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Was kostet ein Prozess ohne Rechtsschutzversicherung?
Wer einen Prozess verliert, zahlt das Gericht, den eigenen Anwalt und den Anwalt der Gegenseite (§ 91 ZPO). Alle drei Posten hängen am Streitwert. Das Gericht rechnet nach dem Gerichtskostengesetz, die Anwälte nach dem Rechtsanwaltsvergütungsgesetz. Beide Gesetze haben eine Tabelle mit der einfachen Gebühr je Streitwert, die mit einem Satz für das jeweilige Verfahren malgenommen wird.
| Posten | Satz oder Betrag | Grundlage |
|---|---|---|
| Gericht, Zivilklage erste Instanz | 3,0 Gebühren | Nr. 1210 KV GKG |
| Gericht bei Vergleich oder Anerkenntnis | 1,0 Gebühr | Nr. 1211 KV GKG |
| Gericht, Berufung | 4,0 Gebühren | Nr. 1220 KV GKG |
| Arbeitsgericht, erste Instanz | 2,0 Gebühren | Nr. 8210 KV GKG |
| Landesarbeitsgericht, Berufung | 3,2 Gebühren | Nr. 8220 KV GKG |
| Anwalt, erste Instanz | 1,3 + 1,2 | Nr. 3100 und 3104 VV RVG |
| Anwalt, Berufung | 1,6 + 1,2 | Nr. 3200 und 3202 VV RVG |
| Einigungsgebühr im Prozess | 1,0 | Nr. 1003 VV RVG |
| Einfache Gerichtsgebühr bei 10.000 € | 283,00 € | § 34 GKG |
| Einfache Anwaltsgebühr bei 10.000 € | 652,00 € | § 13 RVG |
Beim Anwalt kommen je Instanz 20 % der Gebühren, höchstens 20 €, als Auslagenpauschale und 19 % Umsatzsteuer dazu (Nr. 7002 und 7008 VV RVG). Gebührentabellen in der Fassung seit 1. Juni 2025.
Damit kostet eine verlorene Zivilklage, wenn beide Seiten einen Anwalt haben und es in jeder Instanz einen Termin gibt:
| Streitwert | Gericht | Anwalt je Seite | Verloren, erste Instanz | Verloren mit Berufung |
|---|---|---|---|---|
| 2.000 € | 309 € | 547 € | 1.404 € | 3.036 € |
| 5.000 € | 512 € | 1.078 € | 2.668 € | 5.760 € |
| 10.000 € | 849 € | 1.964 € | 4.776 € | 10.301 € |
| 25.000 € | 1.307 € | 2.782 € | 6.870 € | 14.837 € |
| 50.000 € | 1.914 € | 4.061 € | 10.036 € | 21.678 € |
| 100.000 € | 3.594 € | 5.245 € | 14.084 € | 30.619 € |
Auf volle Euro gerundet, ohne Zeugen, Gutachten und Reisekosten. Die Spalten Gericht und Anwalt gelten für die erste Instanz. Berufung ist nur möglich, wenn es um mehr als 1.000 € geht oder das Gericht sie zulässt (§ 511 Abs. 2 ZPO).
Bis 10.000 € Streitwert und bei Streit um eine Mietwohnung ist das Amtsgericht zuständig (§ 23 GVG). Dort darfst du dich selbst vertreten, ab dem Landgericht brauchst du einen Anwalt (§ 78 Abs. 1 ZPO). Nimmt sich die Gegenseite einen Anwalt und du verlierst, zahlst du ihn so oder so.
Vor dem Arbeitsgericht läuft es anders. In der ersten Instanz zahlt jede Seite ihren Anwalt selbst, auch wer gewinnt (§ 12a Abs. 1 ArbGG). Das Gericht verlangt 2,0 Gebühren und keinen Vorschuss, bei einem gerichtlichen Vergleich entfällt die Gebühr ganz (Vorbemerkung 8 KV GKG). Der Streitwert einer Kündigungsschutzklage beträgt höchstens drei Monatsverdienste, eine Abfindung zählt nicht mit (§ 42 Abs. 2 GKG).
- Streitwert: drei Monatsverdienste
- 10.500 €
- Dein Anwalt: 1,3 Verfahrens- und 1,2 Terminsgebühr, Pauschale, 19 % Umsatzsteuer
- 2.127,13 €
- + Gericht bei einem Urteil: 2,0 Gebühren
- 627,00 €
- Du verlierst in der ersten Instanz
- 2.754,13 €
Gewinnst du, trägt der Arbeitgeber die Gerichtskosten, deinen Anwalt zahlst du trotzdem: 2.127,13 €. Endet der Streit mit einem Vergleich, etwa über eine Abfindung, fällt keine Gerichtsgebühr an, dein Anwalt bekommt die Einigungsgebühr dazu: 2.968,46 €. Verlierst du auch in der Berufung, sind es zusammen 8.516,37 €, denn dort muss der Verlierer auch den Anwalt der Gegenseite zahlen.
- Gericht: 3,0 Gebühren
- 714,00 €
- + dein Anwalt
- 1.609,48 €
- + Anwalt der Gegenseite
- 1.609,48 €
- = Du verlierst in der ersten Instanz
- 3.932,96 €
- + Berufung: Gericht 4,0 Gebühren
- 952,00 €
- + beide Anwälte in der Berufung
- 3.599,52 €
- Du verlierst in beiden Instanzen
- 8.484,48 €
Als Kläger zahlst du die 714,00 € Gerichtskosten vorab, sonst wird die Klage nicht zugestellt (§ 12 Abs. 1 GKG). Gewinnst du, muss die Gegenseite alles erstatten, sofern sie zahlen kann. Einigt ihr euch im ersten Termin und trägt jeder seine Kosten, zahlst du 2.362,75 €: deinen Anwalt mit Einigungsgebühr und die Hälfte der auf 1,0 Gebühr ermäßigten Gerichtskosten.
Vor dem Sozialgericht zahlen Versicherte und Leistungsempfänger keine Gerichtskosten (§ 183 SGG). Das Kostenrisiko ist dort vor allem der eigene Anwalt.
Bausteine: Privat, Beruf, Verkehr, Wohnen
Welche Streitigkeiten versichert sind, hängt von den Bausteinen in deinem Vertrag ab. Den Aufbau beschreiben die Musterbedingungen des Versicherungsverbands GDV, die ARB 2021 in der Fassung vom Juni 2025. Sie sind unverbindlich, dein Tarif kann mehr oder weniger enthalten. Verbindlich sind dein Versicherungsschein und deine Bedingungen.
| Baustein | Versichert zum Beispiel | Nicht darin |
|---|---|---|
| Privat | Schadenersatz fordern, Streit aus Verträgen wie Kauf, Reise, Handwerker oder Versicherung, Steuern und Sozialleistungen vor Gericht, Straf- und Bußgeldverfahren, Rat vom Anwalt in Familie und Erbe | Arbeit, Miete, alles als Fahrer oder Halter eines Kfz, selbstständige Tätigkeit |
| Beruf | Streit aus dem Arbeitsverhältnis wie Kündigung, Lohn oder Zeugnis, bei Beamten aus dem Dienstverhältnis, Disziplinarverfahren | selbstständige Tätigkeit |
| Verkehr | Unfall, Kauf und Reparatur des Autos, Führerschein, Bußgeld und Verkehrsstrafsachen, als Fahrer und Halter, auch als Radfahrer, Fußgänger oder Fahrgast | Halt- und Parkverstöße |
| Fahrzeug | wie Verkehr, aber nur für das Fahrzeug im Versicherungsschein, egal wer fährt | andere Fahrzeuge |
| Wohnen und Grundstück | Miete und Pacht, Wohnrecht, Streit um die Grundstücksgrenze, als Mieter, Vermieter oder Eigentümer der genannten Wohnung | Bauen und genehmigungspflichtige Umbauten |
| Selbstständige und Firmen | die genannte Tätigkeit: Schadenersatz fordern, Streit mit Angestellten, Straf- und Bußgeldverfahren, Sozialgericht | Streit mit Kunden aus Verträgen |
Nach den ARB 2021, Abschnitte 2.1 und 2.2. Manche Tarife bieten mehr, etwa den Vertragsstreit von Selbstständigen als Zusatz.
Den Streit mit dem Arbeitgeber deckt nach dem Muster erst der Berufs-Rechtsschutz, den mit dem Vermieter erst der Baustein Wohnen. Wer nur Privat-Rechtsschutz hat, ist bei Streit um Job und Wohnung nicht versichert. Selbstständige brauchen für ihre Tätigkeit einen eigenen Baustein, der Privat-Rechtsschutz schließt sie aus (3.2.22).
Das Gesetz sagt dazu nur, dass der Versicherer die Leistungen erbringen muss, die du brauchst, um deine rechtlichen Interessen wahrzunehmen, im vereinbarten Umfang (§ 125 VVG). Was das heißt, steht in den Bedingungen. Im Versicherungsfall zahlt der Versicherer bis zur vereinbarten Versicherungssumme (2.3): deinen Anwalt bis zur gesetzlichen Vergütung, die Gerichtskosten samt Zeugen und Sachverständigen, die das Gericht heranzieht, den Gerichtsvollzieher und die Kosten der Gegenseite, wenn das Gericht sie dir auferlegt. Eine Mediation übernimmt er bis zu dem Betrag, den der Tarif nennt. Um dich vor Strafverfolgungsmaßnahmen wie Untersuchungshaft zu bewahren, stellt er, wenn nötig, eine Kaution als zinsloses Darlehen bis zur vereinbarten Höhe. Die Forderung der Gegenseite, ein Bußgeld oder eine Geldstrafe zahlt er nie.
Wartezeit: Ab wann zahlt die Rechtsschutzversicherung?
Nach den Musterbedingungen gilt eine Wartezeit von 3 Monaten ab Versicherungsbeginn (ARB 2021, 3.1.1). Tritt der Versicherungsfall in dieser Zeit ein, zahlt der Versicherer nicht, auch wenn der Prozess erst Monate später beginnt. Sofort versichert sind die Bereiche, in denen sich ein Streit kaum planen lässt:
| Bereich | Wartezeit | ARB 2021 |
|---|---|---|
| Schadenersatz fordern, etwa nach einem Unfall | keine | 2.2.1 |
| Strafverfahren und Bußgeldverfahren | keine | 2.2.9 und 2.2.10 |
| Disziplinar- und Standesrecht | keine | 2.2.8 |
| Rat vom Anwalt in Familie und Erbe | keine | 2.2.11 |
| Opfer einer Gewalttat als Nebenkläger | keine | 2.2.12 |
| Kauf oder Leasing eines fabrikneuen Autos | keine | 3.1.1 |
| Arbeit | 3 Monate | 2.2.2 |
| Miete, Wohnung und Grundstück | 3 Monate | 2.2.3 |
| Verträge wie Kauf, Reise, Handwerker | 3 Monate | 2.2.4 |
| Steuern vor dem Finanzgericht | 3 Monate | 2.2.5 |
| Sozialgericht | 3 Monate | 2.2.6 |
| Führerschein und andere Verkehrssachen vor Behörden | 3 Monate | 2.2.7 |
Musterbedingungen, einzelne Tarife weichen in beide Richtungen ab.
Entscheidend ist nicht der Tag der Klage oder der Meldung, sondern der Versicherungsfall (2.4). Beim Schadenersatz ist das der Tag, an dem der Schaden eintrat, beim Rat in Familie und Erbe das Ereignis, das deine Rechtslage geändert hat. In allen anderen Bereichen zählt der erste Verstoß gegen Rechtspflichten, den du der Gegenseite vorwirfst oder den sie dir vorwirft. Zieht sich ein Streit hin, gilt sein Beginn, und bauen mehrere Verstöße aufeinander auf, der erste (2.4.4 und 2.4.5).
Wie früh das sein kann, zeigt ein Urteil des Bundesgerichtshofs zur gleichen Regel in älteren Bedingungen. Ein Arbeitgeber hatte angekündigt, er werde kündigen, falls der Mitarbeiter keinen Aufhebungsvertrag unterschreibt. Schon diese Drohung war der Versicherungsfall, nicht erst eine spätere Kündigung (BGH, Urteil vom 19. November 2008, IV ZR 305/07). Der Versicherer musste deshalb die Anwälte bezahlen, die sich schon gegen die Drohung wehrten. Fällt eine solche Drohung in die Wartezeit, ist umgekehrt auch der spätere Prozess nicht versichert.
Ein Beispiel mit dem Rechner: Beginnt dein Vertrag am 1. Oktober 2026, endet die Wartezeit mit dem 31. Dezember 2026. Kündigt dir der Vermieter am 15. Dezember 2026, zahlt die Versicherung für diesen Streit nicht, auch wenn die Räumungsklage erst im Frühjahr kommt. Für Streitfälle ab dem 1. Januar 2027 bist du versichert. Der Rechner geht von Versicherungsbeginn um 0 Uhr aus: Die Frist endet mit dem Tag vor dem Monatstag, an dem der Vertrag begann, und fehlt dieser Tag, am Monatsletzten. Bei Beginn am 30. November 2026 ist das der 28. Februar 2027 (§§ 187, 188 BGB).
Einen Streit, der schon läuft, kannst du nicht mehr versichern: Liegt der Versicherungsfall vor dem Versicherungsbeginn, zahlt der Versicherer nicht (2.4). Dasselbe gilt, wenn du vor Beginn einen Antrag bei einer Behörde oder bei einem anderen Versicherer gestellt hast, etwa auf eine Berufsunfähigkeitsrente, und erst später darüber streitest (3.1.2). Fälle aus der Vertragszeit kannst du nach dem Ende des Vertrags noch melden, aber nur bis drei Jahre danach (3.1.3).
Kündige den alten Vertrag erst, wenn der neue feststeht, und lass keinen Tag Lücke. Dann greift die Regel zum Versichererwechsel (6.2.6): Der neue Versicherer springt ein, wenn ein Fall sonst zwischen die Verträge fiele, etwa weil dein Antrag bei einer Behörde noch in die alte Vertragszeit fiel oder die Bedingungen den Versicherungsfall unterschiedlich bestimmen. Er zahlt dann in dem Umfang, den du vorher versichert hattest, höchstens so viel wie im neuen Vertrag. Die Wartezeit des neuen Vertrags gilt nach dem Muster trotzdem, denn die Regel weicht nur von 3.1.2 bis 3.1.4 ab. Manche Tarife verzichten bei einem nahtlosen Wechsel auf die Wartezeit.
Ausschlüsse: Wofür die Rechtsschutzversicherung nicht zahlt
Auch mit dem passenden Baustein bleiben einige Bereiche außen vor. Nach den Musterbedingungen sind das vor allem diese:
| Bereich | Nicht versichert | ARB 2021 |
|---|---|---|
| Bauen | Kauf eines Baugrundstücks, Planung und Bau eines Hauses, genehmigungspflichtige Umbauten und deren Finanzierung | 3.2.2 |
| Schadenersatz abwehren | Verlangt jemand Schadenersatz von dir, ist das Sache der Haftpflichtversicherung. Versichert bleibt, wenn die Forderung auf einem Vertrag beruht. | 3.2.3 |
| Familie und Erbe | Scheidung, Unterhalt, Sorgerecht, Erbstreit. Versichert ist nur ein Rat vom Anwalt. | 3.2.10 |
| Geldanlage | Kauf, Verkauf, Verwaltung und Finanzierung von Kapitalanlagen, außer Dingen für den eigenen Gebrauch und der selbst genutzten Wohnung | 3.2.8 |
| Darlehen, Spiel und Wette | Streit um die Vergabe von Darlehen, Spiel- und Wettverträge, Gewinnzusagen | 3.2.9 |
| Vorsatz | Streit, der mit einer vorsätzlichen Straftat zusammenhängt. Stellt sich das später heraus, musst du die Leistungen zurückzahlen. | 3.2.21 |
| Selbstständige Arbeit | alles rund um eine gewerbliche, freiberufliche oder andere selbstständige Tätigkeit, außer mit eigenem Baustein | 3.2.22 |
| Parken | Bußgeld- und Verwaltungsverfahren wegen Halt- oder Parkverstößen | 3.2.16 |
| Streit im Vertrag | Streit zwischen Mitversicherten oder von Mitversicherten gegen dich | 3.2.17 |
| Weitere | Patente, Marken und Urheberrecht, Kartell- und Wettbewerbsrecht, Streit als Geschäftsführer, Verfassungsgerichte, eigene Insolvenz | 3.2.5 bis 3.2.7, 3.2.13, 3.2.14 |
Im Strafrecht zahlt der Versicherer die Verteidigung nur bei Vergehen, die auch fahrlässig strafbar sind, wenn dir Fahrlässigkeit vorgeworfen wird, etwa bei fahrlässiger Körperverletzung (2.2.9). Lautet der Vorwurf auf Vorsatz, hast du zunächst keinen Schutz. Wirst du nicht wegen Vorsatzes verurteilt, zahlt er rückwirkend. Bei Verbrechen und bei Taten, die nur vorsätzlich begangen werden können, etwa Beleidigung, Diebstahl oder Betrug, zahlt er nach dem Muster nie, egal wie das Verfahren ausgeht. Im Verkehrs-Rechtsschutz ist die Verteidigung bei Verkehrsstraftaten versichert, nach einer rechtskräftigen Verurteilung wegen Vorsatzes musst du die Kosten zurückzahlen.
Deckungszusage, Anwaltswahl und Ablehnung
Melde den Fall unverzüglich, das geht auch telefonisch, und schildere ihn vollständig mit allen Beweismitteln (ARB 2021, 4.1.1). Der Versicherer bestätigt dir dann, welche Kosten er übernimmt. Diese Deckungszusage solltest du haben, bevor du klagst oder in die Berufung gehst. Was du vorher in Gang setzt, zahlt er nur so weit, wie er es auch mit Zusage getragen hätte (4.1.2).
Den Anwalt suchst du selbst aus (§ 127 VVG, ARB 2021, 4.1.3), auf Wunsch übernimmt das der Versicherer. Er zahlt höchstens die gesetzliche Vergütung eines Anwalts am Ort des zuständigen Gerichts (2.3.1.2). Ein vereinbartes Honorar über den gesetzlichen Gebühren trägst du selbst, ebenso die Mehrkosten, wenn du den Anwalt wechselst. Wohnst du mehr als 100 km Luftlinie vom Gericht entfernt, zahlt er in der ersten Instanz zusätzlich einen zweiten Anwalt, der nur den Schriftverkehr mit dem Anwalt am Gericht führt, außer in Straf- und Bußgeldsachen.
Hält der Versicherer deine Sache für aussichtslos oder mutwillig, muss er das unverzüglich schriftlich begründen (3.4). Mutwillig heißt: Die Kosten stehen in grobem Missverhältnis zu dem, was du erreichen willst. Für diesen Streit schreibt das Gesetz ein unparteiisches Verfahren vor (§ 128 VVG). Die Musterbedingungen kennen zwei: den Stichentscheid, bei dem dein Anwalt auf Kosten des Versicherers eine begründete Stellungnahme abgibt, die beide Seiten bindet, solange sie nicht offensichtlich an der Sach- und Rechtslage vorbeigeht, oder ein Schiedsgutachten durch einen erfahrenen Anwalt, den die Rechtsanwaltskammer benennt. Fehlt ein solches Verfahren im Vertrag oder weist der Versicherer dich nicht darauf hin, gilt dein Rechtsschutzbedürfnis als anerkannt.
Lehnt der Versicherer zu Unrecht ab, darfst du innerhalb eines Monats kündigen (6.2.5.1). Als Verbraucher kannst du dich außerdem kostenlos an den Versicherungsombudsmann wenden, wenn dein Versicherer dort Mitglied ist.
Einigst du dich mit der Gegenseite, zahlt der Versicherer nur den Teil der Kosten, der zu deinem Nachgeben passt. Verlangst du 10.000 € und bekommst 8.000 €, trägt er 20 % der gesamten Kosten des Streits (ARB 2021, 3.3.2). Übernimmst du im Vergleich mehr Kosten, zahlst du die Differenz selbst.
Selbstbeteiligung, Beitrag und Kündigung
Die Selbstbeteiligung zieht der Versicherer in jedem Versicherungsfall einmal ab, egal durch wie viele Instanzen der Streit geht. Hängen mehrere Fälle zeitlich und ursächlich zusammen, zieht er sie nur einmal ab (ARB 2021, 3.3.4). Kleine Fälle wie eine kurze Beratung zahlst du damit oft ganz selbst. Ob sich eine höhere Selbstbeteiligung lohnt, rechnest du oben im Modus Selbstbeteiligung mit den Beiträgen aus deinem Angebot aus.
Auf den Beitrag kommen 19 % Versicherungsteuer (§ 6 Abs. 1 VersStG), sie ist im Rechnungsbetrag schon enthalten: In 300 € Jahresbeitrag stecken 47,90 € Steuer. Der Beitrag kann sich jedes Jahr ändern. Nach den Musterbedingungen ermittelt ein unabhängiger Treuhänder bis zum 1. Juli, wie sich der Bedarf für Schadenzahlungen am Markt verändert hat. Ab einem Plus von 5 % darf der Versicherer erhöhen, höchstens bis zum Beitrag für Neukunden, ab einem Minus von 5 % muss er senken (7.8). Nach einer Erhöhung kannst du innerhalb eines Monats nach der Mitteilung kündigen, außer die Erhöhung kommt nur von der Versicherungsteuer (7.8.7 und § 40 VVG).
Verträge mit mindestens einem Jahr Laufzeit verlängern sich jeweils um ein Jahr, wenn keine Seite spätestens drei Monate vor Ablauf kündigt (6.2.2). Ist ein Vertrag auf mehr als drei Jahre geschlossen, kannst du trotzdem zum Ende des dritten und jedes weiteren Jahres kündigen, ebenfalls mit drei Monaten Frist (§ 11 Abs. 4 VVG). Nach zwei Versicherungsfällen innerhalb von zwölf Monaten, für die der Versicherer zahlt, dürfen beide Seiten vorzeitig kündigen, innerhalb eines Monats nach der Zusage für den zweiten Fall (6.2.5.2). Das Recht hat also auch der Versicherer.
Häufige Fragen
Lohnt sich eine Rechtsschutzversicherung?
Zahlt die Rechtsschutzversicherung auch ohne Gericht?
Kann ich die Rechtsschutzversicherung von der Steuer absetzen?
Zahlt die Rechtsschutzversicherung bei einer Scheidung?
Zahlt die Rechtsschutzversicherung, wenn ich verklagt werde?
Wer ist in der Rechtsschutzversicherung mitversichert?
Welche Versicherungssumme ist sinnvoll?
Hilft die Rechtsschutzversicherung beim Streit um eine BU- oder Erwerbsminderungsrente?
Zahlt die Rechtsschutzversicherung bei Bußgeld und Knöllchen?
Was kann ich ohne Rechtsschutz tun, wenn ich wenig verdiene?
Quellen
- GDV: Musterbedingungen ARB 2021 (Stand Juni 2025): Bausteine, Versicherungsfall, Wartezeit, Ausschlüsse, Selbstbeteiligung, Kündigung gdv.de
- § 125 VVG: Leistung des Rechtsschutzversicherers gesetze-im-internet.de
- § 127 VVG: Freie Anwaltswahl gesetze-im-internet.de
- § 128 VVG: Gutachterverfahren, wenn der Versicherer ablehnt gesetze-im-internet.de
- § 34 GKG: Gerichtsgebühr nach Streitwert, Tabelle seit 1. Juni 2025 gesetze-im-internet.de
- GKG, Kostenverzeichnis: Nr. 1210 bis 1222, 8210 bis 8220, Vorbemerkung 8 gesetze-im-internet.de
- RVG, Anlage 1: Vergütungsverzeichnis: Nr. 1003, 2500, 3100, 3104, 3200, 3202, 7002, 7008 gesetze-im-internet.de
- § 12a ArbGG: Keine Erstattung der Anwaltskosten in der ersten Instanz gesetze-im-internet.de
- § 42 GKG: Streitwert der Kündigungsschutzklage gesetze-im-internet.de
- BGH, Pressemitteilung Nr. 213/2008: Urteil vom 19.11.2008, IV ZR 305/07: Rechtsschutzfall schon bei angedrohter Kündigung bundesgerichtshof.de
- § 6 VersStG: Versicherungsteuer 19 % gesetze-im-internet.de