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Privatinsolvenz-Rechner 2026

In der Privatinsolvenz gibst du 3 Jahre lang den pfändbaren Teil deines Einkommens ab. Danach erlässt das Gericht die restlichen Schulden. Bei 2.200 € netto ohne Unterhaltspflicht sind das 428,82 € im Monat, zusammen 15.438 €. Daraus werden zuerst die Kosten des Verfahrens bezahlt. Wer nichts abgeben kann, bekommt die Kosten gestundet und wird trotzdem schuldenfrei.

Stand: So werden die Rechner geprüft

Privatinsolvenz-Rechner

Pfändbar im Monat

428,82 €

Freibetrag 1.587,40 € · Abtretungsfrist 3 Jahre

Du behältst 1.771,18 € im Monat, 428,82 € gehen an den Treuhänder. In 3 Jahren sind das 15.438 €. Den Rest von rund 19.562 € erlässt das Gericht mit der Restschuldbefreiung.

In 3 Jahren
15.438 €
Gedeckt
44 %
Erlassen
19.562 €

So kommt die Zahl zustande

Pfändbar im Monat nach § 850c ZPO428,82 €
× 36 Monate15.438 €
= an den Treuhänder15.438 €
Schulden35.000 €
= erlassen mit der Restschuldbefreiung19.562 €

Aus dem Geld beim Treuhänder werden zuerst die Kosten des Verfahrens bezahlt, erst der Rest geht an die Gläubiger. Geldstrafen, Schulden aus vorsätzlich unerlaubter Handlung und bewusst nicht gezahlter Unterhalt bleiben bestehen (§ 302 InsO).

Unterhalt zählt: Zahlst du jemandem gesetzlichen Unterhalt, etwa einem Kind, steigt dein Freibetrag um 597,42 € für die erste und 332,83 € für jede weitere Person. Stell das im Rechner ein.

Auf dieser Seite
  1. Privatinsolvenz in Zahlen
  2. Ablauf in sechs Schritten
  3. Drei Jahre und andere Fristen
  4. Was du abgeben musst
  5. Kosten und Stundung
  6. Was zur Insolvenzmasse gehört
  7. Deine Pflichten
  8. Was nicht erlassen wird
  9. Nach der Befreiung
  10. Häufige Fragen
  11. Quellen

Privatinsolvenz 2026 in Zahlen

Eckwert2026Grundlage
Abtretungsfrist bis zur Restschuldbefreiung3 Jahre§ 287 Abs. 2 InsO
Freibetrag im Monat ohne Unterhaltspflicht, seit 1. Juli 20261.587,40 €§ 850c ZPO
Gerichtsgebühren, 3,0 Gebühren nach der Masse, mindestens120 €Nr. 2310, 2320 KV GKG
Mindestvergütung des Insolvenzverwalters, wenn die Beratungsstelle die Verzeichnisse erstellt hat1.120 €§ 13 InsVV
Mindestvergütung des Treuhänders je Jahr140 €§ 14 Abs. 3 InsVV
Gestundete Kosten nach der Befreiung, Raten höchstens48§ 4b InsO, § 115 ZPO
Anwalt mit Beratungshilfeschein, dein Anteil15 €Nr. 2500 VV RVG
SCHUFA löscht die Restschuldbefreiung nach6 MonatenSCHUFA

Der Rechner oben ist ein Insolvenzrechner für Privatleute: Er bestimmt aus deinem Netto nach der Pfändungstabelle, was pfändbar ist, und rechnet das auf die 3 Jahre hoch. Die Kosten des Verfahrens zeigt er nicht, sie stehen weiter unten Schritt für Schritt.

Ablauf der Privatinsolvenz in sechs Schritten

  1. Beratung und EinigungsversuchZuerst forderst du bei deinen Gläubigern eine Aufstellung ihrer Forderungen an. Weist du dabei auf den geplanten Insolvenzantrag hin, müssen sie dir die auf eigene Kosten schicken (§ 305 Abs. 2 InsO). Mit einer anerkannten Schuldnerberatungsstelle oder einem Anwalt machst du dann einen Plan und schickst ihn allen Gläubigern. Scheitert die Einigung, bekommst du eine Bescheinigung. Sie darf beim Antrag höchstens 6 Monate alt sein (§ 305 Abs. 1 Nr. 1 InsO). Als gescheitert gilt der Versuch auch, wenn ein Gläubiger während der Verhandlungen vollstreckt (§ 305a InsO).
  2. Antrag beim InsolvenzgerichtZuständig ist in der Regel das Amtsgericht am Sitz des Landgerichts, in dessen Bezirk du wohnst (§§ 2, 3 InsO). Auf den amtlichen Formularen reichst du die Bescheinigung ein, den Antrag auf Restschuldbefreiung mit der Abtretung deines pfändbaren Einkommens (§ 287 InsO), Verzeichnisse über Vermögen, Einkommen, Gläubiger und Forderungen, einen Schuldenbereinigungsplan und meist den Antrag auf Stundung der Kosten. Fehlt etwas, fordert dich das Gericht zum Ergänzen auf. Tust du das nicht binnen eines Monats, gilt der Antrag als zurückgenommen (§ 305 Abs. 3 InsO).
  3. Gerichtlicher SchuldenbereinigungsplanHält das Gericht eine Einigung noch für möglich, stellt es deinen Plan den Gläubigern zu. Wer sich nicht innerhalb eines Monats äußert, hat zugestimmt (§ 307 InsO). Haben mehr als die Hälfte der Gläubiger zugestimmt und stehen hinter ihnen mehr als die Hälfte der Forderungen, kann das Gericht auf Antrag fehlende Zustimmungen ersetzen, wenn der widersprechende Gläubiger angemessen beteiligt ist und nicht schlechter steht als im Insolvenzverfahren (§ 309 InsO). Ein angenommener Plan wirkt wie ein Vergleich, das Insolvenzverfahren entfällt (§ 308 InsO). Hält das Gericht den Plan für aussichtslos, überspringt es diesen Schritt (§ 306 Abs. 1 InsO).
  4. EröffnungDas Gericht eröffnet das Verfahren und bestellt einen Insolvenzverwalter. Die Eröffnung wird im Internet auf insolvenzbekanntmachungen.de veröffentlicht (§ 9 InsO). Ab jetzt laufen die 3 Jahre. Die Gläubiger melden ihre Forderungen beim Verwalter an.
  5. Aufhebung und TreuhandphaseDer Verwalter verwertet, was pfändbar ist, und zieht den pfändbaren Teil deines Lohns ein. Ist alles andere verwertet, kann das Gericht das Verfahren trotz laufenden Einkommens aufheben (§ 196 Abs. 1 InsO). Bis zum Ende der Frist zieht dann ein Treuhänder dein pfändbares Einkommen ein, oft dieselbe Person, und verteilt es einmal im Jahr an die Gläubiger (§§ 288, 292 InsO). Diese Zeit heißt auch Wohlverhaltensphase.
  6. RestschuldbefreiungNach Ablauf der 3 Jahre hört das Gericht Gläubiger, Treuhänder und dich an und erteilt die Restschuldbefreiung, wenn niemand mit Erfolg die Versagung beantragt (§ 300 InsO). Von da an können die Gläubiger die erlassenen Schulden nicht mehr eintreiben.

Privatinsolvenz in 3 Jahren: Fristen im Überblick

Die 3 Jahre sind die Abtretungsfrist. Sie beginnt mit der Eröffnung des Verfahrens, nicht mit deinem Antrag (§ 287 Abs. 2 InsO). Die Zeit für Beratung und Einigungsversuch und die Prüfung des Antrags kommen also dazu. Nach Ablauf der Frist entscheidet das Gericht, die Restschuldbefreiung gilt dann rückwirkend als mit dem Ende der Frist erteilt (§ 300 Abs. 1 InsO). Die Dauer hängt nicht davon ab, wie viel du zahlst: Auch wer nichts abgeben kann, bekommt die Restschuldbefreiung nach 3 Jahren.

WasFrist
Bescheinigung über den gescheiterten Einigungsversuchhöchstens 6 Monate alt (§ 305 Abs. 1 Nr. 1 InsO)
Fehlende Angaben im Antrag nachreicheneinen Monat, sonst gilt der Antrag als zurückgenommen (§ 305 Abs. 3 InsO)
Stellungnahme der Gläubiger zum gerichtlichen Schuldenbereinigungsplaneinen Monat, Schweigen gilt als Zustimmung (§ 307 InsO)
Abtretungsfrist ab der Eröffnung3 Jahre, im zweiten Verfahren 5 (§ 287 Abs. 2 InsO)
Versagungsantrag eines Gläubigers wegen einer verletzten Pflichtein Jahr, nachdem er davon erfahren hat (§ 296 Abs. 1 InsO)
Antrag auf Widerruf der Restschuldbefreiungein Jahr nach Rechtskraft (§ 303 Abs. 2 InsO)
Neues Verfahren mit Restschuldbefreiungfrühestens 11 Jahre nach der letzten (§ 287a Abs. 2 InsO)

Drei Jahre gelten für alle Anträge seit dem 1. Oktober 2020. Vorher waren es 6 Jahre. Für Anträge zwischen dem 17. Dezember 2019 und dem 30. September 2020 verkürzt sich die Frist um jeden vollen Monat seit dem 16. Juli 2019, sie liegt zwischen fünf Jahren und sieben Monaten und vier Jahren und zehn Monaten (Art. 103k EGInsO). Die 5 Jahre für ein zweites Verfahren gelten nur, wenn die erste Restschuldbefreiung auf einen Antrag nach dem 30. September 2020 zurückgeht (§ 287 Abs. 2 Satz 2 InsO).

Was du abgeben musst

Was pfändbar ist, steht in der Pfändungstabelle zu § 850c ZPO. Ohne Unterhaltspflicht bleiben 1.587,40 € im Monat frei, für die erste Person, der du Unterhalt zahlst, kommen 597,42 € dazu, für jede weitere 332,83 €. Vom Betrag darüber ist nur ein Teil pfändbar, ohne Unterhaltspflicht sieben Zehntel. Alle Stufen und Sonderfälle stehen beim Pfändungsfreigrenzen-Rechner.

Netto im Monatohne Unterhalt1 Person2 Personen
1.600 €8,82 €318 € in 3 Jahren0,00 €0 € in 3 Jahren0,00 €0 € in 3 Jahren
1.800 €148,82 €5.358 € in 3 Jahren0,00 €0 € in 3 Jahren0,00 €0 € in 3 Jahren
2.000 €288,82 €10.398 € in 3 Jahren0,00 €0 € in 3 Jahren0,00 €0 € in 3 Jahren
2.200 €428,82 €15.438 € in 3 Jahren7,59 €273 € in 3 Jahren0,00 €0 € in 3 Jahren
2.500 €638,82 €22.998 € in 3 Jahren157,59 €5.673 € in 3 Jahren0,00 €0 € in 3 Jahren
3.000 €988,82 €35.598 € in 3 Jahren407,59 €14.673 € in 3 Jahren192,94 €6.946 € in 3 Jahren
3.500 €1.338,82 €48.198 € in 3 Jahren657,59 €23.673 € in 3 Jahren392,94 €14.146 € in 3 Jahren
4.000 €1.688,82 €60.798 € in 3 Jahren907,59 €32.673 € in 3 Jahren592,94 €21.346 € in 3 Jahren

Pfändbar im Monat nach der Tabelle ab 1. Juli 2026. Die Freibeträge steigen jedes Jahr zum 1. Juli mit dem Grundfreibetrag der Einkommensteuer, der pfändbare Teil sinkt dann leicht.

Nicht alles zählt zum Einkommen. Die Hälfte der Vergütung für Überstunden, übliches Urlaubsgeld und Weihnachtsgeld bis 795,00 € bleiben unpfändbar (§ 850a ZPO). Kindergeld gehört ohnehin nicht zum Lohn, Grundsicherungsgeld ist gar nicht pfändbar (§ 42 Abs. 4 SGB II). Verdient dein Partner selbst, kann das Insolvenzgericht auf Antrag bestimmen, dass er bei den Unterhaltspflichten ganz oder teilweise nicht mitzählt (§ 850c Abs. 6 ZPO).

Was du abgibst, geht nicht eins zu eins an die Gläubiger. Zuerst werden die Kosten des Verfahrens bezahlt (§§ 53, 292 InsO), erst der Rest wird verteilt. Der Anteil „Gedeckt“ im Rechner ist deshalb eine Obergrenze. Wie viel die Kosten wegnehmen, zeigt der nächste Abschnitt.

Kosten der Privatinsolvenz: Rechenweg und Stundung

Kosten des Verfahrens sind die Gerichtsgebühren und die Vergütung samt Auslagen von Insolvenzverwalter und Treuhänder (§§ 54, 293 InsO). Das Gericht berechnet 0,5 und 2,5 Gebühren nach dem Wert der Insolvenzmasse am Ende des Verfahrens (Nr. 2310 und 2320 KV GKG, § 58 Abs. 1 GKG). Der Verwalter bekommt als Regel 40 % der ersten 35.000 € Masse, mindestens 1.400 €. Hat eine Beratungsstelle oder ein Anwalt deine Verzeichnisse erstellt, sinkt die Mindestvergütung auf 1.120 € (§§ 2, 13 InsVV). Bei mehr als 10 Gläubigern steigt sie um 210 € je angefangene fünf, ab 31 Gläubigern um 140 €. Der Treuhänder bekommt 5 % dessen, was bei ihm eingeht, mindestens 140 € je Jahr (§ 14 InsVV). Auf beide Vergütungen kommt Umsatzsteuer.

Ohne pfändbares Einkommen

Rechenweg Kosten eines Verfahrens ohne pfändbares Einkommen

Kein Vermögen, nichts pfändbar, höchstens 10 Gläubiger, die Verzeichnisse hat die Beratungsstelle erstellt. Das Verfahren wird nach einem Jahr aufgehoben, danach ist 2 Jahre lang der Treuhänder zuständig.

Gerichtsgebühren, 0,5 und 2,5 Gebühren (Nr. 2310, 2320 KV GKG)
120,00 €
Mindestvergütung des Insolvenzverwalters (§ 13 InsVV)
1.120,00 €
Auslagenpauschale, 15 % im ersten Jahr (§ 8 Abs. 3 InsVV)
168,00 €
Umsatzsteuer 19 % (§ 7 InsVV)
244,72 €
Treuhänder, 2 Jahre Mindestvergütung (§ 14 Abs. 3 InsVV)
280,00 €
Umsatzsteuer 19 %
53,20 €
Kosten des Verfahrens
1.985,92 €

Bleibt das Verfahren die ganzen 3 Jahre eröffnet, gibt es keinen Treuhänder, dafür steigt die Auslagenpauschale auf 30 %. Zusammen sind es dann 1.852,64 €. Dazu können Kosten für Zustellungen kommen.

Mit pfändbarem Einkommen

Wer genug abgibt, zahlt die Kosten nicht extra. Sie gehen von dem ab, was eingeht, und schmälern, was die Gläubiger bekommen. Reicht es nicht, wird der Rest gestundet. Wie viel die Kosten ausmachen, hängt vor allem davon ab, wie lange das Verfahren eröffnet bleibt: Was der Verwalter einzieht, ist Masse und kostet als Regel 40 %, was der Treuhänder einzieht, nur 5 %. Bei 2.200 € netto ohne Unterhaltspflicht gibst du in 3 Jahren 15.438 € ab. In der linken Spalte hebt das Gericht das Verfahren nach einem Jahr auf und der Treuhänder übernimmt, in der rechten bleibt es alle 3 Jahre eröffnet:

Bei 2.200 € netto1 Jahr3 Jahre
Masse beim Verwalter5.146 €15.438 €
Gerichtsgebühren579 €1.032 €
Verwalter, 40 % der Masse2.058 €6.175 €
Auslagenpauschale309 €1.853 €
Treuhänder, 5 %515 €–
Umsatzsteuer548 €1.525 €
Kosten zusammen4.008 €10.585 €
An die Gläubiger11.429 €4.853 €
Quote auf 35.000 € Schulden33 %14 %

Spalten: Dauer des eröffneten Verfahrens. Regelsätze nach §§ 2, 8, 14 InsVV mit 19 % Umsatzsteuer, Gerichtsgebühren nach Nr. 2310 und 2320 KV GKG. Das Gericht kann die Vergütung des Verwalters senken, etwa bei überschaubaren Verhältnissen mit wenigen Gläubigern (§ 3 Abs. 2 InsVV), oder in schwierigen Fällen erhöhen.

Stundung: wenn du die Kosten nicht zahlen kannst

Reicht dein Vermögen nicht für die Kosten, stundet das Gericht sie dir auf Antrag bis zur Restschuldbefreiung (§ 4a InsO). Dem Antrag legst du eine Erklärung bei, ob du in den letzten fünf Jahren wegen einer Insolvenzstraftat zu mehr als 90 Tagessätzen oder mehr als drei Monaten Freiheitsstrafe verurteilt wurdest. Ist das so, gibt es keine Stundung. Gestundet werden auch die Kosten des Schuldenbereinigungsplans und der Treuhandphase. Das schützt dich doppelt: Ohne Stundung würde das Gericht den Antrag mangels Masse abweisen (§ 26 Abs. 1 InsO), und in der Treuhandphase könnte der Treuhänder die Versagung der Restschuldbefreiung beantragen, wenn seine Mindestvergütung nicht gedeckt ist (§ 298 InsO).

Erlassen werden die gestundeten Kosten mit der Restschuldbefreiung nicht. Kannst du sie danach nicht auf einmal zahlen, verlängert das Gericht die Stundung und setzt Monatsraten fest, berechnet wie bei der Prozesskostenhilfe, höchstens 48 Raten (§ 4b Abs. 1 InsO, § 115 ZPO). Bei 1.900 € netto aus Arbeit und 650 € Miete mit Heizung bleiben nach den Freibeträgen von 619 € und 282 € noch 349 €. Die Rate ist die Hälfte davon, abgerundet 174 €. Die 1.985,92 € aus dem Rechenweg wären nach 12 Raten bezahlt. Reicht dein Einkommen nicht, fallen keine Raten an. Ist das Verfahren seit 4 Jahren beendet, darf das Gericht nichts mehr zu deinem Nachteil ändern (§ 4b Abs. 2 InsO). Aufheben kann es die Stundung etwa, wenn du mit einer Rate schuldhaft länger als drei Monate im Rückstand bist (§ 4c InsO).

Stundung gleich mitbeantragen

Stell den Antrag auf Stundung zusammen mit dem Insolvenzantrag. Bis das Gericht darüber entschieden hat, wirkt die Stundung schon vorläufig (§ 4a Abs. 3 InsO).

Was die Beratung kostet

Schuldnerberatungsstellen von Wohlfahrtsverbänden und Kommunen beraten in der Regel kostenlos. Gehst du zum Anwalt, hol dir beim Amtsgericht einen Beratungshilfeschein. Den bekommt, wer Prozesskostenhilfe ohne eigenen Beitrag bekäme (§ 1 Abs. 2 BerHG). Dann zahlst du dem Anwalt höchstens 15 €, die er dir auch erlassen kann (Nr. 2500 VV RVG). Für den Einigungsversuch bekommt er aus der Landeskasse je nach Zahl der Gläubiger 324 € bis 810 €, bei einer Einigung 180 € mehr (Nr. 2504 bis 2508 VV RVG). Was ein Anwalt ohne Beratungshilfe kostet, zeigt der Anwaltskosten-Rechner.

Was zur Insolvenzmasse gehört

Zur Masse gehört alles, was dir bei der Eröffnung gehört, und alles, was du während des Verfahrens dazubekommst (§ 35 InsO). Ausgenommen ist, was nicht gepfändet werden darf (§ 36 Abs. 1 InsO): der unpfändbare Teil deines Einkommens, Sachen für eine bescheidene Lebens- und Haushaltsführung und für die Arbeit, Trauringe und Haustiere (§ 811 ZPO). Gebrauchten Hausrat verwertet der Verwalter nicht, wenn ein Verkauf nur einen Bruchteil seines Werts brächte (§ 36 Abs. 3 InsO). Ersparnisse über dem Schutz des P-Kontos, Wertsachen, ein Zweitwagen und der Rückkaufswert einer Lebensversicherung gehören dagegen dazu. Im Rechner trägst du solche Werte als Vermögen ein.

Erbschaft und Schenkung

Erbst du, während das Verfahren eröffnet ist, fällt das Erbe ganz in die Masse. Ob du es annimmst oder ausschlägst, entscheidest aber allein du (§ 83 Abs. 1 InsO). In der Treuhandphase gibst du von einem Erbe oder einer Schenkung nur noch die Hälfte ab (§ 295 Satz 1 Nr. 2 InsO). Schlägst du dann ein Erbe aus oder verlangst deinen Pflichtteil nicht, verletzt du keine Pflicht, abgeben musst du nur, was du annimmst oder geltend machst (BGH, Beschluss vom 25. Juni 2009, IX ZB 196/08).

Laufende Pfändungen

Mit der Eröffnung werden Pfändungen unwirksam, die ein Gläubiger in den letzten 3 Monaten vor deinem Antrag oder danach erwirkt hat (§ 88 InsO). Während des Verfahrens darf kein einzelner Gläubiger vollstrecken (§ 89 InsO), in der Treuhandphase ebenso wenig (§ 294 Abs. 1 InsO). Ausnahme: Wegen Unterhalt und wegen einer vorsätzlichen unerlaubten Handlung darf weiter in den Teil des Lohns gepfändet werden, der anderen Gläubigern verschlossen ist (§ 89 Abs. 2 InsO).

Deine Pflichten in den drei Jahren

Solange das Verfahren eröffnet ist, musst du Gericht und Verwalter über alles Auskunft geben und mitarbeiten (§ 97 InsO) und dich um eine angemessene Arbeit bemühen (§ 287b InsO). Nach der Aufhebung gelten bis zum Ende der Frist die Obliegenheiten des § 295 InsO:

  • Arbeiten: Du musst einer angemessenen Arbeit nachgehen oder dich nachweisbar darum bemühen und darfst keine zumutbare Stelle ablehnen.
  • Erbschaft und Schenkung: Die Hälfte des Werts geht an den Treuhänder. Lotto- und andere Spielgewinne gehen voll an ihn, übliche Gelegenheitsgeschenke und kleine Gewinne nicht. Ob etwas ausgenommen ist, stellt das Gericht auf deinen Antrag fest.
  • Melden: Umzug und Jobwechsel sofort anzeigen, kein Einkommen und kein Vermögen verheimlichen, auf Nachfrage Auskunft geben.
  • Nur über den Treuhänder zahlen: Einzelne Gläubiger nebenbei zu bedienen, ist verboten.
  • Keine unangemessenen neuen Schulden.

Versagen kann das Gericht die Restschuldbefreiung deswegen nur auf Antrag eines Gläubigers, nur wenn dich ein Verschulden trifft und die Verletzung die Gläubiger tatsächlich schlechter gestellt hat. Den Antrag muss der Gläubiger binnen eines Jahres stellen, nachdem er davon erfahren hat (§ 296 Abs. 1 InsO).

Was nicht erlassen wird

Die Restschuldbefreiung erfasst fast alle Schulden, auch solche von Gläubigern, die sich im Verfahren nicht gemeldet haben (§ 301 Abs. 1 InsO). Einige bleiben aber bestehen (§ 302 InsO):

  • Schulden aus einer vorsätzlich begangenen unerlaubten Handlung, etwa Schadenersatz nach Betrug oder Körperverletzung, wenn der Gläubiger sie so angemeldet hat.
  • Unterhaltsrückstände, die du vorsätzlich pflichtwidrig nicht gezahlt hast.
  • Steuerschulden, wenn du wegen Steuerhinterziehung dazu rechtskräftig verurteilt wurdest.
  • Geldstrafen und Bußgelder sowie zinslose Darlehen, mit denen du die Kosten des Verfahrens bezahlt hast.
Gründe, die Befreiung zu versagen

Auf Antrag eines Gläubigers versagt das Gericht die Restschuldbefreiung unter anderem, wenn du in den letzten drei Jahren vor dem Antrag vorsätzlich oder grob fahrlässig schriftlich falsche Angaben gemacht hast, um einen Kredit oder Sozialleistungen zu bekommen, Vermögen verschwendet oder unangemessene Schulden gemacht hast, wenn deine Verzeichnisse vorsätzlich oder grob fahrlässig falsch oder unvollständig sind oder du in den letzten fünf Jahren wegen einer Insolvenzstraftat zu mehr als 90 Tagessätzen oder mehr als drei Monaten Freiheitsstrafe verurteilt wurdest (§ 290 Abs. 1 InsO).

Den Antrag muss der Gläubiger bis zum Schlusstermin schriftlich stellen und den Grund glaubhaft machen (§ 290 Abs. 2 InsO). Kommt ein solcher Grund erst später heraus, kann er die Versagung noch binnen sechs Monaten beantragen, nachdem er davon erfahren hat (§ 297a InsO).

Nach der Restschuldbefreiung: SCHUFA und Neustart

Die SCHUFA löscht den Eintrag über die Restschuldbefreiung nach eigener Angabe 6 Monate nach der Erteilung, Angaben zum Insolvenzverfahren 6 Monate nach dessen Ende. Bis März 2023 waren es 3 Jahre. Der Europäische Gerichtshof hat im Dezember 2023 entschieden, dass eine Auskunftei die Restschuldbefreiung nicht länger speichern darf als das amtliche Insolvenzportal (Urteil vom 7. Dezember 2023, C-26/22 und C-64/22). Dort verschwinden die Daten spätestens 6 Monate nach der Aufhebung des Verfahrens, die zur Restschuldbefreiung 6 Monate nach der rechtskräftigen Entscheidung (§ 3 InsoBekV). Eine Kopie deiner gespeicherten Daten bekommst du kostenlos (Art. 15 DSGVO), daran siehst du, ob die Löschung geklappt hat.

Ins Schuldnerverzeichnis bringt dich die Privatinsolvenz nicht. Eingetragen wird nur, wessen Antrag mangels Masse abgewiesen wurde oder wem das Gericht die Restschuldbefreiung versagt oder widerrufen hat (§§ 26, 303a InsO). Dieser Eintrag wird nach 3 Jahren gelöscht (§ 882e ZPO). Widerrufen kann das Gericht die Befreiung auf Antrag eines Gläubigers, etwa wenn sich nachträglich herausstellt, dass du eine Pflicht vorsätzlich verletzt und so die Gläubiger erheblich benachteiligt hast (§ 303 InsO).

Häufige Fragen

Darf ich mein Girokonto behalten?
Ja. Du kannst jederzeit verlangen, dass deine Bank dein Konto als Pfändungsschutzkonto führt, auch wenn es im Minus ist (§ 850k ZPO). Auf dem P-Konto bleiben im Monat 1.590 € geschützt, mit Unterhaltspflichten und einer Bescheinigung mehr. Über dieses Guthaben verfügst du auch im Insolvenzverfahren selbst, der Verwalter muss es nicht freigeben (§ 36 Abs. 1 InsO). Mehr dazu im Pfändungsrechner.
Muss ich mein Auto abgeben?
Nicht, wenn du oder jemand aus deinem Haushalt es für die Arbeit braucht, etwa weil der Arbeitsplatz sonst nicht erreichbar ist, oder wenn es aus gesundheitlichen Gründen nötig ist (§ 811 Abs. 1 Nr. 1 b und c ZPO). Ein wertvolles Auto kann trotzdem verwertet werden, wenn du dafür ein einfacheres Fahrzeug oder das Geld dafür bekommst (§ 811a ZPO). Ein Zweitwagen oder ein Auto, das niemand aus diesen Gründen braucht, gehört zur Masse.
Was passiert mit meiner Mietwohnung?
Kündigen darf der Insolvenzverwalter deine Wohnung nicht. Er kann nur erklären, dass Mieten, die nach Ablauf von drei Monaten zum Monatsende fällig werden, nicht mehr im Insolvenzverfahren geltend gemacht werden können (§ 109 Abs. 1 Satz 2 InsO). Das Mietverhältnis läuft weiter, die Miete zahlst du aus dem Teil deines Einkommens, der dir bleibt. Wegen Rückständen aus der Zeit vor dem Insolvenzantrag oder wegen deiner schlechten finanziellen Lage darf dir der Vermieter nach dem Antrag nicht kündigen (§ 112 InsO). Für neue Rückstände gilt dieser Schutz nicht.
Haftet mein Ehepartner für meine Schulden?
Nur für Schulden, für die er selbst unterschrieben hat, etwa als Mitkreditnehmer oder Bürge. Diese Haftung bleibt bestehen, auch wenn du die Restschuldbefreiung bekommst (§ 301 Abs. 2 InsO). Der Gläubiger kann sich dann an deinen Partner halten. Dessen Einkommen und Vermögen gehören nicht zu deiner Insolvenzmasse.
Darf ich während der Insolvenz umziehen oder den Job wechseln?
Ja, aber du musst jeden Wechsel von Wohnung oder Arbeitsstelle sofort dem Gericht und dem Treuhänder melden (§ 295 Satz 1 Nr. 3 InsO). Wer das verschweigt, riskiert die Restschuldbefreiung.
Können Selbstständige in die Privatinsolvenz?
Wer noch selbstständig ist, kommt in das reguläre Insolvenzverfahren. Ehemalige Selbstständige können die Verbraucherinsolvenz nutzen, wenn sie weniger als 20 Gläubiger haben und keine Schulden aus Arbeitsverhältnissen, etwa offene Löhne früherer Angestellter (§ 304 InsO). Restschuldbefreiung gibt es in beiden Verfahren. Selbstständige zahlen in der Treuhandphase so viel, wie sie aus einer angemessenen Anstellung abgeben müssten, jeweils bis zum 31. Januar des Folgejahres (§ 295a InsO).
Geht es auch schneller als drei Jahre?
Nur, wenn alle Gläubiger ihr Geld bekommen haben oder keiner eine Forderung angemeldet hat und die Kosten des Verfahrens bezahlt sind. Dann entscheidet das Gericht auf Antrag vorher (§ 300 Abs. 2 InsO). Eine Abkürzung gegen eine Mindestquote, wie es sie früher gab, ist entfallen.
Was passiert mit meiner Altersvorsorge?
Riester-Verträge sind geschützt: Das geförderte Vermögen ist nicht übertragbar (§ 97 EStG) und deshalb nicht pfändbar (§ 851 ZPO). Eine private Rentenversicherung darf nur wie Arbeitseinkommen gepfändet werden, wenn sie eine lebenslange Rente frühestens ab 60 zahlt, keine Kapitalauszahlung vorsieht, außer Hinterbliebenen niemand begünstigt ist und du über den Vertrag nicht verfügen darfst (§ 851c Abs. 1 ZPO). Was du dafür anspart, ist geschützt, bis zum 27. Geburtstag bis 6.000 € im Jahr, danach bis 7.000 €, insgesamt bis 340.000 € (§ 851c Abs. 2 ZPO). Eine gewöhnliche Kapitallebensversicherung gehört dagegen mit ihrem Rückkaufswert zur Masse.
Brauche ich für die Privatinsolvenz einen Anwalt?
Nein. Die Bescheinigung über den Einigungsversuch kann auch eine anerkannte Schuldnerberatungsstelle ausstellen, welche Stellen geeignet sind, bestimmen die Länder (§ 305 Abs. 1 Nr. 1 InsO). Vor dem Insolvenzgericht darf dich die Beratungsstelle vertreten (§ 305 Abs. 4 InsO), den Antrag stellst du auf den amtlichen Formularen (§ 305 Abs. 5 InsO). Einen Anwalt ordnet dir das Gericht bei gestundeten Kosten nur bei, wenn er trotz der Fürsorge des Gerichts erforderlich erscheint (§ 4a Abs. 2 InsO).
Was kann ich tun, wenn mir die Restschuldbefreiung versagt wird?
Gegen die Versagung kannst du sofortige Beschwerde einlegen (etwa § 290 Abs. 3, § 300 Abs. 4 InsO), beim Insolvenzgericht und binnen einer Notfrist von zwei Wochen, nachdem der Beschluss verkündet oder dir zugestellt wurde (§ 6 InsO, § 569 Abs. 1 ZPO). Bleibt es bei der Versagung, ordnet das Gericht in den meisten Fällen deinen Eintrag ins Schuldnerverzeichnis an (§ 303a InsO). Ob und wann ein neuer Antrag möglich ist, hängt vom Grund ab: nach falschen Angaben in den Verzeichnissen, verletzten Mitwirkungspflichten oder verletzten Pflichten in der Treuhandphase erst nach 3 Jahren, nach einer Verurteilung wegen einer Insolvenzstraftat während des Verfahrens (§ 297 InsO) erst nach 5 Jahren (§ 287a Abs. 2 InsO).

Quellen

  1. § 287 InsO: Antrag auf Restschuldbefreiung, Abtretungsfrist drei Jahre gesetze-im-internet.de
  2. § 287a InsO: Sperrfristen für einen neuen Antrag gesetze-im-internet.de
  3. § 295 InsO: Pflichten in der Treuhandphase gesetze-im-internet.de
  4. § 300 InsO: Entscheidung über die Restschuldbefreiung gesetze-im-internet.de
  5. § 302 InsO: Forderungen, die bestehen bleiben gesetze-im-internet.de
  6. § 305 InsO: Antrag und außergerichtlicher Einigungsversuch gesetze-im-internet.de
  7. §§ 4a bis 4d InsO: Stundung der Verfahrenskosten, Raten nach der Befreiung gesetze-im-internet.de
  8. Art. 103k EGInsO: Übergang von sechs auf drei Jahre gesetze-im-internet.de
  9. Gerichtskostengesetz, Kostenverzeichnis: Gebühren Nr. 2310 und 2320 im Insolvenzverfahren gesetze-im-internet.de
  10. Insolvenzrechtliche Vergütungsverordnung: Vergütung von Insolvenzverwalter und Treuhänder gesetze-im-internet.de
  11. RVG, Vergütungsverzeichnis: Beratungshilfe beim Einigungsversuch, Nr. 2500 bis 2508 gesetze-im-internet.de
  12. § 850c ZPO: Pfändungsgrenzen für Arbeitseinkommen gesetze-im-internet.de
  13. Pfändungsfreigrenzenbekanntmachung 2026: Beträge ab 1. Juli 2026 gesetze-im-internet.de
  14. SCHUFA: Wie lange speichert die SCHUFA personenbezogene Daten?: Löschfristen für Restschuldbefreiung und Insolvenzverfahren schufa.de
  15. SCHUFA: Restschuldbefreiung, kürzere Löschfrist: Entscheidung vom 28. März 2023: sechs Monate statt drei Jahre schufa.de
  16. EuGH, Urteil vom 7. Dezember 2023, C-26/22 und C-64/22: Pressemitteilung Nr. 186/23 zur Speicherdauer bei Auskunfteien curia.europa.eu
  17. BGH, Beschluss vom 25. Juni 2009, IX ZB 196/08: Ausschlagung und Pflichtteilsverzicht in der Treuhandphase (Bericht Rechtslupe) rechtslupe.de

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