | in üblicher Höhe |
| Zuschläge für Schicht- und SamstagsarbeitBAG 10 AZR 859/16 | nichts |
| Auslösung, Aufwandsentschädigung, Schmutz-, Erschwernis- und Gefahrenzulage§ 850a Nr. 3 ZPO | im üblichen Rahmen |
| Geburts- und Heiratsbeihilfen§ 850a Nr. 5 ZPO | ganz, außer bei Schulden aus diesem Anlass |
| Erziehungsgelder, Studienbeihilfen§ 850a Nr. 6 ZPO | ganz |
| Sterbe- und Gnadenbezüge aus dem Arbeitsverhältnis, Blindenzulagen§ 850a Nr. 7 und 8 ZPO | ganz |
Für den üblichen Rahmen der Zuschläge orientiert sich das Bundesarbeitsgericht an den steuerfreien Sätzen des § 3b EStG (Urteil vom 23. August 2017, 10 AZR 859/16).
Mehrere Löhne rechnet das Vollstreckungsgericht nur auf Antrag zusammen. Der Freibetrag kommt dann in erster Linie aus dem Lohn, von dem du hauptsächlich lebst (§ 850e Nr. 2 ZPO). Das gilt auch für Lohn neben einer pfändbaren Sozialleistung, dann wird der Freibetrag zuerst der Sozialleistung entnommen (§ 850e Nr. 2a ZPO). Sachbezüge wie ein privat genutzter Dienstwagen zählen zum Einkommen dazu (§ 850e Nr. 3 ZPO).
Für eine Abfindung oder für Honorare als Selbstständiger gibt es keine Tabelle. Auf deinen Antrag lässt dir das Vollstreckungsgericht so viel, wie dir bei laufendem Lohn bleiben würde (§ 850i ZPO).
Sozialleistungen, Renten und andere geschützte Einkünfte
Für Sozialleistungen gelten eigene Regeln im Sozialgesetzbuch. Laufende Geldleistungen wie Rente oder Krankengeld werden gepfändet wie Lohn. Leistungen, die dein Existenzminimum sichern, sind ganz geschützt, Sach- und Dienstleistungen ohnehin (§ 54 Abs. 1 SGB I). Der Überblick:
| Leistung | Pfändbar |
|---|---|
| Grundsicherungsgeld (bis Juni 2026 Bürgergeld) und Sozialhilfe§ 42 Abs. 4 SGB II, § 17 Abs. 1 SGB XII | gar nicht |
| Wohngeld§ 54 Abs. 3 Nr. 2a SGB I | nur wegen der Miete oder Belastung, für die es gezahlt wird |
| Elterngeld, Mutterschaftsgeld der Krankenkasse§ 54 Abs. 3 Nr. 1 und 2 SGB I | nicht bis zum Betrag, der nach § 10 BEEG anrechnungsfrei bleibt |
| Leistungen für Mehraufwand wegen eines Körper- oder Gesundheitsschadens§ 54 Abs. 3 Nr. 3 SGB I | gar nicht |
| Kindergeld§ 76 EStG, § 54 Abs. 5 SGB I | nur wegen Unterhalt für das Kind, für das es gezahlt wird |
| Gesetzliche Rente, Krankengeld, Arbeitslosengeld§ 54 Abs. 4 SGB I | wie Arbeitseinkommen nach der Tabelle |
| Einmalige Sozialleistungen§ 54 Abs. 2 SGB I | nur, wenn es der Billigkeit entspricht |
| Renten wegen Körperverletzung, Unterhaltsrenten, die du bekommst, Altenteil§ 850b Abs. 1 Nr. 1 bis 3 ZPO | nur ausnahmsweise |
| Lebensversicherung nur auf den Todesfall, etwa eine Sterbegeldversicherung, bis 5.400 € Versicherungssumme§ 850b Abs. 1 Nr. 4 ZPO | nur ausnahmsweise |
Wie viel Grundsicherungsgeld dir zusteht, zeigt der Grundsicherungsgeld-Rechner, das Kindergeld der Kindergeld-Rechner.
„Nur ausnahmsweise“ heißt bei § 850b ZPO: Das Vollstreckungsgericht lässt die Pfändung wie bei Arbeitseinkommen zu, wenn die Vollstreckung in dein übriges Vermögen nicht reicht und es im Einzelfall der Billigkeit entspricht (§ 850b Abs. 2 ZPO). Kommt geschütztes Geld auf ein gepfändetes Konto, hilft das P-Konto weiter unten.
Pfändung wegen Unterhalt: § 850d ZPO
Für Unterhaltsschulden gilt die Tabelle nicht. Pfändet ein Verwandter wie dein Kind, ein früherer oder jetziger Ehe- oder Lebenspartner oder ein Elternteil nach §§ 1615l, 1615n BGB wegen gesetzlichen Unterhalts, darf er tiefer in deinen Lohn greifen, auch in Überstundenvergütung, Urlaubs- und Weihnachtsgeld. Von deren unpfändbarem Teil bleibt dir mindestens die Hälfte (§ 850d Abs. 1 Satz 1 und 2 ZPO).
Wie viel dir bleibt, setzt das Vollstreckungsgericht im Pfändungsbeschluss in Euro fest: deinen notwendigen Unterhalt und das, was du für vorrangige oder gleichrangige Unterhaltsberechtigte brauchst. Der notwendige Unterhalt entspricht grundsätzlich dem notwendigen Lebensunterhalt nach dem Sozialhilferecht, also dem Regelsatz, 2026 für Alleinstehende 563 €, und angemessenen Kosten für Unterkunft und Heizung nach dem örtlichen Mietniveau (BGH, Beschluss vom 5. Juli 2018, VII ZB 40/17). Mehr, als dir gegenüber einem gewöhnlichen Gläubiger nach der Tabelle bliebe, bekommst du nie (§ 850d Abs. 1 Satz 3 ZPO).
- Rangfolge: Pfänden mehrere Unterhaltsberechtigte, kommen zuerst minderjährige und ihnen gleichgestellte Kinder, dann Elternteile wegen Kinderbetreuung und Ehegatten nach langer Ehe, danach andere Ehegatten (§ 850d Abs. 2 ZPO mit § 1609 BGB).
- Alte Rückstände: Für Unterhalt, der länger als ein Jahr vor dem Antrag fällig war, gilt das Vorrecht nur, wenn du dich der Zahlung absichtlich entzogen hast (§ 850d Abs. 1 Satz 4 ZPO).
- Künftiger Unterhalt: Wegen laufenden Unterhalts darf der Gläubiger gleich auch künftigen Lohn pfänden lassen (§ 850d Abs. 3 ZPO).
- Zwei Pfändungen: Trifft eine Unterhaltspfändung auf eine gewöhnliche, wird der Unterhalt zuerst aus dem Teil bedient, der nur Unterhaltsgläubigern offensteht (§ 850e Nr. 4 ZPO).
Ähnlich weit darf ein Gläubiger gehen, dessen Forderung aus einer vorsätzlichen unerlaubten Handlung stammt, etwa einem Betrug: Auf Antrag bestimmt das Gericht den pfändbaren Teil ohne die Tabelle, dir bleibt der notwendige Unterhalt (§ 850f Abs. 2 ZPO). Bei einer Kontopfändung gilt in beiden Fällen der Betrag aus dem Beschluss statt der P-Konto-Freibeträge (§ 906 Abs. 1 ZPO). Wie viel Kindesunterhalt geschuldet ist, zeigt der Unterhaltsrechner.
So läuft eine Lohnpfändung ab
- TitelOhne vollstreckbaren Titel keine Pfändung. Das kann ein Urteil sein, ein Vollstreckungsbescheid aus dem Mahnverfahren oder eine notarielle Urkunde (§§ 704, 794 Abs. 1 Nr. 4 und 5 ZPO).
- Pfändungs- und ÜberweisungsbeschlussDer Gläubiger beantragt ihn beim Vollstreckungsgericht. Mit der Zustellung an deinen Arbeitgeber ist der Lohn gepfändet (§ 829 Abs. 3 ZPO), auch für alle künftigen Monate (§ 832 ZPO). Danach stellt der Gerichtsvollzieher den Beschluss auch dir zu (§ 829 Abs. 2 ZPO).
- Erklärung des ArbeitgebersAuf Verlangen des Gläubigers muss dein Arbeitgeber binnen zwei Wochen erklären, ob er die Forderung anerkennt und ob schon andere Gläubiger gepfändet haben (§ 840 Abs. 1 ZPO).
- Abzug vom LohnAb dann behält der Arbeitgeber den pfändbaren Betrag ein und zahlt ihn an den Gläubiger, dem die Forderung zur Einziehung überwiesen ist (§ 835 ZPO), bis Forderung, Zinsen und Kosten beglichen sind.
Pfänden mehrere Gläubiger, wird bedient, wer zuerst gepfändet hat (§ 804 Abs. 3 ZPO). Eine Vorpfändung durch den Gerichtsvollzieher sichert diesen Rang schon vorab, wenn der Beschluss innerhalb eines Monats folgt (§ 845 ZPO). Steht im Beschluss ein fester Betrag und ändern sich deine Verhältnisse, etwa weil ein Kind dazukommt, ändert das Vollstreckungsgericht ihn auf Antrag (§ 850g ZPO). Fehler im Verfahren rügst du mit der Erinnerung beim Vollstreckungsgericht (§ 766 ZPO). In ganz besonderen Härtefällen, die mit den guten Sitten nicht vereinbar sind, kann es die Pfändung aufheben oder einstweilen einstellen (§ 765a ZPO).
Kontopfändung und P-Konto
Die Tabelle schützt deinen Lohn beim Arbeitgeber. Pfändet ein Gläubiger dein Girokonto, hilft nur ein Pfändungsschutzkonto, kurz P-Konto. Jede Bank muss ein bestehendes Konto auf Wunsch als P-Konto führen, auch wenn es im Minus oder schon gepfändet ist (§ 850k ZPO). Ist es gepfändet, greift der Schutz ab dem vierten Geschäftstag nach deinem Antrag. An den Gläubiger auszahlen darf die Bank gepfändetes Guthaben erst einen Monat nach Zustellung des Überweisungsbeschlusses (§ 835 Abs. 3 ZPO). Stellst du in diesem Monat um, ist auch das schon gepfändete Guthaben bis zum Freibetrag geschützt (§ 899 Abs. 1 ZPO).
- Automatisch: 1.590 € je Kalendermonat, egal ob das Geld Lohn, Rente oder eine Erstattung ist.
- Mit Bescheinigung: für Unterhaltspflichten dieselben Erhöhungen wie beim Lohn, dazu Kindergeld, Leistungen für Mitglieder deiner Bedarfsgemeinschaft und Grundsicherungsgeld, soweit es über 1.590 € liegt (§ 902 ZPO). Ausstellen dürfen sie unter anderem Arbeitgeber, Familienkasse, Jobcenter und anerkannte Schuldnerberatungsstellen. Die Bank muss sie ab dem zweiten Geschäftstag nach Vorlage beachten, eine Bescheinigung ohne Enddatum zwei Jahre lang (§ 903 ZPO).
- Übertrag: Was vom Freibetrag in einem Monat übrig bleibt, ist in den drei folgenden Monaten zusätzlich geschützt (§ 899 Abs. 2 ZPO).
- Nachzahlungen: Nachgezahlter Lohn bis 500 € bleibt mit einer Bescheinigung des Arbeitgebers geschützt, über höhere Beträge entscheidet das Vollstreckungsgericht (§ 904 ZPO).
- Höherer Lohn: Bleibt dir nach der Tabelle mehr als der Freibetrag auf dem Konto, kann das Vollstreckungsgericht auf Antrag festlegen, dass dieser Teil auch auf dem Konto frei bleibt (§ 906 Abs. 2 ZPO).
Bei der Umstellung versicherst du der Bank, dass du kein weiteres P-Konto hast (§ 850k Abs. 3 ZPO). Mehr als für dein bisheriges Girokonto darf die Bank für das P-Konto in der Regel nicht verlangen, für ein neues nicht mehr als für ein vergleichbares Standardkonto (BGH, Urteile vom 13. November 2012, XI ZR 500/11 und XI ZR 145/12).
Häufige Fragen
Gelten die neuen Beträge auch für eine laufende Pfändung?
Kann ich beantragen, dass mir mehr bleibt?
Welche Grenzen gelten bei Wochen- oder Tageslohn?
Kann meine Steuererstattung gepfändet werden?
Was passiert mit der Pfändung, wenn ich den Job wechsle?
Was passiert, wenn unser Gemeinschaftskonto gepfändet wird?
Was wird aus der Lohnpfändung in der Privatinsolvenz?
Wer zahlt die Kosten der Pfändung?
Quellen
- Pfändungsfreigrenzenbekanntmachung 2026: Beträge ab 1. Juli 2026 und amtliche Tabelle, BGBl. 2026 I Nr. 80 gesetze-im-internet.de
- § 850c ZPO: Pfändungsgrenzen für Arbeitseinkommen, Staffelung und Abrundung gesetze-im-internet.de
- § 850a ZPO: unpfändbare Bezüge gesetze-im-internet.de
- § 850b ZPO: bedingt pfändbare Bezüge gesetze-im-internet.de
- § 850d ZPO: Pfändung wegen Unterhalt gesetze-im-internet.de
- § 850k ZPO: Pfändungsschutzkonto gesetze-im-internet.de
- §§ 899 bis 906 ZPO: Freibeträge, Bescheinigungen und Nachzahlungen auf dem P-Konto gesetze-im-internet.de
- § 54 SGB I: Pfändung von Sozialleistungen gesetze-im-internet.de
- §§ 88 und 89 InsO: Rückschlagsperre und Vollstreckungsverbot in der Insolvenz gesetze-im-internet.de
- BMJV: Das Pfändungsschutzkonto: Fragen und Antworten, Stand 1. Juli 2026 bmjv.de
- BGH, Beschluss vom 05.07.2018, VII ZB 40/17: notwendiger Unterhalt bei der Unterhaltspfändung rechtsprechung-im-internet.de
- BGH, Pressemitteilung Nr. 191/2012: keine höheren Kontogebühren für das P-Konto (XI ZR 500/11, XI ZR 145/12) bundesgerichtshof.de
- BAG, Urteil vom 17.04.2013, 10 AZR 59/12: Nettomethode bei unpfändbaren Bezügen bundesarbeitsgericht.de
- BAG, Urteil vom 23.08.2017, 10 AZR 859/16: Zuschläge für Sonntags-, Feiertags- und Nachtarbeit bundesarbeitsgericht.de