Auf dieser Seite
Privatinsolvenz 2026 in Zahlen
| Eckwert | 2026 | Grundlage |
|---|---|---|
| Abtretungsfrist bis zur Restschuldbefreiung | 3 Jahre | § 287 Abs. 2 InsO |
| Freibetrag im Monat ohne Unterhaltspflicht, seit 1. Juli 2026 | 1.587,40 € | § 850c ZPO |
| Gerichtsgebühren, 3,0 Gebühren nach der Masse, mindestens | 120 € | Nr. 2310, 2320 KV GKG |
| Mindestvergütung des Insolvenzverwalters, wenn die Beratungsstelle die Verzeichnisse erstellt hat | 1.120 € | § 13 InsVV |
| Mindestvergütung des Treuhänders je Jahr | 140 € | § 14 Abs. 3 InsVV |
| Gestundete Kosten nach der Befreiung, Raten höchstens | 48 | § 4b InsO, § 115 ZPO |
| Anwalt mit Beratungshilfeschein, dein Anteil | 15 € | Nr. 2500 VV RVG |
| SCHUFA löscht die Restschuldbefreiung nach | 6 Monaten | SCHUFA |
Der Rechner oben ist ein Insolvenzrechner für Privatleute: Er bestimmt aus deinem Netto nach der Pfändungstabelle, was pfändbar ist, und rechnet das auf die 3 Jahre hoch. Die Kosten des Verfahrens zeigt er nicht, sie stehen weiter unten Schritt für Schritt.
Ablauf der Privatinsolvenz in sechs Schritten
- Beratung und EinigungsversuchZuerst forderst du bei deinen Gläubigern eine Aufstellung ihrer Forderungen an. Weist du dabei auf den geplanten Insolvenzantrag hin, müssen sie dir die auf eigene Kosten schicken (§ 305 Abs. 2 InsO). Mit einer anerkannten Schuldnerberatungsstelle oder einem Anwalt machst du dann einen Plan und schickst ihn allen Gläubigern. Scheitert die Einigung, bekommst du eine Bescheinigung. Sie darf beim Antrag höchstens 6 Monate alt sein (§ 305 Abs. 1 Nr. 1 InsO). Als gescheitert gilt der Versuch auch, wenn ein Gläubiger während der Verhandlungen vollstreckt (§ 305a InsO).
- Antrag beim InsolvenzgerichtZuständig ist in der Regel das Amtsgericht am Sitz des Landgerichts, in dessen Bezirk du wohnst (§§ 2, 3 InsO). Auf den amtlichen Formularen reichst du die Bescheinigung ein, den Antrag auf Restschuldbefreiung mit der Abtretung deines pfändbaren Einkommens (§ 287 InsO), Verzeichnisse über Vermögen, Einkommen, Gläubiger und Forderungen, einen Schuldenbereinigungsplan und meist den Antrag auf Stundung der Kosten. Fehlt etwas, fordert dich das Gericht zum Ergänzen auf. Tust du das nicht binnen eines Monats, gilt der Antrag als zurückgenommen (§ 305 Abs. 3 InsO).
- Gerichtlicher SchuldenbereinigungsplanHält das Gericht eine Einigung noch für möglich, stellt es deinen Plan den Gläubigern zu. Wer sich nicht innerhalb eines Monats äußert, hat zugestimmt (§ 307 InsO). Haben mehr als die Hälfte der Gläubiger zugestimmt und stehen hinter ihnen mehr als die Hälfte der Forderungen, kann das Gericht auf Antrag fehlende Zustimmungen ersetzen, wenn der widersprechende Gläubiger angemessen beteiligt ist und nicht schlechter steht als im Insolvenzverfahren (§ 309 InsO). Ein angenommener Plan wirkt wie ein Vergleich, das Insolvenzverfahren entfällt (§ 308 InsO). Hält das Gericht den Plan für aussichtslos, überspringt es diesen Schritt (§ 306 Abs. 1 InsO).
- EröffnungDas Gericht eröffnet das Verfahren und bestellt einen Insolvenzverwalter. Die Eröffnung wird im Internet auf insolvenzbekanntmachungen.de veröffentlicht (§ 9 InsO). Ab jetzt laufen die 3 Jahre. Die Gläubiger melden ihre Forderungen beim Verwalter an.
- Aufhebung und TreuhandphaseDer Verwalter verwertet, was pfändbar ist, und zieht den pfändbaren Teil deines Lohns ein. Ist alles andere verwertet, kann das Gericht das Verfahren trotz laufenden Einkommens aufheben (§ 196 Abs. 1 InsO). Bis zum Ende der Frist zieht dann ein Treuhänder dein pfändbares Einkommen ein, oft dieselbe Person, und verteilt es einmal im Jahr an die Gläubiger (§§ 288, 292 InsO). Diese Zeit heißt auch Wohlverhaltensphase.
- RestschuldbefreiungNach Ablauf der 3 Jahre hört das Gericht Gläubiger, Treuhänder und dich an und erteilt die Restschuldbefreiung, wenn niemand mit Erfolg die Versagung beantragt (§ 300 InsO). Von da an können die Gläubiger die erlassenen Schulden nicht mehr eintreiben.
Privatinsolvenz in 3 Jahren: Fristen im Überblick
Die 3 Jahre sind die Abtretungsfrist. Sie beginnt mit der Eröffnung des Verfahrens, nicht mit deinem Antrag (§ 287 Abs. 2 InsO). Die Zeit für Beratung und Einigungsversuch und die Prüfung des Antrags kommen also dazu. Nach Ablauf der Frist entscheidet das Gericht, die Restschuldbefreiung gilt dann rückwirkend als mit dem Ende der Frist erteilt (§ 300 Abs. 1 InsO). Die Dauer hängt nicht davon ab, wie viel du zahlst: Auch wer nichts abgeben kann, bekommt die Restschuldbefreiung nach 3 Jahren.
| Was | Frist |
|---|---|
| Bescheinigung über den gescheiterten Einigungsversuch | höchstens 6 Monate alt (§ 305 Abs. 1 Nr. 1 InsO) |
| Fehlende Angaben im Antrag nachreichen | einen Monat, sonst gilt der Antrag als zurückgenommen (§ 305 Abs. 3 InsO) |
| Stellungnahme der Gläubiger zum gerichtlichen Schuldenbereinigungsplan | einen Monat, Schweigen gilt als Zustimmung (§ 307 InsO) |
| Abtretungsfrist ab der Eröffnung | 3 Jahre, im zweiten Verfahren 5 (§ 287 Abs. 2 InsO) |
| Versagungsantrag eines Gläubigers wegen einer verletzten Pflicht | ein Jahr, nachdem er davon erfahren hat (§ 296 Abs. 1 InsO) |
| Antrag auf Widerruf der Restschuldbefreiung | ein Jahr nach Rechtskraft (§ 303 Abs. 2 InsO) |
| Neues Verfahren mit Restschuldbefreiung | frühestens 11 Jahre nach der letzten (§ 287a Abs. 2 InsO) |
Drei Jahre gelten für alle Anträge seit dem 1. Oktober 2020. Vorher waren es 6 Jahre. Für Anträge zwischen dem 17. Dezember 2019 und dem 30. September 2020 verkürzt sich die Frist um jeden vollen Monat seit dem 16. Juli 2019, sie liegt zwischen fünf Jahren und sieben Monaten und vier Jahren und zehn Monaten (Art. 103k EGInsO). Die 5 Jahre für ein zweites Verfahren gelten nur, wenn die erste Restschuldbefreiung auf einen Antrag nach dem 30. September 2020 zurückgeht (§ 287 Abs. 2 Satz 2 InsO).
Was du abgeben musst
Was pfändbar ist, steht in der Pfändungstabelle zu § 850c ZPO. Ohne Unterhaltspflicht bleiben 1.587,40 € im Monat frei, für die erste Person, der du Unterhalt zahlst, kommen 597,42 € dazu, für jede weitere 332,83 €. Vom Betrag darüber ist nur ein Teil pfändbar, ohne Unterhaltspflicht sieben Zehntel. Alle Stufen und Sonderfälle stehen beim Pfändungsfreigrenzen-Rechner.
| Netto im Monat | ohne Unterhalt | 1 Person | 2 Personen |
|---|---|---|---|
| 1.600 € | 8,82 €318 € in 3 Jahren | 0,00 €0 € in 3 Jahren | 0,00 €0 € in 3 Jahren |
| 1.800 € | 148,82 €5.358 € in 3 Jahren | 0,00 €0 € in 3 Jahren | 0,00 €0 € in 3 Jahren |
| 2.000 € | 288,82 €10.398 € in 3 Jahren | 0,00 €0 € in 3 Jahren | 0,00 €0 € in 3 Jahren |
| 2.200 € | 428,82 €15.438 € in 3 Jahren | 7,59 €273 € in 3 Jahren | 0,00 €0 € in 3 Jahren |
| 2.500 € | 638,82 €22.998 € in 3 Jahren | 157,59 €5.673 € in 3 Jahren | 0,00 €0 € in 3 Jahren |
| 3.000 € | 988,82 €35.598 € in 3 Jahren | 407,59 €14.673 € in 3 Jahren | 192,94 €6.946 € in 3 Jahren |
| 3.500 € | 1.338,82 €48.198 € in 3 Jahren | 657,59 €23.673 € in 3 Jahren | 392,94 €14.146 € in 3 Jahren |
| 4.000 € | 1.688,82 €60.798 € in 3 Jahren | 907,59 €32.673 € in 3 Jahren | 592,94 €21.346 € in 3 Jahren |
Pfändbar im Monat nach der Tabelle ab 1. Juli 2026. Die Freibeträge steigen jedes Jahr zum 1. Juli mit dem Grundfreibetrag der Einkommensteuer, der pfändbare Teil sinkt dann leicht.
Nicht alles zählt zum Einkommen. Die Hälfte der Vergütung für Überstunden, übliches Urlaubsgeld und Weihnachtsgeld bis 795,00 € bleiben unpfändbar (§ 850a ZPO). Kindergeld gehört ohnehin nicht zum Lohn, Grundsicherungsgeld ist gar nicht pfändbar (§ 42 Abs. 4 SGB II). Verdient dein Partner selbst, kann das Insolvenzgericht auf Antrag bestimmen, dass er bei den Unterhaltspflichten ganz oder teilweise nicht mitzählt (§ 850c Abs. 6 ZPO).
Was du abgibst, geht nicht eins zu eins an die Gläubiger. Zuerst werden die Kosten des Verfahrens bezahlt (§§ 53, 292 InsO), erst der Rest wird verteilt. Der Anteil „Gedeckt“ im Rechner ist deshalb eine Obergrenze. Wie viel die Kosten wegnehmen, zeigt der nächste Abschnitt.
Kosten der Privatinsolvenz: Rechenweg und Stundung
Kosten des Verfahrens sind die Gerichtsgebühren und die Vergütung samt Auslagen von Insolvenzverwalter und Treuhänder (§§ 54, 293 InsO). Das Gericht berechnet 0,5 und 2,5 Gebühren nach dem Wert der Insolvenzmasse am Ende des Verfahrens (Nr. 2310 und 2320 KV GKG, § 58 Abs. 1 GKG). Der Verwalter bekommt als Regel 40 % der ersten 35.000 € Masse, mindestens 1.400 €. Hat eine Beratungsstelle oder ein Anwalt deine Verzeichnisse erstellt, sinkt die Mindestvergütung auf 1.120 € (§§ 2, 13 InsVV). Bei mehr als 10 Gläubigern steigt sie um 210 € je angefangene fünf, ab 31 Gläubigern um 140 €. Der Treuhänder bekommt 5 % dessen, was bei ihm eingeht, mindestens 140 € je Jahr (§ 14 InsVV). Auf beide Vergütungen kommt Umsatzsteuer.
Ohne pfändbares Einkommen
Kein Vermögen, nichts pfändbar, höchstens 10 Gläubiger, die Verzeichnisse hat die Beratungsstelle erstellt. Das Verfahren wird nach einem Jahr aufgehoben, danach ist 2 Jahre lang der Treuhänder zuständig.
- Gerichtsgebühren, 0,5 und 2,5 Gebühren (Nr. 2310, 2320 KV GKG)
- 120,00 €
- Mindestvergütung des Insolvenzverwalters (§ 13 InsVV)
- 1.120,00 €
- Auslagenpauschale, 15 % im ersten Jahr (§ 8 Abs. 3 InsVV)
- 168,00 €
- Umsatzsteuer 19 % (§ 7 InsVV)
- 244,72 €
- Treuhänder, 2 Jahre Mindestvergütung (§ 14 Abs. 3 InsVV)
- 280,00 €
- Umsatzsteuer 19 %
- 53,20 €
- Kosten des Verfahrens
- 1.985,92 €
Bleibt das Verfahren die ganzen 3 Jahre eröffnet, gibt es keinen Treuhänder, dafür steigt die Auslagenpauschale auf 30 %. Zusammen sind es dann 1.852,64 €. Dazu können Kosten für Zustellungen kommen.
Mit pfändbarem Einkommen
Wer genug abgibt, zahlt die Kosten nicht extra. Sie gehen von dem ab, was eingeht, und schmälern, was die Gläubiger bekommen. Reicht es nicht, wird der Rest gestundet. Wie viel die Kosten ausmachen, hängt vor allem davon ab, wie lange das Verfahren eröffnet bleibt: Was der Verwalter einzieht, ist Masse und kostet als Regel 40 %, was der Treuhänder einzieht, nur 5 %. Bei 2.200 € netto ohne Unterhaltspflicht gibst du in 3 Jahren 15.438 € ab. In der linken Spalte hebt das Gericht das Verfahren nach einem Jahr auf und der Treuhänder übernimmt, in der rechten bleibt es alle 3 Jahre eröffnet:
| Bei 2.200 € netto | 1 Jahr | 3 Jahre |
|---|---|---|
| Masse beim Verwalter | 5.146 € | 15.438 € |
| Gerichtsgebühren | 579 € | 1.032 € |
| Verwalter, 40 % der Masse | 2.058 € | 6.175 € |
| Auslagenpauschale | 309 € | 1.853 € |
| Treuhänder, 5 % | 515 € | – |
| Umsatzsteuer | 548 € | 1.525 € |
| Kosten zusammen | 4.008 € | 10.585 € |
| An die Gläubiger | 11.429 € | 4.853 € |
| Quote auf 35.000 € Schulden | 33 % | 14 % |
Spalten: Dauer des eröffneten Verfahrens. Regelsätze nach §§ 2, 8, 14 InsVV mit 19 % Umsatzsteuer, Gerichtsgebühren nach Nr. 2310 und 2320 KV GKG. Das Gericht kann die Vergütung des Verwalters senken, etwa bei überschaubaren Verhältnissen mit wenigen Gläubigern (§ 3 Abs. 2 InsVV), oder in schwierigen Fällen erhöhen.
Stundung: wenn du die Kosten nicht zahlen kannst
Reicht dein Vermögen nicht für die Kosten, stundet das Gericht sie dir auf Antrag bis zur Restschuldbefreiung (§ 4a InsO). Dem Antrag legst du eine Erklärung bei, ob du in den letzten fünf Jahren wegen einer Insolvenzstraftat zu mehr als 90 Tagessätzen oder mehr als drei Monaten Freiheitsstrafe verurteilt wurdest. Ist das so, gibt es keine Stundung. Gestundet werden auch die Kosten des Schuldenbereinigungsplans und der Treuhandphase. Das schützt dich doppelt: Ohne Stundung würde das Gericht den Antrag mangels Masse abweisen (§ 26 Abs. 1 InsO), und in der Treuhandphase könnte der Treuhänder die Versagung der Restschuldbefreiung beantragen, wenn seine Mindestvergütung nicht gedeckt ist (§ 298 InsO).
Erlassen werden die gestundeten Kosten mit der Restschuldbefreiung nicht. Kannst du sie danach nicht auf einmal zahlen, verlängert das Gericht die Stundung und setzt Monatsraten fest, berechnet wie bei der Prozesskostenhilfe, höchstens 48 Raten (§ 4b Abs. 1 InsO, § 115 ZPO). Bei 1.900 € netto aus Arbeit und 650 € Miete mit Heizung bleiben nach den Freibeträgen von 619 € und 282 € noch 349 €. Die Rate ist die Hälfte davon, abgerundet 174 €. Die 1.985,92 € aus dem Rechenweg wären nach 12 Raten bezahlt. Reicht dein Einkommen nicht, fallen keine Raten an. Ist das Verfahren seit 4 Jahren beendet, darf das Gericht nichts mehr zu deinem Nachteil ändern (§ 4b Abs. 2 InsO). Aufheben kann es die Stundung etwa, wenn du mit einer Rate schuldhaft länger als drei Monate im Rückstand bist (§ 4c InsO).
Stell den Antrag auf Stundung zusammen mit dem Insolvenzantrag. Bis das Gericht darüber entschieden hat, wirkt die Stundung schon vorläufig (§ 4a Abs. 3 InsO).
Was die Beratung kostet
Schuldnerberatungsstellen von Wohlfahrtsverbänden und Kommunen beraten in der Regel kostenlos. Gehst du zum Anwalt, hol dir beim Amtsgericht einen Beratungshilfeschein. Den bekommt, wer Prozesskostenhilfe ohne eigenen Beitrag bekäme (§ 1 Abs. 2 BerHG). Dann zahlst du dem Anwalt höchstens 15 €, die er dir auch erlassen kann (Nr. 2500 VV RVG). Für den Einigungsversuch bekommt er aus der Landeskasse je nach Zahl der Gläubiger 324 € bis 810 €, bei einer Einigung 180 € mehr (Nr. 2504 bis 2508 VV RVG). Was ein Anwalt ohne Beratungshilfe kostet, zeigt der Anwaltskosten-Rechner.
Was zur Insolvenzmasse gehört
Zur Masse gehört alles, was dir bei der Eröffnung gehört, und alles, was du während des Verfahrens dazubekommst (§ 35 InsO). Ausgenommen ist, was nicht gepfändet werden darf (§ 36 Abs. 1 InsO): der unpfändbare Teil deines Einkommens, Sachen für eine bescheidene Lebens- und Haushaltsführung und für die Arbeit, Trauringe und Haustiere (§ 811 ZPO). Gebrauchten Hausrat verwertet der Verwalter nicht, wenn ein Verkauf nur einen Bruchteil seines Werts brächte (§ 36 Abs. 3 InsO). Ersparnisse über dem Schutz des P-Kontos, Wertsachen, ein Zweitwagen und der Rückkaufswert einer Lebensversicherung gehören dagegen dazu. Im Rechner trägst du solche Werte als Vermögen ein.
Erbschaft und Schenkung
Erbst du, während das Verfahren eröffnet ist, fällt das Erbe ganz in die Masse. Ob du es annimmst oder ausschlägst, entscheidest aber allein du (§ 83 Abs. 1 InsO). In der Treuhandphase gibst du von einem Erbe oder einer Schenkung nur noch die Hälfte ab (§ 295 Satz 1 Nr. 2 InsO). Schlägst du dann ein Erbe aus oder verlangst deinen Pflichtteil nicht, verletzt du keine Pflicht, abgeben musst du nur, was du annimmst oder geltend machst (BGH, Beschluss vom 25. Juni 2009, IX ZB 196/08).
Laufende Pfändungen
Mit der Eröffnung werden Pfändungen unwirksam, die ein Gläubiger in den letzten 3 Monaten vor deinem Antrag oder danach erwirkt hat (§ 88 InsO). Während des Verfahrens darf kein einzelner Gläubiger vollstrecken (§ 89 InsO), in der Treuhandphase ebenso wenig (§ 294 Abs. 1 InsO). Ausnahme: Wegen Unterhalt und wegen einer vorsätzlichen unerlaubten Handlung darf weiter in den Teil des Lohns gepfändet werden, der anderen Gläubigern verschlossen ist (§ 89 Abs. 2 InsO).
Deine Pflichten in den drei Jahren
Solange das Verfahren eröffnet ist, musst du Gericht und Verwalter über alles Auskunft geben und mitarbeiten (§ 97 InsO) und dich um eine angemessene Arbeit bemühen (§ 287b InsO). Nach der Aufhebung gelten bis zum Ende der Frist die Obliegenheiten des § 295 InsO:
- Arbeiten: Du musst einer angemessenen Arbeit nachgehen oder dich nachweisbar darum bemühen und darfst keine zumutbare Stelle ablehnen.
- Erbschaft und Schenkung: Die Hälfte des Werts geht an den Treuhänder. Lotto- und andere Spielgewinne gehen voll an ihn, übliche Gelegenheitsgeschenke und kleine Gewinne nicht. Ob etwas ausgenommen ist, stellt das Gericht auf deinen Antrag fest.
- Melden: Umzug und Jobwechsel sofort anzeigen, kein Einkommen und kein Vermögen verheimlichen, auf Nachfrage Auskunft geben.
- Nur über den Treuhänder zahlen: Einzelne Gläubiger nebenbei zu bedienen, ist verboten.
- Keine unangemessenen neuen Schulden.
Versagen kann das Gericht die Restschuldbefreiung deswegen nur auf Antrag eines Gläubigers, nur wenn dich ein Verschulden trifft und die Verletzung die Gläubiger tatsächlich schlechter gestellt hat. Den Antrag muss der Gläubiger binnen eines Jahres stellen, nachdem er davon erfahren hat (§ 296 Abs. 1 InsO).
Was nicht erlassen wird
Die Restschuldbefreiung erfasst fast alle Schulden, auch solche von Gläubigern, die sich im Verfahren nicht gemeldet haben (§ 301 Abs. 1 InsO). Einige bleiben aber bestehen (§ 302 InsO):
- Schulden aus einer vorsätzlich begangenen unerlaubten Handlung, etwa Schadenersatz nach Betrug oder Körperverletzung, wenn der Gläubiger sie so angemeldet hat.
- Unterhaltsrückstände, die du vorsätzlich pflichtwidrig nicht gezahlt hast.
- Steuerschulden, wenn du wegen Steuerhinterziehung dazu rechtskräftig verurteilt wurdest.
- Geldstrafen und Bußgelder sowie zinslose Darlehen, mit denen du die Kosten des Verfahrens bezahlt hast.
Auf Antrag eines Gläubigers versagt das Gericht die Restschuldbefreiung unter anderem, wenn du in den letzten drei Jahren vor dem Antrag vorsätzlich oder grob fahrlässig schriftlich falsche Angaben gemacht hast, um einen Kredit oder Sozialleistungen zu bekommen, Vermögen verschwendet oder unangemessene Schulden gemacht hast, wenn deine Verzeichnisse vorsätzlich oder grob fahrlässig falsch oder unvollständig sind oder du in den letzten fünf Jahren wegen einer Insolvenzstraftat zu mehr als 90 Tagessätzen oder mehr als drei Monaten Freiheitsstrafe verurteilt wurdest (§ 290 Abs. 1 InsO).
Den Antrag muss der Gläubiger bis zum Schlusstermin schriftlich stellen und den Grund glaubhaft machen (§ 290 Abs. 2 InsO). Kommt ein solcher Grund erst später heraus, kann er die Versagung noch binnen sechs Monaten beantragen, nachdem er davon erfahren hat (§ 297a InsO).
Nach der Restschuldbefreiung: SCHUFA und Neustart
Die SCHUFA löscht den Eintrag über die Restschuldbefreiung nach eigener Angabe 6 Monate nach der Erteilung, Angaben zum Insolvenzverfahren 6 Monate nach dessen Ende. Bis März 2023 waren es 3 Jahre. Der Europäische Gerichtshof hat im Dezember 2023 entschieden, dass eine Auskunftei die Restschuldbefreiung nicht länger speichern darf als das amtliche Insolvenzportal (Urteil vom 7. Dezember 2023, C-26/22 und C-64/22). Dort verschwinden die Daten spätestens 6 Monate nach der Aufhebung des Verfahrens, die zur Restschuldbefreiung 6 Monate nach der rechtskräftigen Entscheidung (§ 3 InsoBekV). Eine Kopie deiner gespeicherten Daten bekommst du kostenlos (Art. 15 DSGVO), daran siehst du, ob die Löschung geklappt hat.
Ins Schuldnerverzeichnis bringt dich die Privatinsolvenz nicht. Eingetragen wird nur, wessen Antrag mangels Masse abgewiesen wurde oder wem das Gericht die Restschuldbefreiung versagt oder widerrufen hat (§§ 26, 303a InsO). Dieser Eintrag wird nach 3 Jahren gelöscht (§ 882e ZPO). Widerrufen kann das Gericht die Befreiung auf Antrag eines Gläubigers, etwa wenn sich nachträglich herausstellt, dass du eine Pflicht vorsätzlich verletzt und so die Gläubiger erheblich benachteiligt hast (§ 303 InsO).
Häufige Fragen
Darf ich mein Girokonto behalten?
Muss ich mein Auto abgeben?
Was passiert mit meiner Mietwohnung?
Haftet mein Ehepartner für meine Schulden?
Darf ich während der Insolvenz umziehen oder den Job wechseln?
Können Selbstständige in die Privatinsolvenz?
Geht es auch schneller als drei Jahre?
Was passiert mit meiner Altersvorsorge?
Brauche ich für die Privatinsolvenz einen Anwalt?
Was kann ich tun, wenn mir die Restschuldbefreiung versagt wird?
Quellen
- § 287 InsO: Antrag auf Restschuldbefreiung, Abtretungsfrist drei Jahre gesetze-im-internet.de
- § 287a InsO: Sperrfristen für einen neuen Antrag gesetze-im-internet.de
- § 295 InsO: Pflichten in der Treuhandphase gesetze-im-internet.de
- § 300 InsO: Entscheidung über die Restschuldbefreiung gesetze-im-internet.de
- § 302 InsO: Forderungen, die bestehen bleiben gesetze-im-internet.de
- § 305 InsO: Antrag und außergerichtlicher Einigungsversuch gesetze-im-internet.de
- §§ 4a bis 4d InsO: Stundung der Verfahrenskosten, Raten nach der Befreiung gesetze-im-internet.de
- Art. 103k EGInsO: Übergang von sechs auf drei Jahre gesetze-im-internet.de
- Gerichtskostengesetz, Kostenverzeichnis: Gebühren Nr. 2310 und 2320 im Insolvenzverfahren gesetze-im-internet.de
- Insolvenzrechtliche Vergütungsverordnung: Vergütung von Insolvenzverwalter und Treuhänder gesetze-im-internet.de
- RVG, Vergütungsverzeichnis: Beratungshilfe beim Einigungsversuch, Nr. 2500 bis 2508 gesetze-im-internet.de
- § 850c ZPO: Pfändungsgrenzen für Arbeitseinkommen gesetze-im-internet.de
- Pfändungsfreigrenzenbekanntmachung 2026: Beträge ab 1. Juli 2026 gesetze-im-internet.de
- SCHUFA: Wie lange speichert die SCHUFA personenbezogene Daten?: Löschfristen für Restschuldbefreiung und Insolvenzverfahren schufa.de
- SCHUFA: Restschuldbefreiung, kürzere Löschfrist: Entscheidung vom 28. März 2023: sechs Monate statt drei Jahre schufa.de
- EuGH, Urteil vom 7. Dezember 2023, C-26/22 und C-64/22: Pressemitteilung Nr. 186/23 zur Speicherdauer bei Auskunfteien curia.europa.eu
- BGH, Beschluss vom 25. Juni 2009, IX ZB 196/08: Ausschlagung und Pflichtteilsverzicht in der Treuhandphase (Bericht Rechtslupe) rechtslupe.de