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So berechnest du Verzugszinsen und Mahnkosten
Verzugszinsen rechnest du taggenau. Für jeden Tag im Verzug fällt ein 365stel des Jahreszinses an, der Rechner teilt auch im Schaltjahr durch 365.
Zinsen = Forderung × Zinssatz × Verzugstage ÷ 365
- Ersten Verzugstag bestimmenBei einem vereinbarten Zahlungstermin ist es der Tag danach, nach einer Mahnung der Tag nach ihrem Zugang. Hast du in der Mahnung eine Frist gesetzt, rechnest du ab dem Tag nach deren Ablauf. Den Tag, an dem die Frist endet oder die Mahnung ankommt, zählt man nicht mit (§ 187 Abs. 1 BGB).
- Zinssatz festlegenBasiszins des jeweiligen Halbjahres plus 5 Prozentpunkte, bei Entgeltforderungen ohne Verbraucher plus 9 (§ 288 Abs. 1 und 2 BGB).
- Tage zählenVom ersten Verzugstag bis zum Tag vor der Zahlung. Ändert sich der Basiszins zum 1. Januar oder 1. Juli, rechnest du die Zeiträume getrennt.
- Kosten dazurechnenMahnkosten für Mahnungen nach Verzugsbeginn. Ist der Schuldner kein Verbraucher, kommt die Pauschale von 40 € dazu, die deine Mahnkosten mit abdeckt.
Vereinbart war die Zahlung bis Ende Februar, der Kunde ist also seit dem 1. März 2026 in Verzug und zahlt am 30. September 2026. Zum 1. Juli stieg der Basiszins, deshalb zwei Zeiträume.
- 1. März bis 30. Juni: 2.500 € × 6,27 % × 122 Tage ÷ 365
- 52,39 €
- 1. Juli bis 29. September: 2.500 € × 6,52 % × 91 Tage ÷ 365
- 40,64 €
- Verzugszinsen
- 93,03 €
- Porto für eine Mahnung nach Verzugsbeginn
- +0,95 €
- Forderung mit Zinsen und Kosten
- 2.593,98 €
Wäre der Kunde ein Unternehmen, lägen die Zinsen bei 151,39 € und die Forderung samt Pauschale bei 2.691,39 €. Das Porto steckt dann in der Pauschale.
Verzugszinsen, Pauschale und Fristen 2026
| Wert | 2026 | Grundlage |
|---|---|---|
| Basiszinssatz seit 1. Juli 2026 | 1,52 % | § 247 BGB |
| Verzugszins, wenn ein Verbraucher beteiligt ist | 6,52 % | § 288 Abs. 1 BGB |
| Verzugszins für Rechnungen unter Unternehmen | 10,52 % | § 288 Abs. 2 BGB |
| Pauschale, wenn der Schuldner kein Verbraucher ist | 40 € | § 288 Abs. 5 BGB |
| Verzug ohne Mahnung spätestens nach Fälligkeit und Rechnungszugang | 30 Tage | § 286 Abs. 3 BGB |
| Porto für eine Mahnung als Standardbrief | 0,95 € | Deutsche Post |
| Gerichtsgebühr für den Mahnbescheid, mindestens | 38 € | Nr. 1100 KV GKG |
| Regelmäßige Verjährung offener Rechnungen | 3 Jahre | § 195 BGB |
Die Sätze gelten für das zweite Halbjahr 2026. Ändert sich der Basiszins zum 1. Januar 2027, kommt der neue Wert hier und in den Rechner.
Mahngebühren: was du verlangen darfst
Eine feste Mahngebühr kennt das Gesetz nicht. Was du verlangen kannst, ist Ersatz für den Schaden, der dir durch den Verzug entsteht (§ 280 Abs. 1 und 2, § 286 BGB).
Ersatzfähig sind nur Mahnungen nach Verzugsbeginn. Die Mahnung, die den Verzug erst auslöst, zahlst du selbst, denn vorher gibt es keinen Verzugsschaden. War ein Termin vereinbart oder sind die 30 Tage nach der Rechnung um, ist der Kunde schon in Verzug, dann darf auch die erste Mahnung etwas kosten.
Ersetzt werden nur Sachkosten: Papier, Druck, Umschlag und Porto, für einen Standardbrief derzeit 0,95 €. Deine Arbeitszeit trägst du selbst. Deshalb hat der Bundesgerichtshof die Mahnpauschale eines Energieversorgers von 2,50 € für unwirksam erklärt. Der Versorger hatte für Druck, Kuvertieren, Porto und Versand selbst nur rund 0,76 € je Mahnung angesetzt. Den Rest seiner Kalkulation machten Personal-, Telefon-, IT- und Raumkosten und ein eingerechneter Verzugszins aus, und die gehören nicht in eine Mahngebühr (Urteil vom 26. Juni 2019, VIII ZR 95/18). Mahnst du per E-Mail, entstehen keine Sachkosten und damit auch keine Mahngebühr.
Eine Pauschale in deinen AGB ist nur wirksam, wenn sie den Schaden nicht übersteigt, der gewöhnlich zu erwarten ist, und dem Kunden ausdrücklich den Nachweis erlaubt, dass kein oder ein wesentlich geringerer Schaden entstanden ist (§ 309 Nr. 5 BGB).
Privatkunde oder Firma: was du zusätzlich verlangen kannst
| Posten | Privatkunde | Firma, Behörde, Selbstständiger |
|---|---|---|
| Verzugszinsen | 5 Prozentpunkte über dem Basiszins, derzeit 6,52 % | 9 Prozentpunkte bei Entgeltforderungen, derzeit 10,52 % |
| Pauschale | keine | 40 €, auch für eine einzelne Rate |
| Eigene Mahnkosten | Sachkosten wie Porto, ab Verzugsbeginn | stecken in der Pauschale, mehr nur darüber hinaus |
| Anwalt oder Inkasso | ab Verzugsbeginn, höchstens nach RVG | ebenso, die Pauschale wird angerechnet |
| Verzug nach 30 Tagen ohne Mahnung | nur mit Hinweis in der Rechnung | immer |
Firma heißt hier: Der Schuldner handelt nicht als Verbraucher (§ 13 BGB). Bist du selbst Privatperson und schuldet dir eine Firma Geld, bekommst du die Pauschale, aber nur 5 Prozentpunkte Zinsen (§ 288 Abs. 2 und 5 BGB).
§ 286 BGB: Wann der Schuldner in Verzug kommt
Zinsen und Mahnkosten gibt es erst ab dem Verzug, nicht schon ab dem Rechnungsdatum. Wann Verzug eintritt, regelt § 286 BGB in fünf Absätzen.
| Absatz | Was drinsteht |
|---|---|
| Abs. 1 | Grundfall: Der Schuldner zahlt nach Fälligkeit auf eine Mahnung nicht. Eine Klage oder die Zustellung eines Mahnbescheids wirkt wie eine Mahnung. |
| Abs. 2 | Keine Mahnung nötig, wenn (1) für die Zahlung eine Zeit nach dem Kalender bestimmt ist, (2) sie sich ab einem Ereignis nach dem Kalender berechnen lässt, (3) der Schuldner ernsthaft und endgültig verweigert oder (4) besondere Gründe den sofortigen Verzug rechtfertigen. |
| Abs. 3 | Bei Entgeltforderungen Verzug spätestens 30 Tage nach Fälligkeit und Zugang der Rechnung. Gegenüber Verbrauchern nur, wenn die Rechnung darauf besonders hinweist. Ist bei einem Firmenkunden unklar, wann die Rechnung ankam, zählen 30 Tage ab Empfang der Leistung. |
| Abs. 4 | Kein Verzug, solange der Schuldner die Verspätung nicht zu vertreten hat. |
| Abs. 5 | Vereinbarungen, die den Verzug anders regeln, messen sich an § 271a Abs. 1 bis 5 BGB. |
Mit oder ohne Mahnung: typische Fälle
| Abmachung | Verzug ab | Grundlage |
|---|---|---|
| Im Vertrag: „zahlbar bis 15. Oktober“ | 16. Oktober, ohne Mahnung | § 286 Abs. 2 Nr. 1 |
| Im Vertrag: „zahlbar 14 Tage nach Lieferung“ | Tag nach Fristende, ohne Mahnung | § 286 Abs. 2 Nr. 2 |
| Miete, fällig bis zum dritten Werktag | Tag danach, ohne Mahnung | § 556b Abs. 1 BGB |
| Zahlungsziel nur auf der Rechnung | erst nach Mahnung oder nach 30 Tagen | BGH, III ZR 91/07 |
| „Zahlbar sofort“, kein Termin vereinbart | nach Mahnung, spätestens nach 30 Tagen | § 286 Abs. 1 und 3 |
| Kunde schreibt: „Ich zahle nicht.“ | sofort | § 286 Abs. 2 Nr. 3 |
Juristen nennen den Termin nach Nr. 1 „kalendermäßig bestimmt“, den nach Nr. 2 „kalendermäßig berechenbar“. Ein Datum, das nur du auf die Rechnung schreibst, ist beides nicht: Der Termin muss vereinbart sein, im Gesetz stehen oder in einem Urteil. Und die Rechnung selbst ist auch mit Zahlungsziel noch keine Mahnung (BGH, Urteil vom 25. Oktober 2007, III ZR 91/07).
Die 30-Tage-Regel
Die Frist aus Abs. 3 läuft bei Firmenkunden automatisch. Privatkunden musst du in der Rechnung besonders darauf hinweisen, etwa so: „Zahlen Sie nicht innerhalb von 30 Tagen nach Zugang dieser Rechnung, kommen Sie ohne weitere Mahnung in Verzug.“ Fehlt der Satz, brauchst du eine Mahnung. Die 30 Tage sind eine Obergrenze: Mahnst du früher, beginnt der Verzug mit der Mahnung.
Kann der Schuldner nichts für die Verspätung, etwa weil deine Bankverbindung auf der Rechnung falsch war, kommt er nicht in Verzug (Abs. 4). Zahlungsziele über 60 Tage sind unter Firmen nur wirksam, wenn sie ausdrücklich vereinbart und für den Gläubiger nicht grob unbillig sind, bei öffentlichen Auftraggebern sind sie unwirksam (§ 271a Abs. 1 und 2 BGB).
§ 288 BGB: Verzugszinsen und Basiszins
Eine Geldschuld ist während des Verzugs zu verzinsen (§ 288 Abs. 1 Satz 1 BGB). Die sechs Absätze regeln, wie hoch die Zinsen sind und was sonst dazukommt:
| Absatz | Regel |
|---|---|
| Abs. 1 | 5 Prozentpunkte über dem Basiszins, derzeit 6,52 % im Jahr. Gilt für jede Geldschuld, auch für Schadensersatz. |
| Abs. 2 | 9 Prozentpunkte, derzeit 10,52 %, für Entgeltforderungen aus Geschäften, an denen kein Verbraucher beteiligt ist. |
| Abs. 3 | Höhere Zinsen aus einem anderen Rechtsgrund, etwa einem vereinbarten Zinssatz. |
| Abs. 4 | Ein weiterer Schaden bleibt ersatzfähig, zum Beispiel Kreditzinsen, die du zahlst, weil das Geld fehlt. |
| Abs. 5 | 40 € Pauschale, wenn der Schuldner einer Entgeltforderung kein Verbraucher ist. |
| Abs. 6 | Ist der Schuldner kein Verbraucher, ist ein im Voraus vereinbarter Ausschluss der Verzugszinsen auf eine Entgeltforderung unwirksam. Klauseln, die die Zinsen beschränken oder Pauschale und Rechtsverfolgungskosten ausschließen oder beschränken, sind unwirksam, wenn sie grob unbillig sind; ein Ausschluss der Pauschale gilt im Zweifel als grob unbillig. |
Den höheren Satz gibt es nur für Entgeltforderungen. Gemeint ist eine Geldforderung, die die Gegenleistung für eine Leistung des Gläubigers ist (BGH, Urteil vom 21. April 2010, XII ZR 10/08), etwa Kaufpreis, Werklohn, Honorar oder Miete. Für eine Vertragsstrafe oder Schadensersatz bleibt es auch unter Firmen bei 5 Prozentpunkten. Höhere Kosten nach Abs. 4 musst du belegen; was ein überzogenes Konto kostet, zeigt der Dispozins-Rechner.
So entsteht der Basiszins
Der Basiszins ändert sich zum 1. Januar und 1. Juli um so viele Prozentpunkte, wie sich seit der letzten Änderung der Zinssatz der Europäischen Zentralbank für ihre Hauptrefinanzierungsgeschäfte bewegt hat. Maßgeblich ist das letzte Geschäft vor dem Stichtag (§ 247 Abs. 1 BGB). Die Bundesbank setzt ihn nicht fest, sie gibt ihn im Bundesanzeiger bekannt (Abs. 2).
| gültig ab | Basiszins | Verzugszins mit Verbraucher | unter Unternehmen |
|---|---|---|---|
| 1. Juli 2026 | 1,52 % | 6,52 % | 10,52 % |
| 1. Januar 2026 | 1,27 % | 6,27 % | 10,27 % |
| 1. Juli 2025 | 1,27 % | 6,27 % | 10,27 % |
| 1. Januar 2025 | 2,27 % | 7,27 % | 11,27 % |
| 1. Juli 2024 | 3,37 % | 8,37 % | 12,37 % |
| 1. Januar 2024 | 3,62 % | 8,62 % | 12,62 % |
| 1. Juli 2023 | 3,12 % | 8,12 % | 12,12 % |
| 1. Januar 2023 | 1,62 % | 6,62 % | 10,62 % |
| 1. Juli 2022 | -0,88 % | 4,12 % | 8,12 % |
| 1. Januar 2022 | -0,88 % | 4,12 % | 8,12 % |
Quelle: Deutsche Bundesbank, Basiszinssatz nach § 247 BGB. Für jeden Verzugstag gilt der Satz, der an diesem Tag galt.
Verzugszinsen-Tabelle 2026
So viel Verzugszinsen fallen beim aktuellen Basiszins an, gerechnet mit dem Rechner oben. Je 1.000 € offener Forderung sind es gegenüber Privatkunden 0,18 € am Tag, unter Firmen 0,29 €.
| Forderung | 30 Tage, privat | 1 Jahr, privat | 30 Tage, Firma | 1 Jahr, Firma |
|---|---|---|---|---|
| 500 € | 2,68 € | 32,60 € | 4,32 € | 52,60 € |
| 1.000 € | 5,36 € | 65,20 € | 8,65 € | 105,20 € |
| 2.500 € | 13,40 € | 163,00 € | 21,62 € | 263,00 € |
| 5.000 € | 26,79 € | 326,00 € | 43,23 € | 526,00 € |
| 10.000 € | 53,59 € | 652,00 € | 86,47 € | 1.052,00 € |
| 25.000 € | 133,97 € | 1.630,00 € | 216,16 € | 2.630,00 € |
Privat 6,52 %, Firma 10,52 % im Jahr, Basiszins seit 1. Juli 2026 über den ganzen Zeitraum angenommen. Ohne Pauschale und Mahnkosten.
40-Euro-Pauschale nach § 288 Abs. 5 BGB
Ist dein Schuldner kein Verbraucher, also etwa eine Firma, ein Selbstständiger in seinem Geschäft oder eine Behörde, steht dir bei einer Entgeltforderung zusätzlich eine Pauschale von 40 € zu. Einen Schaden musst du dafür nicht nachweisen. Die Pauschale gibt es auch, wenn nur eine Abschlags- oder Ratenzahlung zu spät kommt (§ 288 Abs. 5 Satz 2 BGB).
Auf die Pauschale werden alle Kosten der Rechtsverfolgung angerechnet (Satz 3), deine eigenen Mahnkosten ebenso wie Anwalt oder Inkasso. Der Europäische Gerichtshof hat geklärt, dass die 40 € interne und externe Beitreibungskosten abdecken (Beschluss vom 11. April 2019, C-131/18), das Bundesarbeitsgericht hat das übernommen (Urteil vom 28. November 2019, 8 AZR 278/18, Rn. 34). Du bekommst also die Pauschale oder deine höheren Kosten, nicht beides.
Anwalt und Inkasso: welche Kosten der Schuldner trägt
Beauftragst du nach Verzugsbeginn einen Anwalt oder ein Inkassobüro, gehören deren Kosten zum Verzugsschaden. Für Inkassobüros gilt eine Obergrenze: Ersetzt wird höchstens, was ein Anwalt für dieselbe Tätigkeit nach dem Rechtsanwaltsvergütungsgesetz bekäme (§ 13e Abs. 1 RDG). Kosten, die vor dem Verzug entstehen, bleiben bei dir. Schreibt der Anwalt die Mahnung, die den Verzug erst auslöst, zahlst du ihn selbst.
Abgerechnet wird nach der Höhe der Forderung. Die übliche Geschäftsgebühr liegt bei 1,3, mehr nur bei umfangreicher oder schwieriger Arbeit. Für das Eintreiben einer unbestrittenen Forderung sind höchstens 0,9 erlaubt, außer die Sache war besonders umfangreich oder schwierig. In einfachen Fällen sind es 0,5; ein einfacher Fall liegt in der Regel vor, wenn der Schuldner innerhalb von zwei Wochen nach der ersten Zahlungsaufforderung zahlt (Nr. 2300 VV RVG mit Anmerkung Abs. 2).
| Forderung | einfacher Fall (0,5) | unbestritten (0,9) | Regelgebühr (1,3) |
|---|---|---|---|
| 500 € | 30,90 € | 55,62 € | 80,34 € |
| 1.000 € | 55,80 € | 100,44 € | 140,90 € |
| 2.000 € | 105,60 € | 178,40 € | 248,80 € |
| 5.000 € | 197,25 € | 339,05 € | 480,85 € |
Gebühr nach § 13 RVG mit Pauschale für Post und Telekommunikation (Nr. 7002 VV RVG), ohne Umsatzsteuer. Gerechnet mit dem Kern des Anwaltskosten-Rechners.
Schreibt ein Inkassobüro eine Privatperson zum ersten Mal an, muss es angeben, für wen es kommt, worauf die Forderung beruht, wie die Zinsen berechnet sind und wie sich die Inkassokosten zusammensetzen. Verlangt es Umsatzsteuer, muss es erklären, dass der Gläubiger sie nicht als Vorsteuer abziehen kann (§ 13a Abs. 1 RDG).
Bei Firmenkunden wird die Pauschale angerechnet. Berechnet dir ein Inkassobüro für eine unbestrittene Forderung von 1.000 € 100,44 €, verlangst du vom Schuldner 100,44 €, nicht 140,44 €.
Gerichtliches Mahnverfahren: Ablauf und Kosten
Zahlt der Schuldner trotz Mahnung nicht, kommst du ohne Klage zu einem Titel: mit dem gerichtlichen Mahnverfahren. Zuständig ist das Amtsgericht an deinem Wohnsitz oder Firmensitz, die meisten Länder haben dafür ein zentrales Mahngericht (§ 689 Abs. 2 und 3 ZPO). Den Antrag füllst du im Portal online-mahnantrag.de aus. Du schickst ihn mit dem Online-Ausweis ab oder druckst ihn aus und schickst ihn unterschrieben per Post (§ 690 Abs. 2, § 702 Abs. 2 ZPO). Einen Anwalt brauchst du dafür nicht, Anwaltszwang gibt es erst vor dem Landgericht (§ 78 Abs. 1 ZPO).
- MahnbescheidDas Gericht prüft nicht, ob die Forderung besteht, und stellt dem Schuldner den Bescheid zu. Er hat zwei Wochen Zeit, zu zahlen oder zu widersprechen (§ 692 Abs. 1 Nr. 2 und 3 ZPO). Die Zustellung hemmt die Verjährung.
- VollstreckungsbescheidWiderspricht er nicht, beantragst du ihn nach Ablauf der Frist, spätestens sechs Monate nach Zustellung des Mahnbescheids, sonst fällt dessen Wirkung weg (§ 699 Abs. 1, § 701 ZPO). Er wirkt wie ein Versäumnisurteil, der Schuldner kann nur noch binnen zwei Wochen Einspruch einlegen (§ 700 Abs. 1, § 339 Abs. 1 ZPO).
- VollstreckungMit dem Vollstreckungsbescheid kannst du pfänden lassen: Sachen durch den Gerichtsvollzieher, Lohn oder Konto über das Vollstreckungsgericht (§§ 808, 828, 829 ZPO). Was dem Schuldner bleiben muss, zeigt der Pfändungsfreigrenze-Rechner.
- Streit vor GerichtNach einem Widerspruch geht es nur auf Antrag als normales Verfahren weiter, nach einem Einspruch von Amts wegen (§ 696 Abs. 1, § 700 Abs. 3 ZPO). Was ein Prozess kostet, rechnet der Rechtsschutz-Rechner.
Was das Mahnverfahren kostet
Das Gericht nimmt eine halbe Gebühr nach dem Streitwert, mindestens 38 €, für das ganze Verfahren bis zum Vollstreckungsbescheid (Nr. 1100 KV GKG). Du legst sie aus; bearbeitet das Gericht den Antrag maschinell, erlässt es den Vollstreckungsbescheid erst, wenn sie bezahlt ist (§ 12 Abs. 3 GKG). Die Kosten stehen im Mahnbescheid und gehen in den Vollstreckungsbescheid ein, ohne Widerspruch trägt sie also der Schuldner (§ 692 Abs. 1 Nr. 3, § 699 Abs. 3 ZPO). Kommt es nach einem Widerspruch zum Prozess, wird die Gebühr auf dessen Gerichtsgebühr angerechnet.
| Forderung | Gerichtsgebühr | Anwalt, falls beauftragt |
|---|---|---|
| 500 € | 38,00 € | 92,70 € |
| 1.000 € | 38,00 € | 159,50 € |
| 2.000 € | 51,50 € | 284,00 € |
| 5.000 € | 85,25 € | 551,75 € |
| 10.000 € | 141,50 € | 998,00 € |
| 25.000 € | 217,75 € | 1.410,50 € |
Anwalt: Verfahrensgebühren für Mahn- und Vollstreckungsbescheid (1,0 und 0,5, Nr. 3305 und 3308 VV RVG) mit Auslagenpauschale, ohne Umsatzsteuer. Eine vorgerichtliche Geschäftsgebühr wird zur Hälfte angerechnet, höchstens mit 0,75 (Vorbemerkung 3 Abs. 4 VV RVG).
Verjährung: wann offene Rechnungen verfallen
Forderungen aus Kauf, Werkvertrag oder Dienstleistung verjähren in der Regel nach drei Jahren (§ 195 BGB). Die Frist beginnt nicht mit der Rechnung, sondern mit dem Ende des Jahres, in dem die Forderung entstanden ist und du den Schuldner kanntest (§ 199 Abs. 1). Ohne diese Kenntnis ist zehn Jahre nach der Entstehung Schluss (§ 199 Abs. 4).
| Forderung entstanden | verjährt mit Ablauf des |
|---|---|
| 2023 | 31. Dezember 2026 |
| 2024 | 31. Dezember 2027 |
| 2025 | 31. Dezember 2028 |
| 2026 | 31. Dezember 2029 |
Regelverjährung, wenn du den Schuldner im selben Jahr kanntest. Markiert: Forderungen aus 2023 verjähren zum Ende dieses Jahres.
Mit der Hauptforderung verjähren auch die Zinsen (§ 217 BGB). Ist die Frist abgelaufen, darf der Schuldner die Zahlung verweigern. Zahlt er trotzdem, kann er das Geld nicht zurückverlangen, auch wenn er von der Verjährung nichts wusste (§ 214 BGB).
Was die Verjährung aufhält
Gehemmt wird sie durch eine Klage oder die Zustellung eines Mahnbescheids (§ 204 Abs. 1 Nr. 1 und 3 BGB). Kommt die Zustellung „demnächst“, wirkt die Hemmung schon ab dem Eingang deines Antrags bei Gericht (§ 167 ZPO). Sie endet sechs Monate nach dem Ende des Verfahrens oder nach der letzten Verfahrenshandlung, wenn niemand das Verfahren weiterbetreibt (§ 204 Abs. 2 BGB). Verhandelt ihr über die Forderung, steht die Frist ebenfalls still und läuft frühestens drei Monate nach dem Ende der Verhandlungen ab (§ 203 BGB). Ganz von vorn beginnt sie, wenn der Schuldner die Forderung anerkennt, etwa durch eine Abschlagszahlung oder Zinszahlung (§ 212 Abs. 1 Nr. 1 BGB).
Eine normale Mahnung stoppt die Verjährung nicht, auch nicht die dritte. Für Forderungen aus 2023 brauchst du bis zum 31. Dezember einen Mahnbescheid, eine Klage oder ein Anerkenntnis des Schuldners.
Häufige Fragen
Wie viele Mahnungen muss ich schicken?
Muss eine Mahnung schriftlich sein?
Ist eine Zahlungserinnerung schon eine Mahnung?
Zählt bei einer Überweisung der Auftrag oder die Gutschrift?
Was passiert, wenn der Schuldner nur einen Teil zahlt?
Gibt es Zinsen auf Verzugszinsen?
Bekomme ich die 40 € auch, wenn mein Arbeitgeber den Lohn zu spät zahlt?
Darf ein Gläubiger meine offene Rechnung an die Schufa melden?
Was kann ich gegen einen Mahnbescheid tun?
Was gilt, wenn die Miete zu spät kommt?
Quellen
- § 286 BGB: Verzug des Schuldners, 30-Tage-Regel gesetze-im-internet.de
- § 288 BGB: Verzugszinsen, 40-Euro-Pauschale, Abs. 6 gesetze-im-internet.de
- § 247 BGB: Basiszinssatz gesetze-im-internet.de
- Deutsche Bundesbank: Basiszinssatz: Werte seit 2002, Bekanntgabe zum 1. Januar und 1. Juli bundesbank.de
- § 271a BGB: Zahlungsfristen über 60 Tage gesetze-im-internet.de
- § 309 BGB: Pauschalen in AGB (Nr. 5) gesetze-im-internet.de
- BGH, Urteil vom 25.10.2007, III ZR 91/07: Zahlungsziel auf der Rechnung begründet keinen Verzug dejure.org
- BGH, Urteil vom 21.04.2010, XII ZR 10/08: Begriff der Entgeltforderung dejure.org
- BGH, Urteil vom 26.06.2019, VIII ZR 95/18: Mahnkosten: nur Sachkosten, keine Arbeitszeit dejure.org
- BAG, Urteil vom 28.11.2019, 8 AZR 278/18: Rn. 34: Pauschale deckt interne und externe Beitreibungskosten (EuGH C-131/18) bundesarbeitsgericht.de
- BAG, Urteil vom 25.09.2018, 8 AZR 26/18: keine Pauschale für verspäteten Lohn bundesarbeitsgericht.de
- § 13e RDG: Inkassokosten höchstens wie beim Anwalt gesetze-im-internet.de
- RVG, Vergütungsverzeichnis: Nr. 2300, 3305, 3308 gesetze-im-internet.de
- GKG, Kostenverzeichnis: Nr. 1100, Mahnverfahren gesetze-im-internet.de
- Online-Mahnantrag: Portal der Länder für den Mahnbescheid online-mahnantrag.de
- § 199 BGB: Beginn der Verjährung gesetze-im-internet.de
- § 204 BGB: Hemmung durch Klage und Mahnbescheid gesetze-im-internet.de
- § 31 BDSG: wann offene Forderungen in einen Score einfließen dürfen gesetze-im-internet.de
- Deutsche Post: Briefe in Deutschland: Porto 2026 deutschepost.de