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Anleihen-Rechner: Rendite bis zur Fälligkeit

Eine Anleihe mit 2,5 % Kupon, die du zum Kurs von 97 % kaufst und fünf Jahre bis zur Rückzahlung hältst, bringt 3,16 % im Jahr, nach Abgeltungsteuer 2,33 %. Der Rechner ermittelt die Rendite exakt als internen Zinsfuß, mit Stückzinsen und Kaufkosten. Mit den Börsenkursen vom 1. Oktober 2026 trifft er bei allen fünf geprüften Bundesanleihen die Rendite, die die Finanzagentur veröffentlicht.

Stand: So werden die Rechner geprüft

Anleihen-Rechner

Rendite bis zur Fälligkeit

3,16 %

nach Abgeltungsteuer 2,33 % · laufende Verzinsung 2,58 %

Du zahlst 9.700,00 €. Bis zur Fälligkeit bekommst du 5 Kupons über zusammen 1.250,00 € und den Nennwert zurück. Weil du unter 100 % kaufst, liegt die Rendite mit 3,16 % über dem Kupon von 2,50 %.

Ertrag bis Fälligkeit
1.550,00 €
Kursgewinn
300,00 €
Kupon im Jahr
250,00 €

Kurs und Zins laufen gegeneinander: Steigen die Marktzinsen, fällt der Kurs deiner Anleihe. Hältst du sie bis zur Fälligkeit, bekommst du trotzdem den Nennwert zurück, solange der Schuldner zahlt.

Auf dieser Seite
  1. Rendite berechnen
  2. Kurs, Kupon und Rendite
  3. Stückzinsen
  4. Bundesanleihen
  5. Spread
  6. Zinsänderung und Duration
  7. Weitere Risiken
  8. Steuern
  9. Anleihe, ETF oder Festgeld
  10. Häufige Fragen
  11. Quellen

Rendite bis zur Fälligkeit berechnen: Formel und Rechenweg

Die Rendite bis zur Fälligkeit (englisch Yield to Maturity) ist der Zinssatz, mit dem alle künftigen Zahlungen der Anleihe, auf heute abgezinst, genau den Preis ergeben, den du heute zahlst. Sie fasst Kupon, Kursgewinn oder Kursverlust bis zur Rückzahlung und die Zeit in einer Zahl zusammen. So weisen auch Banken und die Finanzagentur die Rendite aus.

Kaufpreis = K ÷ (1 + r) + K ÷ (1 + r)² + … + (K + 100) ÷ (1 + r)ⁿ
K = Kupon in % vom Nennwert, n = Restlaufzeit in Jahren, r = Rendite. Kaufpreis in % vom Nennwert, beim Kauf zwischen zwei Zinsterminen plus Stückzinsen.

Nach r auflösen lässt sich die Gleichung nicht, man tastet sich heran. So geht der Rechner vor:

  1. Zahlungen aufschreibenFür 10.000 € Nennwert zahlst du beim Kurs 97 heute 9.700 €. Dafür bekommst du fünfmal 250 € Kupon und am Ende 10.000 € zurück.
  2. Einen Zins ausprobierenJede Zahlung wird mit diesem Zins auf heute abgezinst: Zahlung ÷ (1 + r) hoch Jahre. Ist die Summe größer als der Kaufpreis, war der Zins zu niedrig, sonst zu hoch.
  3. EingrenzenDer Rechner halbiert die Spanne, bis Barwert und Kaufpreis übereinstimmen. In einer Tabellenkalkulation erledigt das die Funktion IKV (englisch IRR): oben der Kaufpreis als negative Zahl, darunter die Zahlungen.
  4. ErgebnisBei 3,1580 % ergeben die abgezinsten Zahlungen genau den Kaufpreis. Gerundet ist das die Rendite von 3,16 %.
JahrZahlungAbzinsfaktorBarwert heute
1250,00 €0,9694242,35 €
2250,00 €0,9397234,93 €
3250,00 €0,9109227,74 €
4250,00 €0,8831220,76 €
510.250,00 €0,85608.774,23 €
Summe9.700,00 €

10.000 € Nennwert, 2,5 % Kupon, Kurs 97, fünf Jahre Restlaufzeit. Abzinsfaktor = 1 ÷ (1 + 3,1580 %) hoch Jahr.

Die Näherungsformel

Ohne Rechner hilft eine Schätzung, die den Kursgewinn gleichmäßig auf die Jahre verteilt:

Rendite ≈ (Kupon + (100 − Kurs) ÷ Restlaufzeit) ÷ ((100 + Kurs) ÷ 2)
2,5 % Kupon, Kurs 97, 5 Jahre: (2,5 + 0,6) ÷ 98,5 = 3,15 %, genau gerechnet 3,16 %

Bei Kursen weit weg von 100 und langen Laufzeiten liegt sie daneben. Für die Bundesanleihe mit 1,25 % Kupon bis 15.08.2048 zum Kurs von 60,97 ergibt sie 3,77 %, die Finanzagentur weist 3,95 % aus.

Die Rendite gilt, wenn du bis zur Fälligkeit hältst und der Schuldner pünktlich zahlt. Außerdem unterstellt sie, dass du die Kupons zum selben Zins wieder anlegst. Das trifft selten genau zu, deshalb ist sie ein Vergleichsmaß und kein Versprechen.

Kurs, Kupon und Rendite

Der Kupon ist der feste Zins auf den Nennwert und ändert sich nie. Der Kurs ist der Preis an der Börse in Prozent vom Nennwert, er schwankt mit dem Zinsniveau. Die Rendite verbindet beides. Kaufst du unter 100 % (unter pari), kommt bis zur Fälligkeit ein Kursgewinn dazu und die Rendite liegt über dem Kupon. Über 100 % (über pari) ist es umgekehrt.

Kurslaufende VerzinsungRenditenach Steuern
90 %3,33 %4,25 %3,16 %
95 %3,16 %3,60 %2,67 %
100 %3,00 %3,00 %2,21 %
105 %2,86 %2,43 %1,78 %
110 %2,73 %1,89 %1,38 %

3 % Kupon, 10 Jahre Restlaufzeit, ohne Kosten und Kirchensteuer, Pauschbetrag ausgeschöpft.

Die laufende Verzinsung (Kupon geteilt durch Kurs) übersieht den Kursgewinn oder -verlust bis zur Rückzahlung und taugt deshalb nur als grober Hinweis.

Je kürzer die Restlaufzeit, desto stärker wirkt der Kurs

Derselbe Abschlag von 3 Prozentpunkten verteilt sich bei kurzer Restlaufzeit auf wenige Jahre und hebt die Rendite kräftig. Je näher die Fälligkeit rückt, desto mehr nähert sich der Kurs deshalb der 100.

RestlaufzeitRenditenach Steuern
1 Jahr5,67 %4,17 %
2 Jahre4,09 %3,02 %
3 Jahre3,57 %2,64 %
5 Jahre3,16 %2,33 %
10 Jahre2,85 %2,10 %
20 Jahre2,70 %1,99 %
30 Jahre2,65 %1,95 %

2,5 % Kupon, Kurs 97, ohne Kosten.

Kaufkosten

50 € Kosten auf 10.000 € Nennwert senken die Rendite im Beispiel bei fünf Jahren Restlaufzeit von 3,16 % auf 3,05 %, bei zwei Jahren von 4,09 % auf 3,82 %. Je kürzer die Restlaufzeit und je kleiner der Betrag, desto mehr frisst die Gebühr.

Stückzinsen berechnen: actual/actual

Bei Bundesanleihen wird der Kupon einmal im Jahr am Zinstermin gezahlt, und zwar voll an den, dem die Anleihe an diesem Tag gehört. Kaufst du zwischen zwei Terminen, zahlst du dem Verkäufer deshalb seinen Anteil vom letzten Zinstermin bis zum Valutatag, an dem Geld und Wertpapier den Besitzer wechseln. Das sind die Stückzinsen. Im Börsenkurs sind sie nicht enthalten, auf der Abrechnung stehen sie extra.

Stückzinsen = Nennwert × Kupon × Zinstage ÷ Tage der Zinsperiode
Bundeswertpapiere rechnen actual/actual nach ICMA: tatsächliche Kalendertage seit dem letzten Zinstermin, geteilt durch die tatsächlichen Tage der laufenden Zinsperiode (365 oder 366).

Rechenweg Stückzinsen für die Bundesanleihe mit 2,6 % Kupon bis 15.08.2035

Kauf von 10.000 € Nennwert zum Kurs vom 1. Oktober 2026, Valuta 5. Oktober 2026. Letzter Zinstermin war der 15.08.2026, der nächste ist der 15.08.2027.

Kurswert: 92,83 % von 10.000 €
9.283,00 €
Zinstage vom 15.08.2026 bis zur Valuta am 05.10.2026
51 von 365
Stückzinsen: 10.000 € × 2,6 % × 51 ÷ 365
+36,33 €
Du zahlst ohne Kaufkosten
9.319,33 €

In der Kursliste der Finanzagentur steht für diese Anleihe „Kurs plus Stückzinsen“ 93,193 %, das sind 36,30 € Stückzinsen je 10.000 €. Die paar Cent Unterschied kommen von der Rundung auf drei Nachkommastellen. Am 15.08.2027 bekommst du den vollen Kupon von 260 €, damit sind die vorgestreckten Stückzinsen zurück.

Im Rechner gibst du die Restlaufzeit mit Nachkommastellen ein, dann rechnet er die Stückzinsen selbst. Die Restlaufzeit sind die vollen Jahre ab dem nächsten Zinstermin plus die Tage bis dahin geteilt durch die Tage der Zinsperiode, hier 8 + 314 ÷ 365 = 8,86 Jahre.

Steuerlich gleicht sich das aus: Der Verkäufer versteuert die erhaltenen Stückzinsen als Einnahme aus dem Verkauf (§ 20 Abs. 2 Satz 1 Nr. 7 EStG), bei dir kommen die gezahlten in den Verlustverrechnungstopf und mindern deine übrigen Kapitalerträge (§ 43a Abs. 3 Satz 2 EStG, BMF-Schreiben vom 14. Mai 2025, Rn. 50 und 51). Der Rechner berücksichtigt das bei der Rendite nach Steuern. Nullkuponanleihen haben keine Stückzinsen.

Bundesanleihen: aktuelle Renditen und Probe

Der Bund leiht sich Geld über Bundeswertpapiere mit festen Laufzeiten: unverzinsliche Schatzanweisungen (Bubills) über 12 Monate, Bundesschatzanweisungen über 2 Jahre, Bundesobligationen über 5 Jahre und Bundesanleihen über 7, 10, 15, 20 und 30 Jahre. Alle mit mehr als einem Jahr Laufzeit sind an der Börse gelistet, zahlen einmal im Jahr einen festen Kupon und werden am Ende zu 100 % zurückgezahlt. Die Zinsen rechnet die Finanzagentur actual/actual nach ICMA. Der Bund hat bei allen großen Ratingagenturen die Bestnote AAA.

Renditen nach Restlaufzeit

RestlaufzeitRendite am 30.09.2026
1 Jahr3,04 %
2 Jahre3,24 %
3 Jahre3,29 %
5 Jahre3,36 %
7 Jahre3,47 %
10 Jahre3,64 %
15 Jahre3,81 %
20 Jahre3,90 %
30 Jahre3,99 %

Zinsstruktur der Bundesbank: geschätzte Renditen von Bundeswertpapieren ohne Kupon für genau diese Restlaufzeiten. Anleihen mit Kupon liegen leicht daneben.

Lange Laufzeiten brachten zuletzt mehr: 3,64 % für zehn Jahre gegen 3,24 % für zwei. Das war nicht immer so, und das Niveau kann sich schnell ändern, wie die Renditen zum Jahresende zeigen:

Stichtag2 Jahre10 Jahre
Ende 2019−0,63 %−0,19 %
Ende 2020−0,75 %−0,57 %
Ende 2021−0,68 %−0,24 %
Ende 20222,59 %2,53 %
Ende 20232,35 %2,06 %
Ende 20242,02 %2,43 %
Ende 20252,11 %2,94 %
30.09.20263,24 %3,64 %

Zinsstruktur der Bundesbank, jeweils letzter Börsentag des Jahres.

Ende 2019 bis Ende 2021 waren beide Renditen negativ: Wer kaufte, bekam bis zur Fälligkeit weniger zurück, als er bezahlt hatte. 2022 stieg die zehnjährige Rendite um 2,77 Prozentpunkte. Ende 2022 und Ende 2023 brachten zwei Jahre sogar mehr als zehn, man spricht von einer inversen Zinskurve.

Eine Bundesanleihe nachrechnen

Dafür brauchst du Kupon, Fälligkeit, Kurs und Valutatag. Kupon und Fälligkeit stehen im Namen, etwa „DBR 2.6 08/15/35“ für 2,6 % bis 15. August 2035, die Restlaufzeit rechnest du wie bei den Stückzinsen. Aktuelle Kurse stehen jeden Börsentag in der Kursliste der Finanzagentur (Link in den Quellen). So wurde der Rechner gegen diese Liste geprüft:

BundesanleiheKursRestlaufzeit in JahrenRendite FinanzagenturRendite Rechner
2,1 % bis 15.11.2029
DE0001102622
96,5763,113,27 %3,27 %
6,25 % bis 04.01.2030
DE0001135143
109,053,253,26 %3,26 %
0 % bis 15.02.2032
DE0001102580
83,735,363,37 %3,37 %
2,6 % bis 15.08.2035
DE000BU2Z056
92,838,863,56 %3,56 %
1,25 % bis 15.08.2048
DE0001102432
60,9721,863,95 %3,95 %

Kurse vom 1. Oktober 2026 (Bundesbank-Referenzpreise an der Frankfurter Wertpapierbörse), Valuta 5. Oktober 2026, ohne Kosten. Restlaufzeit in Jahren nach actual/actual.

Spread: Unternehmensanleihen gegen Bundesanleihen

Der Spread ist der Renditeaufschlag einer Anleihe gegenüber einer Bundesanleihe mit derselben Restlaufzeit. Angegeben wird er meist in Basispunkten, 100 Basispunkte sind ein Prozentpunkt. Der Aufschlag ist der Preis für das Risiko, dass der Herausgeber ausfällt, und dafür, dass sich sein Papier schlechter verkaufen lässt.

Rechenweg Spread einer Unternehmensanleihe berechnen

Angenommen, eine Unternehmensanleihe mit 4 % Kupon kostet 99 % und läuft noch genau fünf Jahre. Ihre Rendite rechnest du mit dem Rechner oben aus, die des Bundes liest du in der Tabelle ab.

Rendite der Unternehmensanleihe laut Rechner
4,23 %
Rendite des Bundes für 5 Jahre (Bundesbank, 30. September 2026)
−3,36 %
Spread in Prozentpunkten
0,87
Spread in Basispunkten
87

Liegt die Restlaufzeit zwischen zwei Werten der Tabelle, nimm ungefähr die Mitte: Für sechs Jahre wären es 3,42 %. Bei 10.000 € Nennwert bringt der Spread von 87 Basispunkten rund 87 € im Jahr mehr als die Bundesanleihe, vor Steuern.

Durchschnittliche Renditen nach Herausgeber

Die Bundesbank veröffentlicht täglich die Umlaufsrenditen deutscher Anleihen nach Herausgebern. Sie zeigen, welchen Aufschlag der Markt im Schnitt verlangt:

HerausgeberRenditeAbstand zum Bund in Basispunkten
Bundeswertpapiere3,55 %–
Anleihen der Bundesländer3,82 %+27
Hypothekenpfandbriefe3,79 %+24
Öffentliche Pfandbriefe3,85 %+30
Bankschuldverschreibungen3,85 %+30
Unternehmen außer Banken4,63 %+108
Alle inländischen Anleihen3,74 %+19

Umlaufsrenditen am 30. September 2026: Durchschnitt der umlaufenden Anleihen mit mehr als vier Jahren Laufzeit, gewichtet mit ihrem Marktwert. Die Gruppen haben unterschiedliche Restlaufzeiten, der Abstand ist deshalb nur ein grober Spread.

Rating: Investment Grade und High Yield

Ratingagenturen wie S&P, Moody's und Fitch bewerten, wie sicher ein Schuldner zahlt. Von AAA bis BBB− (bei Moody's Aaa bis Baa3) spricht man von Investment Grade, darunter von High Yield oder spekulativen Anleihen. Je schlechter das Rating, desto höher der Spread. Ein hoher Spread ist deshalb meist ein Warnsignal, vergleiche Renditen nur zwischen Anleihen ähnlicher Bonität und Laufzeit.

Wenn die Zinsen steigen: Duration mit Beispiel

Steigt das Zinsniveau, will niemand mehr den alten, niedrigeren Kupon zum vollen Preis. Der Kurs fällt, bis die Rendite wieder zum Markt passt. Wie stark, misst die Duration. Die Macaulay-Duration ist die durchschnittliche Zeit bis zu deinen Zahlungen, gewichtet mit ihrem Barwert. Geteilt durch (1 + Rendite) ergibt sie die modifizierte Duration: Um ungefähr so viel Prozent fällt der Kurs, wenn die Rendite um einen Prozentpunkt steigt.

Rechenweg Duration einer zehnjährigen Anleihe mit 3 % Kupon

Kurs 100, Rendite 3 %, ein Kupon im Jahr. Jede Zahlung wird mit ihrem Zahlungsjahr gewichtet.

Barwert aller Zahlungen bei 3 % Rendite, also der Kurs
100,00
Summe aus Zahlungsjahr × Barwert der Zahlung
878,61
Macaulay-Duration: 878,61 ÷ 100,00
8,79 Jahre
Modifizierte Duration: 8,79 ÷ 1,03
8,53
Faustregel: Kursänderung bei 1 Prozentpunkt mehr Zins
−8,53 %
Genau gerechnet: Kurs bei 4 % Rendite
−8,11 %

Die Faustregel überschätzt den Verlust leicht, weil der Kurs in einer Kurve auf den Zins reagiert (Konvexität). Fällt die Rendite um einen Prozentpunkt, steigt der Kurs um 8,98 %, also stärker, als er im umgekehrten Fall fällt.

RestlaufzeitModifizierte DurationKurs bei 1 Prozentpunkt mehrbei 1 Prozentpunkt weniger
2 Jahre1,91−1,89 %+1,94 %
5 Jahre4,58−4,45 %+4,71 %
10 Jahre8,53−8,11 %+8,98 %
20 Jahre14,88−13,59 %+16,35 %
30 Jahre19,60−17,29 %+22,40 %

Anleihe mit 3 % Kupon zum Kurs 100, Marktrendite steigt von 3 auf 4 % oder fällt auf 2 %.

Was 2022 passiert ist

Ende 2021 lag die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen laut Bundesbank bei −0,24 %, ein Jahr später bei 2,53 %. Eine zehnjährige Bundesanleihe ohne Kupon, Ende 2021 zum Kurs von 102,43 gekauft, war Ende 2022 mit neun Jahren Restlaufzeit und 2,51 % Rendite noch 80,00 wert: −21,90 % in einem Jahr, bei einem Schuldner mit Bestnote. Wer bis 2031 hält, bekommt trotzdem 100 % zurück. Den Verlust erleidet nur, wer vorher verkaufen muss. Wähle die Restlaufzeit deshalb so, dass die Fälligkeit zu dem Zeitpunkt passt, an dem du das Geld brauchst.

Modellrechnung mit der Zinsstruktur der Bundesbank für Anleihen ohne Kupon.

Ausfall, Gläubigerbeschlüsse und andere Risiken

Rendite gibt es nur, wenn der Schuldner zahlt

Geht der Herausgeber pleite, bist du einer von vielen Gläubigern und bekommst oft nur einen Teil zurück. Eine hohe Rendite ist meist der Preis für dieses Risiko. Vergleiche nur Anleihen ähnlicher Qualität und leg nicht alles bei einem Herausgeber an.

Mehrheitsbeschlüsse der Gläubiger

Bei Unternehmensanleihen nach deutschem Recht können die Anleihebedingungen Mehrheitsbeschlüsse der Gläubiger zulassen. Mit mindestens 75 % der teilnehmenden Stimmen dürfen die Gläubiger dann zum Beispiel Zinsen kürzen, die Fälligkeit verschieben, den Nennwert senken oder einen Tausch in Aktien beschließen. Der Beschluss bindet alle, auch wer dagegen gestimmt hat (§ 5 Abs. 2 bis 4 SchVG). Für Anleihen von Bund, Ländern und Gemeinden und für Pfandbriefe gilt das Gesetz nicht (§ 1 Abs. 2 SchVG).

Nachrang, Fremdwährung und Totalausfall

Nachranganleihen werden in der Insolvenz erst bedient, wenn alle anderen Gläubiger ihr Geld haben (§ 39 Abs. 2 InsO). Dafür zahlen sie mehr Zins, im Ernstfall bleibt für sie aber oft wenig oder nichts übrig.

Anleihen in Dollar oder einer anderen Währung tragen ein Wechselkursrisiko: Fällt die Währung gegenüber dem Euro, schrumpft dein Ertrag in Euro. Versteuert wird der Gewinn in Euro, umgerechnet zum Kurs beim Kauf und beim Verkauf oder bei der Rückzahlung (§ 20 Abs. 4 Satz 1 EStG). Ein Währungsgewinn ist damit steuerpflichtig, ein Währungsverlust mindert den Gewinn.

Fällt eine Anleihe ganz aus, ist das ein Verlust aus Kapitalvermögen. Die frühere Grenze, nach der solche Ausfälle nur bis 20.000 € im Jahr verrechnet werden durften, gilt für keinen offenen Fall mehr (§ 52 Abs. 28 Satz 26 EStG). Was die Inflation vom Zins übrig lässt, rechnet der Inflationsrechner.

Steuern: Abgeltungsteuer auf Kupon und Kursgewinn

Kupons sind Kapitalerträge (§ 20 Abs. 1 Nr. 7 EStG). Ein Kursgewinn ist es auch, beim Verkauf genauso wie bei der Rückzahlung, denn die Einlösung gilt steuerlich als Veräußerung (§ 20 Abs. 2 Satz 1 Nr. 7 und Satz 2 EStG). Beides kostet Abgeltungsteuer plus Soli, für Kirchenmitglieder etwas mehr. Deine Bank behält die Steuer ein, sobald der Sparer-Pauschbetrag aus deinem Freistellungsauftrag aufgebraucht ist. Einzelne Beträge rechnet der Kapitalertragsteuer-Rechner.

Wert2026Grundlage
Abgeltungsteuer auf Kupons und Kursgewinne25 %§ 32d Abs. 1 EStG
Solidaritätszuschlag auf die Abgeltungsteuer5,5 %§ 4 SolzG
Belastung zusammen ohne Kirchensteuer26,375 %§ 32d EStG, SolzG
Belastung mit 8 % oder 9 % Kirchensteuer27,819 % / 27,995 %§ 32d Abs. 1 Satz 4 EStG
Sparer-Pauschbetrag allein / zusammen veranlagt1.000 € / 2.000 €§ 20 Abs. 9 EStG
Steuer Steuer im Beispiel von oben

10.000 € Nennwert, 2,5 % Kupon, Kurs 97, fünf Jahre, Sparer-Pauschbetrag schon ausgeschöpft, keine Kirchensteuer.

5 Kupons zu je 250 €
1.250,00 €
Abgeltungsteuer und Soli auf jeden Kupon
−65,93 €
Kursgewinn bei der Rückzahlung zu 100 %
300,00 €
Abgeltungsteuer und Soli darauf, im letzten Jahr
−79,12 €
Steuer über die ganze Laufzeit
408,77 €
Ertrag nach Steuern
1.141,23 €
Rendite vor und nach Steuern
3,16 % / 2,33 %

Die Steuer auf den Kursgewinn fällt erst im letzten Jahr an. Bis dahin arbeitet das Geld für dich. Deshalb ist die Rendite nach Steuern etwas höher, als wenn derselbe Ertrag jedes Jahr als Kupon käme.

Niedriger Kupon, weniger Steuer zwischendurch

KuponKurs für 3 % RenditeRendite nach Steuern
0 %74,41 %2,28 %
1 %82,94 %2,25 %
3 %100,00 %2,21 %
5 %117,06 %2,17 %

10 Jahre Restlaufzeit, 26,375 % Steuer, Verluste mit anderen Kapitalerträgen verrechenbar.

Vor Steuern bringen alle vier genau 3 %. Nach Steuern liegt die Anleihe ohne Kupon vorn, weil ihr Ertrag erst am Ende versteuert wird. Eine Anleihe weit über 100 bringt dagegen jedes Jahr hohe steuerpflichtige Kupons und erst am Ende den Kursverlust, der die Steuer wieder senkt.

Kosten, Verluste und Auslandsdepot

Kaufkosten wie Provision und Börsengebühr zählen zu den Anschaffungskosten, Verkaufskosten mindern den Erlös (§ 20 Abs. 4 Satz 1 EStG). Depotgebühren sind mit dem Sparer-Pauschbetrag abgegolten (§ 20 Abs. 9 Satz 1 EStG). Verluste aus Anleihen verrechnet die Bank mit allen Kapitalerträgen, nur Aktienverluste sind auf Aktiengewinne beschränkt (§ 20 Abs. 6 Satz 4 EStG). Was nicht aufgeht, trägt sie ins nächste Jahr vor. Für die Verrechnung bei einer anderen Bank beantragst du bis zum 15. Dezember eine Verlustbescheinigung (§ 43a Abs. 3 Satz 5 EStG), mehr dazu beim Verlustverrechnungs-Rechner.

Bei einer Bank im Ausland gibst du die Erträge selbst in der Steuererklärung an (§ 32d Abs. 3 EStG). Liegt dein persönlicher Steuersatz unter 25 %, lohnt dort die Günstigerprüfung (§ 32d Abs. 6 EStG).

Anleihe, Anleihen-ETF oder Festgeld?

MerkmalEinzelne AnleiheAnleihen-ETFFestgeld
Fester Endterminja, Rückzahlung zu 100 %nein, der Fonds kauft laufend nachja
Kurs schwanktbis zur Fälligkeitdauerhaftnein
Sicherheithängt am HerausgeberStreuung über viele HerausgeberEinlagensicherung bis 100.000 € je Bank
Vorher an das GeldVerkauf an der Börse zum TageskursVerkauf zum Tageskursmeist erst am Ende
SteuerKupons jährlich, Kursgewinn am EndeAusschüttungen, bei Thesaurierern VorabpauschaleZinsen bei Gutschrift

Festgeld mit über zwei Jahren Laufzeit brachte im August 2026 im Schnitt 2,72 % (Bundesbank, Neugeschäft), zweijährige Bundesanleihen rentierten am 30.09.2026 mit 3,24 %. Einzelne Banken zahlen mehr als der Durchschnitt, vergleiche also das konkrete Angebot mit dem Festgeld-Rechner. Festgeld hat kein Kursrisiko, dafür kommst du vor dem Ende meist nicht an dein Geld.

Ein Anleihen-ETF hat keine Fälligkeit: Er verkauft Anleihen, bevor sie auslaufen, und kauft neue, seine Duration und damit sein Zinsrisiko bleiben ungefähr gleich. Eine Teilfreistellung gibt es für reine Anleihen-ETFs nicht, sie steht nur Aktien-, Misch- und Immobilienfonds zu (§ 20 InvStG). Bei thesaurierenden Fonds fällt jedes Jahr die Vorabpauschale an (§ 18 InvStG): 70 % des Basiszinses von 3,20 %, also 2,24 % des Werts zum Jahresbeginn, höchstens so viel, wie der Fonds tatsächlich gewonnen hat. Auf 10.000 € sind das 224 €, die Steuer darauf 59,08 €, wenn der Pauschbetrag ausgeschöpft ist. Den genauen Betrag rechnet der Vorabpauschale-Rechner.

Häufige Fragen

Was ist eine Anleihe?
Ein verbrieftes Darlehen: Du leihst dem Herausgeber Geld und bekommst dafür feste Zinsen und am Ende den Nennwert zurück. Rechtlich ist die übliche Anleihe eine Schuldverschreibung auf den Inhaber: Wer sie besitzt, kann die versprochene Leistung verlangen (§ 793 BGB). Herausgeber sind der Bund, die Länder, Banken und Unternehmen. Weil Anleihen an der Börse gehandelt werden, kannst du sie vor der Fälligkeit verkaufen.
Was passiert, wenn ich vor der Fälligkeit verkaufe?
Du bekommst den Börsenkurs und die Stückzinsen bis zum Verkauf. Sind die Zinsen seit dem Kauf gestiegen, liegt der Kurs meist unter deinem Einstand, sind sie gefallen, darüber. Gewinn oder Verlust versteuerst du wie einen Kursgewinn. Die Rendite aus dem Rechner gilt nur, wenn du bis zur Fälligkeit hältst.
Sind Anleihen durch die Einlagensicherung geschützt?
Nein. Die gesetzliche Einlagensicherung deckt Kontoguthaben, Festgeld und Spareinlagen bis 100.000 € je Bank (§ 2 Abs. 3 und § 8 Abs. 1 EinSiG), Schuldverschreibungen einer Bank sind ausdrücklich ausgenommen (§ 6 Nr. 11 EinSiG). Anleihen im Depot gehören aber dir: Geht die Depotbank pleite, kannst du sie herausverlangen (Aussonderung, § 47 InsO). Gefährlich ist die Pleite des Herausgebers.
Was ist eine Nullkuponanleihe?
Eine Anleihe ohne laufende Zinsen. Du kaufst unter 100 % und bekommst am Ende 100 % zurück, der ganze Ertrag ist Kursgewinn. Die Bundesanleihe ohne Kupon bis 15.02.2032 kostete am 1. Oktober 2026 83,73 %, das sind 3,37 % Rendite. Versteuert wird erst beim Verkauf oder bei der Rückzahlung (§ 20 Abs. 2 Satz 1 Nr. 7 und Satz 2 EStG). Die Bubills des Bundes mit 12 Monaten Laufzeit funktionieren genauso.
Was ist eine inflationsindexierte Anleihe?
Bei ihr wachsen Nennwert und Kupon mit den Verbraucherpreisen, beim Bund mit dem HVPI des Euroraums ohne Tabak. Neue gibt der Bund seit 2024 nicht mehr aus, drei sind noch im Umlauf. Ihre Rendite ist real: Die Anleihe bis April 2033 brachte am 1. Oktober 2026 real 1,20 %, die normale Bundesanleihe bis Februar 2033 3,43 %. Die Differenz von 2,23 Prozentpunkten ist die Inflationsrate, bei der beide gleich viel bringen (Break-even). Liegt die Teuerung im Schnitt darüber, fährst du mit der indexierten Anleihe besser.
Wie kaufe ich Bundesanleihen?
Über die Börse bei deiner Bank oder einem Online-Broker, mit der ISIN der Anleihe. Alle Bundeswertpapiere mit mehr als einem Jahr Laufzeit sind börsennotiert. Bei der Finanzagentur selbst geht es nicht mehr: Ein Schuldbuchkonto lässt sich dort nur noch mit Papieren eröffnen, die bis zum 21. August 2012 ausgegeben wurden. Trag die Gebühren im Rechner ein, bei kleinen Beträgen kosten sie spürbar Rendite.
Kann der Herausgeber eine Anleihe vorzeitig zurückzahlen?
Nur, wenn die Anleihebedingungen ein Kündigungsrecht vorsehen. Das gibt es bei manchen Unternehmens- und Nachranganleihen, Bundeswertpapiere haben eine feste Laufzeit. Gekündigt wird meist, wenn die Zinsen gefallen sind. Zahlt der Herausgeber dann zu 100 % zurück, trägst du im Rechner die Zeit bis zum Kündigungstermin als Restlaufzeit ein und bekommst die Rendite bis zur Kündigung.
Rechnet der Rechner auch mit halbjährlichem Kupon?
Nein, er rechnet mit einem Kupon im Jahr, wie ihn Bundesanleihen zahlen. Zahlt eine Anleihe halbjährlich, kommt die Hälfte des Kupons ein halbes Jahr früher, und der Rechner unterschätzt die Rendite leicht. Für den genauen Wert nimm dann die Rendite, die deine Bank ausweist.
Warum zeigt meine Bank eine andere Rendite?
Meist rechnet sie mit einem anderen Kurs, etwa dem Briefkurs statt dem Mittelkurs, mit einem anderen Valutatag oder mit deinen Kaufkosten. Mit denselben Angaben trifft der Rechner die Renditen der Finanzagentur auf zwei Nachkommastellen, die Probe steht im Abschnitt zu Bundesanleihen.

Quellen

  1. Finanzagentur: Kurse und Renditen der Bundeswertpapiere: tägliche Liste, hier die Werte vom 1. Oktober 2026 deutsche-finanzagentur.de
  2. Finanzagentur: Überblick Bundeswertpapiere: Laufzeiten, jährlicher Kupon, actual/actual nach ICMA deutsche-finanzagentur.de
  3. Finanzagentur: Inflationsindexierte Bundeswertpapiere: Index und Ende der Neuemissionen deutsche-finanzagentur.de
  4. Finanzagentur: Ratings: Bonität des Bundes bei sechs Agenturen deutsche-finanzagentur.de
  5. Finanzagentur: Schuldbuchkonto: nur noch für Papiere, die bis August 2012 begeben wurden deutsche-finanzagentur.de
  6. Bundesbank: Zinsstruktur am Rentenmarkt: Renditen nach Restlaufzeit, Werte vom 30. September 2026 bundesbank.de
  7. Bundesbank: Umlaufsrenditen: Berechnung und Werte nach Herausgebern bundesbank.de
  8. BMF-Schreiben vom 14. Mai 2025, Einzelfragen zur Abgeltungsteuer: Stückzinsen Rn. 49 bis 51, Nullkuponanleihen Rn. 55 bundesfinanzministerium.de
  9. § 20 EStG: Kupons, Kursgewinne, Verluste, Pauschbetrag gesetze-im-internet.de
  10. § 32d EStG: Abgeltungsteuer, Günstigerprüfung gesetze-im-internet.de
  11. § 43a EStG: Stückzinsen im Verlusttopf gesetze-im-internet.de
  12. § 52 EStG: Abs. 28, alte Verlustgrenze aufgehoben gesetze-im-internet.de
  13. § 4 SolzG: Soli auf die Abgeltungsteuer gesetze-im-internet.de
  14. §§ 18 und 20 InvStG: Vorabpauschale, Teilfreistellung gesetze-im-internet.de
  15. §§ 1 und 5 SchVG: Mehrheitsbeschlüsse der Gläubiger gesetze-im-internet.de
  16. §§ 39 und 47 InsO: Nachrang und Aussonderung gesetze-im-internet.de
  17. § 793 BGB: Schuldverschreibung auf den Inhaber gesetze-im-internet.de
  18. §§ 2, 6 und 8 EinSiG: Umfang der Einlagensicherung gesetze-im-internet.de

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