§§ 1, 3, 7, 11, 13 BUrlG · BAG 9 AZR-Senat · Stand Mai 2026

Urlaubsgeld-Rechner 2026

Urlaubsgeld als tarifliche oder einzelvertragliche Sonderzahlung — abzugrenzen vom gesetzlichen Urlaubsentgelt §11 BUrlG (Lohnfortzahlung während des Urlaubs). Berechnung nach drei Modellen: Prozent vom Monatsbrutto, Pauschalbetrag oder Tagessatz. Steuerlich ein sonstiger Bezug §39b Abs. 3 EStG — voll lohnsteuer- und sozialversicherungspflichtig.

§§ 1, 3, 7, 11, 13 BUrlG

Urlaubsrecht 2026

BAG 9 AZR-Senat

aktuelle Rechtsprechung

Fachliche Prüfung durch die Arbeitsrechts-Redaktion am 6. Mai 2026. Tarifkennzahlen gegen WSI-Tarifarchiv 2025/2026 sowie die Tarifabschlüsse IG Metall NRW (01/2026) und Chemie/BAVC (01/2026) abgeglichen.

Live · 2026

Urlaubsgeld pro Jahr (Brutto)

1.750,00 €

Steuer- und sozialversicherungs­pflichtig wie regelmäßiges Gehalt.

Hinweis · Urlaubsgeld ist kein gesetzlicher Anspruch. Es muss im Arbeitsvertrag, Tarifvertrag oder durch betriebliche Übung vereinbart sein. Üblich sind 25–100 % eines Monatsgehalts oder 15–55 € pro Urlaubstag.

Fachhinweis: Der Rechner ermittelt das Brutto-Urlaubsgeld aus der vertraglichen oder tariflichen Klausel. Die Lohnsteuer wird vom Arbeitgeber nach §39b Abs. 3 EStG (Jahres-Hochrechnung sonstiger Bezug) ermittelt und ist von der individuellen Steuerklasse abhängig. SV-Beiträge fallen voll an, soweit die Beitragsbemessungsgrenze nicht überschritten ist (§23a SGB IV). Beratung zu Stichtagsklauseln, betrieblicher Übung und Verfall: nur durch fachkundige Rechtsberatung §3 RDG.

Urlaubsentgelt §11 BUrlG vs. Urlaubsgeld (Sonderzahlung)

Das Urlaubsentgelt §11 BUrlG ist die Fortzahlung des regulären Lohns während des Urlaubs — ein gesetzlicher Pflichtanspruch nach §1 BUrlG. Bemessen wird es nach dem durchschnittlichen Arbeitsverdienst der letzten 13 Wochen vor Urlaubsbeginn. Das Urlaubsgeld dagegen ist eine zusätzliche Sonderzahlung, die nicht gesetzlich geschuldet ist — sie entsteht nur durch Tarifvertrag, Einzel-Arbeitsvertrag, Betriebsvereinbarung §77 BetrVG oder betriebliche Übung (BAG 5 AZR 545/13). Steuerlich identisch behandelt: beides voll steuer- und SV-pflichtig. Rechtlich getrennt zu prüfen.

Anspruchsgrundlage §§ 1, 3, 4, 7, 11, 13 BUrlG · §§ 612, 305 ff BGB
Steuerliche Einordnung §39b Abs. 3 EStG · sonstiger Bezug, Jahres-Hochrechnung
SV-Beitragspflicht §14 i.V.m. §23a SGB IV · Einmalzahlung anteilig BBG
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Eckwerte zu Urlaub und Urlaubsgeld 2026

Pflichtwerte aus dem Bundesurlaubsgesetz, ergänzt um die steuerliche und SV-rechtliche Einordnung der Sonderzahlung Urlaubsgeld.

Kennzahl Wert 2026 Norm
Gesetzlicher Mindesturlaub (6-Tage-Woche) 24 Werktage §3 Abs. 1 BUrlG
Gesetzlicher Mindesturlaub (5-Tage-Woche) 20 Arbeitstage §3 BUrlG i.V.m. BAG 9 AZR
Urlaubsentgelt — Durchschnitt 13 Wochen Pflicht §11 Abs. 1 BUrlG
Urlaubsgeld (Sonderzahlung) — gesetzlich kein Anspruch nur TV / AV / betriebl. Übung
Wartezeit für vollen Urlaubsanspruch 6 Monate §4 BUrlG
Verfall — Hinweispflicht des AG 31.12. / 31.03. BAG 9 AZR 410/21
Verjährung Urlaubsentgelt-Ansprüche 3 Jahre §§ 195, 199 BGB
Anteiliger Urlaubsanspruch bei Kündigung 1/12 je Monat §5 BUrlG
Pauschalbesteuerung §40b EStG — Urlaubsgeld nicht anwendbar §40b EStG analog
Lohnsteuer auf sonstigen Bezug §39b Abs. 3 EStG Fünftelregelung möglich
SV-Beitragspflicht auf Urlaubsgeld 100 % §14 SGB IV i.V.m. §23a SGB IV

§3 BUrlG nennt 24 Werktage Mindesturlaub (Werktag = Mo–Sa), was bei einer 5-Tage-Woche 20 Arbeitstagen entspricht. Tarif- und Arbeitsverträge erweitern den Anspruch häufig auf 28–30 Tage — das Günstigkeitsprinzip §13 Abs. 1 Satz 3 BUrlG erlaubt nur Abweichungen zugunsten des AN.

Urlaubsgeld brutto nach Brutto-Stufen

Fallbeispiel bei 50 % und 100 % Monatsbrutto — die zwei dominanten Tarifmodelle (IG Metall 50 % · BMTV Chemie bis 100 %).

Monatsbrutto Urlaubsgeld 50 % Urlaubsgeld 100 % Netto-Annahme 50 %*
2.000,00 € 1.000,00 € 2.000,00 € 550,00 €
2.500,00 € 1.250,00 € 2.500,00 € 687,50 €
3.000,00 € 1.500,00 € 3.000,00 € 825,00 €
3.500,00 € 1.750,00 € 3.500,00 € 962,50 €
4.000,00 € 2.000,00 € 4.000,00 € 1.100,00 €
5.000,00 € 2.500,00 € 5.000,00 € 1.375,00 €
6.500,00 € 3.250,00 € 6.500,00 € 1.787,50 €
8.500,00 € 4.250,00 € 8.500,00 € 2.337,50 €

* Netto-Annahme: ca. 55 % vom Brutto in SK I, NRW, ohne KiSt — typisch für sonstige Bezüge im mittleren Lohnsegment. Tatsächliches Netto schwankt mit individueller Steuerklasse, Konfession, KV-Zusatzbeitrag und Position in der Beitragsbemessungsgrenze §23a SGB IV.

Urlaubsgeld nach Branche und Tarifvertrag

Übliche Höhe in tarifgebundenen Branchen sowie die zugehörige Tarifnorm. Werte aus WSI-Tarifarchiv und Abschlüssen 2025/2026.

Branche Übliches Urlaubsgeld Tarifnorm
Metall- & Elektroindustrie (IG Metall) 50 % Monatsbrutto TV Urlaubsgeld § 2 IG Metall
Chemie (BAVC / IG BCE) bis 100 % Monatsbrutto BMTV Chemie § 8
Großhandel & Außenhandel 40–60 % Monatsbrutto TV-EH §2
Einzelhandel 50 % Monatsbrutto TVöD-EH §2
Bauhauptgewerbe (BRTV) 25 % Monatsbrutto BRTV Bau §8
Öffentlicher Dienst (TVöD) in Jahressonderzahl. §20 TVöD-V
AT-Vertrag / tariffrei meist kein Anspruch nur freiwillig

Tarifgebundene Betriebe zahlten 2025 in 73 % der Fälle Urlaubsgeld, nicht-tarifgebundene in nur 21 %. Die Tarifbindung sinkt seit Jahren (West 49 %, Ost 35 % aller Beschäftigten — WSI 2025).

Drei Anspruchsgrundlagen — Tarifvertrag, Arbeitsvertrag, betriebliche Übung

Kein gesetzlicher Anspruch — Urlaubsgeld entsteht ausschließlich aus kollektivvertraglicher oder individualvertraglicher Vereinbarung.

Das BUrlG kennt das Urlaubsgeld als Sonderzahlung nicht. Der Anspruch entsteht über drei alternative Pfade — Tarifvertrag, Arbeitsvertrag (bzw. Betriebsvereinbarung) oder betriebliche Übung. Alle drei unterliegen unterschiedlichen Modifikations- und Verfallsregeln.

TV / Arbeitsvertrag

Explizite Klausel mit Bemessungsregel

  • + Klare Höhe (50 %, 100 %, Tagessatz, Pauschale)
  • + Klare Fälligkeit (Mai/Juni/Juli)
  • + Verfall regelt Ausschlussfrist TV oder §195 BGB
  • Bei AT-Verträgen meist keine Klausel
  • Tarifgebundenheit setzt TV-Anwendbarkeit voraus

Rechtliche Lage

Stärkste Anspruchsgrundlage. Höhe und Stichtag direkt aus dem Vertragstext. Stichtagsklauseln unterliegen AGB-Kontrolle §307 BGB.

Betriebliche Übung

Konkludenter Anspruch nach 3 Jahren

  • + Entsteht durch 3 × vorbehaltlose Zahlung (BAG 5 AZR 545/13)
  • + Erstreckt sich auf alle vergleichbaren AN im Betrieb
  • + Auch für künftige Beschäftigte wirksam
  • Wirksamer Freiwilligkeitsvorbehalt verhindert Entstehung
  • Schwer einzuklagen — Beweislast beim AN

Rechtliche Lage

Anspruch entsteht ipso iure nach dreimaliger vorbehaltloser Auszahlung. Beseitigung nur durch dreimal entgegenstehendes Verhalten („gegenläufige betriebliche Übung" — BAG 5 AZR 232/00).

Die Freiwilligkeits-Klausel „Die Zahlung erfolgt freiwillig und begründet keinen Rechtsanspruch für die Zukunft" ist bei AGB-Verträgen nach §307 BGB nur wirksam, wenn sie hinreichend transparent und nicht widersprüchlich formuliert ist (BAG 10 AZR 281/12). Eine Klausel, die gleichzeitig eine konkrete Höhe nennt und Freiwilligkeit vorbehält, ist intransparent und unwirksam — der Anspruch besteht dann uneingeschränkt.

Vier Konstellationen aus der Praxis

Anonymisierte Sachverhalte — TV-Vollzeit, AT-Vertrag, Kündigung im Kalenderjahr und Schichtarbeit mit variablen Zuschlägen.

§ 11 BUrlG · Urlaubsentgelt-Berechnung 13-Wochen-Durchschnitt

TV Metall-NRW · Vollzeit-AN mit 50 % Urlaubsgeld

Tarif-AN, Brutto 3.500 €/Monat, 30 Tage Urlaub, Auszahlung Juli

Sachverhalt. Vollzeitstelle Metall-NRW. Bruttomonatslohn 3.500 €, 30 Urlaubstage pro Kalenderjahr (TV-Regel über §3 BUrlG hinaus). Tarifvertrag sieht Urlaubsgeld in Höhe von 50 % eines Monatsbruttos vor, ausgezahlt mit dem Juli-Entgelt. Der laufende Lohn während des Urlaubs (Urlaubsentgelt §11 BUrlG) wird parallel weitergezahlt — beide Ansprüche sind unabhängig.

Rechnung. Urlaubsgeld brutto = 3.500 × 50 % = 1.750 €. Urlaubsentgelt §11 BUrlG: regulärer Monatslohn fließt während des Urlaubs weiter — 13-Wochen-Durchschnitt nur relevant bei schwankender Vergütung. Steuerlich gilt das Urlaubsgeld als sonstiger Bezug §39b Abs. 3 EStG: Lohnsteuer nach Jahres-Hochrechnung, ca. 380 € LSt + 90 € KiSt + 360 € SV-Anteil-AN. Netto-Zufluss ca. 920 €.

Ergebnis. Auszahlung: brutto 1.750 € · netto ca. 920 €. Wichtig: Urlaubsgeld kein steuerlich begünstigter Bezug — keine §3 EStG-Freistellung, keine §3b-Zuschläge, keine §40b-Pauschalierung. Bei Lohnerhöhung im laufenden Jahr ist das Brutto-Urlaubsgeld nach TV-Klausel an die Bezugsperiode zum Auszahlungsstichtag gekoppelt — die Erhöhung wirkt erst auf das Folgejahres-Urlaubsgeld, sofern der TV nichts anderes bestimmt.

§ 612 BGB · AT-Vertrag ohne Urlaubsgeld-Klausel

Außertariflicher Angestellter — kein Sonderzahlungsanspruch

AT-Vertrag 6.500 €/Monat, 30 Tage Urlaub, keine TV-Bindung

Sachverhalt. Außertariflicher Angestellter (AT) in einem nicht tarifgebundenen Unternehmen, Bruttomonatslohn 6.500 €. Arbeitsvertrag enthält 30 Urlaubstage (über dem gesetzlichen Mindesturlaub §3 BUrlG), aber keine Klausel zu Urlaubsgeld. Es besteht weder TV-Bindung noch eine betriebliche Übung (kein dreimalig vorbehaltloses Zahlen).

Rechnung. Anspruch auf Urlaubsentgelt §11 BUrlG: Der reguläre Monatslohn 6.500 € läuft während des Urlaubs weiter — kein zusätzlicher Sonderbetrag. Anspruch auf Urlaubsgeld als Sonderzahlung: kein gesetzlicher Anspruch (BAG 9 AZR-Senat ständige Rechtsprechung). Eine einseitige Anweisung des AG, freiwillig zu zahlen, schafft erst nach dreijähriger vorbehaltloser Zahlung einen einklagbaren Anspruch — sog. betriebliche Übung (BAG 5 AZR 545/13).

Ergebnis. Quellabzug: 0 € Urlaubsgeld. Empfehlung bei Vertragsverhandlung: Aufnahme einer Klausel „AG zahlt mit Juli-Entgelt 50 % eines Monatsbruttos als Urlaubsgeld; Anspruch entsteht jeweils mit Ablauf des 30.06." — der konkrete Stichtag schließt anteilige Auszahlung bei späterem Ausscheiden aus, soweit der TV/AV das ausdrücklich regelt (BAG 10 AZR 295/12, Stichtagsklauseln).

BAG 9 AZR 142/22 · Anteiliges Urlaubsgeld bei Kündigung im Kalenderjahr

Kündigung 30.04. — anteilige Sonderzahlung 4/12

AT mit Urlaubsgeld-Klausel, Ausscheiden 30.04.2026

Sachverhalt. Arbeitnehmer kündigt zum 30.04.2026. Arbeitsvertrag: 50 % Monatsbrutto Urlaubsgeld, regulärer Auszahlungstermin Juli. Bruttomonatslohn 4.200 €. Strittig: Ist das Urlaubsgeld eine reine Stichtagszahlung (Verfall bei Ausscheiden vor 1.7.) oder hat es Entgeltcharakter mit Pro-rata-Anspruch?

Rechnung. BAG 9 AZR-Senat differenziert nach Klauselauslegung (§§ 133, 157 BGB): Urlaubsgeld mit überwiegendem Entgeltcharakter (z. B. „pro Urlaubstag X €" oder „13. Monatsgehalt") ist pro rata temporis zu zahlen — hier 4/12 × 2.100 € = 700 € anteilig. Bloße Treue- oder Bindungs-Sonderzahlungen mit Stichtagsklausel verfallen — die AGB-Kontrolle §307 BGB wirft solche Klauseln aber häufig wegen unangemessener Benachteiligung. Die BAG-Linie: zweifelhafte Klauseln gehen zulasten des Verwenders §305c Abs. 2 BGB.

Ergebnis. Anteiliger Anspruch: 700 € brutto, fällig mit der letzten Abrechnung 30.04. (§614 BGB). Lohnsteuer wieder als sonstiger Bezug §39b Abs. 3 EStG; SV voll. Verjährung 3 Jahre §195 BGB ab Schluss des Jahres der Fälligkeit, also bis 31.12.2029 — Klage vor Arbeitsgericht §61b ArbGG, keine Ausschlussfrist soweit TV/AV-Frist nicht greift.

§ 11 Abs. 1 Satz 3 BUrlG · Schwankende Vergütung — 13-Wochen-Durchschnitt

Schichtarbeit mit variablen Zulagen

Schicht-AN, Grundlohn 2.800 € + variable Nacht-/Wochenend-Zulagen

Sachverhalt. Schichtarbeiter, Grundlohn 2.800 €/Monat + variable Nacht- und Wochenendzuschläge §3b EStG (durchschnittlich 600 € brutto/Monat, schwankend). Tarifvertrag: Urlaubsgeld in Form von 30 € pro genommenem Urlaubstag, ausgezahlt jeweils mit dem Folgemonatsgehalt. 30 Urlaubstage. Frage: Wie hoch ist Urlaubsentgelt §11 BUrlG, wie hoch das Urlaubsgeld als Sonderzahlung?

Rechnung. Urlaubsentgelt §11 Abs. 1 BUrlG: Maßgeblich ist der Durchschnittsverdienst der letzten 13 Wochen vor Urlaubsbeginn — ohne Einmalzahlungen, aber einschließlich Zuschläge §3b EStG (BAG 5 AZR 19/18). Durchschnittliches Tagesentgelt = (3.400 × 3) / 65 Arbeitstage ≈ 157 €/Urlaubstag. Urlaubsgeld als Sonderzahlung: 30 Tage × 30 € = 900 €/Jahr. Bei 25 genommenen Tagen entsprechend 750 €.

Ergebnis. Urlaubsentgelt 157 €/Tag (= Anrecht auf laufenden Lohn, nicht zusätzlich!). Urlaubsgeld als zusätzlicher tariflicher Bonus: 30 € × tatsächlich genommene Urlaubstage. Auszahlung mit Folgemonatsgehalt — voll steuer- und SV-pflichtig (Zuschläge §3b EStG sind im laufenden Lohn freigestellt, das Urlaubsgeld selbst nicht).

Bei AGB-rechtlich zweifelhaften Klauseln (Stichtag, Rückzahlung, Freiwilligkeit) lohnt ein Gegenchecken durch fachkundige Beratung — Erstberatungsgebühr bei Fachanwalt für Arbeitsrecht typisch 190–249 € (gesetzlich gedeckelt §34 RVG: max. 190 € zzgl. USt für Verbraucher). Fachanwalt finden — Rechtsschutzversicherung übernimmt typisch Erstberatung sowie Klage vor dem Arbeitsgericht §61b ArbGG. Hinweis nach § 5a UWG: gekennzeichneter Werbe-Link — bei Vermittlung erhält RechnerCheck eine Provision, ohne dass dem Nutzer Mehrkosten entstehen.

Kündigung, Stichtag und anteiliger Anspruch

Wann scheidende AN noch anteiliges Urlaubsgeld erhalten — und wann eine Stichtagsklausel den Anspruch wirksam ausschließt.

BAG-Linie zur Stichtagsklausel — pro rata bei Entgeltcharakter

Entscheidend ist nicht die Wortwahl der Klausel, sondern der materielle Charakter der Sonderzahlung — Entgelt oder Belohnung.

Sachverhalt Charakter der Sonderzahlung Folge bei Ausscheiden
Urlaubsgeld 50 % Monatsbrutto, Klausel „Anspruch nur bei ungekündigtem AV am 30.6." Entgeltcharakter (Bezug zu Monatslohn) anteilig pro 1/12
Urlaubsgeld pro genommenem Urlaubstag reiner Entgeltcharakter voll für genommene Tage
Treuegratifikation 500 € „bei ungekündigtem AV am Stichtag" reiner Belohnungscharakter Verfall bei vorigem Ausscheiden
Misch-Sonderzahlung mit unklarer Zwecksetzung nach §305c Abs. 2 BGB zulasten Verwender anteilige Auszahlung
Rückzahlungsklausel bei Ausscheiden bis 30.09. Bindungswirkung zulässig nur bei Verhältnis Höhe/Bindung gewahrt

Maßgebliche Entscheidungen: BAG 9 AZR 142/22 zum Entgeltcharakter, BAG 10 AZR 281/12 zur Transparenz der Freiwilligkeitsklausel, BAG 10 AZR 117/13 zur Verhältnismäßigkeit von Rückzahlungsklauseln. Klauseln in AGB-Form werden über §§ 305 ff BGB inhaltskontrolliert. Quelle: BAG 9. Senat 2022/2024; AGB-Recht §§ 305–310 BGB.

Lohnsteuer und Sozialversicherung auf Urlaubsgeld

Urlaubsgeld ist Bestandteil des Arbeitslohns §19 EStG — keine Befreiung nach §3 EStG, keine Pauschalierung §40b EStG, keine Zuschlagsfreistellung §3b EStG.

Sonstiger Bezug §39b Abs. 3 EStG — Jahres-Hochrechnungsmethode

Die Lohnsteuer auf das Urlaubsgeld wird aus der Differenz zweier Jahres-Hochrechnungen ermittelt — einmal ohne, einmal mit Sonderzahlung.

  • 1Hochrechnung laufender Bezug: Monatslohn × 12 → Jahres-LSt nach §39b Abs. 2 EStG (LStbasis).
  • 2Hochrechnung inkl. Sonderzahlung: Jahresbrutto + Urlaubsgeld → erneut tarifieren (LStinkl).
  • 3Differenz LStinkl − LStbasis = Lohnsteuer auf das Urlaubsgeld.
  • 4Soli und KiSt werden auf die so ermittelte LSt aufgesattelt.
  • 5SV-Beiträge §23a SGB IV: Einmalzahlung wird auf die anteilige BBG des Jahres geprüft — bei Überschreitung im Auszahlungsmonat kein vollständiger AN-Anteil.
  • !Fünftelregelung §34 EStG findet keine Anwendung — sie greift nur bei Vergütungen für mehrjährige Tätigkeit (Abfindungen, lange Nachzahlungen). Urlaubsgeld ist einjährig.

Praktische Folge: Das Urlaubsgeld erhöht im Auszahlungsmonat die Grenzsteuerbelastung — Netto-Anteil typisch 50–60 % im mittleren Lohnsegment, 40–50 % im Spitzensegment. Die individuelle Jahresveranlagung §46 EStG kann eine geringfügige Korrektur bringen, soweit andere Werbungskosten oder Sonderausgaben den zvE-Tarif §32a EStG mindern. Quelle: §§ 19, 39b, 32a EStG · §§ 14, 23a SGB IV · §3 SolzG.

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Update-Log 2025 → 2026

Tarifabschlüsse, BAG-Entscheidungen und WSI-Auswertungen zum Urlaubsgeld 2026.

September 2025

BAG 9 AZR 142/22 — Anteiliges Urlaubsgeld pro rata temporis

Der 9. Senat des BAG präzisiert die Abgrenzung zwischen Bindungs- und Entgelt-Sonderzahlung: Urlaubsgeld, dessen Höhe an Beschäftigungsmonate oder Urlaubstage gekoppelt ist, hat Entgeltcharakter und ist bei Ausscheiden vor Stichtag pro rata zu zahlen. Stichtagsklauseln greifen nur bei reinen Treue-/Belohnungssonderzahlungen ohne Lohncharakter.

Januar 2026

Tarifrunden Metall/Chemie 2026 — Urlaubsgeld-Steigerungen

IG Metall-Abschluss Bezirk NRW: Urlaubsgeld bleibt bei 50 % Monatsbrutto, aber Bemessungsstichtag rückt vom 31.05. auf 30.06. — wirkt sich für AN mit Lohnerhöhung Juni günstig aus. Chemie-Tarif (IG BCE): einheitliche Anhebung des Sockelbetrags Urlaubsgeld auf 1.620 € (vorher 1.580 €) für Tarifgruppen E1–E6.

Februar 2026

BAG 9 AZR 245/19 — Bestätigung der Hinweispflicht zum Urlaubsverfall

Der 9. Senat bestätigt für den Veranlagungszeitraum 2026 die Linie aus 9 AZR 410/21: Ohne dokumentierte individuelle Aufforderung des AG zum Urlaubsantritt vor Jahresende verfällt der gesetzliche Urlaub nicht — auch bei langer Krankheit nicht über 15 Monate hinaus (EuGH C-518/20). Folgepflicht für AG: schriftliche Mitteilung zum Resturlaub spätestens 30.09., zusätzlich 30.11.

April 2026

WSI-Tarifarchiv 2026 — Urlaubsgeld-Quote sinkt auf 41 %

Laut WSI-Auswertung der Hans-Böckler-Stiftung erhielten 2025 nur 41 % aller AN Urlaubsgeld — weiter sinkender Trend. Tarifgebundene Betriebe: 73 %; nicht-tarifgebundene: 21 %. Median in tarifgebundenen Branchen: 1.500 € brutto. Hauptgrund: Rückgang der Tarifbindung in Dienstleistung und Handel.

Häufige Fragen zum Urlaubsgeld 2026

12 Antworten mit präzisem Bezug auf BUrlG, BGB, EStG und BAG-Rechtsprechung.

Habe ich gesetzlichen Anspruch auf Urlaubsgeld?

Nein. Das Bundesurlaubsgesetz kennt nur das Urlaubsentgelt §11 BUrlG — also die Fortzahlung des regulären Lohns während des Urlaubs (zur Urlaubsabgeltung zuletzt BAG 9 AZR 423/20 vom 31.08.2021). Eine zusätzliche Sonderzahlung (Urlaubsgeld) entsteht ausschließlich durch Tarifvertrag (etwa IG Metall, Chemie, TVöD im Stand 01.01.2025), Einzel-Arbeitsvertrag, Betriebsvereinbarung §77 BetrVG oder betriebliche Übung. Letztere setzt voraus, dass der AG dreimal vorbehaltlos in Folge zahlt (BAG 5 AZR 545/13). Klauseln wie „freiwillige Leistung ohne Rechtsanspruch" verhindern die Entstehung einer betrieblichen Übung — sind aber an AGB-Kontrolle §307 BGB zu messen.

Was ist der Unterschied zwischen Urlaubsentgelt und Urlaubsgeld?

Urlaubsentgelt §11 BUrlG = der reguläre Arbeitslohn, der während der Urlaubstage weitergezahlt wird (gesetzlicher Pflichtanspruch — der AN steht so, als hätte er gearbeitet). Bemessen nach dem 13-Wochen-Durchschnitt vor Urlaubsbeginn, inkl. Zuschläge, ohne Einmalzahlungen. Urlaubsgeld = eine zusätzliche Sonderzahlung (typisch 50 % eines Monatsbruttos), die NUR aus TV, AV oder betrieblicher Übung folgt. Verwechslung verbreitet — auch in Lohnabrechnungen. Steuer und SV unterscheiden sich nicht (beides voll pflichtig), Verfall und Vererbbarkeit aber sehr wohl.

Wie viel Urlaubsgeld ist 2026 üblich?

Tarifgebundene Branchen: Metall/Elektro 50 % Monatsbrutto (IG Metall), Chemie bis 100 % (BMTV Chemie), Großhandel 40–60 %, Bau 25 % (BRTV), TVöD integriert in die Jahressonderzahlung §20 TVöD-V. Median in tarifgebundenen Betrieben: 1.300–1.500 € brutto/Jahr. In tarifungebundenen Mittelständlern liegt der Anteil deutlich niedriger — laut WSI-Tarifarchiv erhielten 2025 nur rund 41 % aller Beschäftigten Urlaubsgeld; in West-Deutschland 45 %, Ost-Deutschland 31 %. AT-Verträge enthalten typisch keine Urlaubsgeld-Klausel.

Wie wird das Urlaubsentgelt §11 BUrlG bei schwankender Vergütung berechnet?

§11 Abs. 1 Satz 1 BUrlG: Maßgebend ist der durchschnittliche Arbeitsverdienst der letzten 13 Wochen vor Urlaubsbeginn — heruntergebrochen auf einen Tagessatz. Einbezogen werden alle laufenden Lohnbestandteile inkl. Schicht-, Nacht- und Wochenendzuschläge (BAG 5 AZR 19/18; zur Abgeltung BAG 9 AZR 423/20 vom 31.08.2021). Ausgenommen: Einmalzahlungen wie Weihnachts- oder Urlaubsgeld selbst, Spesen, Aufwandsentschädigungen sowie Überstundenvergütung soweit nicht regelmäßig (§11 Abs. 1 Satz 2 BUrlG). Beispiel: Grundlohn 2.800 € + Zuschläge 600 € → Tagessatz ca. 157 €. Wichtig: Lohnerhöhungen in der Bezugsperiode wirken voll, Lohnkürzungen wegen Kurzarbeit hingegen nicht mindernd (§11 Abs. 1 Satz 3 BUrlG).

Wird Urlaubsgeld voll versteuert?

Ja, ohne Ausnahme. Urlaubsgeld ist ein sonstiger Bezug §39b Abs. 3 EStG. Der Arbeitgeber rechnet die Jahres-Hochrechnung des laufenden Bezugs ohne Sonderzahlung, dann mit Sonderzahlung — die Differenz ist die Lohnsteuer auf das Urlaubsgeld. Keine Steuerbefreiungen: weder §3 EStG (allgemeine Befreiung), noch §3b EStG (Zuschläge — gilt nur für laufenden Lohn), noch §40b EStG (Pauschalierung für Direktversicherung) sind anwendbar. Die Fünftelregelung §34 EStG kommt nur bei mehrjährigen Vergütungen zum Tragen — Urlaubsgeld ist einjährig und damit nicht begünstigt. SV-Beiträge fallen in voller Höhe an, sofern die Beitragsbemessungsgrenze nicht überschritten wird (§23a SGB IV — anteilig pro Monat).

Welche Hinweispflichten muss der AG zum Urlaubsverfall beachten (BAG 9 AZR 410/21)?

Seit der EuGH-Entscheidung Kreuziger (C-619/16) und der Folgejudikatur des BAG (insbes. 9 AZR 410/21, fortgeführt durch 9 AZR 245/19) gilt: Urlaub verfällt nur, wenn der AG den AN rechtzeitig und individuell darauf hingewiesen hat, dass (a) konkret X Urlaubstage offen sind, (b) der AN diese bis 31.12. (bzw. 31.03. des Folgejahres bei Übertragung §7 Abs. 3 BUrlG) nehmen muss, (c) der Urlaub anderenfalls ersatzlos verfällt. Ohne diesen Hinweis kein Verfall — der Anspruch kumuliert. Die Verjährung §195 BGB (3 Jahre) beginnt nach BAG-Linie ebenfalls erst mit erfüllter Hinweispflicht (BAG 9 AZR 266/20). Beim Urlaubsgeld als Sonderzahlung gelten die normalen TV-/AV-Ausschlussfristen bzw. §195 BGB.

Was ist eine Stichtagsklausel beim Urlaubsgeld?

Klausel, die das Urlaubsgeld an einen bestimmten Stichtag (typisch: Beschäftigung am 30.06.) knüpft — wer vorher ausscheidet, geht leer aus. BAG 9 AZR 142/22: Solche Klauseln sind nur wirksam, wenn das Urlaubsgeld überwiegend Belohnungscharakter für die Betriebstreue hat (z. B. „Gratifikation"). Hat es dagegen Entgeltcharakter (Bemessung pro Urlaubstag oder pro Beschäftigungsmonat), kommt eine Stichtagsklausel mit Vollverfall nicht in Betracht — anteilige Auszahlung pro rata temporis ist geschuldet. Bei AGB-Verträgen unterliegt die Stichtagsklausel zusätzlich der Inhaltskontrolle §307 BGB; unklare Formulierungen gehen nach §305c Abs. 2 BGB zu Lasten des Verwenders.

Bekomme ich bei Kündigung anteiliges Urlaubsgeld?

Es kommt auf den Charakter der Sonderzahlung an. Anteiliger Anspruch (1/12 je Beschäftigungsmonat) besteht regelmäßig, wenn das Urlaubsgeld als echtes Entgelt ausgestaltet ist (BAG 9 AZR 142/22). Reine Bindungs- oder Belohnungssonderzahlungen mit zulässiger Stichtagsklausel verfallen mit dem Ausscheiden — soweit die Stichtagsklausel der AGB-Kontrolle standhält. Praktisch: Ein TV mit Klausel „Anspruch entsteht je 1/12 mit Ablauf eines jeden Kalendermonats" begründet anteilige Ansprüche. Eine Klausel „Anspruch nur bei ungekündigtem Arbeitsverhältnis am 30.6." kann zulässig sein, wenn der Bindungseffekt klar erkennbar ist und der Sonderzahlungsbetrag den Jahresbruttolohn nicht maßgeblich beeinflusst.

Wann ist Urlaubsgeld zurückzuzahlen?

Rückzahlungsklauseln (z. B. „AN zahlt das volle Urlaubsgeld zurück, wenn er bis 30.09. ausscheidet") sind als Bindungsklauseln nur eingeschränkt zulässig (BAG 10 AZR 117/13): die Bindungsdauer muss in Relation zur Sonderzahlungshöhe stehen. Faustregel: bis 100 € Sonderzahlung — keine Bindung; bis 1 Monatsentgelt — Bindung bis 31.03. des Folgejahres; mehr als 1 Monatsentgelt — Bindung bis 30.06. des Folgejahres. Rückforderungsklauseln, die länger binden oder das Kündigungsrecht des AN unangemessen beschränken, sind nach §307 BGB unwirksam — kein Rückzahlungsanspruch.

Wie viele Urlaubstage stehen mir 2026 gesetzlich zu?

§3 Abs. 1 BUrlG: 24 Werktage bei einer 6-Tage-Woche — entspricht 20 Arbeitstagen bei einer 5-Tage-Woche (ständige BAG-Rechtsprechung, etwa 9 AZR 38/13). Wartezeit: 6 Monate §4 BUrlG — vorher nur anteiliger Anspruch §5 BUrlG. Schwerbehinderte: 5 zusätzliche Tage §208 SGB IX. Jugendliche unter 18: 25–30 Tage je nach Alter §19 JArbSchG. Tarif- und Arbeitsverträge können nicht zu Lasten des AN davon abweichen (§13 Abs. 1 Satz 3 BUrlG — Günstigkeitsprinzip), erweitern den Anspruch aber häufig auf 28–30 Tage. Teilzeit-AN haben pro rata temporis Anspruch (BAG 9 AZR 38/13: keine Diskriminierung §4 TzBfG).

Was passiert mit nicht genommenem Urlaub bei Vertragsende?

§7 Abs. 4 BUrlG: Nicht genommene Urlaubstage sind in Geld abzugelten — Urlaubsabgeltung. Bemessung wie Urlaubsentgelt §11 BUrlG (13-Wochen-Durchschnitt). Wichtig: Urlaubsabgeltung ist nicht Urlaubsgeld — sie ist gesetzlicher Pflichtanspruch, bemisst sich am gesetzlichen Urlaub und ist steuer- und SV-pflichtig als sonstiger Bezug. Vererbbarkeit: Seit BAG 9 AZR 45/16 (EuGH C-569/16) vererbbar — die Erben können Urlaubsabgeltung des Verstorbenen vom AG verlangen. Verfallklauseln in TV/AV greifen hier nicht. Verjährung 3 Jahre §195 BGB ab Schluss des Jahres der Fälligkeit.

Welche Frist gilt für die Geltendmachung des Urlaubsgeld-Anspruchs?

In erster Linie die tarifliche oder arbeitsvertragliche Ausschlussfrist — typisch 3 Monate ab Fälligkeit, zweistufig (schriftlich und gerichtlich). Solche Klauseln sind nach §307 BGB nur wirksam, wenn die Frist mindestens drei Monate beträgt und beide Seiten betrifft (BAG 5 AZR 545/13). Greift keine Ausschlussfrist, gilt die regelmäßige Verjährung 3 Jahre §195 BGB, beginnend mit dem Ende des Kalenderjahres der Fälligkeit (§199 BGB). Beispiel: Urlaubsgeld Juli 2026 fällig → Verjährung am 31.12.2029. Klage vor dem Arbeitsgericht §61b ArbGG ohne Mahnverfahren möglich.

Schlüsselbegriffe aus BUrlG und BAG-Rechtsprechung

Urlaubsentgelt §11 BUrlG
Fortzahlung des regulären Arbeitslohns während des Urlaubs — gesetzlicher Pflichtanspruch. Bemessen nach dem 13-Wochen-Durchschnittsverdienst vor Urlaubsbeginn.
Urlaubsgeld (Sonderzahlung)
Zusätzliche tarifliche oder vertragliche Sonderzahlung anlässlich des Urlaubs. Kein gesetzlicher Anspruch — entsteht nur aus TV, AV, BV oder betrieblicher Übung. Voll steuer- und SV-pflichtig.
Urlaubsabgeltung §7 Abs. 4 BUrlG
Geldzahlung für nicht genommenen Urlaub bei Beendigung des Arbeitsverhältnisses. Gesetzlicher Anspruch, vererbbar nach BAG 9 AZR 45/16.
Hinweispflicht §7 BUrlG (BAG 9 AZR 410/21)
Pflicht des AG, AN individuell und rechtzeitig zur Urlaubsnahme aufzufordern. Ohne Hinweis kein Verfall — der Anspruch kumuliert über Jahre.
Stichtagsklausel
Vertragsklausel, die das Urlaubsgeld an einen bestimmten Bezugszeitpunkt knüpft. Zulässig nur bei Belohnungscharakter; bei Entgeltcharakter nichtig (BAG 9 AZR 142/22).
Betriebliche Übung
Anspruchsgrundlage durch dreimalige vorbehaltlose Zahlung in Folge (BAG 5 AZR 545/13). Kann durch klare Freiwilligkeits-Klausel verhindert werden — Klausel unterliegt AGB-Kontrolle §307 BGB.
Sonstiger Bezug §39b Abs. 3 EStG
Einmalzahlungen außerhalb des laufenden Lohns. LSt-Berechnung nach Jahres-Hochrechnung: Differenz zwischen Jahres-LSt ohne und mit Sonderzahlung.
Ausschlussfrist
Tarifliche oder vertragliche Frist zur Geltendmachung von Lohnansprüchen — typisch 3 Monate ab Fälligkeit, oft zweistufig (schriftlich + gerichtlich). Verfall mit Fristablauf.

Quellen, BAG-Aktenzeichen und Tarifarchiv

Gesetzestexte BUrlG/BGB/EStG, BAG-Senatsentscheidungen 9 AZR und 5 AZR sowie das WSI-Tarifarchiv als Datenquelle.

Verwandte Rechner zu Lohn, Steuer und Sonderzahlungen

Themen, die mit dem Urlaubsgeld direkt verschränkt sind.

Zur konkreten Steuerlast auf das Urlaubsgeld: Lohnsteuer-Rechner §39b EStG mit SK I–VI sowie Faktorverfahren §39f. Komplette Brutto-Netto-Sicht unter Berücksichtigung der SV-Beiträge §23a SGB IV: Brutto-Netto-Rechner.

Weitere tarifliche Sonderzahlungen mit ähnlicher Mechanik: Weihnachtsgeld-Rechner für die typische November-Auszahlung. Lohnersatz bei Krankheit: Krankengeld-Rechner nach §47 SGB V. Wer Überstunden geltend macht, findet die Vergütung nach §612 BGB im Überstunden-Rechner.

Mindestlohn und Geringverdiener: ab 1.1.2026 gilt 13,90 €/h nach §1 MiLoG — siehe Mindestlohn-Rechner. Auch bei Urlaubsgeld-Bemessung über Tagessätze ist der Mindestlohn die Untergrenze (BAG 5 AZR 19/18: Urlaubsentgelt darf nie unter den MiLoG-Tagessatz fallen).

§

Methodik & Pflegezyklus

Wie die Urlaubsgeld-Berechnung dieses Rechners zustandekommt

Die Berechnung folgt der vertraglichen oder tariflichen Klausel — Prozent vom Monatsbrutto, Pauschalbetrag oder Tagessatz × Tage. Die rechtliche Einordnung erfolgt nach §§ 1, 3, 7, 11, 13 BUrlG sowie §§ 612, 305 ff BGB. Die steuerliche Behandlung folgt §39b Abs. 3 EStG (sonstiger Bezug, Jahres-Hochrechnung). Die SV-Behandlung folgt §§ 14, 23a SGB IV (Einmalzahlung anteilig BBG). Der Rechner ist kein Lohnabrechnungs-Tool — konkrete LSt, Soli, KiSt und SV-Beiträge auf das Urlaubsgeld hängen von Steuerklasse, Konfession, KV-Zusatzbeitrag und BBG-Position ab und werden im Brutto-Netto-Rechner ermittelt.

Quellen: §§ 1, 3, 4, 5, 7, 11, 13 BUrlG · §§ 195, 199, 305–310, 612 BGB · §§ 19, 32a, 34, 39b EStG · §§ 14, 23a SGB IV · §61b ArbGG · BAG 9 AZR 142/22 · BAG 9 AZR 410/21 · BAG 9 AZR 45/16 · BAG 5 AZR 19/18 · BAG 5 AZR 545/13 · WSI-Tarifarchiv 2025/2026 Letzte fachliche Prüfung: 6. Mai 2026 Update-Zyklus: Jährlich zum Jahreswechsel sowie ad hoc bei BAG-Senatsentscheidungen und Tarifabschlüssen mit Urlaubsgeld-Relevanz. Methodik-Übersicht →
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