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Abfindungsrechner 2026 mit Fünftelregelung

Eine Abfindung ist steuerpflichtig, aber frei von Sozialabgaben. Die Fünftelregelung mildert die Progression: Bei 50.000 € Abfindung und 60.000 € übrigem Einkommen spart sie 756 €, es bleiben 28.174 €. Ohne anderes Einkommen bleibt eine Abfindung bis 61.740 € steuerfrei. Seit 2025 gibt es die Ermäßigung nur noch über die Steuererklärung.

Stand: So werden die Rechner geprüft

Abfindungsrechner

Von der Abfindung bleiben netto

42.875,00 €

Steuer auf die Abfindung 17.125,00 € · Effektivsatz 28,5 % · Fünftelregelung spart 5.090,00 €

Die Abfindung erhöht deine Jahressteuer um 17.125,00 €. Ohne Fünftelregelung wären es 22.215,00 €. Sozialabgaben fallen auf eine Abfindung nicht an.

  1. Abfindung60.000,00 €100 %
  2. Steuer darauf−17.125,00 €29 %
  3. Netto42.875,00 €71 %
Ersparnis durch Fünftelregelung
5.090,00 €
Jahressteuer gesamt
19.975,00 €

Wichtig 2025/2026 · Die Fünftel­regelung im Lohn­steuer­abzug entfällt ab 1.1.2025 (Wachstums­chancen­gesetz), Arbeit­geber zieht volle Lohn­steuer auf die Abfindung ab. Die Vergünstigung gibt es weiter, aber erst rückwirkend mit der Steuer­erklärung. Tipp: Auszahlung in steuer­armes Folgejahr verschieben (z. B. nach Ausstieg, vor neuer Anstellung).

Auf dieser Seite
  1. Regeln und Werte 2026
  2. Fünftelregelung mit Rechenweg
  3. Nur über die Steuererklärung
  4. Voraussetzungen
  5. Wie hoch ist üblich
  6. Arbeitslosengeld und Ruhen
  7. Sperrzeit
  8. Sozialversicherung
  9. Steuer senken
  10. Häufige Fragen
  11. Quellen

Abfindung 2026: Regeln und Werte

Wert2026Grundlage
Steuerfreier Betrag für Abfindungenkeiner§ 3 Nr. 9 EStG nur bis 2005
Sozialabgaben auf eine echte AbfindungkeineBSG 12 RK 20/88
Fünftelregelung im Lohnsteuerabzugnein§ 39b Abs. 3 EStG
Ohne anderes Einkommen steuerfrei bis61.740 €§ 34 Abs. 1, § 32a EStG
Teilzahlung in einem anderen Jahr unschädlich bis zu10 %BMF, Rz. 8
Abfindung nach § 1a KSchG je Beschäftigungsjahr, in Monatsverdiensten0,5§ 1a Abs. 2 KSchG
Obergrenze bei Auflösung durch das Gericht, in Monatsverdiensten12 bis 18§ 10 KSchG
Frist für die Kündigungsschutzklage3 Wochen§ 4 KSchG
Sperrzeit nach Aufhebungsvertrag ohne wichtigen Grund12 Wochen§ 159 Abs. 3 SGB III
Steuerfrei in die Betriebsrente beim Ausscheiden, je Jahr4.056 €§ 3 Nr. 63 Satz 3 EStG

Fünftelregelung: so rechnet das Finanzamt

Das Finanzamt tut so, als bekämst du nur ein Fünftel der Abfindung. Die Steuer, die dieses Fünftel zusätzlich kostet, nimmt es mal fünf (§ 34 Abs. 1 Satz 2 EStG). Weil ein Fünftel deinen Steuersatz weniger stark nach oben treibt als der ganze Betrag, sinkt die Steuer. Mit übrigem Einkommen ist das zu versteuernde Einkommen ohne die Abfindung gemeint, im Rechner oben trägst du es getrennt ein.

Steuer auf die Abfindung = 5 × (Steuer auf übriges Einkommen + ⅕ Abfindung − Steuer auf übriges Einkommen)

Rechenweg 50.000 € Abfindung bei 60.000 € übrigem Einkommen

Einzeln veranlagt, Tarif 2026, ohne Kirchensteuer.

Einkommensteuer auf das übrige Einkommen von 60.000 €
14.233 €
Einkommensteuer auf 60.000 € plus ein Fünftel der Abfindung, 10.000 €
18.264 €
Unterschied für ein Fünftel
4.031 €
Mal fünf: Einkommensteuer auf die Abfindung
20.155 €
Solidaritätszuschlag, den die Abfindung auslöst
1.671 €
Steuer auf die Abfindung
21.826 €

Zum normalen Tarif wären es 22.582 €. Die Fünftelregelung spart also 756 €, von der Abfindung bleiben 28.174 €, du zahlst 43,7 % Steuern.

Wie viel die Regel bringt, hängt vor allem vom übrigen Einkommen ab. So viel kostet eine Abfindung von 50.000 €:

übriges EinkommenSteuer mit Fünftelregelungzum normalen TarifErsparnisnetto
0 €0 €10.548 €10.548 €50.000 €
10.000 €7.850 €14.233 €6.383 €42.150 €
20.000 €13.235 €16.694 €3.459 €36.765 €
30.000 €14.960 €18.499 €3.539 €35.040 €
40.000 €17.118 €20.206 €3.088 €32.882 €
50.000 €19.451 €21.567 €2.116 €30.549 €
60.000 €21.826 €22.582 €756 €28.174 €
70.000 €23.160 €23.160 €0 €26.840 €
80.000 €23.139 €23.139 €0 €26.861 €

Steuer auf die Abfindung mit Soli, alleinstehend, ohne Kirchensteuer. Übriges Einkommen: zu versteuerndes Einkommen im Jahr der Auszahlung ohne die Abfindung.

Ohne übriges Einkommen bleibt eine Abfindung bis zum Fünffachen des Grundfreibetrags steuerfrei, 2026 also bis 61.740 €: Ein Fünftel davon liegt unter dem Grundfreibetrag von 12.348 €. Ab einem übrigen Einkommen von 69.879 € bringt die Regel bei der Einkommensteuer dagegen nichts mehr, weil dort jeder weitere Euro mit dem Spitzensteuersatz von 42 % besteuert wird. Je höher die Abfindung, desto weniger hilft das Fünftel, weil auch ein Fünftel weit in die Progression reicht:

AbfindungSteuer daraufErsparnis durch FünftelungnettoSteuersatz
10.000 €3.200 €139 €6.800 €32 %
25.000 €8.130 €866 €16.870 €33 %
50.000 €17.118 €3.088 €32.882 €34 %
100.000 €37.448 €5.628 €62.552 €37 %
200.000 €80.867 €6.520 €119.133 €40 %

Bei 40.000 € übrigem Einkommen, alleinstehend, mit Soli, ohne Kirchensteuer.

Für zusammen veranlagte Ehepaare rechnet das Finanzamt mit dem Splittingtarif. Bei 50.000 € Abfindung und 60.000 € gemeinsamem übrigem Einkommen kostet die Abfindung 14.530 €, die Fünftelregelung spart 1.730 €.

Seit 2025 nur über die Steuererklärung

Bis 2024 konnte der Arbeitgeber die Fünftelregelung schon beim Lohnsteuerabzug berücksichtigen. Mit dem Wachstumschancengesetz ist das seit 2025 weggefallen, auch 2026 kennt § 39b Abs. 3 EStG für Einmalzahlungen nur noch den normalen Abzug. Der Arbeitgeber zieht die Lohnsteuer also so ab, als gäbe es keine Fünftelregelung.

Die Ermäßigung holst du dir mit der Steuererklärung zurück: Die Abfindung gehört in die Anlage N als Entschädigung, das Finanzamt rechnet die Fünftelregelung dann selbst. Zurück kommt ungefähr der Unterschied zwischen normalem Tarif und Fünftelregelung, im Beispiel oben 756 €, bei kleinerem übrigem Einkommen deutlich mehr.

Geld für die Zwischenzeit einplanen

Die Erstattung kommt erst mit dem Steuerbescheid im Folgejahr. Rechne damit, dass von der Auszahlung zunächst deutlich mehr abgeht, als der Rechner am Ende zeigt.

Voraussetzungen: Entschädigung und Zusammenballung

Ermäßigt besteuert wird nur eine Entschädigung als Ersatz für entgangene oder entgehende Einnahmen (§ 24 Nr. 1 Buchst. a mit § 34 Abs. 2 Nr. 2 EStG), typisch die Abfindung für den Verlust des Arbeitsplatzes. Was du schon verdient hattest, gehört nicht dazu, auch wenn es im Vertrag Abfindung heißt: rückständiger Lohn, Urlaubsabgeltung, Weihnachtsgeld, Tantiemen (BMF-Schreiben vom 1. November 2013, Rz. 3). Das ist normaler Arbeitslohn.

Außerdem müssen die Einkünfte in einem Jahr zusammengeballt zufließen. Das prüft das Finanzamt in zwei Schritten (Rz. 8 bis 11):

  1. Ein JahrDie Abfindung fließt in einem Kalenderjahr zu. Eine kleinere Teilzahlung in einem anderen Jahr schadet nicht, wenn sie höchstens 10 % der Hauptzahlung beträgt oder niedriger ist als die Steuerersparnis durch die Fünftelregelung auf die Hauptzahlung (BFH, Urteil vom 13.10.2015, IX R 46/14).
  2. Mehr als sonstDie Abfindung ist höher als der Lohn, der dir bis zum Jahresende entgeht. Dann ist die Zusammenballung immer erfüllt. Ist sie niedriger, klappt es nur, wenn du im selben Jahr zusätzliche Einnahmen hast, etwa aus einem neuen Job, und dadurch insgesamt mehr bekommst als bei normalem Verlauf. Maßstab sind in der Regel deine Einkünfte im Vorjahr.

Die Auszahlung ganz ins nächste Jahr zu verschieben ist erlaubt, wenn ihr das vereinbart, bevor die Abfindung fällig wird (BFH, Urteil vom 11.11.2009, IX R 1/09). Die Fünftelregelung bleibt dann erhalten. Wann sich das lohnt, steht unten bei den Wegen, die Steuer zu senken.

Wie hoch ist eine Abfindung? Faustformel und § 1a KSchG

Einen allgemeinen Anspruch auf eine Abfindung gibt es nicht. Üblich ist ein halbes Monatsgehalt je Beschäftigungsjahr. Diese Höhe kennt auch das Gesetz: Kündigt der Arbeitgeber betriebsbedingt und weist im Kündigungsschreiben darauf hin, dass du die Abfindung bekommst, wenn du nicht klagst, hast du mit Ablauf der Kündigungsfrist Anspruch auf 0,5 Monatsverdienste je Jahr. Voraussetzung ist, dass du die Klagefrist von 3 Wochen verstreichen lässt (§ 1a KSchG, § 4 KSchG). Ein Rest von mehr als 6 Monaten zählt als volles Jahr: Bei 4.000 € im Monat und 18 Jahren und 7 Monaten im Betrieb sind das 0,5 × 4.000 € × 19 = 38.000 €.

BruttomonatsgehaltJahre im BetriebAbfindung nach Faustformel
3.000 €57.500 €
4.500 €1022.500 €
5.000 €1537.500 €
6.500 €2065.000 €
8.000 €25100.000 €

0,5 Monatsgehälter je Jahr. Bei langer Betriebszugehörigkeit, höherem Alter oder guten Chancen im Prozess sind auch mehr drin.

Als Monatsverdienst zählt, was dir im letzten Monat bei regelmäßiger Arbeitszeit an Geld und Sachbezügen zusteht (§ 10 Abs. 3 KSchG), also etwa auch ein Dienstwagen zur privaten Nutzung. Bei Betriebsänderungen können Arbeitgeber und Betriebsrat Abfindungen in einem Sozialplan vereinbaren (§ 112 Abs. 1 BetrVG).

Löst das Arbeitsgericht das Arbeitsverhältnis auf, weil dir die Fortsetzung nicht zuzumuten ist (§ 9 KSchG), gelten Obergrenzen: in der Regel 12 Monatsverdienste, ab 50 Jahren und 15 Jahren im Betrieb bis zu 15, ab 55 Jahren und 20 Jahren im Betrieb bis zu 18 (§ 10 Abs. 1 und 2 KSchG).

Abfindung und Arbeitslosengeld: keine Anrechnung, aber Ruhen

Aufs Arbeitslosengeld wird eine Abfindung nicht angerechnet, und für seine Höhe zählt sie auch nicht mit (§ 151 Abs. 2 Nr. 1 SGB III). Endet das Arbeitsverhältnis aber früher, als es die ordentliche Kündigungsfrist des Arbeitgebers erlaubt hätte, ruht der Anspruch bis zum Ende dieser Frist, höchstens ein Jahr (§ 158 Abs. 1 und 2 SGB III). Das Geld kommt dann später, die Anspruchsdauer wird nicht kürzer.

Länger ruht er nicht, als du mit deinem bisherigen Verdienst je Kalendertag einen Teil der Abfindung verdient hättest. Dieser Teil beträgt 60 % und sinkt je fünf Jahre im Betrieb und je fünf Lebensjahre ab 35 um 5 Punkte, auf mindestens 25 %:

Jahre im Betriebunter 40 Jahreab 40ab 45ab 50ab 55ab 60
unter 560 %55 %50 %45 %40 %35 %
ab 555 %50 %45 %40 %35 %30 %
ab 1050 %45 %40 %35 %30 %25 %
ab 1545 %40 %35 %30 %25 %25 %
ab 2040 %35 %30 %25 %25 %25 %
ab 2535 %30 %25 %25 %25 %25 %

Anteil der Abfindung, der für das Ruhen zählt, nach Betriebszugehörigkeit und Lebensalter (§ 158 Abs. 2 Satz 3 SGB III).

Ein Beispiel: 30.000 € Abfindung, 52 Jahre alt, 20 Jahre im Betrieb, 4.000 € brutto im Monat. Es zählen 25 %, also 7.500 €. Bei 131,51 € Verdienst je Kalendertag ruht der Anspruch höchstens 58 Tage, auch wenn die Kündigungsfrist um mehrere Monate verkürzt wurde. In dieser Zeit zahlt die Agentur keine Krankenversicherung, denn § 5 Abs. 1 Nr. 2 SGB V nennt nur Sperrzeit und Urlaubsabgeltung. Deine Kasse führt dich in der Regel als freiwilliges Mitglied weiter, die Beiträge zahlst du selbst (§ 188 Abs. 4 SGB V).

Das Arbeitslosengeld selbst ist steuerfrei (§ 3 Nr. 2 EStG), erhöht über den Progressionsvorbehalt aber den Steuersatz auf dein übriges Einkommen und die Abfindung (§ 32b EStG). Der Rechner oben bildet das nicht ab. Höhe und Dauer zeigt der Arbeitslosengeld-Rechner.

Sperrzeit nach Aufhebungsvertrag

Wer das Beschäftigungsverhältnis selbst löst, etwa mit einem Aufhebungsvertrag, und dafür keinen wichtigen Grund hat, bekommt eine Sperrzeit von 12 Wochen (§ 159 Abs. 1 Satz 2 Nr. 1, Abs. 3 SGB III). So lange ruht der Anspruch, und die Anspruchsdauer sinkt um mindestens ein Viertel (§ 148 Abs. 1 Nr. 4 SGB III).

Ohne Sperrzeit bleibt ein Aufhebungsvertrag laut den Fachlichen Weisungen der Bundesagentur, wenn dir der Arbeitgeber eine betriebs- oder personenbedingte Kündigung mit Bestimmtheit angekündigt hat, die zum selben Termin oder früher gewirkt hätte, die Kündigungsfrist eingehalten ist und du nicht unkündbar warst. Bei einer Abfindung bis 0,5 Monatsgehälter je Beschäftigungsjahr prüft die Agentur dann nicht einmal, ob die Kündigung rechtmäßig gewesen wäre (Nr. 159.1.2.1.1).

Melde dich außerdem spätestens 3 Monate vor dem Ende arbeitsuchend, bei kürzerer Frist innerhalb von 3 Tagen, nachdem du davon erfahren hast (§ 38 Abs. 1 SGB III). Sonst kommt eine Sperrzeit von einer Woche dazu (§ 159 Abs. 6 SGB III).

Erst klären, dann unterschreiben

Halte im Aufhebungsvertrag fest, dass er eine angekündigte betriebsbedingte Kündigung zum selben Termin ersetzt, und lass dich vor der Unterschrift beraten. Fehlt eine der Voraussetzungen, rechne mit 12 Wochen Sperrzeit.

Sozialversicherung: keine Beiträge auf die Abfindung

Eine Abfindung für den Verlust des Arbeitsplatzes ist beitragsfrei in der Kranken-, Pflege-, Renten- und Arbeitslosenversicherung. Sie wird für die Zeit nach dem Ende der Beschäftigung gezahlt und ist deshalb kein beitragspflichtiges Arbeitsentgelt (BSG, Urteil vom 21.02.1990, 12 RK 20/88). Was in Wahrheit Lohn ist, etwa nachgezahltes Gehalt oder eine Urlaubsabgeltung, bleibt beitragspflichtig, auch wenn es im Vertrag Abfindung heißt.

Steuer auf die Abfindung senken

Auszahlung im nächsten Jahr

Verdienst du im nächsten Jahr weniger, etwa wegen Arbeitslosigkeit oder einer Auszeit, lohnt es sich oft, die Abfindung erst dann zu bekommen. Mit 25.000 € statt 60.000 € übrigem Einkommen bleiben von 50.000 € Abfindung 35.900 € statt 28.174 €, also 7.726 € mehr. Vereinbare die spätere Fälligkeit vertraglich, bevor die Abfindung fällig wird. Arbeitslosengeld im selben Jahr erhöht allerdings über den Progressionsvorbehalt den Steuersatz.

Einzahlung in die Betriebsrente

Beim Ausscheiden darf dein Arbeitgeber einen Teil der Abfindung steuerfrei in die betriebliche Altersversorgung zahlen: 4.056 € je Kalenderjahr im Betrieb, höchstens 10 Jahre, also bis 40.560 € (§ 3 Nr. 63 Satz 3 EStG). Versteuert wird erst die spätere Betriebsrente.

Rürup-Beitrag im Jahr der Abfindung

Ein Rürup-Beitrag senkt das übrige Einkommen, mit dem die Fünftelregelung rechnet, und damit auch die Steuer auf die Abfindung. Bei 50.000 € Abfindung, 45.000 € übrigem Einkommen und 15.000 € Beitrag spart er 7.937 €, ohne Abfindung wären es nur 4.618 €. Wie viel du absetzen kannst, zeigt der Rürup-Rechner.

Rentenabschläge ausgleichen

Willst du früher in Rente gehen, kann dein Arbeitgeber einen Teil der Abfindung direkt an die Rentenversicherung zahlen, um die Abschläge auszugleichen (§ 187a SGB VI). Davon sind 50 % steuerfrei (§ 3 Nr. 28 EStG). Endet das Arbeitsverhältnis frühestens mit 50 Jahren, zählt dieser Betrag auch beim Ruhen des Arbeitslosengelds nicht mit (§ 158 Abs. 1 Satz 6 SGB III). Was der Ausgleich kostet, rechnet der Rentenabschlag-Rechner.

Häufige Fragen

Muss ich wegen der Abfindung eine Steuererklärung abgeben?
Allein wegen der Abfindung nicht, die Fälle in § 46 Abs. 2 EStG nennen sie nicht. Pflicht wird die Erklärung aber oft aus anderen Gründen, etwa wenn du mehr als 410 € Arbeitslosengeld bekommen hast (Nr. 1) oder zeitweise zwei Arbeitgeber gleichzeitig hattest (Nr. 2). Abgeben solltest du sie ohnehin, denn ohne Erklärung bekommst du die Fünftelregelung nicht. Freiwillig geht das bis zu vier Jahre rückwirkend (§ 169 Abs. 2 Satz 1 Nr. 2 AO).
Kann die Fünftelregelung ungünstiger sein als der normale Tarif?
Im Normalfall nicht. Weil der Steuersatz mit dem Einkommen nie sinkt, kostet ein Fünftel mal fünf nie mehr als der ganze Betrag auf einmal. Liegt dein übriges Einkommen schon im Bereich des Spitzensteuersatzes, bringt die Regel nur nichts mehr. Bekommst du im selben Jahr Arbeitslosengeld oder Elterngeld, kommt der Progressionsvorbehalt dazu (§ 32b EStG), dann lohnt eine genaue Rechnung. Einen Antrag brauchst du nicht: Das Finanzamt rechnet nach § 34 Abs. 1 EStG von sich aus, wenn du die Abfindung als Entschädigung angibst.
Wie rechne ich eine Abfindung aus 2019 oder einem anderen Vorjahr?
Der Rechner oben nutzt den Tarif 2026. Für frühere Jahre nimm den Einkommensteuerrechner des Finanzministeriums, dort kannst du jedes Jahr ab 1958 wählen. Rechne die Steuer auf dein übriges zu versteuerndes Einkommen und auf das übrige Einkommen plus ein Fünftel der Abfindung, den Unterschied nimmst du mal fünf. Das ist die Einkommensteuer auf die Abfindung nach dem Tarif dieses Jahres, der Solidaritätszuschlag kommt je nach Jahr und Einkommen dazu. Anders als heute konnte damals schon der Arbeitgeber die Fünftelregelung beim Lohnsteuerabzug berücksichtigen.
Bekomme ich eine Abfindung, wenn ich selbst kündige?
In aller Regel nicht. Einen Anspruch gibt das Gesetz nur in bestimmten Fällen, etwa bei der betriebsbedingten Kündigung mit Hinweis nach § 1a KSchG, bei der Auflösung durch das Arbeitsgericht (§§ 9 und 10 KSchG) oder über einen Sozialplan (§ 112 BetrVG). Sonst ist eine Abfindung Verhandlungssache. Kündigst du selbst, droht beim Arbeitslosengeld außerdem eine Sperrzeit.
Was passiert mit dem Abfindungsangebot, wenn ich gegen die Kündigung klage?
Der Anspruch nach § 1a KSchG entsteht nur, wenn du die Klagefrist von 3 Wochen verstreichen lässt. Klagst du, fällt er weg. Eine Abfindung gibt es dann nur noch über einen Vergleich mit dem Arbeitgeber oder eine Auflösung durch das Gericht (§§ 9 und 10 KSchG). Ob sich die Klage lohnt, hängt von deinen Chancen im Prozess ab.
Wann wird die Abfindung ausgezahlt?
So, wie es im Aufhebungsvertrag oder Vergleich steht. Beim Anspruch nach § 1a KSchG wird sie mit dem Ablauf der Kündigungsfrist fällig. Für die Steuer zählt das Jahr, in dem das Geld zufließt (§ 38a Abs. 1 Satz 3 EStG), nicht das Jahr der Vereinbarung.
Gibt es noch einen Freibetrag für Abfindungen?
Nein. Bis Ende 2005 blieb ein Teil der Abfindung steuerfrei (§ 3 Nr. 9 EStG in der alten Fassung). Der Freibetrag wurde gestrichen, seitdem senkt nur noch die Fünftelregelung die Steuer. Sozialbeiträge fallen auf eine echte Abfindung für den Verlust des Arbeitsplatzes dagegen weiterhin nicht an.
Bringt die Abfindung Rentenpunkte?
Nein. Weil auf eine Abfindung keine Rentenbeiträge anfallen, erhöht sie deine gesetzliche Rente nicht. Zum Ausgleich kannst du einen Teil steuerfrei in die Betriebsrente oder in eine Rürup-Rente einzahlen. Willst du früher in Rente gehen, lassen sich mit der Abfindung auch die Abschläge bei der Rentenversicherung ausgleichen, mehr dazu oben.
Wird die Abfindung auf das Grundsicherungsgeld angerechnet?
Ja. Beim Grundsicherungsgeld, das seit Juli 2026 das Bürgergeld ersetzt, zählt die Abfindung in dem Monat als Einkommen, in dem sie ausgezahlt wird (§ 11 Abs. 2 SGB II). Was über den Bedarf dieses Monats hinausgeht, ist ab dem Folgemonat Vermögen, frei bleiben nur 5.000 € bis 20.000 € je Person nach Alter (§ 12 Abs. 2 SGB II). Auf sechs Monate verteilt werden seit Juli 2023 nur noch Nachzahlungen für frühere Monate (§ 11 Abs. 3 SGB II), eine Abfindung gehört nicht dazu. Kommt sie vor dem Antrag, zählt sie gleich als Vermögen. Frag vor der Auszahlung beim Jobcenter nach.
Wann lohnt sich ein Anwalt für Arbeitsrecht?
Sobald es um eine Kündigung oder einen Aufhebungsvertrag mit größerer Summe geht. Eine erste Beratung kostet Verbraucher höchstens 190 € zuzüglich Umsatzsteuer (§ 34 RVG). Gegen eine Kündigung hast du nur 3 Wochen Zeit für die Klage (§ 4 KSchG). Eine Rechtsschutzversicherung mit Arbeitsrecht hilft nur, wenn sie schon vor dem Streit bestand. Was ein Verfahren kostet, zeigt der Anwaltskosten-Rechner.

Quellen

  1. § 34 EStG: Fünftelregelung für außerordentliche Einkünfte gesetze-im-internet.de
  2. § 24 EStG: Entschädigungen gesetze-im-internet.de
  3. § 39b EStG: Abs. 3: Lohnsteuer auf sonstige Bezüge, seit 2025 ohne Fünftelregelung gesetze-im-internet.de
  4. § 46 EStG: Wann Arbeitnehmer eine Steuererklärung abgeben müssen gesetze-im-internet.de
  5. § 3 EStG: Nr. 28 und Nr. 63 Satz 3: Rentenabschläge und Betriebsrente beim Ausscheiden gesetze-im-internet.de
  6. BMF-Schreiben zu Entlassungsentschädigungen: vom 1. November 2013 in der Fassung vom 4. März 2016, Lohnsteuer-Handbuch 2026, Anhang 15; Rz. 8 mit BFH vom 11.11.2009, IX R 1/09 esth.bundesfinanzministerium.de
  7. BFH, Urteil vom 13.10.2015, IX R 46/14: Teilzahlung in einem anderen Jahr bundesfinanzhof.de
  8. BSG, Urteil vom 21.02.1990, 12 RK 20/88: Abfindung ist kein beitragspflichtiges Arbeitsentgelt haufe.de
  9. § 1a KSchG: Abfindung bei betriebsbedingter Kündigung gesetze-im-internet.de
  10. § 10 KSchG: Höhe bei gerichtlicher Auflösung gesetze-im-internet.de
  11. § 158 SGB III: Ruhen des Arbeitslosengelds bei Entlassungsentschädigung gesetze-im-internet.de
  12. § 159 SGB III: Sperrzeit gesetze-im-internet.de

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