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Rechtsschutz-Rechner 2026

Eine Rechtsschutzversicherung zahlt deinen Anwalt, das Gericht und nach einer Niederlage auch den Anwalt der Gegenseite, abzüglich deiner Selbstbeteiligung. Was sie kostet, zeigt nur ein Angebot. Der Rechner zeigt, was ein Prozess ohne sie kosten würde, ob sich eine höhere Selbstbeteiligung lohnt und an welchem Tag die Wartezeit endet.

Stand: So werden die Rechner geprüft

Rechtsschutz-Rechner

Das kostet der Prozess, wenn du verlierst

2.668,38 €

Streitwert 5.000 € · erste Instanz · ohne Rechtsschutz

Mit Rechtsschutz trägst du davon höchstens deine Selbstbeteiligung von 150,00 €, wenn der Versicherer den Fall übernimmt. Ein verlorener Prozess dieser Größe kostet so viel wie 8,9 Jahresbeiträge.

Du trägst mit Rechtsschutz
150,00 €
Versicherer zahlt
2.518,38 €
So viele Jahresbeiträge
8,9
Ohne Rechtsschutz zahlst du je nach Ausgang
Du verlierst ganz2.668,38 €
Vergleich in der ersten Instanz, jede Seite trägt ihre Kosten1.585,54 €
Du gewinnst und die Gegenseite kann zahlen0,00 €

Wenn du verlierst, setzt sich die Summe so zusammen:

  • Gericht, erste Instanz511,50 €
  • Dein Anwalt, erste Instanz1.078,44 €
  • Anwalt der Gegenseite, erste Instanz1.078,44 €

Als Kläger zahlst du vorab 511,50 € Gerichtskosten, sonst wird die Klage nicht zugestellt (§ 12 Abs. 1 GKG). Annahmen: beide Seiten mit Anwalt, ein Termin je Instanz, ohne Zeugen, Gutachten und Reisekosten.

Vergleich mit Rechtsschutz: Der Versicherer zahlt beim Vergleich nur den Anteil der Kosten, der zu deinem Nachgeben passt. Setzt du von 10.000 € nur 8.000 € durch, trägt er 20 % der Kosten (ARB 2021, 3.3.2). Stimm eine Kostenregelung im Vergleich vorher mit ihm ab.

Auf dieser Seite
  1. Was ein Prozess kostet
  2. Bausteine und Leistungen
  3. Wartezeit
  4. Was nicht versichert ist
  5. Deckungszusage und Anwalt
  6. Selbstbeteiligung, Beitrag, Kündigung
  7. Häufige Fragen
  8. Quellen

Was kostet ein Prozess ohne Rechtsschutzversicherung?

Wer einen Prozess verliert, zahlt das Gericht, den eigenen Anwalt und den Anwalt der Gegenseite (§ 91 ZPO). Alle drei Posten hängen am Streitwert. Das Gericht rechnet nach dem Gerichtskostengesetz, die Anwälte nach dem Rechtsanwaltsvergütungsgesetz. Beide Gesetze haben eine Tabelle mit der einfachen Gebühr je Streitwert, die mit einem Satz für das jeweilige Verfahren malgenommen wird.

PostenSatz oder BetragGrundlage
Gericht, Zivilklage erste Instanz3,0 GebührenNr. 1210 KV GKG
Gericht bei Vergleich oder Anerkenntnis1,0 GebührNr. 1211 KV GKG
Gericht, Berufung4,0 GebührenNr. 1220 KV GKG
Arbeitsgericht, erste Instanz2,0 GebührenNr. 8210 KV GKG
Landesarbeitsgericht, Berufung3,2 GebührenNr. 8220 KV GKG
Anwalt, erste Instanz1,3 + 1,2Nr. 3100 und 3104 VV RVG
Anwalt, Berufung1,6 + 1,2Nr. 3200 und 3202 VV RVG
Einigungsgebühr im Prozess1,0Nr. 1003 VV RVG
Einfache Gerichtsgebühr bei 10.000 €283,00 €§ 34 GKG
Einfache Anwaltsgebühr bei 10.000 €652,00 €§ 13 RVG

Beim Anwalt kommen je Instanz 20 % der Gebühren, höchstens 20 €, als Auslagenpauschale und 19 % Umsatzsteuer dazu (Nr. 7002 und 7008 VV RVG). Gebührentabellen in der Fassung seit 1. Juni 2025.

Damit kostet eine verlorene Zivilklage, wenn beide Seiten einen Anwalt haben und es in jeder Instanz einen Termin gibt:

StreitwertGerichtAnwalt je SeiteVerloren, erste InstanzVerloren mit Berufung
2.000 €309 €547 €1.404 €3.036 €
5.000 €512 €1.078 €2.668 €5.760 €
10.000 €849 €1.964 €4.776 €10.301 €
25.000 €1.307 €2.782 €6.870 €14.837 €
50.000 €1.914 €4.061 €10.036 €21.678 €
100.000 €3.594 €5.245 €14.084 €30.619 €

Auf volle Euro gerundet, ohne Zeugen, Gutachten und Reisekosten. Die Spalten Gericht und Anwalt gelten für die erste Instanz. Berufung ist nur möglich, wenn es um mehr als 1.000 € geht oder das Gericht sie zulässt (§ 511 Abs. 2 ZPO).

Bis 10.000 € Streitwert und bei Streit um eine Mietwohnung ist das Amtsgericht zuständig (§ 23 GVG). Dort darfst du dich selbst vertreten, ab dem Landgericht brauchst du einen Anwalt (§ 78 Abs. 1 ZPO). Nimmt sich die Gegenseite einen Anwalt und du verlierst, zahlst du ihn so oder so.

Vor dem Arbeitsgericht läuft es anders. In der ersten Instanz zahlt jede Seite ihren Anwalt selbst, auch wer gewinnt (§ 12a Abs. 1 ArbGG). Das Gericht verlangt 2,0 Gebühren und keinen Vorschuss, bei einem gerichtlichen Vergleich entfällt die Gebühr ganz (Vorbemerkung 8 KV GKG). Der Streitwert einer Kündigungsschutzklage beträgt höchstens drei Monatsverdienste, eine Abfindung zählt nicht mit (§ 42 Abs. 2 GKG).

Rechenbeispiel Kündigungsschutzklage bei 3.500 € Monatsverdienst
Streitwert: drei Monatsverdienste
10.500 €
Dein Anwalt: 1,3 Verfahrens- und 1,2 Terminsgebühr, Pauschale, 19 % Umsatzsteuer
2.127,13 €
+ Gericht bei einem Urteil: 2,0 Gebühren
627,00 €
Du verlierst in der ersten Instanz
2.754,13 €

Gewinnst du, trägt der Arbeitgeber die Gerichtskosten, deinen Anwalt zahlst du trotzdem: 2.127,13 €. Endet der Streit mit einem Vergleich, etwa über eine Abfindung, fällt keine Gerichtsgebühr an, dein Anwalt bekommt die Einigungsgebühr dazu: 2.968,46 €. Verlierst du auch in der Berufung, sind es zusammen 8.516,37 €, denn dort muss der Verlierer auch den Anwalt der Gegenseite zahlen.

Rechenbeispiel Klage aus einem Kaufvertrag über 8.000 €
Gericht: 3,0 Gebühren
714,00 €
+ dein Anwalt
1.609,48 €
+ Anwalt der Gegenseite
1.609,48 €
= Du verlierst in der ersten Instanz
3.932,96 €
+ Berufung: Gericht 4,0 Gebühren
952,00 €
+ beide Anwälte in der Berufung
3.599,52 €
Du verlierst in beiden Instanzen
8.484,48 €

Als Kläger zahlst du die 714,00 € Gerichtskosten vorab, sonst wird die Klage nicht zugestellt (§ 12 Abs. 1 GKG). Gewinnst du, muss die Gegenseite alles erstatten, sofern sie zahlen kann. Einigt ihr euch im ersten Termin und trägt jeder seine Kosten, zahlst du 2.362,75 €: deinen Anwalt mit Einigungsgebühr und die Hälfte der auf 1,0 Gebühr ermäßigten Gerichtskosten.

Vor dem Sozialgericht zahlen Versicherte und Leistungsempfänger keine Gerichtskosten (§ 183 SGG). Das Kostenrisiko ist dort vor allem der eigene Anwalt.

Bausteine: Privat, Beruf, Verkehr, Wohnen

Welche Streitigkeiten versichert sind, hängt von den Bausteinen in deinem Vertrag ab. Den Aufbau beschreiben die Musterbedingungen des Versicherungsverbands GDV, die ARB 2021 in der Fassung vom Juni 2025. Sie sind unverbindlich, dein Tarif kann mehr oder weniger enthalten. Verbindlich sind dein Versicherungsschein und deine Bedingungen.

BausteinVersichert zum BeispielNicht darin
PrivatSchadenersatz fordern, Streit aus Verträgen wie Kauf, Reise, Handwerker oder Versicherung, Steuern und Sozialleistungen vor Gericht, Straf- und Bußgeldverfahren, Rat vom Anwalt in Familie und ErbeArbeit, Miete, alles als Fahrer oder Halter eines Kfz, selbstständige Tätigkeit
BerufStreit aus dem Arbeitsverhältnis wie Kündigung, Lohn oder Zeugnis, bei Beamten aus dem Dienstverhältnis, Disziplinarverfahrenselbstständige Tätigkeit
VerkehrUnfall, Kauf und Reparatur des Autos, Führerschein, Bußgeld und Verkehrsstrafsachen, als Fahrer und Halter, auch als Radfahrer, Fußgänger oder FahrgastHalt- und Parkverstöße
Fahrzeugwie Verkehr, aber nur für das Fahrzeug im Versicherungsschein, egal wer fährtandere Fahrzeuge
Wohnen und GrundstückMiete und Pacht, Wohnrecht, Streit um die Grundstücksgrenze, als Mieter, Vermieter oder Eigentümer der genannten WohnungBauen und genehmigungspflichtige Umbauten
Selbstständige und Firmendie genannte Tätigkeit: Schadenersatz fordern, Streit mit Angestellten, Straf- und Bußgeldverfahren, SozialgerichtStreit mit Kunden aus Verträgen

Nach den ARB 2021, Abschnitte 2.1 und 2.2. Manche Tarife bieten mehr, etwa den Vertragsstreit von Selbstständigen als Zusatz.

Den Streit mit dem Arbeitgeber deckt nach dem Muster erst der Berufs-Rechtsschutz, den mit dem Vermieter erst der Baustein Wohnen. Wer nur Privat-Rechtsschutz hat, ist bei Streit um Job und Wohnung nicht versichert. Selbstständige brauchen für ihre Tätigkeit einen eigenen Baustein, der Privat-Rechtsschutz schließt sie aus (3.2.22).

Das Gesetz sagt dazu nur, dass der Versicherer die Leistungen erbringen muss, die du brauchst, um deine rechtlichen Interessen wahrzunehmen, im vereinbarten Umfang (§ 125 VVG). Was das heißt, steht in den Bedingungen. Im Versicherungsfall zahlt der Versicherer bis zur vereinbarten Versicherungssumme (2.3): deinen Anwalt bis zur gesetzlichen Vergütung, die Gerichtskosten samt Zeugen und Sachverständigen, die das Gericht heranzieht, den Gerichtsvollzieher und die Kosten der Gegenseite, wenn das Gericht sie dir auferlegt. Eine Mediation übernimmt er bis zu dem Betrag, den der Tarif nennt. Um dich vor Strafverfolgungsmaßnahmen wie Untersuchungshaft zu bewahren, stellt er, wenn nötig, eine Kaution als zinsloses Darlehen bis zur vereinbarten Höhe. Die Forderung der Gegenseite, ein Bußgeld oder eine Geldstrafe zahlt er nie.

Wartezeit: Ab wann zahlt die Rechtsschutzversicherung?

Nach den Musterbedingungen gilt eine Wartezeit von 3 Monaten ab Versicherungsbeginn (ARB 2021, 3.1.1). Tritt der Versicherungsfall in dieser Zeit ein, zahlt der Versicherer nicht, auch wenn der Prozess erst Monate später beginnt. Sofort versichert sind die Bereiche, in denen sich ein Streit kaum planen lässt:

BereichWartezeitARB 2021
Schadenersatz fordern, etwa nach einem Unfallkeine2.2.1
Strafverfahren und Bußgeldverfahrenkeine2.2.9 und 2.2.10
Disziplinar- und Standesrechtkeine2.2.8
Rat vom Anwalt in Familie und Erbekeine2.2.11
Opfer einer Gewalttat als Nebenklägerkeine2.2.12
Kauf oder Leasing eines fabrikneuen Autoskeine3.1.1
Arbeit3 Monate2.2.2
Miete, Wohnung und Grundstück3 Monate2.2.3
Verträge wie Kauf, Reise, Handwerker3 Monate2.2.4
Steuern vor dem Finanzgericht3 Monate2.2.5
Sozialgericht3 Monate2.2.6
Führerschein und andere Verkehrssachen vor Behörden3 Monate2.2.7

Musterbedingungen, einzelne Tarife weichen in beide Richtungen ab.

Entscheidend ist nicht der Tag der Klage oder der Meldung, sondern der Versicherungsfall (2.4). Beim Schadenersatz ist das der Tag, an dem der Schaden eintrat, beim Rat in Familie und Erbe das Ereignis, das deine Rechtslage geändert hat. In allen anderen Bereichen zählt der erste Verstoß gegen Rechtspflichten, den du der Gegenseite vorwirfst oder den sie dir vorwirft. Zieht sich ein Streit hin, gilt sein Beginn, und bauen mehrere Verstöße aufeinander auf, der erste (2.4.4 und 2.4.5).

Wie früh das sein kann, zeigt ein Urteil des Bundesgerichtshofs zur gleichen Regel in älteren Bedingungen. Ein Arbeitgeber hatte angekündigt, er werde kündigen, falls der Mitarbeiter keinen Aufhebungsvertrag unterschreibt. Schon diese Drohung war der Versicherungsfall, nicht erst eine spätere Kündigung (BGH, Urteil vom 19. November 2008, IV ZR 305/07). Der Versicherer musste deshalb die Anwälte bezahlen, die sich schon gegen die Drohung wehrten. Fällt eine solche Drohung in die Wartezeit, ist umgekehrt auch der spätere Prozess nicht versichert.

Ein Beispiel mit dem Rechner: Beginnt dein Vertrag am 1. Oktober 2026, endet die Wartezeit mit dem 31. Dezember 2026. Kündigt dir der Vermieter am 15. Dezember 2026, zahlt die Versicherung für diesen Streit nicht, auch wenn die Räumungsklage erst im Frühjahr kommt. Für Streitfälle ab dem 1. Januar 2027 bist du versichert. Der Rechner geht von Versicherungsbeginn um 0 Uhr aus: Die Frist endet mit dem Tag vor dem Monatstag, an dem der Vertrag begann, und fehlt dieser Tag, am Monatsletzten. Bei Beginn am 30. November 2026 ist das der 28. Februar 2027 (§§ 187, 188 BGB).

Einen Streit, der schon läuft, kannst du nicht mehr versichern: Liegt der Versicherungsfall vor dem Versicherungsbeginn, zahlt der Versicherer nicht (2.4). Dasselbe gilt, wenn du vor Beginn einen Antrag bei einer Behörde oder bei einem anderen Versicherer gestellt hast, etwa auf eine Berufsunfähigkeitsrente, und erst später darüber streitest (3.1.2). Fälle aus der Vertragszeit kannst du nach dem Ende des Vertrags noch melden, aber nur bis drei Jahre danach (3.1.3).

Den Versicherer lückenlos wechseln

Kündige den alten Vertrag erst, wenn der neue feststeht, und lass keinen Tag Lücke. Dann greift die Regel zum Versichererwechsel (6.2.6): Der neue Versicherer springt ein, wenn ein Fall sonst zwischen die Verträge fiele, etwa weil dein Antrag bei einer Behörde noch in die alte Vertragszeit fiel oder die Bedingungen den Versicherungsfall unterschiedlich bestimmen. Er zahlt dann in dem Umfang, den du vorher versichert hattest, höchstens so viel wie im neuen Vertrag. Die Wartezeit des neuen Vertrags gilt nach dem Muster trotzdem, denn die Regel weicht nur von 3.1.2 bis 3.1.4 ab. Manche Tarife verzichten bei einem nahtlosen Wechsel auf die Wartezeit.

Ausschlüsse: Wofür die Rechtsschutzversicherung nicht zahlt

Auch mit dem passenden Baustein bleiben einige Bereiche außen vor. Nach den Musterbedingungen sind das vor allem diese:

BereichNicht versichertARB 2021
BauenKauf eines Baugrundstücks, Planung und Bau eines Hauses, genehmigungspflichtige Umbauten und deren Finanzierung3.2.2
Schadenersatz abwehrenVerlangt jemand Schadenersatz von dir, ist das Sache der Haftpflichtversicherung. Versichert bleibt, wenn die Forderung auf einem Vertrag beruht.3.2.3
Familie und ErbeScheidung, Unterhalt, Sorgerecht, Erbstreit. Versichert ist nur ein Rat vom Anwalt.3.2.10
GeldanlageKauf, Verkauf, Verwaltung und Finanzierung von Kapitalanlagen, außer Dingen für den eigenen Gebrauch und der selbst genutzten Wohnung3.2.8
Darlehen, Spiel und WetteStreit um die Vergabe von Darlehen, Spiel- und Wettverträge, Gewinnzusagen3.2.9
VorsatzStreit, der mit einer vorsätzlichen Straftat zusammenhängt. Stellt sich das später heraus, musst du die Leistungen zurückzahlen.3.2.21
Selbstständige Arbeitalles rund um eine gewerbliche, freiberufliche oder andere selbstständige Tätigkeit, außer mit eigenem Baustein3.2.22
ParkenBußgeld- und Verwaltungsverfahren wegen Halt- oder Parkverstößen3.2.16
Streit im VertragStreit zwischen Mitversicherten oder von Mitversicherten gegen dich3.2.17
WeiterePatente, Marken und Urheberrecht, Kartell- und Wettbewerbsrecht, Streit als Geschäftsführer, Verfassungsgerichte, eigene Insolvenz3.2.5 bis 3.2.7, 3.2.13, 3.2.14

Im Strafrecht zahlt der Versicherer die Verteidigung nur bei Vergehen, die auch fahrlässig strafbar sind, wenn dir Fahrlässigkeit vorgeworfen wird, etwa bei fahrlässiger Körperverletzung (2.2.9). Lautet der Vorwurf auf Vorsatz, hast du zunächst keinen Schutz. Wirst du nicht wegen Vorsatzes verurteilt, zahlt er rückwirkend. Bei Verbrechen und bei Taten, die nur vorsätzlich begangen werden können, etwa Beleidigung, Diebstahl oder Betrug, zahlt er nach dem Muster nie, egal wie das Verfahren ausgeht. Im Verkehrs-Rechtsschutz ist die Verteidigung bei Verkehrsstraftaten versichert, nach einer rechtskräftigen Verurteilung wegen Vorsatzes musst du die Kosten zurückzahlen.

Deckungszusage, Anwaltswahl und Ablehnung

Melde den Fall unverzüglich, das geht auch telefonisch, und schildere ihn vollständig mit allen Beweismitteln (ARB 2021, 4.1.1). Der Versicherer bestätigt dir dann, welche Kosten er übernimmt. Diese Deckungszusage solltest du haben, bevor du klagst oder in die Berufung gehst. Was du vorher in Gang setzt, zahlt er nur so weit, wie er es auch mit Zusage getragen hätte (4.1.2).

Den Anwalt suchst du selbst aus (§ 127 VVG, ARB 2021, 4.1.3), auf Wunsch übernimmt das der Versicherer. Er zahlt höchstens die gesetzliche Vergütung eines Anwalts am Ort des zuständigen Gerichts (2.3.1.2). Ein vereinbartes Honorar über den gesetzlichen Gebühren trägst du selbst, ebenso die Mehrkosten, wenn du den Anwalt wechselst. Wohnst du mehr als 100 km Luftlinie vom Gericht entfernt, zahlt er in der ersten Instanz zusätzlich einen zweiten Anwalt, der nur den Schriftverkehr mit dem Anwalt am Gericht führt, außer in Straf- und Bußgeldsachen.

Hält der Versicherer deine Sache für aussichtslos oder mutwillig, muss er das unverzüglich schriftlich begründen (3.4). Mutwillig heißt: Die Kosten stehen in grobem Missverhältnis zu dem, was du erreichen willst. Für diesen Streit schreibt das Gesetz ein unparteiisches Verfahren vor (§ 128 VVG). Die Musterbedingungen kennen zwei: den Stichentscheid, bei dem dein Anwalt auf Kosten des Versicherers eine begründete Stellungnahme abgibt, die beide Seiten bindet, solange sie nicht offensichtlich an der Sach- und Rechtslage vorbeigeht, oder ein Schiedsgutachten durch einen erfahrenen Anwalt, den die Rechtsanwaltskammer benennt. Fehlt ein solches Verfahren im Vertrag oder weist der Versicherer dich nicht darauf hin, gilt dein Rechtsschutzbedürfnis als anerkannt.

Lehnt der Versicherer zu Unrecht ab, darfst du innerhalb eines Monats kündigen (6.2.5.1). Als Verbraucher kannst du dich außerdem kostenlos an den Versicherungsombudsmann wenden, wenn dein Versicherer dort Mitglied ist.

Vergleich vorher abstimmen

Einigst du dich mit der Gegenseite, zahlt der Versicherer nur den Teil der Kosten, der zu deinem Nachgeben passt. Verlangst du 10.000 € und bekommst 8.000 €, trägt er 20 % der gesamten Kosten des Streits (ARB 2021, 3.3.2). Übernimmst du im Vergleich mehr Kosten, zahlst du die Differenz selbst.

Selbstbeteiligung, Beitrag und Kündigung

Die Selbstbeteiligung zieht der Versicherer in jedem Versicherungsfall einmal ab, egal durch wie viele Instanzen der Streit geht. Hängen mehrere Fälle zeitlich und ursächlich zusammen, zieht er sie nur einmal ab (ARB 2021, 3.3.4). Kleine Fälle wie eine kurze Beratung zahlst du damit oft ganz selbst. Ob sich eine höhere Selbstbeteiligung lohnt, rechnest du oben im Modus Selbstbeteiligung mit den Beiträgen aus deinem Angebot aus.

Auf den Beitrag kommen 19 % Versicherungsteuer (§ 6 Abs. 1 VersStG), sie ist im Rechnungsbetrag schon enthalten: In 300 € Jahresbeitrag stecken 47,90 € Steuer. Der Beitrag kann sich jedes Jahr ändern. Nach den Musterbedingungen ermittelt ein unabhängiger Treuhänder bis zum 1. Juli, wie sich der Bedarf für Schadenzahlungen am Markt verändert hat. Ab einem Plus von 5 % darf der Versicherer erhöhen, höchstens bis zum Beitrag für Neukunden, ab einem Minus von 5 % muss er senken (7.8). Nach einer Erhöhung kannst du innerhalb eines Monats nach der Mitteilung kündigen, außer die Erhöhung kommt nur von der Versicherungsteuer (7.8.7 und § 40 VVG).

Verträge mit mindestens einem Jahr Laufzeit verlängern sich jeweils um ein Jahr, wenn keine Seite spätestens drei Monate vor Ablauf kündigt (6.2.2). Ist ein Vertrag auf mehr als drei Jahre geschlossen, kannst du trotzdem zum Ende des dritten und jedes weiteren Jahres kündigen, ebenfalls mit drei Monaten Frist (§ 11 Abs. 4 VVG). Nach zwei Versicherungsfällen innerhalb von zwölf Monaten, für die der Versicherer zahlt, dürfen beide Seiten vorzeitig kündigen, innerhalb eines Monats nach der Zusage für den zweiten Fall (6.2.5.2). Das Recht hat also auch der Versicherer.

Häufige Fragen

Lohnt sich eine Rechtsschutzversicherung?
Das hängt davon ab, wie wahrscheinlich ein Streit für dich ist und ob du ihn aus eigener Tasche bezahlen könntest. Arbeitnehmer tragen vor dem Arbeitsgericht in der ersten Instanz den eigenen Anwalt immer selbst: Bei 3.500 € Monatsverdienst kostet die Kündigungsschutzklage mit einem Termin 2.127,13 €, auch wenn du gewinnst. Eine verlorene Klage über 8.000 € kostet 3.932,96 €. Streitfälle, die weniger kosten als deine Selbstbeteiligung, zahlst du dagegen ohnehin selbst. Trag oben deinen Beitrag ein, dann siehst du, wie vielen Jahresbeiträgen ein verlorener Prozess entspricht.
Zahlt die Rechtsschutzversicherung auch ohne Gericht?
In den meisten Bereichen ja. Versichert ist die Wahrnehmung deiner rechtlichen Interessen, also schon das erste Anwaltsschreiben an den Arbeitgeber oder den Verkäufer. Ausnahmen sind Steuern und Sozialleistungen: Dort zahlt der Versicherer nach dem Muster erst ab der Klage (ARB 2021, 2.2.5 und 2.2.6). Eine Mediation übernimmt er bis zum Betrag im Tarif (2.3.1.1). Beschränkt sich der Anwalt auf einen Rat oder eine Auskunft, gilt je Fall eine Obergrenze, die ebenfalls im Tarif steht (2.3.1.2).
Kann ich die Rechtsschutzversicherung von der Steuer absetzen?
Nur den beruflichen Teil. Den Anteil für den Arbeits-Rechtsschutz setzt du als Werbungskosten ab (§ 9 EStG), dafür brauchst du eine Bescheinigung des Versicherers über diesen Anteil am Beitrag. Der Vermieter-Rechtsschutz für eine vermietete Wohnung zählt zu den Werbungskosten bei den Mieteinnahmen, der Firmen-Rechtsschutz zu den Betriebsausgaben. Der private Teil ist nicht absetzbar, auch nicht als Sonderausgabe: Die Rechtsschutzversicherung fehlt in der Liste von § 10 Abs. 1 Nr. 3a EStG.
Zahlt die Rechtsschutzversicherung bei einer Scheidung?
Das Verfahren nicht. Familien- und Erbrecht sind ausgeschlossen, versichert ist nur ein Rat oder eine Auskunft vom Anwalt, der Beratungs-Rechtsschutz (ARB 2021, 2.2.11 und 3.2.10). Tut der Anwalt mehr, schreibt er etwa an deinen Ehepartner, zahlt der Versicherer nach dem Muster gar nichts. Das Ereignis, das deine Rechtslage geändert hat, muss nach Versicherungsbeginn liegen (2.4.1). Als Verbraucher zahlst du für ein erstes Beratungsgespräch ohne Vereinbarung höchstens 190 € plus Umsatzsteuer, zusammen 226,10 € (§ 34 RVG). Was die Scheidung selbst kostet, zeigt der Scheidungskosten-Rechner.
Zahlt die Rechtsschutzversicherung, wenn ich verklagt werde?
Das hängt davon ab, worum es geht. Verlangt jemand Schadenersatz von dir, weil du etwas beschädigt oder jemanden verletzt hast, ist das Sache der Haftpflichtversicherung, die unberechtigte Forderungen abwehrt (ARB 2021, 3.2.3). Beruht die Forderung auf einem Vertrag, etwa einem Kauf, deinem Arbeits- oder deinem Mietvertrag, hilft der passende Baustein des Rechtsschutzes. Mehr zur Haftpflicht steht auf der Seite Privathaftpflicht.
Wer ist in der Rechtsschutzversicherung mitversichert?
Im Privat- und im Berufs-Rechtsschutz nach dem Muster dein Ehe- oder eingetragener Lebenspartner, ein im Versicherungsschein genannter Lebenspartner, deine minderjährigen Kinder und unverheiratete volljährige Kinder bis zum 25. Geburtstag. Für volljährige Kinder endet der Schutz, sobald sie erstmals auf Dauer arbeiten und dafür Geld verdienen (ARB 2021, 2.1). Klagt ein Mitversicherter gegen dich oder streiten Mitversicherte untereinander, zahlt die Versicherung nicht (3.2.17).
Welche Versicherungssumme ist sinnvoll?
Die Summe gilt je Versicherungsfall, Zahlungen für dich und Mitversicherte im selben Fall werden zusammengerechnet (ARB 2021, 2.3). Ein Streit über 100.000 € kostet den Verlierer nach zwei Instanzen 30.619 € für Gericht und Anwälte. Knapp wird eine niedrige Summe bei sehr hohen Streitwerten, teuren Gutachten, drei Instanzen oder Verfahren im Ausland.
Hilft die Rechtsschutzversicherung beim Streit um eine BU- oder Erwerbsminderungsrente?
Streit mit einem privaten BU-Versicherer fällt unter den Rechtsschutz im Vertragsrecht, also in den Privat-Baustein (ARB 2021, 2.2.4). Gegen die Rentenversicherung hilft der Sozialgerichts-Rechtsschutz, nach dem Muster aber erst ab der Klage, das Widerspruchsverfahren zahlst du selbst (2.2.6). Gerichtskosten fallen für Versicherte vor dem Sozialgericht ohnehin nicht an (§ 183 SGG). Hast du den Rentenantrag vor Versicherungsbeginn gestellt, zahlt der Rechtsschutz den Streit darüber nicht (3.1.2). Wie hoch die Rente wäre, rechnet der Erwerbsminderungsrente-Rechner.
Zahlt die Rechtsschutzversicherung bei Bußgeld und Knöllchen?
Die Verteidigung gegen einen Bußgeldbescheid ist im Verkehrs-Rechtsschutz versichert, ohne Wartezeit (ARB 2021, 2.2.10 und 3.1.1). Halt- und Parkverstöße sind ausgeschlossen (3.2.16). Das Bußgeld selbst zahlt die Versicherung nie, nur Anwalt und Gericht, in Verkehrssachen unter Umständen auch einen Sachverständigen, etwa für ein Gutachten zur Messung (2.3.1.3).
Was kann ich ohne Rechtsschutz tun, wenn ich wenig verdiene?
Für eine Beratung gibt es Beratungshilfe. Das Amtsgericht stellt einen Berechtigungsschein aus, der Anwalt darf dann höchstens 15 € von dir verlangen (Nr. 2500 VV RVG). Für einen Prozess gibt es Prozesskostenhilfe, wenn deine Klage Aussicht auf Erfolg hat und dein Einkommen nicht reicht, je nach Einkommen auch in Raten (§ 114 ZPO). Verlierst du, zahlst du den Anwalt der Gegenseite trotzdem (§ 123 ZPO).

Quellen

  1. GDV: Musterbedingungen ARB 2021 (Stand Juni 2025): Bausteine, Versicherungsfall, Wartezeit, Ausschlüsse, Selbstbeteiligung, Kündigung gdv.de
  2. § 125 VVG: Leistung des Rechtsschutzversicherers gesetze-im-internet.de
  3. § 127 VVG: Freie Anwaltswahl gesetze-im-internet.de
  4. § 128 VVG: Gutachterverfahren, wenn der Versicherer ablehnt gesetze-im-internet.de
  5. § 34 GKG: Gerichtsgebühr nach Streitwert, Tabelle seit 1. Juni 2025 gesetze-im-internet.de
  6. GKG, Kostenverzeichnis: Nr. 1210 bis 1222, 8210 bis 8220, Vorbemerkung 8 gesetze-im-internet.de
  7. RVG, Anlage 1: Vergütungsverzeichnis: Nr. 1003, 2500, 3100, 3104, 3200, 3202, 7002, 7008 gesetze-im-internet.de
  8. § 12a ArbGG: Keine Erstattung der Anwaltskosten in der ersten Instanz gesetze-im-internet.de
  9. § 42 GKG: Streitwert der Kündigungsschutzklage gesetze-im-internet.de
  10. BGH, Pressemitteilung Nr. 213/2008: Urteil vom 19.11.2008, IV ZR 305/07: Rechtsschutzfall schon bei angedrohter Kündigung bundesgerichtshof.de
  11. § 6 VersStG: Versicherungsteuer 19 % gesetze-im-internet.de

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