Auf dieser Seite
Scheidungskosten berechnen: So wird gerechnet
Gericht und Anwalt rechnen nach festen Tabellen. Du brauchst dafür nur eine Zahl: den Verfahrenswert, den das Familiengericht am Ende festsetzt. Aus ihm liest das Gericht seine Gebühr in der Tabelle des FamGKG ab, der Anwalt seine in der Tabelle des RVG.
- Wert der ScheidungMaßgeblich ist das Nettoeinkommen von euch beiden aus drei Monaten, mindestens 3.000 € und höchstens 1.000.000 € (§ 43 FamGKG). Nach seinem Ermessen berücksichtigt das Gericht auch Vermögen, Umfang und Bedeutung der Sache.
- VersorgungsausgleichJe Anrecht kommen 10 % des Dreimonatsnettos dazu, zusammen mindestens 1.000 € (§ 50 FamGKG). Ein Anrecht ist jede Altersversorgung, die einer von euch in der Ehe aufgebaut hat, etwa die gesetzliche Rente, eine Betriebsrente oder ein Riester-Vertrag. Wie die Anrechte geteilt werden, zeigt der Versorgungsausgleich-Rechner.
- Weitere FolgesachenKlärt das Gericht im selben Verfahren Sorgerecht, Unterhalt, Wohnung oder Zugewinn, kommt deren Wert dazu. Welche Werte gelten, steht unten bei den Folgesachen.
- GebührenAus dem Gesamtwert nimmt das Gericht 2,0 Gebühren, der Anwalt 2,5 Gebühren plus Auslagenpauschale und Umsatzsteuer. Beide Rechnungen stehen unten Schritt für Schritt.
Ihr verdient zusammen 5.000 € netto, habt keine Kinder und kein nennenswertes Vermögen. Beide haben eine gesetzliche Rente, also zwei Anrechte. Einer stellt den Antrag, der andere stimmt ohne eigenen Anwalt zu.
- Nettoeinkommen beider im Monat
- 5.000 €
- × 3 Monate = Wert der Scheidung
- 15.000 €
- + Versorgungsausgleich: 2 × 10 % von 15.000 €
- +3.000 €
- = Verfahrenswert
- 18.000 €
- Gericht: 2,0 × 374,50 € aus der FamGKG-Tabelle
- 749,00 €
- Anwalt: 2,5 × 817,00 € aus der RVG-Tabelle, Pauschale, Umsatzsteuer
- 2.454,38 €
- Scheidungskosten mit einem Anwalt
- 3.203,38 €
Verfahrenswert = 3 × Nettoeinkommen beider im Monat × (1 + 0,1 × Anrechte)
Kosten = 2,0 Gerichtsgebühren + je Anwalt 2,5 Gebühren, Pauschale und Umsatzsteuer
Die Formel gilt ohne Kinder und Vermögen und oberhalb der Mindestwerte. Scheidung und Folgesachen sind ein Verfahren (§ 44 Abs. 1 FamGKG), für den Anwalt eine Angelegenheit (§ 16 Nr. 4 RVG). Die Gebühren fallen deshalb nur einmal aus dem zusammengerechneten Wert an. Weil die Tabellen nach oben flacher werden, kostet der doppelte Wert nicht das Doppelte: Bei 10.800 € Verfahrenswert zahlt ihr mit einem Anwalt 2.754 €, bei 21.600 € sind es 3.428 €.
Die Tabellen gelten in dieser Höhe seit 1. Juni 2025. Für Anträge und Anwaltsaufträge von vorher bleibt es bei den alten Gebühren (§ 63 FamGKG, § 60 RVG).
Werte und Gebührensätze 2026
| Posten | Wert | Grundlage |
|---|---|---|
| Wert der Scheidung: Nettoeinkommen beider aus | drei Monaten | § 43 Abs. 2 FamGKG |
| Mindest- und Höchstwert der Scheidung | 3.000 € bis 1.000.000 € | § 43 Abs. 1 FamGKG |
| Versorgungsausgleich je Anrecht (Ausgleich nach der Scheidung: 20 %) | 10 %, zusammen mindestens 1.000 € | § 50 Abs. 1 FamGKG |
| Sorge- oder Umgangsverfahren im Verbund | 20 %, höchstens 5.000 € | § 44 Abs. 2 FamGKG |
| Gerichtsgebühr für Scheidung und Folgesachen | 2,0 | Nr. 1110 KV FamGKG |
| Gerichtsgebühr bei Rücknahme vor Ende der Verhandlung | 0,5 | Nr. 1111 KV FamGKG |
| Verfahrensgebühr des Anwalts | 1,3 | Nr. 3100 VV RVG |
| Terminsgebühr des Anwalts | 1,2 | Nr. 3104 VV RVG |
| Auslagenpauschale | 20 %, höchstens 20 € | Nr. 7002 VV RVG |
| Umsatzsteuer auf die Anwaltsrechnung | 19 % | Nr. 7008 VV RVG |
Gebührentabellen von FamGKG und RVG in der Fassung seit 1. Juni 2025.
Scheidungskosten nach Nettoeinkommen: Tabelle
So viel kostet die Scheidung bei typischen Einkommen, gerechnet mit dem Rechner oben. Gemeint ist das Nettoeinkommen von euch beiden zusammen.
| Netto beider im Monat | Mit einem Anwalt | Mit zwei Anwälten | Verfahrenswert | Gericht | Je Anwalt |
|---|---|---|---|---|---|
| 1.000 € | 1.197 € | 2.099 € | 4.000 € | 296 € | 901 € |
| 1.500 € | 1.641 € | 2.897 € | 5.500 € | 386 € | 1.255 € |
| 2.000 € | 2.085 € | 3.695 € | 7.200 € | 476 € | 1.609 € |
| 2.500 € | 2.307 € | 4.094 € | 9.000 € | 521 € | 1.786 € |
| 3.000 € | 2.754 € | 4.881 € | 10.800 € | 627 € | 2.127 € |
| 3.500 € | 2.754 € | 4.881 € | 12.600 € | 627 € | 2.127 € |
| 4.000 € | 2.979 € | 5.270 € | 14.400 € | 688 € | 2.291 € |
| 5.000 € | 3.203 € | 5.658 € | 18.000 € | 749 € | 2.454 € |
| 6.000 € | 3.428 € | 6.046 € | 21.600 € | 810 € | 2.618 € |
| 7.000 € | 3.989 € | 7.027 € | 25.200 € | 952 € | 3.037 € |
| 8.000 € | 3.989 € | 7.027 € | 28.800 € | 952 € | 3.037 € |
| 10.000 € | 4.663 € | 8.212 € | 36.000 € | 1.114 € | 3.549 € |
| 12.000 € | 5.000 € | 8.805 € | 43.200 € | 1.195 € | 3.805 € |
Zwei Anrechte im Versorgungsausgleich, keine Kinder, kein Vermögen, auf volle Euro gerundet. Bei kleinen Einkommen greifen die Mindestwerte von 3.000 € für die Scheidung und 1.000 € für den Versorgungsausgleich. Wo zwei Zeilen gleich viel kosten, liegen beide Verfahrenswerte in derselben Gebührenstufe.
Gerichtskosten der Scheidung
Die Gerichtskosten stehen im Gesetz über Gerichtskosten in Familiensachen (FamGKG). Bis 500 € Verfahrenswert beträgt eine Gebühr 40 €, darüber steigt sie in Stufen (§ 28 Abs. 1 FamGKG). Für die Scheidung mit allen Folgesachen verlangt das Gericht 2,0 dieser Gebühren (Nr. 1110 KV FamGKG), egal wie viele Termine es gibt.
- Verfahrenswert bis 500 €
- 40,00 €
- über 500 € bis 2.000 €: 3 × 21,00 € je angefangene 500 €
- +63,00 €
- über 2.000 € bis 10.000 €: 8 × 22,50 € je angefangene 1.000 €
- +180,00 €
- über 10.000 € bis 18.000 €: 3 × 30,50 € je angefangene 3.000 €
- +91,50 €
- = einfache Gebühr (1,0) bei 18.000 €
- 374,50 €
- × 2,0 für Scheidung und Folgesachen (Nr. 1110 KV FamGKG)
- 749,00 €
| Verfahrenswert bis | Scheidung (2,0) | Hälfte je Ehegatte | Einfache Gebühr | Nach Rücknahme (0,5) |
|---|---|---|---|---|
| 3.000 € | 251,00 € | 125,50 € | 125,50 € | 62,75 € |
| 4.000 € | 296,00 € | 148,00 € | 148,00 € | 74,00 € |
| 5.000 € | 341,00 € | 170,50 € | 170,50 € | 85,25 € |
| 6.000 € | 386,00 € | 193,00 € | 193,00 € | 96,50 € |
| 8.000 € | 476,00 € | 238,00 € | 238,00 € | 119,00 € |
| 10.000 € | 566,00 € | 283,00 € | 283,00 € | 141,50 € |
| 13.000 € | 627,00 € | 313,50 € | 313,50 € | 156,75 € |
| 16.000 € | 688,00 € | 344,00 € | 344,00 € | 172,00 € |
| 19.000 € | 749,00 € | 374,50 € | 374,50 € | 187,25 € |
| 25.000 € | 871,00 € | 435,50 € | 435,50 € | 217,75 € |
| 30.000 € | 952,00 € | 476,00 € | 476,00 € | 238,00 € |
| 40.000 € | 1.114,00 € | 557,00 € | 557,00 € | 278,50 € |
| 50.000 € | 1.276,00 € | 638,00 € | 638,00 € | 319,00 € |
Gebühren nach Anlage 2 zum FamGKG, gültig seit 1. Juni 2025. Innerhalb einer Stufe kostet jeder Verfahrenswert gleich viel.
Wann du zahlen musst
Die Gebühr wird mit dem Scheidungsantrag fällig (§ 9 Abs. 1 FamGKG), und zunächst schuldet sie der Antragsteller allein (§ 21 Abs. 1). Das Gericht stellt den Antrag deinem Ehepartner erst zu, wenn sie bezahlt ist (§ 14 Abs. 1). Mit Verfahrenskostenhilfe entfällt der Vorschuss (§ 15 Nr. 1). Ohne sie auch dann, wenn der Antrag weder aussichtslos noch mutwillig ist und du glaubhaft machst, dass dir die sofortige Zahlung Schwierigkeiten bereiten würde. Dafür genügt die Erklärung deines Anwalts (§ 15 Nr. 3). Bezahlen musst du die Gebühr trotzdem, nur nicht vorab.
Was die Gebühr senkt und was dazukommt
Nimmst du den Antrag vor dem Ende der mündlichen Verhandlung zurück, sinkt die Gebühr auf 0,5 (Nr. 1111 KV FamGKG). Dasselbe gilt für eine Folgesache, über die ihr vor Gericht einen Vergleich schließt, dann nur für ihren Anteil am Wert. Für die Scheidung selbst bleibt es bei 2,0, auch wenn beide auf eine Begründung des Beschlusses verzichten. Neben der Gebühr berechnet das Gericht Auslagen: Zustellungen erst ab der 11. im Rechtszug mit 3,50 € je Stück (Nr. 2002), Kosten für Sachverständige in voller Höhe (Nr. 2005).
Anwaltskosten der Scheidung nach dem RVG
Der Anwalt rechnet mit demselben Verfahrenswert wie das Gericht (§ 23 Abs. 1 RVG), aber nach der Tabelle des Rechtsanwaltsvergütungsgesetzes: Bis 500 € beträgt eine Gebühr 51,50 €, darüber steigt sie in eigenen Stufen (§ 13 Abs. 1 RVG). Für die Scheidung bekommt er eine Verfahrensgebühr von 1,3 und für den Anhörungstermin eine Terminsgebühr von 1,2, zusammen 2,5 Gebühren statt der 2,0 des Gerichts.
- Einfache Gebühr (1,0) bei 18.000 € nach § 13 RVG
- 817,00 €
- Verfahrensgebühr 1,3 (Nr. 3100 VV RVG)
- 1.062,10 €
- Terminsgebühr 1,2 (Nr. 3104 VV RVG)
- 980,40 €
- Auslagenpauschale (Nr. 7002 VV RVG)
- 20,00 €
- = netto
- 2.062,50 €
- Umsatzsteuer 19 % (Nr. 7008 VV RVG)
- 391,88 €
- Rechnung des Anwalts
- 2.454,38 €
| Verfahrenswert bis | Je Anwalt mit Umsatzsteuer | Gebühren 2,5 | Einfache Gebühr |
|---|---|---|---|
| 3.000 € | 724,41 € | 588,75 € | 235,50 € |
| 4.000 € | 901,43 € | 737,50 € | 295,00 € |
| 5.000 € | 1.078,44 € | 886,25 € | 354,50 € |
| 6.000 € | 1.255,45 € | 1.035,00 € | 414,00 € |
| 8.000 € | 1.609,48 € | 1.332,50 € | 533,00 € |
| 10.000 € | 1.963,50 € | 1.630,00 € | 652,00 € |
| 13.000 € | 2.127,13 € | 1.767,50 € | 707,00 € |
| 16.000 € | 2.290,75 € | 1.905,00 € | 762,00 € |
| 19.000 € | 2.454,38 € | 2.042,50 € | 817,00 € |
| 25.000 € | 2.781,63 € | 2.317,50 € | 927,00 € |
| 30.000 € | 3.037,48 € | 2.532,50 € | 1.013,00 € |
| 40.000 € | 3.549,18 € | 2.962,50 € | 1.185,00 € |
| 50.000 € | 4.060,88 € | 3.392,50 € | 1.357,00 € |
Gebühren nach Anlage 2 zum RVG seit 1. Juni 2025. Je Anwalt mit Auslagenpauschale (Nr. 7002) und 19 % Umsatzsteuer (Nr. 7008).
Wann weitere Gebühren dazukommen
Für die Scheidung selbst gibt es keine Einigungsgebühr (Nr. 1000 VV RVG, Anmerkung Abs. 5). Einigt ihr euch vor Gericht über eine Folgesache wie den Unterhalt, bekommt jeder beteiligte Anwalt eine Einigungsgebühr von 1,0 aus deren Wert (Nr. 1003). Endet der Auftrag, bevor der Anwalt den Antrag einreicht, sinkt die Verfahrensgebühr auf 0,8 (Nr. 3101). Verhandelt er schon vorher außergerichtlich über Unterhalt oder Vermögen, ist das eine eigene Angelegenheit mit Geschäftsgebühr (Nr. 2300). Sie wird zur Hälfte, höchstens mit 0,75, auf die Verfahrensgebühr angerechnet, soweit es um denselben Gegenstand geht (Vorbemerkung 3 Abs. 4 VV RVG).
Festpreis oder Honorarvereinbarung
Weniger als die gesetzlichen Gebühren darf ein Anwalt im Gerichtsverfahren nicht vereinbaren (§ 49b Abs. 1 BRAO), ein Festpreis unter dem RVG ist für die Scheidung also nicht erlaubt. Mehr darf er verlangen, wenn ihr eine Vergütungsvereinbarung in Textform schließt (§ 3a Abs. 1 RVG). Sie muss den Hinweis enthalten, dass dir ein anderer Beteiligter oder die Staatskasse im Fall einer Erstattung in der Regel nur die gesetzliche Vergütung ersetzt.
Ohne Honorarvereinbarung kostet ein erstes Beratungsgespräch beim Anwalt höchstens 190 € plus Umsatzsteuer (§ 34 Abs. 1 RVG). Beauftragst du ihn danach mit der Scheidung, wird die Beratungsgebühr angerechnet, wenn ihr nichts anderes vereinbart (§ 34 Abs. 2 RVG).
Einvernehmliche Scheidung mit einem Anwalt
Seid ihr euch einig, reicht ein Anwalt. Er stellt für einen von euch den Antrag, der andere stimmt ohne Anwalt zu: bei der Geschäftsstelle des Familiengerichts, die seine Erklärung aufnimmt, oder im Termin (§ 114 Abs. 4 Nr. 3 und § 134 Abs. 1 FamFG). Widerrufen kann er die Zustimmung bis zum Ende der mündlichen Verhandlung (§ 134 Abs. 2). Nach einem Jahr Trennung gilt die Ehe dann als gescheitert (§ 1566 Abs. 1 BGB).
Ihr spart eine komplette Anwaltsrechnung: Bei 5.000 € Netto zusammen kostet die Scheidung mit einem Anwalt 3.203,38 €, mit zwei Anwälten 5.657,76 €. Die Gerichtskosten bleiben gleich. Der Haken: Der Anwalt vertritt nur seinen Auftraggeber. Wer ohne Anwalt zustimmt, kann keine eigenen Anträge stellen, etwa zum Unterhalt oder zum Versorgungsausgleich. Dafür bräuchte er einen eigenen Anwalt (§ 114 Abs. 1 FamFG).
Eine Vereinbarung über den Versorgungsausgleich vor der Scheidung und eine über den Zugewinn während des Verfahrens muss ein Notar beurkunden (§ 7 Abs. 1 VersAusglG, § 1378 Abs. 3 Satz 2 BGB). Ein gerichtlicher Vergleich ersetzt den Notar (§ 127a BGB). Weil in Folgesachen Anwaltszwang gilt (§ 114 Abs. 1 FamFG), braucht dafür aber jeder von euch einen Anwalt.
Ein Ehegatte verdient 2.400 € netto, der andere 1.500 €. Beide haben eine gesetzliche Rente. Einer stellt den Antrag, der andere stimmt ohne Anwalt zu.
- Nettoeinkommen beider × 3
- 11.700 €
- 2 Kinder × 250 € × 3
- −1.500 €
- = Wert der Scheidung
- 10.200 €
- + Versorgungsausgleich: 2 × 10 % von 11.700 €
- +2.340 €
- = Verfahrenswert
- 12.540 €
- Gericht: 2,0 × 313,50 €
- 627,00 €
- Anwalt: 2,5 × 707,00 €, Pauschale, Umsatzsteuer
- 2.127,13 €
- Scheidungskosten zusammen
- 2.754,13 €
Der Antragsteller zahlt den Anwalt und die Hälfte der Gerichtskosten, zusammen 2.440,63 €. Der andere zahlt 313,50 €.
Folgesachen: Unterhalt, Sorgerecht, Wohnung und Zugewinn
Folgesachen entscheidet das Familiengericht zusammen mit der Scheidung, im sogenannten Verbund (§ 137 Abs. 1 FamFG). Den Versorgungsausgleich führt es ohne Antrag mit durch (§ 137 Abs. 2 Satz 2), bei einer Ehe von bis zu drei Jahren nur auf Antrag (§ 3 Abs. 3 VersAusglG). Unterhalt, Ehewohnung, Haushalt und Zugewinn kommen dazu, wenn einer von euch sie spätestens zwei Wochen vor der mündlichen Verhandlung anhängig macht (§ 137 Abs. 2 Satz 1 FamFG). Sorge- und Umgangsverfahren gehören nur dazu, wenn einer die Einbeziehung beantragt (§ 137 Abs. 3).
| Folgesache | Wert | Grundlage |
|---|---|---|
| Versorgungsausgleich | 10 % des Dreimonatsnettos je Anrecht, zusammen mindestens 1.000 € | § 50 Abs. 1 FamGKG |
| Sorgerecht, Umgang, Herausgabe eines Kindes | 20 % vom Wert der Scheidung, höchstens 5.000 € je Verfahren | § 44 Abs. 2 FamGKG |
| Unterhalt für Kinder oder den Ehegatten nach der Scheidung | geforderter Betrag für zwölf Monate | § 51 Abs. 1 FamGKG |
| Ehewohnung nach der Scheidung | 5.000 € | § 48 Abs. 1 FamGKG |
| Haushaltsgegenstände | 3.000 € | § 48 Abs. 2 FamGKG |
| Zugewinnausgleich | geforderter Betrag | § 35 FamGKG |
Das Gericht kann die Werte für Kinder, Wohnung und Haushalt im Einzelfall höher oder niedriger ansetzen (§ 44 Abs. 3, § 48 Abs. 3 FamGKG).
Jede Folgesache erhöht den Verfahrenswert, die Gebühren entstehen aber nur einmal aus der Summe (§ 44 Abs. 1 FamGKG, § 16 Nr. 4 RVG). Deshalb ist der Verbund günstiger als ein eigenes Verfahren. Ein Beispiel: Ihr habt beide einen Anwalt und streitet zusätzlich über 600 € Unterhalt im Monat. Im Verbund kostet euch das zusammen 1.369,20 € mehr. Als eigenes Unterhaltsverfahren wären es 3.932,96 €: 714,00 € für das Gericht, das dann 3,0 Gebühren nimmt (Nr. 1220 KV FamGKG), und zwei Anwaltsrechnungen über je 1.609,48 €. Über den Unterhalt rechnet der Unterhaltsrechner.
Die Ehegatten verdienen 4.200 € und 1.800 € netto, haben ein Kind und vier Anrechte, zwei gesetzliche Renten und zwei Betriebsrenten. Im Verbund streiten sie über das Sorgerecht, außerdem werden 600 € Unterhalt im Monat gefordert.
- Wert der Scheidung: 18.000 € − 750 € für das Kind
- 17.250 €
- + Versorgungsausgleich: 4 × 1.800 €
- +7.200 €
- + Sorgerecht: 20 % von 17.250 €
- +3.450 €
- + Unterhalt: 12 × 600 €
- +7.200 €
- = Verfahrenswert
- 35.100 €
- Gericht: 2,0 × 557,00 €
- 1.114,00 €
- Zwei Anwälte je 3.549,18 €
- 7.098,36 €
- Scheidungskosten zusammen
- 8.212,36 €
Jeder zahlt seinen Anwalt und die halben Gerichtskosten, also 4.106,18 €. Einigen sich beide im Termin über den Unterhalt, kommt je Anwalt eine Einigungsgebühr von 1,0 aus 7.200 € dazu, mit Umsatzsteuer 634,27 € (Nr. 1003 VV RVG).
Kinder und Vermögen: So unterschiedlich rechnen die Gerichte
Für Kinder und Vermögen nennt das Gesetz keine Zahlen, das Gericht entscheidet nach Ermessen (§ 43 FamGKG). Die Oberlandesgerichte haben dafür eigene Linien entwickelt. Der Rechner nimmt verbreitete Werte, dein Familiengericht kann abweichen.
Für jedes unterhaltsberechtigte Kind ziehen viele Gerichte einen festen Betrag vom Monatsnetto ab. Das OLG Celle hat 250 € abgezogen und das Kindergeld nicht als Einkommen gezählt (Beschluss vom 17. Dezember 2013, 12 WF 92/13), das OLG Frankfurt 400 € (Beschluss vom 12. März 2024, 2 WF 12/24). Für den Versorgungsausgleich haben beide mit dem vollen Nettoeinkommen gerechnet, ohne Abzug für die Kinder.
Beim Vermögen gehen die Ansichten weit auseinander. Das OLG Köln hat die Spanne 2015 zusammengetragen: 5 % oder 10 % des Vermögens, nach Freibeträgen von 15.000 € bis 60.000 € je Ehegatte, teils mit Zuschlägen je Kind. Das OLG Köln selbst lässt alles außen vor, was auch bei der Verfahrenskostenhilfe geschützt ist, etwa ein angemessenes selbst bewohntes Haus, und setzt vom Rest 10 % an (Beschluss vom 10. November 2015, 4 WF 161/15). Was das ausmacht, zeigt ein Paar mit 5.000 € Netto, zwei Anrechten, ohne Kinder und mit 200.000 € Vermögen:
| Rechenweise | Zuschlag | Verfahrenswert | Kosten mit einem Anwalt |
|---|---|---|---|
| Ohne Vermögen | – | 18.000 € | 3.203 € |
| 5 % über 60.000 € je EhegatteOLG Stuttgart, 18 WF 71/10 | 4.000 € | 22.000 € | 3.428 € |
| 5 % über 30.000 € je Ehegatte (Rechner)OLG Celle, 12 WF 140/12; OLG Hamm, 13 WF 19/15 | 7.000 € | 25.000 € | 3.653 € |
| 5 % über 25.000 € je EhegatteOLG Frankfurt, 2 WF 12/24 | 7.500 € | 25.500 € | 3.989 € |
| 10 % über 30.000 € je EhegatteOLG Schleswig, 10 WF 3/14 | 14.000 € | 32.000 € | 4.326 € |
Beschlüsse aus Stuttgart, Celle, Hamm und Schleswig nach der Übersicht des OLG Köln. Das OLG Frankfurt zieht beim Vermögen zusätzlich 10.000 € je Kind ab.
Je nach Gericht kostet das Vermögen hier zwischen 225 € und 1.123 € mehr. Steckt euer Vermögen vor allem im selbst bewohnten Haus, fällt es nach der Kölner Linie ganz heraus. Frag deinen Anwalt, wie euer Familiengericht rechnet.
Wer zahlt die Scheidung?
Wird die Ehe geschieden, hebt das Gericht die Kosten gegeneinander auf (§ 150 Abs. 1 FamFG). Die Gerichtskosten trägt dann jeder zur Hälfte (§ 92 Abs. 1 Satz 2 ZPO), seinen Anwalt bezahlt jeder selbst. Wer mehr verdient, zahlt deshalb nicht automatisch mehr. Vorgestreckt hat die Gerichtsgebühr der Antragsteller, im Beispiel mit 5.000 € Netto 749 €. Die Hälfte davon muss ihm der andere nach dem Beschluss erstatten.
Gibt es nur einen Anwalt, zahlt ihn der Antragsteller, denn der Anwalt vertritt nur ihn. Wollt ihr die Rechnung teilen, haltet das fest: Eine Vereinbarung über die Kosten soll das Gericht seiner Entscheidung zugrunde legen (§ 150 Abs. 4 Satz 3 FamFG). Von sich aus verteilt es die Kosten nur anders, wenn die Aufhebung unbillig wäre, etwa nach einer Versöhnung oder wegen des Ausgangs einer Unterhalts- oder Güterrechtsfolgesache (§ 150 Abs. 4 Satz 1). Wird der Antrag abgewiesen oder zurückgenommen, trägt der Antragsteller alles (§ 150 Abs. 2).
Verfahrenskostenhilfe, wenn das Geld nicht reicht
Wer die Kosten nicht oder nur in Raten aufbringen kann, bekommt auf Antrag Verfahrenskostenhilfe. In der Scheidung gelten dafür direkt die Regeln der ZPO zur Prozesskostenhilfe (§ 113 Abs. 1 FamFG, §§ 114 ff. ZPO). Sie übernimmt die Gerichtskosten und den eigenen Anwalt, den das Gericht dir beiordnet (§ 121 Abs. 1 ZPO), und erstreckt sich auf den Versorgungsausgleich (§ 149 FamFG). Außerdem muss der Antrag Aussicht auf Erfolg haben und darf nicht mutwillig sein (§ 114 ZPO). Deine Angaben zu Einkommen und Vermögen machst du auf dem amtlichen Formular mit Belegen (§ 117 Abs. 2 und 4 ZPO).
Von deinem Nettoeinkommen gehen die Freibeträge ab, dazu Miete und Heizung und besondere Belastungen (§ 115 Abs. 1 ZPO). Was übrig bleibt, ist das einzusetzende Einkommen. Die Hälfte davon zahlst du als Monatsrate, abgerundet auf volle Euro. Unter 10 € entfällt die Rate, über 600 € einzusetzendem Einkommen beträgt sie 300 € plus alles, was darüber liegt. Du zahlst höchstens 48 Raten und nicht mehr, als das Verfahren kostet (§ 115 Abs. 2 und § 120 Abs. 3 ZPO). Deine Rate mit Kindern, Unterhalt und Mehrbedarf zeigt der Prozesskostenhilfe-Rechner.
| Freibetrag im Monat | 2026 | Grundlage |
|---|---|---|
| für dich selbst | 619 € | § 115 Abs. 1 Satz 3 Nr. 2a ZPO |
| zusätzlich, wenn du Einkommen aus Arbeit hast | 282 € | § 115 Abs. 1 Satz 3 Nr. 1b ZPO |
| je unterhaltsberechtigtem Kind bis 5 Jahre | 393 € | § 115 Abs. 1 Satz 3 Nr. 2b ZPO |
| je Kind von 6 bis 13 Jahren | 429 € | § 115 Abs. 1 Satz 3 Nr. 2b ZPO |
| je Jugendlichem von 14 bis 17 Jahren | 518 € | § 115 Abs. 1 Satz 3 Nr. 2b ZPO |
| je unterhaltsberechtigtem Erwachsenen | 496 € | § 115 Abs. 1 Satz 3 Nr. 2b ZPO |
Beträge für den Bund nach der Prozesskostenhilfebekanntmachung 2026. In München, im Landkreis München und im Landkreis Fürstenfeldbruck gelten höhere. Hat ein Unterhaltsberechtigter eigenes Einkommen, sinkt sein Freibetrag entsprechend.
- Nettoeinkommen
- 1.700 €
- Freibetrag für dich
- −619 €
- Freibetrag, weil du arbeitest
- −282 €
- Miete und Heizung
- −600 €
- = einzusetzendes Einkommen
- 199 €
- Monatsrate: die Hälfte, abgerundet
- 99 €
Bewilligt wird die Hilfe nur, wenn das Verfahren dich mehr kostet als vier Raten, hier 396 € (§ 115 Abs. 4 ZPO). Höchstens zahlst du 48 Raten, also 4.752 €.
Nur ein Ehegatte verdient, 950 € netto im Monat. Beide haben Rentenanrechte.
- Nettoeinkommen × 3
- 2.850 €
- = Wert der Scheidung, mindestens 3.000 €
- 3.000 €
- + Versorgungsausgleich: 2 × 285 €, mindestens 1.000 €
- +1.000 €
- = Verfahrenswert
- 4.000 €
- Gericht: 2,0 × 148,00 €
- 296,00 €
- Anwalt
- 901,43 €
- Scheidungskosten zusammen
- 1.197,43 €
Ohne jedes Einkommen kostet die Scheidung genauso viel, weil beide Mindestwerte schon hier gelten. Stellt der Ehegatte mit Einkommen den Antrag, hilft die Verfahrenskostenhilfe: Von 950 € gehen 619 € und 282 € Freibetrag ab, dazu zum Beispiel 450 € Warmmiete. Es bleibt kein einzusetzendes Einkommen, also gibt es die Hilfe ohne Raten.
Solange die Hilfe bewilligt ist, darf dein beigeordneter Anwalt von dir keine Vergütung verlangen (§ 122 Abs. 1 Nr. 3 ZPO). Wer von Grundsicherungsgeld lebt, hat nach den Abzügen nichts einzusetzen: Der Freibetrag liegt über dem Regelbedarf, und die Wohnkosten gehen zusätzlich ab. Dann gibt es die Hilfe ohne Raten. Ändern sich deine Verhältnisse, kann das Gericht die Raten noch bis vier Jahre nach dem Ende des Verfahrens anpassen. Steigt dein Einkommen dauerhaft um mehr als 100 € brutto im Monat oder ziehst du um, musst du das von dir aus melden (§ 120a ZPO).
Verdient dein Ehepartner deutlich mehr, kann er verpflichtet sein, dir die Kosten eines Rechtsstreits in persönlichen Angelegenheiten vorzuschießen (§ 1360a Abs. 4 BGB, bei Getrenntleben mit § 1361 Abs. 4 Satz 4 BGB).
Häufige Fragen
Kann ich mich ohne Anwalt scheiden lassen?
Ist eine Online-Scheidung günstiger?
Zahlt die Rechtsschutzversicherung die Scheidung?
Kann ich die Scheidungskosten von der Steuer absetzen?
Was kostet es, wenn wir den Scheidungsantrag zurücknehmen?
Wann ist eine Scheidung möglich?
Wie lange dauert ein Scheidungsverfahren?
Was kann ich tun, wenn der Verfahrenswert zu hoch angesetzt ist?
Wie viel teurer macht der Versorgungsausgleich die Scheidung?
Kann ich die Scheidungskosten in Raten zahlen?
Quellen
- Gesetz über Gerichtskosten in Familiensachen (FamGKG): Gebühren § 28, Fälligkeit und Vorschuss §§ 9, 14, 15, Verfahrenswerte §§ 35, 43, 44, 48, 50, 51, Wertfestsetzung §§ 55, 59 gesetze-im-internet.de
- Kostenverzeichnis zum FamGKG: Nr. 1110, 1111, 1220 und Auslagen Nr. 2002, 2005 gesetze-im-internet.de
- Gebührentabelle zum FamGKG: Gerichtsgebühren seit 1. Juni 2025 gesetze-im-internet.de
- Vergütungsverzeichnis zum RVG: Nr. 1000 bis 1003, 2300, 3100, 3101, 3104, 7002 und 7008 gesetze-im-internet.de
- Gebührentabelle zum RVG: Anwaltsgebühren seit 1. Juni 2025 gesetze-im-internet.de
- § 114 FamFG: Anwaltszwang, Zustimmung zur Scheidung ohne Anwalt gesetze-im-internet.de
- § 137 FamFG: Verbund von Scheidung und Folgesachen gesetze-im-internet.de
- § 150 FamFG: Kosten in Scheidungssachen und Folgesachen gesetze-im-internet.de
- § 1566 BGB: Trennungsjahr und Vermutung des Scheiterns gesetze-im-internet.de
- § 115 ZPO: Einkommen, Raten und Vermögen bei der Verfahrenskostenhilfe gesetze-im-internet.de
- Prozesskostenhilfebekanntmachung 2026: Freibeträge ab 1. Januar 2026 gesetze-im-internet.de
- § 33 EStG: Abs. 2 Satz 4: Prozesskosten keine außergewöhnliche Belastung gesetze-im-internet.de
- OLG Celle, Beschluss vom 17.12.2013, 12 WF 92/13: Kindergeld zählt nicht, 250 € Abzug je Kind voris.wolterskluwer-online.de
- OLG Frankfurt am Main, Beschluss vom 12.03.2024, 2 WF 12/24: 400 € Abzug je Kind, Vermögen mit 5 % über Freibeträgen rv.hessenrecht.hessen.de
- OLG Köln, Beschluss vom 10.11.2015, 4 WF 161/15: wie die Gerichte Vermögen bewerten nrwe.justiz.nrw.de
- BFH, Urteil vom 18.05.2017, VI R 9/16: Scheidungskosten sind nicht absetzbar bundesfinanzhof.de
- GDV: Musterbedingungen Rechtsschutzversicherung (ARB 2021): Familienrecht nur als Beratungs-Rechtsschutz gdv.de
Passende Rechner
- Versorgungsausgleich Wie viele Rentenpunkte bei der Scheidung wandern
- Zugewinnausgleich Wie das Vermögen aus der Ehe geteilt wird
- Trennungsunterhalt Unterhalt zwischen Trennung und Scheidung
- Unterhalt Kindes- und Ehegattenunterhalt nach der Trennung
- Anwaltskosten RVG-Gebühren für jeden Streitwert
- Verfahrenskostenhilfe Rate und Einkommensgrenze, wenn das Geld nicht reicht
- Brutto-Netto Nettoeinkommen für den Verfahrenswert
- Steuerklassenwechsel Steuerklasse nach der Trennung