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Freibeträge und Steuerklassen
Wie viel steuerfrei bleibt, hängt nur davon ab, wie ihr verwandt seid. Der Freibetrag gilt für jedes Paar aus Schenker und Beschenktem getrennt: Ein Kind hat von der Mutter 400.000 € frei und vom Vater noch einmal 400.000 €.
| Beschenkter | Steuerklasse | Freibetrag |
|---|---|---|
| Ehepartnerauch eingetragene Lebenspartner | I | 500.000 € |
| Kindauch Stief- und Adoptivkinder | I | 400.000 € |
| Enkel, Elternteil verstorbendas Kind des Schenkers lebt nicht mehr | I | 400.000 € |
| Enkeldessen Elternteil lebt | I | 200.000 € |
| Urenkel | I | 100.000 € |
| Eltern, Großelternbei Schenkungen Steuerklasse II | II | 20.000 € |
| Geschwister, Nichte, Neffeauch Schwiegerkind, Stief- und Schwiegereltern, Ex-Ehepartner | II | 20.000 € |
| Alle anderenetwa Lebensgefährte ohne Trauschein, Freunde | III | 20.000 € |
§§ 15 und 16 ErbStG, bei unbeschränkter Steuerpflicht. Ein Versorgungsfreibetrag kommt nur beim Erben hinzu.
Erben Eltern von ihrem Kind, gilt Steuerklasse I mit 100.000 € Freibetrag. Schenkt ihnen das Kind zu Lebzeiten etwas, sind es Klasse II und 20.000 € (§ 15 Abs. 1 ErbStG). 50.000 € kosten dann 4.500 € Steuer. Unterhalt für Eltern, die sich nicht selbst versorgen können, bleibt dagegen steuerfrei.
Am teuersten wird es ohne Trauschein. Lebensgefährten stehen in Klasse III: 20.000 € frei, darüber mindestens 30 %. Wer seinem Partner 100.000 € schenkt, zahlt 24.000 €. Verheiratete oder eingetragene Partner hätten dafür 500.000 € Freibetrag.
Alle zehn Jahre neu
Alle Schenkungen derselben Person innerhalb von 10 Jahren rechnet das Finanzamt zusammen, der Freibetrag gilt für diesen Zeitraum einmal (§ 14 ErbStG). Liegt eine Schenkung länger als 10 Jahre zurück, fällt sie aus der Rechnung, und der Freibetrag steht wieder voll bereit. Wer früh anfängt, kann große Vermögen steuerfrei übertragen.
| 800.000 € an ein Kind | Schenkungsteuer |
|---|---|
| 800.000 € vom Vater auf einmal | 60.000 € |
| 400.000 € jetzt, 400.000 € nach mehr als 10 Jahren | 0 € |
| 400.000 € vom Vater, 400.000 € von der Mutter | 0 € |
Steuerklasse I, keine früheren Schenkungen.
Kommt die zweite Schenkung früher, zählt die erste mit. Die Steuer, die auf die frühere Schenkung entfallen wäre, zieht das Finanzamt ab:
- Schenkung 2026
- 200.000 €
- Schenkung 2030
- 300.000 €
- zusammen
- 500.000 €
- Freibetrag Kind, einmal für beide
- −400.000 €
- steuerpflichtig
- 100.000 €
- Steuer 11 %
- 11.000 €
- Steuer, die auf 2026 entfiele
- 0 €
- Schenkungsteuer 2030
- 11.000 €
Die Zusammenrechnung endet nicht mit dem Tod. Stirbt der Schenker innerhalb von 10 Jahren, zählen seine Schenkungen beim Erbe mit. Ob sich Schenken statt Vererben lohnt, zeigt der Vergleich mit dem Erbschaftsteuer-Rechner.
Steuersätze
Auf den Betrag über dem Freibetrag gilt ein einziger Satz, keine Staffel wie bei der Einkommensteuer. Wer knapp über eine Grenze rutscht, zahlt deshalb nicht plötzlich auf alles den höheren Satz: Der Härteausgleich deckelt die Mehrsteuer auf die Hälfte des Betrags über der Grenze, bei Sätzen über 30 % auf drei Viertel (§ 19 Abs. 3 ErbStG).
| Steuerpflichtiger Erwerb | Klasse I | Klasse II | Klasse III |
|---|---|---|---|
| bis 75.000 € | 7 % | 15 % | 30 % |
| bis 300.000 € | 11 % | 20 % | 30 % |
| bis 600.000 € | 15 % | 25 % | 30 % |
| bis 6.000.000 € | 19 % | 30 % | 30 % |
| bis 13.000.000 € | 23 % | 35 % | 50 % |
| bis 26.000.000 € | 27 % | 40 % | 50 % |
| darüber | 30 % | 43 % | 50 % |
§ 19 Abs. 1 ErbStG. Der steuerpflichtige Erwerb ist der Wert nach Abzug des Freibetrags, abgerundet auf volle 100 €. Steuer bis 50 € wird nicht erhoben.
Immobilie verschenken: Wert und Steuer
Bei einer Immobilie zählt nicht der Kaufpreis von damals, sondern der Grundbesitzwert am Tag der Schenkung. Das Finanzamt ermittelt ihn je nach Art des Hauses im Vergleichs-, Ertrags- oder Sachwertverfahren (§ 182 BewG). Liegt der tatsächliche Wert darunter, kannst du ihn mit einem Gutachten oder einem zeitnahen Kaufpreis belegen (§ 198 BewG). Ohne Nießbrauch und ohne Gegenleistung ergibt sich:
| Grundbesitzwert | Kind | Enkel | Partner ohne Trauschein |
|---|---|---|---|
| 300.000 € | 0 € | 11.000 € | 84.000 € |
| 600.000 € | 22.000 € | 60.000 € | 174.000 € |
| 900.000 € | 75.000 € | 133.000 € | 264.000 € |
| 1.200.000 € | 152.000 € | 190.000 € | 354.000 € |
Schenkungsteuer mit Freibetrag, ohne frühere Schenkungen in den letzten zehn Jahren. Enkel mit lebenden Eltern.
Schenkst du Geld mit der klaren Bestimmung, dass davon eine bestimmte Immobilie gekauft oder gebaut wird, gilt die Immobilie als geschenkt (mittelbare Grundstücksschenkung, R E 7.3 ErbStR 2019). Dann zählt ihr Grundbesitzwert, nicht der Geldbetrag. Die Zusage muss vor dem Kaufvertrag stehen und das Objekt genau bezeichnen. Zahlst du nur einen kleinen Teil des Kaufpreises, bis etwa 10 %, bleibt es eine Geldschenkung.
Haus mit Nießbrauch verschenken
Viele Eltern übertragen ihr Haus schon zu Lebzeiten, wollen aber weiter darin wohnen oder die Miete behalten. Dafür behalten sie sich den Nießbrauch oder ein Wohnrecht vor. Das Finanzamt zieht dessen Wert von der Schenkung ab: Jahreswert mal Vervielfältiger, der sich aus der Sterbetafel ergibt (§ 14 BewG). Je jünger der Schenker, desto länger dauert der Nießbrauch voraussichtlich und desto mehr wird abgezogen. Alle Varianten, auch Wohnrecht und Nießbrauch auf Zeit, rechnet der Nießbrauch-Rechner.
| Alter des Schenkers | Abzug, Mutter | Steuer, Mutter schenkt | Steuer, Vater schenkt |
|---|---|---|---|
| 60 Jahre | 414.960 €30.000 × 13,832 | 0 € | 1.120 € |
| 70 Jahre | 333.210 €30.000 × 11,107 | 4.669 € | 11.198 € |
| 80 Jahre | 224.700 €30.000 × 7,490 | 19.283 € | 22.517 € |
Haus im Wert von 800.000 € an ein Kind, Nettokaltmiete 30.000 € im Jahr. Ohne Nießbrauch: 60.000 € Steuer. Vervielfältiger laut BMF-Schreiben vom 21.10.2025 für Schenkungen ab 1. Januar 2026. Männer haben eine kürzere Lebenserwartung, daher der kleinere Abzug.
Zwei Grenzen gibt es. Der Jahreswert zählt höchstens bis zum Wert der Immobilie geteilt durch 18,6 (§ 16 BewG). Und stirbt der Berechtigte früh, rechnet das Finanzamt von sich aus nach, ein Antrag ist nicht nötig (§ 14 Abs. 2 Satz 3 BewG): Dann zählt nur die Zeit, die der Nießbrauch wirklich bestand, und die Steuer steigt. Das greift, wenn der Tod innerhalb dieser Frist eintritt:
| Alter bei der Schenkung | Tod innerhalb von |
|---|---|
| bis 30 | 10 Jahren |
| 31–50 | 9 Jahren |
| 51–60 | 8 Jahren |
| 61–65 | 7 Jahren |
| 66–70 | 6 Jahren |
| 71–75 | 5 Jahren |
| 76–80 | 4 Jahren |
| 81–85 | 3 Jahren |
| 86–90 | 2 Jahren |
| über 90 | 1 Jahr |
§ 14 Abs. 2 BewG, Alter in vollendeten Jahren.
Beim Pflichtteil zählen Schenkungen aus den letzten zehn Jahren vor dem Tod mit. Behält sich der Schenker den vollen Nießbrauch vor, beginnt diese Frist nach dem Bundesgerichtshof gar nicht erst zu laufen, weil er das Haus weiter nutzt wie vorher (Urteil vom 27.04.1994, IV ZR 132/93). Enterbte Geschwister oder andere Pflichtteilsberechtigte können dann auch nach mehr als zehn Jahren noch eine Ergänzung ihres Pflichtteils verlangen.
Schenken unter Ehepartnern
Ehepartner und eingetragene Lebenspartner haben 500.000 € frei. Das selbst bewohnte Familienheim zählt dabei gar nicht mit: Schenkst du deinem Partner das Haus oder die Wohnung, in der ihr lebt, ganz oder zur Hälfte, ist das steuerfrei, egal wie viel es wert ist (§ 13 Abs. 1 Nr. 4a ErbStG). Anders als beim Erben müsst ihr danach nicht zehn Jahre darin wohnen bleiben.
Steuerfrei ist auch, wenn einer allein den Kredit für das gemeinsame Haus abbezahlt oder eine Sanierung bezahlt, obwohl das Haus beiden oder dem anderen gehört. Die Immobilie muss in Deutschland, der EU oder dem EWR liegen, und dort muss der Lebensmittelpunkt der Familie sein. Eine Ferien- oder Zweitwohnung ist kein Familienheim (BFH, Urteil vom 18.07.2013, II R 35/11).
Dazu kommen Hausrat bis 41.000 € und andere Gegenstände wie ein Auto bis 12.000 €. Beides gilt in Steuerklasse I, also auch für Kinder und Enkel.
Anzeige, Zahlung, Stundung
Jede Schenkung musst du binnen 3 Monaten dem Finanzamt melden, das für die Erbschaft- und Schenkungsteuer zuständig ist. Verpflichtet sind Beschenkter und Schenker (§ 30 ErbStG). Das gilt auch, wenn der Freibetrag alles abdeckt, denn das Finanzamt braucht die Meldung für die Zehnjahresrechnung. Hat ein Notar die Schenkung beurkundet, etwa bei einer Immobilie, meldet er sie selbst.
Die Steuer schulden beide (§ 20 ErbStG). Meist zahlt der Beschenkte. Übernimmt der Schenker sie, gilt die Steuer als weiteres Geschenk und wird einmal mitbesteuert: Bei 500.000 € an ein Kind werden aus 11.000 € dann 12.210 € (§ 10 Abs. 2 ErbStG). Das ist immer noch günstiger, als das Geld für die Steuer zusätzlich zu schenken.
Besteht die Schenkung vor allem aus einer Wohnimmobilie und könntest du die Steuer nur durch deren Verkauf zahlen, stundet das Finanzamt sie auf Antrag bis zu 10 Jahre (§ 28 Abs. 3 ErbStG). Anders als beim Erbe kostet das bei einer Schenkung Zinsen: 0,5 % für jeden vollen Monat, 6 % im Jahr (§ 238 AO).
Häufige Fragen
Wie viel Schenkungssteuer zahle ich für eine Immobilie?
Was ist eine mittelbare Grundstücksschenkung?
Sind Geschenke zu Geburtstag, Hochzeit oder Weihnachten steuerpflichtig?
Zählt es als Schenkung, wenn Eltern Miete oder Studium bezahlen?
Kann der Schenker das Geschenk zurückfordern?
Kann ich über mein Kind an Schwiegersohn oder Schwiegertochter schenken?
Was gilt, wenn ich eine Firma oder Firmenanteile verschenke?
Was passiert, wenn der Schenker innerhalb von zehn Jahren stirbt?
Quellen
- R E 7.3 ErbStR 2019: Mittelbare Grundstücksschenkung ihk-muenchen.de
- §§ 176 bis 198 BewG: Bewertung von bebauten Grundstücken, Nachweis des niedrigeren Werts (§ 198) gesetze-im-internet.de
- § 13 ErbStG: Steuerbefreiungen: Hausrat, Familienheim, Unterhalt, Gelegenheitsgeschenke gesetze-im-internet.de
- § 14 ErbStG: Zusammenrechnung innerhalb von zehn Jahren gesetze-im-internet.de
- § 15 ErbStG: Steuerklassen, Eltern bei Schenkungen in Klasse II gesetze-im-internet.de
- § 16 ErbStG: Freibeträge gesetze-im-internet.de
- § 19 ErbStG: Steuersätze und Härteausgleich gesetze-im-internet.de
- § 30 ErbStG: Anzeigepflicht gesetze-im-internet.de
- § 14 BewG: Kapitalwert lebenslanger Nutzungen, Berichtigung bei frühem Tod gesetze-im-internet.de
- § 13a ErbStG: Verschonung von Betriebsvermögen, Option auf 100 % (Abs. 10) gesetze-im-internet.de
- BFH II R 37/11: Weiterschenkung an das Schwiegerkind bundesfinanzhof.de
- BFH II R 35/11: Ferien- und Zweitwohnung ist kein Familienheim bundesfinanzhof.de