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Insolvenzgeld-Rechner 2026

Insolvenzgeld ist dein Nettolohn für die letzten drei Monate vor dem Insolvenzereignis, gerechnet aus höchstens 8.450 € brutto im Monat. Bei 3.500 € brutto in Steuerklasse I ohne Kind sind das 2.333,25 € im Monat, für drei Monate 6.999,75 €. Beantragen musst du es innerhalb von zwei Monaten nach dem Insolvenzereignis, meist ist das der Tag, an dem das Gericht das Verfahren eröffnet.

Stand: So werden die Rechner geprüft

Insolvenzgeld-Rechner

Insolvenzgeld für 3 Monate

7.000 €

2.333 € pro Monat

Das Insolvenzgeld ersetzt deinen Nettolohn: 2.333 € für jeden unbezahlten Monat, zusammen 7.000 €.

Brutto berücksichtigt
3.500 €
Steuern pro Monat
406 €
Sozialabgaben pro Monat
761 €

So rechnet die Agentur (pro Monat)

Brutto3.500 €
Lohnsteuer Klasse I−406 €
Krankenversicherung−306 €
Pflegeversicherung−84 €
Rentenversicherung−326 €
Arbeitslosenversicherung−46 €
Insolvenzgeld pro Monat2.333 €

Das entspricht dem Netto auf deiner Lohnabrechnung, hier auf volle Euro gerundet. Weihnachtsgeld und andere Jahreszahlungen zählen in der Regel höchstens zu 3/12. Abfindung und Urlaubsabgeltung ersetzt das Insolvenzgeld nicht.

Frist: Den Antrag musst du innerhalb von zwei Monaten nach dem Insolvenzereignis stellen, meist ist das der Tag der Eröffnung. Weißt du das Datum nicht genau, beantrage das Insolvenzgeld vorsorglich, online oder bei der Agentur für Arbeit.

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Kopier den Code an die Stelle deiner Seite, an der der Rechner stehen soll. Er läuft dann bei dir, kostenlos, ohne Werbung und ohne Statistik, und rechnet immer mit den aktuellen Werten. Der Link zu RechnerCheck unter dem Rechner muss drinbleiben. Alle Rechner zum Einbinden

Auf dieser Seite
  1. So wird gerechnet
  2. Beitragsbemessungsgrenze 2026
  3. Insolvenzgeld-Tabelle 2026
  4. § 165 und § 167 SGB III
  5. Für welche Monate
  6. Antrag und Frist
  7. Älterer Lohn, Kündigung
  8. Vorfinanzierung
  9. Steuer und Nachzahlung
  10. Häufige Fragen
  11. Quellen

So wird das Insolvenzgeld berechnet

  • 8.450 €höchstens berücksichtigtes Brutto im Monat§ 167 Abs. 1 SGB III
  • 3 MonateLohn vor dem Insolvenzereignis, den das Insolvenzgeld ersetzt§ 165 Abs. 1 SGB III
  • 2 MonateAntragsfrist ab dem Insolvenzereignis§ 324 Abs. 3 SGB III
  • 4.890 €Höchstbetrag im Monat, Klasse I ohne Kindbei 8.450 € brutto

Die Agentur für Arbeit ersetzt den Lohn, den dein Arbeitgeber schuldig geblieben ist. Sie zahlt ihn netto aus und rechnet dafür wie eine normale Lohnabrechnung, nur mit einer Obergrenze beim Brutto (§ 167 Abs. 1 SGB III).

  1. Brutto begrenzenFür jeden offenen Monat zählt dein Bruttolohn bis 8.450 €. Das ist 2026 die Beitragsbemessungsgrenze der Renten- und Arbeitslosenversicherung.
  2. Abzüge wie auf der LohnabrechnungDavon gehen Lohnsteuer, Solidaritätszuschlag und Kirchensteuer nach deinen Steuermerkmalen ab, dazu deine Anteile an Kranken-, Pflege-, Renten- und Arbeitslosenversicherung, mit dem Zusatzbeitrag deiner Kasse und dem Zuschlag für Kinderlose.
  3. Offene Monate zusammenzählenDas Netto gibt es für jeden Monat im Insolvenzgeldzeitraum, für den noch Lohn aussteht. Hat dein Arbeitgeber Abschläge gezahlt, rechnet die Agentur sie zuerst auf ältere Rückstände an.

Insolvenzgeld = Brutto (höchstens 8.450 €) − Steuern − Sozialabgaben, je offenem Monat

Rechenbeispiel 3.500 € brutto, Steuerklasse I, ohne Kind
Brutto im Monat
3.500,00 €
Lohnsteuer, Klasse I
−405,50 €
Krankenversicherung mit Ø-Zusatzbeitrag 2,9 %
−306,25 €
Pflegeversicherung, kinderlos
−84,00 €
Rentenversicherung
−325,50 €
Arbeitslosenversicherung
−45,50 €
= Insolvenzgeld pro Monat
2.333,25 €
× 3 offene Monate
6.999,75 €

Das entspricht dem Netto auf der Lohnabrechnung. Mit Kind und in Klasse III wären es 2.645,25 € im Monat.

Verdienst du mehr als 8.450 €, rechnet die Agentur das Netto aus 8.450 € brutto. Bei 12.000 € Gehalt in Klasse I bekommst du deshalb 4.890,44 € im Monat. Den Lohn über der Grenze meldest du selbst beim Insolvenzverwalter an. Wie viel davon zurückkommt, hängt von der Insolvenzmasse ab.

Rechenbeispiel 12.000 € brutto, Steuerklasse I, ohne Kind
Brutto laut Vertrag
12.000 €
davon berücksichtigt
8.450,00 €
Lohnsteuer und Solidaritätszuschlag
−2.015,77 €
Sozialabgaben
−1.543,79 €
= Insolvenzgeld pro Monat
4.890,44 €
× 3 offene Monate
14.671,32 €

Beitragsbemessungsgrenze 2026: der Höchstbetrag beim Insolvenzgeld

§ 167 Abs. 1 SGB III begrenzt das Brutto auf die monatliche Beitragsbemessungsgrenze nach § 341 Abs. 4 SGB III, und das ist die Grenze der allgemeinen Rentenversicherung. 2026 liegt sie bei 8.450 € im Monat und 101.400 € im Jahr, in Ost und West gleich. Maßgeblich ist die Grenze des Monats, für den der Lohn offen ist, auch wenn du nur einen Teil des Monats beanspruchen kannst oder in dem Monat eine Einmalzahlung fällig gewesen wäre (Fachliche Weisungen, Rn. 167.1).

SteuerklasseHöchstbetrag im Monatfür drei Monate
I, ohne Kind4.890,44 €14.671,32 €
I oder IV, mit Kind4.929,22 €14.787,66 €
II, alleinerziehend5.093,83 €15.281,49 €
III, mit Kind5.644,92 €16.934,76 €
V, mit Kind4.264,64 €12.793,92 €

Insolvenzgeld bei einem Brutto von 8.450 € und mehr, gesetzlich versichert mit durchschnittlichem Zusatzbeitrag von 2,9 %, ohne Kirchensteuer.

Bist du privat oder freiwillig versichert, kommt der Arbeitgeberzuschuss zu deinen Beiträgen obendrauf. Er zählt nicht in die Grenze und wird zusätzlich ausgezahlt (Fachliche Weisungen, Rn. 167.3).

Abschläge bei einem Gehalt über der Grenze

Hat dir dein Arbeitgeber in einem Monat noch einen Teil gezahlt, vergleicht die Agentur zwei Beträge: das Netto aus deinem vollen Gehalt minus dem Abschlag und das Netto aus dem gedeckelten Brutto. Ausgezahlt wird der niedrigere (Rn. 167.10). Bei 12.000 € brutto, also 6.792,46 € netto, kostet dich ein Abschlag deshalb erst Insolvenzgeld, wenn er mehr als 1.902,02 € beträgt.

Abschlag im MonatNoch offenes NettoInsolvenzgeld
0 €6.792,46 €4.890,44 €
1.000 €5.792,46 €4.890,44 €
2.000 €4.792,46 €4.792,46 €
3.000 €3.792,46 €3.792,46 €

12.000 € brutto, Steuerklasse I ohne Kind, keine älteren Rückstände. Gibt es offenen Lohn aus der Zeit vor den drei Monaten, rechnet die Agentur Abschläge zuerst darauf an (Rn. 167.9).

Insolvenzgeld-Tabelle 2026

So viel Insolvenzgeld gibt es für jeden offenen Monat. Die Beträge kommen aus dem Rechner oben und entsprechen dem Netto einer normalen Lohnabrechnung. Kirchensteuer und deine Steuerklasse stellst du im Rechner ein, alle Abzüge im Detail zeigt der Brutto-Netto-Rechner.

Brutto im MonatKlasse I, ohne Kindfür drei MonateKlasse III, mit KindKlasse V, mit Kind
1.500 €1.211 €3.632 €1.228 €1.075 €
2.000 €1.477 €4.431 €1.577 €1.274 €
2.500 €1.769 €5.307 €1.971 €1.499 €
3.000 €2.054 €6.163 €2.327 €1.733 €
3.500 €2.333 €7.000 €2.645 €1.972 €
4.000 €2.606 €7.817 €2.946 €2.199 €
4.500 €2.871 €8.613 €3.241 €2.424 €
5.000 €3.130 €9.390 €3.533 €2.650 €
6.000 €3.642 €10.925 €4.120 €3.112 €
7.000 €4.180 €12.539 €4.755 €3.586 €
8.450 € und mehr4.890 €14.671 €5.645 €4.265 €

Gesetzlich versichert, durchschnittlicher Zusatzbeitrag der Krankenkassen 2,9 %, ohne Kirchensteuer. Ab 8.450 € brutto steigt das Insolvenzgeld nicht weiter.

§ 165 und § 167 SGB III: was im Gesetz steht

Das Insolvenzgeld steht im Dritten Buch Sozialgesetzbuch, in den §§ 165 bis 172, die Antragsfrist in § 324 Abs. 3. Den Wortlaut findest du auf gesetze-im-internet.de, die Links stehen unten bei den Quellen. Was die einzelnen Absätze regeln:

VorschriftWas drinsteht
§ 165 Abs. 1 Satz 1Anspruch hat, wer im Inland beschäftigt war und bei einem Insolvenzereignis für die vorausgegangenen drei Monate des Arbeitsverhältnisses noch Lohn zu bekommen hat.
§ 165 Abs. 1 Satz 2 und 3Insolvenzereignisse: Eröffnung des Verfahrens, Abweisung des Antrags mangels Masse, vollständige Einstellung des Betriebs im Inland ohne Antrag, wenn ein Verfahren offensichtlich mangels Masse ausscheidet. Ein Insolvenzereignis im Ausland genügt ebenfalls.
§ 165 Abs. 2Zum Arbeitsentgelt gehören alle Bezüge aus dem Arbeitsverhältnis. Eine Entgeltumwandlung für die Betriebsrente gilt als nicht vereinbart, soweit der Arbeitgeber die Beiträge nicht abgeführt hat.
§ 165 Abs. 3 bis 5Wer ohne Kenntnis vom Insolvenzereignis weitergearbeitet hat, bekommt die drei Monate vor dem Tag, an dem er davon erfahren hat. Auch Erben haben Anspruch. Eine Abweisung mangels Masse muss der Arbeitgeber unverzüglich bekannt geben.
§ 166Kein Insolvenzgeld für Ansprüche wegen oder nach dem Ende des Arbeitsverhältnisses, für anfechtbar erworbene Ansprüche und für Lohn, den der Verwalter wegen eines Leistungsverweigerungsrechts nicht zahlt.
§ 167 Abs. 1Höhe: das Nettoarbeitsentgelt, das sich ergibt, wenn das auf die monatliche Beitragsbemessungsgrenze (§ 341 Abs. 4) begrenzte Brutto um die gesetzlichen Abzüge vermindert wird.
§ 167 Abs. 2Wird von deinem Lohn keine Lohnsteuer abgezogen, oder bist du in Deutschland nicht steuerpflichtig und musst das Insolvenzgeld auch anderswo nicht versteuern, zieht die Agentur trotzdem die Steuern ab, die bei einem Lohnsteuerabzug angefallen wären.
§ 168Vorschuss, wenn der Insolvenzantrag gestellt, das Arbeitsverhältnis beendet und der Anspruch hinreichend wahrscheinlich ist.
§ 169Mit dem Antrag geht dein Lohnanspruch für den Insolvenzgeldzeitraum auf die Bundesagentur über.
§§ 170, 171Wer deinen Lohn vor dem Antrag abgetreten bekommen oder gepfändet hat, erhält auch das Insolvenzgeld. Für eine Vorfinanzierung muss die Agentur zustimmen. Nach dem Antrag ist das Insolvenzgeld pfändbar wie Arbeitseinkommen.
§ 175Die offenen Sozialversicherungsbeiträge für die drei Monate zahlt die Agentur auf Antrag der Krankenkasse.
§ 324 Abs. 3Ausschlussfrist von zwei Monaten nach dem Insolvenzereignis, Nachfrist von zwei Monaten, wenn die Frist ohne eigenes Verschulden versäumt wurde.

Paragrafen ohne Gesetzesangabe sind solche des SGB III. Zusammengefasst, nicht wörtlich.

Mit „Nettoarbeitsentgelt“ in § 167 meint das Gesetz das Netto deiner Lohnabrechnung, nicht einen Prozentsatz davon. Abgezogen werden Lohnsteuer, Soli und Kirchensteuer nach deinen Steuermerkmalen sowie deine Anteile an der Sozialversicherung, einschließlich des Zusatzbeitrags und des Zuschlags für Kinderlose (Fachliche Weisungen, Rn. 167.4 und 167.7). Anders als beim Arbeitslosengeld gibt es also keine pauschale Kürzung auf 60 % oder 67 %.

Für welche Monate es Insolvenzgeld gibt

Der Anspruch entsteht mit dem Insolvenzereignis (§ 165 Abs. 1 SGB III). Das Gesetz kennt drei Fälle:

  • Das Insolvenzgericht eröffnet das Verfahren über das Vermögen deines Arbeitgebers.
  • Das Gericht weist den Antrag auf Eröffnung mangels Masse ab.
  • Der Betrieb stellt seine Tätigkeit im Inland vollständig ein, ein Insolvenzantrag wurde nicht gestellt und ein Verfahren käme mangels Masse offensichtlich auch nicht in Betracht.

Der Insolvenzantrag allein reicht nicht. Bis das Gericht entscheidet, können Wochen vergehen. Lohn aus dieser Zeit deckt das Insolvenzgeld trotzdem, solange er in die drei Monate vor dem Ereignis fällt. Zieht der Arbeitgeber seinen Antrag zurück oder weist das Gericht ihn aus anderen Gründen zurück, gibt es kein Insolvenzereignis (Merkblatt 10, Ziffer 3.1).

Ersetzt wird der Lohn für die letzten drei Monate des Arbeitsverhältnisses vor dem Insolvenzereignis. Gezählt wird ab dem Tag des Ereignisses zurück, wie die Beispiele zeigen.

FallInsolvenzgeldzeitraumAntrag spätestens am
Eröffnung am 1. Juli, Arbeitsverhältnis läuft weiter1. April bis 30. Juni1. September
Eröffnung am 1. Juli, Arbeitsverhältnis endete am 30. April1. Februar bis 30. April1. September
Eröffnung am 16. Juli16. April bis 15. Juli16. September
Abweisung mangels Masse am 15. Juni, bis 30. Juni weitergearbeitet, am 15. Juli davon erfahren1. April bis 30. Juni15. August

Beispiele nach Merkblatt 10 und den Fachlichen Weisungen der Bundesagentur. Endete das Arbeitsverhältnis vor dem Ereignis, zählen seine letzten drei Monate. Hast du ohne Kenntnis vom Insolvenzereignis weitergearbeitet, enden die drei Monate mit dem letzten Arbeits-, Urlaubs- oder Krankheitstag vor dem Tag, an dem du davon erfahren hast (§ 165 Abs. 3 SGB III).

Welcher Lohn dazugehört

Alles, was dir für diese Zeit aus dem Arbeitsverhältnis zusteht: laufender Lohn, Überstunden, Zuschläge, Entgeltfortzahlung bei Krankheit, Urlaubsentgelt für genommenen Urlaub, Fahrgeld und vermögenswirksame Leistungen. Weihnachtsgeld und andere Jahreszahlungen zählen in der Regel höchstens zu 3/12, also mit dem Anteil für drei Monate. Abfindungen und die Abgeltung von Resturlaub ersetzt das Insolvenzgeld nicht, weil du sie wegen des Endes des Arbeitsverhältnisses bekommst (§ 166 Abs. 1 Nr. 1 SGB III). Monate, in denen du nach sechs Wochen Krankheit Krankengeld statt Lohn bekommen hast, bringen kein Insolvenzgeld, weil dort kein Lohn offen ist. Auch Kurzarbeitergeld ersetzt es nicht, außer du kannst den Betrag vom Arbeitgeber als Schadenersatz verlangen (Merkblatt 10, Ziffer 7).

Antrag und Frist

Den Antrag musst du innerhalb von zwei Monaten nach dem Insolvenzereignis stellen (§ 324 Abs. 3 SGB III). Das ist eine Ausschlussfrist: Ist sie vorbei, ist der Anspruch in aller Regel verloren. Sie läuft ab dem Tag des Ereignisses, auch wenn dir niemand Bescheid gibt. Der Tag des Ereignisses selbst zählt nicht mit, die Frist endet zwei Monate später an dem Tag mit derselben Zahl. Fällt er auf einen Samstag, Sonntag oder Feiertag, endet sie am nächsten Werktag (§ 26 SGB X mit §§ 187, 188, 193 BGB). Wird das Verfahren am 1. Juli eröffnet, muss der Antrag bis zum 1. September bei der Agentur sein.

Frist verpasst?

Lag es nicht an dir, zahlt die Agentur trotzdem, wenn du den Antrag innerhalb von zwei Monaten nach Wegfall des Hindernisses stellst. Als Hindernis erkennt die Agentur aber im Kern nur an, dass du vom Insolvenzereignis nichts wusstest, obwohl du dich mit der nötigen Sorgfalt um deinen Lohn gekümmert hast. Wer die Frist oder das Insolvenzgeld nicht kannte, bekommt keine Nachfrist (Fachliche Weisungen, Rn. Verfahren.10). Schreib zum Antrag, wann und wie du vom Insolvenzereignis erfahren hast und was du bis dahin unternommen hast.

  • Online oder auf Papier: über die eServices der Arbeitsagentur oder mit dem Vordruck Insg 1.
  • Unterlagen: Insolvenzgeldbescheinigung (Vordruck Insg 4), Aktenzeichen des Insolvenzverfahrens, Arbeitsvertrag, Kündigung (falls es eine gibt) und die letzten drei Verdienstabrechnungen. Die Bescheinigung stellt der Insolvenzverwalter aus. Die Agentur fordert sie selbst an, bringst du sie mit, geht es schneller.
  • Datum unklar: Stell den Antrag vorsorglich, das geht auch mündlich oder telefonisch. Eröffnungen veröffentlichen die Gerichte auf insolvenzbekanntmachungen.de. Eine Abweisung mangels Masse muss dein Arbeitgeber dem Betriebsrat oder, wenn es keinen gibt, euch Beschäftigten unverzüglich bekannt geben (§ 165 Abs. 5 SGB III).
  • Zuständig: die Agentur für Arbeit, in deren Bezirk die Lohnabrechnung deines Arbeitgebers sitzt (§ 327 Abs. 3 SGB III). Für die Frist zählt auch ein Antrag bei einer anderen Agentur, sie muss ihn weiterleiten (§ 16 Abs. 2 SGB I).

Schon vor dem Insolvenzereignis lohnt sich ein Blick in deinen Arbeits- oder Tarifvertrag. Viele haben Ausschlussfristen von wenigen Monaten, nach denen Lohn verfällt. Bis zum Insolvenzereignis musst du selbst dafür sorgen, dass das nicht passiert, notfalls mit Mahnbescheid oder Klage beim Arbeitsgericht. Verfallener Lohn bringt auch kein Insolvenzgeld (Merkblatt 10, Ziffer 2.4).

Ausgezahlt wird einmal für den ganzen Zeitraum, sobald das Insolvenzereignis feststeht und die Insolvenzgeldbescheinigung vorliegt. Vorher kann die Agentur einen Vorschuss zahlen, wenn der Insolvenzantrag gestellt, dein Arbeitsverhältnis beendet und der Anspruch wahrscheinlich ist (§ 168 SGB III). Eine Kündigung oder Freistellung allein genügt dafür nicht. Für den Vorschuss brauchst du die letzte vollständige Lohnabrechnung und eine schriftliche Bestätigung, für welche Zeit und in welcher Höhe dein Lohn offen ist, zum Beispiel vom vorläufigen Insolvenzverwalter.

Älterer Lohn, Lohn nach der Eröffnung und Kündigung

Das Insolvenzgeld deckt nur die drei Monate vor dem Insolvenzereignis. Für alles andere gelten die Regeln der Insolvenzordnung.

  • Lohn für die drei Monate: Mit deinem Antrag geht der Anspruch auf die Bundesagentur über (§ 169 SGB III). Sie macht ihn im Verfahren selbst geltend, darum musst du dich nicht kümmern.
  • Älterer Lohn: Er ist eine Insolvenzforderung (§ 38 InsO). Du meldest ihn schriftlich beim Insolvenzverwalter zur Insolvenztabelle an (§ 174 InsO), die Frist steht im Eröffnungsbeschluss. Wie viel du bekommst, hängt von der Quote am Ende ab. Dasselbe gilt für den Teil deines Gehalts über 8.450 €.
  • Lohn nach der Eröffnung: Arbeitest du weiter, schuldet die Insolvenzmasse deinen Lohn als Masseverbindlichkeit (§ 55 Abs. 1 Nr. 2 InsO). Sie wird vor den Insolvenzgläubigern bezahlt (§ 53 InsO).
  • Kündigung: Der Insolvenzverwalter kann mit höchstens drei Monaten Frist zum Monatsende kündigen, auch wenn dein Vertrag längere Fristen oder einen Ausschluss der Kündigung vorsieht (§ 113 InsO).
  • Freistellung ohne Lohn: Dann bekommst du Arbeitslosengeld, obwohl das Arbeitsverhältnis noch besteht (§ 157 Abs. 3 SGB III). Meld dich dafür sofort arbeitslos. Fällt die Freistellung in die drei Monate vor dem Insolvenzereignis, wird das Arbeitslosengeld auf das Insolvenzgeld angerechnet.
  • Kündigungsschutzklage: Solange sie läuft, steht nicht fest, wann das Arbeitsverhältnis endet. Den Insolvenzgeldzeitraum legt die Agentur dann erst nach dem Urteil fest (Merkblatt 10, Ziffer 3.3).

Vorfinanzierung: Lohn schon vor der Eröffnung

Soll der Betrieb nach dem Insolvenzantrag weiterlaufen, bis das Gericht entschieden hat, braucht die Belegschaft in dieser Zeit Lohn. Dafür kann der vorläufige Insolvenzverwalter eine Vorfinanzierung organisieren: Eine Bank übernimmt die Lohnansprüche und zahlt die Nettolöhne aus. Das Insolvenzgeld für diese Monate bekommt später die Bank (§ 170 Abs. 1 SGB III).

Die Agentur für Arbeit muss zustimmen. Sie darf das nur, wenn Tatsachen dafür sprechen, dass so ein erheblicher Teil der Arbeitsplätze erhalten bleibt (§ 170 Abs. 4 SGB III). Für dich heißt das: Du unterschreibst die Übertragung deines Lohnanspruchs und bekommst dein Netto über die Bank, die dann auch das Insolvenzgeld beantragt. Steuerlich wird es trotzdem dir zugerechnet (§ 32b Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 Buchst. a EStG), und zwar in dem Jahr, in dem die Bank dir das Geld zahlt.

Steuer: Progressionsvorbehalt und Steuernachzahlung

Insolvenzgeld ist steuerfrei (§ 3 Nr. 2 Buchst. b EStG). Das Finanzamt bezieht es aber in den Steuersatz ein, der für dein übriges Einkommen gilt (Progressionsvorbehalt, § 32b EStG). Es rechnet so, als hättest du das Insolvenzgeld zusätzlich verdient, ermittelt den Durchschnittssteuersatz auf diese Summe und wendet ihn nur auf dein zu versteuerndes Einkommen an. Lohnsteuer wird auf das Insolvenzgeld nicht einbehalten, die Wirkung zeigt sich erst im Steuerbescheid.

Bekommst du im Jahr mehr als 410 € solcher Leistungen, zusammen etwa mit Arbeitslosen- oder Kurzarbeitergeld, musst du eine Steuererklärung abgeben (§ 46 Abs. 2 Nr. 1 EStG). Die Agentur meldet das gezahlte Insolvenzgeld bis Ende Februar des Folgejahres ans Finanzamt und schickt dir einen Nachweis (§ 32b Abs. 3 EStG). Es zählt in dem Jahr, in dem es auf deinem Konto ankommt, nicht in dem Jahr, für das der Lohn fehlt (BFH, Urteil vom 1. März 2012, VI R 4/11). Davon hängt ab, ob am Ende eine Erstattung oder eine Nachzahlung steht.

Rechenbeispiel Fall 1: Insolvenzgeld und neun Monate Lohn im selben Jahr

3.500 € brutto, Steuerklasse I, ohne Kind, ohne Kirchensteuer. Drei Monate Insolvenzgeld wie im Beispiel oben, in den übrigen neun Monaten normaler Lohn.

Zu versteuerndes Einkommen aus neun Monaten Lohn
23.886 €
Einkommensteuer darauf ohne Insolvenzgeld
2.558 €
Steuersatz mit 6.999,75 € Insolvenzgeld
14,47 %
Einkommensteuer mit Progressionsvorbehalt
3.455 €
Lohnsteuer in den neun Monaten einbehalten
3.649,50 €
Erstattung
194,50 €

Ohne Insolvenzgeld wären es 1.091,50 € Erstattung gewesen, das Insolvenzgeld kostet hier also 897 €. Zu einer Nachzahlung kommt es nicht, weil dein Arbeitgeber in den Lohnmonaten so viel Lohnsteuer einbehalten hat, als würdest du das ganze Jahr verdienen.

Rechenbeispiel Fall 2: Insolvenzgeld in einem Jahr mit vollem Gehalt

Das Insolvenzgeld für die Monate vor einer Insolvenz im Spätherbst kommt erst im Januar, und ab Januar arbeitest du wieder das ganze Jahr. Gleiche Annahmen wie in Fall 1.

Zu versteuerndes Einkommen aus zwölf Monaten Lohn
32.271 €
Lohnsteuer im Jahr einbehalten, so viel wie die Einkommensteuer ohne Insolvenzgeld
4.866 €
Steuersatz mit 6.999,75 € Insolvenzgeld
17,77 %
Einkommensteuer mit Progressionsvorbehalt
5.735 €
Nachzahlung
869 €

Für das Vorjahr bekommst du dafür mehr zurück, weil dort drei Monate Lohn fehlen und kein Insolvenzgeld zählt. Über beide Jahre gleicht sich das weitgehend aus, die Nachzahlung kommt aber in einem Schwung.

Wie hoch die Steuernachzahlung ausfällt

Fällt das Insolvenzgeld in ein Jahr mit vollem Gehalt, entspricht die Nachzahlung ziemlich genau der Mehrsteuer durch den Progressionsvorbehalt. So viel ist das bei drei Monaten Insolvenzgeld:

Brutto im MonatInsolvenzgeld, drei MonateSteuersatz ohneSteuersatz mitMehr Steuer
2.000 €4.431 €5,9 %9,7 %669 €
2.500 €5.307 €9,9 %13,1 %716 €
3.000 €6.163 €12,8 %15,7 %785 €
3.500 €7.000 €15,1 %17,8 %869 €
4.000 €7.817 €17 %19,6 %969 €
5.000 €9.390 €20,1 %22,7 %1.207 €
6.000 €10.925 €22,8 %25,5 %1.503 €

Steuerklasse I, ohne Kind, zwölf Monate Lohn und drei Monate Insolvenzgeld im selben Jahr. Zu versteuerndes Einkommen vereinfacht wie im Lohnsteuerabzug. Mit Kirchensteuer kommen 9 % der Mehrsteuer dazu, in Bayern und Baden-Württemberg 8 %. Soli fällt hier nicht an.

Geld für die Steuer zurücklegen

Kommt das Insolvenzgeld in einem Jahr, in dem du sonst voll verdienst, leg den Betrag aus der Tabelle zur Seite. Der Bescheid kommt oft erst im Jahr darauf. Wie sich weitere Einkünfte auf den Steuersatz auswirken, zeigt der Einkommensteuer-Rechner.

Häufige Fragen

Bekommen auch Minijobber, Studenten und Rentner Insolvenzgeld?
Ja. Es kommt nicht darauf an, ob du arbeitslosenversichert warst. Minijobber, Praktikanten, Studierende, Rentner und Auszubildende haben Anspruch, wenn sie im Inland beschäftigt waren. Bei geschäftsführenden Gesellschaftern und mitarbeitenden Familienangehörigen ist fraglich, ob überhaupt eine Beschäftigung vorlag. Hat das nicht schon die Krankenkasse oder die Clearingstelle der Deutschen Rentenversicherung festgestellt, füllst du zum Antrag ein Zusatzblatt der Agentur für Arbeit aus. Vorstandsmitglieder einer AG bekommen kein Insolvenzgeld.
Kann ich gleichzeitig Arbeitslosengeld bekommen?
Ja, wenn du arbeitslos bist, zum Beispiel weil dein Arbeitgeber dich ohne Lohn freigestellt hat. Arbeitslosengeld für dieselbe Zeit wird auf das Insolvenzgeld angerechnet, doppelt gibt es also nichts. Die angerechneten Tage verkürzen deinen Anspruch auf Arbeitslosengeld aber nicht. Endet dein Job, meld dich spätestens drei Monate vorher arbeitsuchend. Erfährst du es später, innerhalb von drei Tagen. Wie viel Arbeitslosengeld du bekommst, zeigt der Arbeitslosengeld-Rechner.
Ich habe schon einen neuen Job. Bekomme ich trotzdem Insolvenzgeld?
Ja, für den offenen Lohn aus den drei Monaten vor dem Insolvenzereignis. Was du in diesen drei Monaten bei einem neuen Arbeitgeber oder selbstständig verdient hast, wird aber angerechnet, bis zur Höhe des Insolvenzgeldes. Ein Nebenjob, den du schon länger neben dem alten Job hattest, zählt nicht (Merkblatt 10, Ziffer 3.5). Der neue Job beendet das alte Arbeitsverhältnis nicht von selbst, dafür brauchst du eine Kündigung oder einen Aufhebungsvertrag.
Bin ich in der Zeit ohne Lohn weiter kranken- und rentenversichert?
Ja. Die offenen Pflichtbeiträge zur Kranken-, Pflege-, Renten- und Arbeitslosenversicherung für den Insolvenzgeldzeitraum zahlt die Agentur für Arbeit. Den Antrag dafür stellt deine Krankenkasse (§ 175 SGB III). Bist du privat versichert, bekommst du den Arbeitgeberzuschuss mit dem Insolvenzgeld ausgezahlt und zahlst die offenen Beiträge selbst.
Was passiert mit meiner Betriebsrente aus Entgeltumwandlung?
Hat dein Arbeitgeber die umgewandelten Beträge für eine Direktversicherung, Pensionskasse oder einen Pensionsfonds nicht abgeführt, rechnet die Agentur so, als wäre keine Umwandlung vereinbart (§ 165 Abs. 2 Satz 3 SGB III). Der Betrag steckt dann im Insolvenzgeld, ohne den Steuer- und Beitragsvorteil der Umwandlung. Die Beiträge an den Versorgungsträger zahlst du selbst. Betriebsrenten aus einer Direktzusage oder Unterstützungskasse sichert der Pensions-Sicherungs-Verein, nicht das Insolvenzgeld (Merkblatt 10, Ziffer 7).
Wie lange dauert es, bis das Insolvenzgeld gezahlt wird?
Eine feste Frist gibt es nicht. Endgültig zahlt die Agentur, sobald das Insolvenzereignis feststeht und die Insolvenzgeldbescheinigung vorliegt, über eine Kündigungsschutzklage entschieden ist und andere Leistungen verrechnet sind. Bis dahin hilft der Vorschuss (§ 168 SGB III). Schneller geht es, wenn du die Bescheinigung (Vordruck Insg 4) selbst beim Insolvenzverwalter holst und mit einreichst. Auf dem Kontoauszug steht statt des Wortes Insolvenzgeld die Kennziffer 3001.
Muss ich Insolvenzgeld zurückzahlen?
Nur in Sonderfällen. Einen Vorschuss musst du erstatten, soweit dir am Ende kein oder weniger Insolvenzgeld zusteht (§ 168 SGB III). Auch Insolvenzgeld für Ansprüche, die nach § 166 SGB III ausgeschlossen sind, etwa für eine Abfindung, fordert die Agentur zurück. Zahlt dein Arbeitgeber den offenen Lohn später doch noch, gehört das Geld der Agentur, weil dein Anspruch mit dem Antrag auf sie übergegangen ist (§ 169 SGB III).
Wer bezahlt das Insolvenzgeld?
Die Arbeitgeber. Sie zahlen jeden Monat eine Umlage von 0,15 % der Löhne ihrer Beschäftigten, bemessen wie der Rentenbeitrag (§§ 358, 360 SGB III). Beschäftigte zahlen dafür nichts. Bund, Länder, Gemeinden und private Haushalte sind von der Umlage ausgenommen.
Kann das Insolvenzgeld gepfändet werden?
Ja. War dein Lohn schon vor dem Antrag gepfändet, erfasst die Pfändung auch das Insolvenzgeld, und abgetretener Lohn steht dem neuen Gläubiger zu (§ 170 SGB III). Nach dem Antrag kann das Insolvenzgeld wie Arbeitseinkommen gepfändet werden (§ 171 SGB III). Was dir dabei bleiben muss, rechnet der Pfändungsfreigrenze-Rechner.
Was kann ich tun, wenn die Agentur den Antrag ablehnt?
Innerhalb eines Monats nach Bekanntgabe Widerspruch einlegen, schriftlich, elektronisch oder vor Ort zur Niederschrift. Hilft die Agentur nicht ab, kannst du vor dem Sozialgericht klagen. Für dich ist das Verfahren dort kostenfrei (§ 183 SGG).

Quellen

  1. Bundesagentur für Arbeit: Merkblatt 10 Insolvenzgeld, Stand Juni 2026: Zeitraum, Höhe, Grenze 8.450 €, Frist, Vorschuss, Steuer arbeitsagentur.de
  2. Bundesagentur für Arbeit: Insolvenzgeld beantragen: Unterlagen, Online-Antrag, Arbeitslosengeld arbeitsagentur.de
  3. Bundesagentur für Arbeit: Fachliche Weisungen Insolvenzgeld: Grenze je Monat, Abschläge, Fristberechnung, Nachfrist arbeitsagentur.de
  4. § 165 SGB III: Anspruch, Insolvenzereignis, drei Monate gesetze-im-internet.de
  5. § 166 SGB III: kein Insolvenzgeld für Ansprüche wegen der Beendigung gesetze-im-internet.de
  6. § 167 SGB III: Höhe, Nettoentgelt aus begrenztem Brutto gesetze-im-internet.de
  7. § 169 SGB III: Anspruchsübergang auf die Bundesagentur gesetze-im-internet.de
  8. § 170 SGB III: Abtretung, Pfändung, Vorfinanzierung gesetze-im-internet.de
  9. § 175 SGB III: Sozialversicherungsbeiträge für den Insolvenzgeldzeitraum gesetze-im-internet.de
  10. § 324 SGB III: Ausschlussfrist von zwei Monaten gesetze-im-internet.de
  11. § 341 SGB III: Beitragsbemessungsgrenze wie in der Rentenversicherung gesetze-im-internet.de
  12. § 32b EStG: Progressionsvorbehalt gesetze-im-internet.de
  13. § 46 EStG: Pflicht zur Steuererklärung ab 410 € gesetze-im-internet.de
  14. BFH, Urteil vom 1. März 2012, VI R 4/11: Insolvenzgeld zählt im Jahr der Auszahlung bundesfinanzhof.de
  15. § 55 InsO: Lohn nach der Eröffnung als Masseverbindlichkeit gesetze-im-internet.de
  16. § 113 InsO: Kündigung durch den Insolvenzverwalter gesetze-im-internet.de
  17. § 174 InsO: Anmeldung älterer Lohnforderungen gesetze-im-internet.de

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