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So wird die Erbschaftsteuer berechnet
Jeder Erbe zahlt für sich, und zwar auf das, was er persönlich bekommt. Maßgeblich sind der Tag des Todes und das Verwandtschaftsverhältnis zum Verstorbenen.
- Wert feststellenKonten, Depot, Immobilien, Auto und Hausrat zählen mit ihrem Wert am Todestag. Immobilien bewertet das Finanzamt nach dem Bewertungsgesetz. Liegt der Verkehrswert laut Gutachten niedriger, gilt dieser (§ 198 BewG).
- AbziehenSchulden des Verstorbenen, Vermächtnisse und Pflichtteile, die du auszahlst, und die Kosten für Beerdigung, Grab und Nachlass. Für diese Kosten gibt es ohne Belege 15.000 € je Erbfall (§ 10 Abs. 5 ErbStG). Steuerfreie Teile wie ein Familienheim, in das du einziehst, fallen heraus.
- FreibeträgeVom Rest geht der persönliche Freibetrag ab, bei Ehepartnern und Kindern unter 27 auch der Versorgungsfreibetrag. Was übrig bleibt, wird auf volle 100 € abgerundet.
- SteuersatzJe nach Steuerklasse und Betrag gilt ein Satz zwischen 7 % und 50 % (§ 19 ErbStG), und zwar auf den ganzen steuerpflichtigen Erwerb.
Erbschaftsteuer = (Erbe − Schulden und Kosten − Freibeträge) × Steuersatz
Weil der Satz für den ganzen Betrag gilt, würde ein Euro über einer Stufe die Steuer sprunghaft erhöhen. Das mildert der Härteausgleich (§ 19 Abs. 3 ErbStG): Die Mehrsteuer gegenüber der Stufengrenze darf höchstens 50 % des Betrags über der Grenze ausmachen, bei Sätzen über 30 % höchstens 75 %. Der Rechner berücksichtigt ihn automatisch, in Klasse I etwa zwischen 300.000 € und 334.200 € steuerpflichtigem Erwerb.
Wo der Härteausgleich wirkt
| Erwerb über | Klasse I | Klasse II | Klasse III |
|---|---|---|---|
| 75.000 € | bis 82.600 € | bis 87.400 € | – |
| 300.000 € | bis 334.200 € | bis 359.900 € | – |
| 600.000 € | bis 677.400 € | bis 749.900 € | – |
| 6.000.000 € | bis 6.888.800 € | bis 6.749.900 € | bis 10.799.900 € |
| 13.000.000 € | bis 15.260.800 € | bis 14.857.100 € | – |
| 26.000.000 € | bis 29.899.900 € | bis 28.437.400 € | – |
Bis zu diesem steuerpflichtigen Erwerb senkt der Härteausgleich die Steuer, gesucht mit dem Rechner oben. In Klasse III bleibt der Satz bis 6.000.000 € bei 30 %, deshalb gibt es dort nur einen Sprung.
Erbfallkostenpauschale: 15.000 € ohne Belege
Die Pauschale deckt die Beerdigung, ein angemessenes Grabmal, die übliche Grabpflege und die Kosten, den Nachlass abzuwickeln, zu regeln und zu verteilen (§ 10 Abs. 5 Nr. 3 ErbStG). Nachweisen musst du nichts, nicht einmal, dass überhaupt Kosten angefallen sind (BFH, Urteil vom 1. Februar 2023, II R 3/20). Sie gilt je Erbfall einmal, Miterben teilen sie (BFH, Beschluss vom 24. Februar 2010, II R 31/08). Höhere Kosten setzt du mit Rechnungen an. Die Verwaltung des Nachlasses und deine eigene Erbschaftsteuer zählen nicht (§ 10 Abs. 5 Nr. 3 Satz 3 und Abs. 8). Für Erbfälle bis 2024 gelten noch 10.300 €.
Freibeträge und Steuersätze 2026
Steuerklasse und Freibetrag hängen allein davon ab, wie du mit dem Verstorbenen verwandt warst (§§ 15 und 16 ErbStG).
| Verhältnis zum Verstorbenen | Klasse | Freibetrag |
|---|---|---|
| Ehepartner, eingetragene Lebenspartner§ 16 Abs. 1 Nr. 1 | I | 500.000 € |
| Kinder, Stief- und AdoptivkinderNr. 2 | I | 400.000 € |
| Enkel, deren Elternteil verstorben istNr. 2 | I | 400.000 € |
| EnkelNr. 3 | I | 200.000 € |
| Urenkel, Eltern und GroßelternNr. 4 | I | 100.000 € |
| Geschwister, Nichten und Neffen, Stiefeltern, Schwiegerkinder, Schwiegereltern, geschiedene EhepartnerNr. 5 | II | 20.000 € |
| Alle anderen, etwa Lebensgefährten ohne Trauschein, Tante und Onkel, Cousins, FreundeNr. 7 | III | 20.000 € |
Eltern und Großeltern sind nur beim Erbfall in Klasse I, bei Schenkungen in Klasse II. Erbt ein Neffe von seiner Tante, gilt Klasse II, erbt die Tante von ihrem Neffen, Klasse III.
| Steuerpflichtiger Erwerb | Klasse I | Klasse II | Klasse III |
|---|---|---|---|
| bis 75.000 € | 7 % | 15 % | 30 % |
| bis 300.000 € | 11 % | 20 % | 30 % |
| bis 600.000 € | 15 % | 25 % | 30 % |
| bis 6.000.000 € | 19 % | 30 % | 30 % |
| bis 13.000.000 € | 23 % | 35 % | 50 % |
| bis 26.000.000 € | 27 % | 40 % | 50 % |
| über 26.000.000 € | 30 % | 43 % | 50 % |
Steuersätze nach § 19 Abs. 1 ErbStG. Der Satz gilt für den ganzen Betrag, knapp über einer Grenze mildert der Härteausgleich den Sprung.
Dazu kommen Freibeträge und Befreiungen, die nicht jeder bekommt:
| Freibetrag oder Regel | 2026 | Grundlage |
|---|---|---|
| Versorgungsfreibetrag Ehepartner | 256.000 € | § 17 Abs. 1 ErbStG |
| Versorgungsfreibetrag Kinder unter 27, je nach Alter | 10.300 € bis 52.000 € | § 17 Abs. 2 ErbStG |
| Hausrat, Wäsche, Kleidung in Klasse I | 41.000 € | § 13 Abs. 1 Nr. 1 ErbStG |
| Auto und andere Gegenstände in Klasse I | 12.000 € | § 13 Abs. 1 Nr. 1 ErbStG |
| Hausrat und Gegenstände zusammen in Klasse II und III | 12.000 € | § 13 Abs. 1 Nr. 1 ErbStG |
| Unentgeltliche Pflege des Verstorbenen | bis 20.000 € | § 13 Abs. 1 Nr. 9 ErbStG |
| Beerdigung und Nachlasskosten ohne Belege, je Erbfall | 15.000 € | § 10 Abs. 5 Nr. 3 ErbStG |
| Vermietete Wohnimmobilien zählen mit | 90 % | § 13d ErbStG |
| Kleinbetrag: keine Steuer bis | 50 € | § 22 ErbStG |
Den Versorgungsfreibetrag gibt es nur beim Erbfall. Kinder bekommen je nach Alter 52.000 € (bis 5 Jahre), 41.000 € (bis 10), 30.700 € (bis 15), 20.500 € (bis 20) oder 10.300 € (bis zum 27. Geburtstag). Bezieht der Hinterbliebene wegen des Todes eine Rente, etwa eine Witwen- oder Waisenrente, kürzt das Finanzamt den Freibetrag um deren Kapitalwert (§ 17 ErbStG). Der Rechner rechnet diesen Kapitalwert mit den amtlichen Vervielfältigern für 2026.
Beispiele und Tabelle
Die Beispiele und die Tabelle kommen aus demselben Rechenkern wie der Rechner oben, jeweils mit der Pauschale von 15.000 €.
Der steuerpflichtige Erwerb liegt knapp über der Grenze von 300.000 €. Der Härteausgleich spart hier 8.500 €.
- Konten und Depot
- 725.000 €
- Pauschale für Beerdigung und Nachlass
- −15.000 €
- Freibetrag Kind
- −400.000 €
- = steuerpflichtiger Erwerb
- 310.000 €
- 15 % auf alles wären
- 46.500 €
- Härteausgleich: Steuer auf 300.000 € plus 50 % von 10.000 €
- 33.000 € + 5.000 €
- Erbschaftsteuer
- 38.000 €
Sie ist 72 Jahre alt, wohnt weiter im gemeinsamen Haus und bekommt 1.100 € Witwenrente brutto im Monat. Deren Kapitalwert: 13.200 € im Jahr mal 10,447 (Vervielfältiger für 72-jährige Frauen) ergibt 137.900 €. Um diesen Betrag sinkt der Versorgungsfreibetrag.
- Haus, Konten und Depot
- 1.300.000 €
- Familienheim, sie wohnt weiter darin
- −600.000 €
- Pauschale für Beerdigung und Nachlass
- −15.000 €
- Freibetrag Ehepartner
- −500.000 €
- Versorgungsfreibetrag 256.000 € minus 137.900 €
- −118.100 €
- = steuerpflichtiger Erwerb
- 66.900 €
- Erbschaftsteuer, 7 %
- 4.683 €
Was ein Erbe je nach Verwandtschaft kostet
| Wer erbt | 100.000 € | 250.000 € | 500.000 € | 1.000.000 € |
|---|---|---|---|---|
| EhepartnerKlasse I, Freibetrag 500.000 € | 0 € | 0 € | 0 € | 25.190 € |
| KindKlasse I, Freibetrag 400.000 € | 0 € | 0 € | 9.350 € | 87.750 € |
| EnkelKlasse I, Freibetrag 200.000 € | 0 € | 2.450 € | 31.350 € | 149.150 € |
| Eltern, GroßelternKlasse I, Freibetrag 100.000 € | 0 € | 14.850 € | 57.750 € | 168.150 € |
| Geschwister, Nichte, NeffeKlasse II, Freibetrag 20.000 € | 9.750 € | 43.000 € | 116.250 € | 289.500 € |
| Lebensgefährte, FreundeKlasse III, Freibetrag 20.000 € | 19.500 € | 64.500 € | 139.500 € | 289.500 € |
Erbschaftsteuer auf ein Erbe im Wert der Spaltenköpfe, nach Abzug der Pauschale von 15.000 €, ohne Schulden und ohne Familienheim. Ehepartner mit vollem Versorgungsfreibetrag, also ohne Hinterbliebenenrente, Kinder älter als 27.
Elternhaus und Familienheim erben
Das Haus oder die Wohnung, in der der Verstorbene gewohnt hat, bleibt für Ehepartner ohne Wertgrenze steuerfrei, für Kinder bis zu einer Wohnfläche von 200 m² (§ 13 Abs. 1 Nr. 4b und 4c ErbStG). Das gilt auch für Enkel, deren Elternteil schon gestorben ist. Geschwister, Enkel mit lebenden Eltern und Lebensgefährten bekommen diese Befreiung nicht.
- Der Verstorbene hat darin gewohnt, bis zum Tod oder bis er aus zwingenden Gründen nicht mehr konnte.
- Du ziehst unverzüglich selbst ein. Der Bundesfinanzhof hält dafür in der Regel sechs Monate für angemessen (Urteil vom 28. Mai 2019, II R 37/16), aber nicht als starre Frist (Beschluss vom 27. Mai 2026, II B 41/25). Wer länger braucht, muss erklären, warum das nicht an ihm lag.
- Du wohnst 10 Jahre lang darin. Ziehst du früher aus, entfällt die Befreiung rückwirkend. Ausnahme: Das Wohnen dort ist dir objektiv unmöglich oder unzumutbar, etwa aus gesundheitlichen Gründen. Bloße Zweckmäßigkeit reicht nicht (Urteil vom 1. Dezember 2021, II R 1/21).
Ein Kind erbt allein, das Haus hat 140 m² Wohnfläche. Der Unterschied hängt nur daran, ob es selbst einzieht.
- Kind zieht ein: Haus steuerfrei, 235.000 € liegen unter dem Freibetrag
- 0 €
- Kind zieht nicht ein: 485.000 € steuerpflichtig, 15 %
- 72.750 €
Ist das Haus größer als 200 m², bleibt bei Kindern der entsprechende Anteil frei, bei 250 m² also 80 % des Werts. Muss das Haus laut Testament an jemand anderen gehen oder gibst du es bei der Teilung des Nachlasses an einen Miterben ab, geht die Befreiung nicht an dich. Übernimmt ein begünstigter Miterbe das Haus und zieht selbst ein, gilt sie für ihn. Einen Kredit auf dem befreiten Teil darfst du nicht als Schuld abziehen. Seit 2025 gilt das anteilig auch für Schulden, die keinem einzelnen Gegenstand zuzuordnen sind (§ 10 Abs. 6a ErbStG).
Geerbte Immobilie: Welchen Wert das Finanzamt ansetzt
Für Häuser, Wohnungen und Grundstücke zählt nicht der Kaufpreis von damals, sondern ein Grundbesitzwert zum Todestag. Ihn stellt das Finanzamt am Ort der Immobilie in einem eigenen Bescheid fest (§§ 151, 152 BewG), je nach Art des Objekts mit einem anderen Verfahren (§ 182 BewG):
| Immobilie | Verfahren | So entsteht der Wert |
|---|---|---|
| Eigentumswohnung, Ein- und Zweifamilienhaus | Vergleichswert§§ 182 Abs. 2, 183 BewG | Kaufpreise vergleichbarer Objekte oder Vergleichsfaktoren des Gutachterausschusses |
| Mehrfamilienhaus, Geschäftshaus mit ortsüblicher Miete | Ertragswert§§ 182 Abs. 3, 184 bis 188 BewG | Bodenwert plus Gebäudeertragswert, abgeleitet aus der Jahresmiete |
| Haus ohne Vergleichswerte, übrige Geschäftsgrundstücke | Sachwert§§ 182 Abs. 4, 189 bis 191 BewG | Bodenwert plus Gebäudesachwert, angepasst mit einer Wertzahl |
| Unbebautes Grundstück | Bodenwert§ 179 BewG | Fläche mal Bodenrichtwert |
Die Verfahren rechnen mit typisierten Werten wie Bodenrichtwerten. Ist deine Immobilie tatsächlich weniger wert, etwa wegen eines Sanierungsstaus, weist du das mit einem Gutachten des Gutachterausschusses oder eines zertifizierten Sachverständigen nach oder mit einem Kaufpreis aus dem Jahr vor oder nach dem Todestag (§ 198 BewG). Die Kosten des Gutachtens zählen zu den Nachlasskosten (BFH, Urteil vom 19. Juni 2013, II R 20/12), wirken sich also nur aus, wenn alle Kosten zusammen die Pauschale übersteigen.
Vermietete Wohnung: 10 % Abschlag
Zu Wohnzwecken vermietete Häuser und Wohnungen zählen nur mit 90 % ihres Werts (§ 13d ErbStG), außerhalb von EU und EWR nur, wenn der Staat Deutschland in Erbschaftsteuersachen Amtshilfe leistet. Gewerbeflächen und Wohnungen im begünstigten Betriebsvermögen sind ausgenommen. Ein Kredit auf der Wohnung ist nur zu 90 % abziehbar (§ 10 Abs. 6a).
Sonst gehört nichts zum Erbe.
- Wert der Wohnung
- 500.000 €
- Abschlag 10 % für die Vermietung
- −50.000 €
- Pauschale für Beerdigung und Nachlass
- −15.000 €
- Freibetrag Kind
- −400.000 €
- = steuerpflichtiger Erwerb
- 35.000 €
- Erbschaftsteuer, 7 %
- 2.450 €
Ohne den Abschlag wären 85.000 € steuerpflichtig und 9.350 € Steuer fällig. Der Abschlag spart hier 6.900 €.
Schenkungen der letzten 10 Jahre zählen mit
Was dir der Verstorbene in den 10 Jahren vor seinem Tod geschenkt hat, rechnet das Finanzamt zum Erbe dazu (§ 14 ErbStG). Die Freibeträge gibt es für alles zusammen nur einmal. Von der Steuer auf den Gesamtbetrag geht die Steuer ab, die auf die Schenkungen entfiele. Die Anzeige an das Finanzamt soll deshalb auch frühere Zuwendungen nennen (§ 30 Abs. 4 Nr. 6 ErbStG).
Das Kind hat vor sechs Jahren 400.000 € geschenkt bekommen, damals steuerfrei. Jetzt erbt es 300.000 €. Ohne die Schenkung wäre das Erbe steuerfrei (0 €).
- Schenkung vor sechs Jahren
- 400.000 €
- + Erbe nach der Pauschale
- 285.000 €
- Freibetrag Kind, nur einmal
- −400.000 €
- = steuerpflichtig zusammen
- 285.000 €
- Steuer darauf, 11 %
- 31.350 €
- Steuer, die auf die Schenkung allein entfiele
- 0 €
- Erbschaftsteuer
- 31.350 €
Schenken statt vererben
Schenkungen, die länger als 10 Jahre zurückliegen, zählen nicht mehr. Ein Elternteil kann deshalb jedem Kind alle 10 Jahre 400.000 € steuerfrei schenken. Versorgungsfreibetrag und Erbfallkostenpauschale gibt es bei Schenkungen nicht. Wie sich das rechnet, zeigt der Schenkungsteuer-Rechner.
Eine Grenze setzt der Pflichtteil: Pflichtteilsberechtigte können verlangen, dass Schenkungen aus den zehn Jahren vor dem Tod dem Nachlass hinzugerechnet werden, mit jedem Jahr Abstand ein Zehntel weniger. Bei Schenkungen an den Ehepartner beginnt diese Frist erst mit dem Ende der Ehe (§ 2325 BGB). Was das ausmacht, zeigt der Pflichtteil-Rechner.
Betriebsvermögen und Firmenanteile erben
Erbst du eine Firma, einen Anteil an einer Personengesellschaft oder mehr als 25 % einer Kapitalgesellschaft, bleibt der größte Teil steuerfrei, wenn du den Betrieb fortführst und die Löhne hältst (§§ 13a, 13b ErbStG). Du hast zwei Wege:
| Bedingung | Regelverschonung | Optionsverschonung |
|---|---|---|
| Steuerfrei bleiben | 85 % | 100 % |
| Antrag | nicht nötig | unwiderruflich |
| Betrieb behalten und fortführen | 5 Jahre | 7 Jahre |
| Lohnsumme in dieser Zeit bei mehr als 15 Beschäftigten | 400 % | 700 % |
| 11 bis 15 Beschäftigte | 300 % | 565 % |
| 6 bis 10 Beschäftigte | 250 % | 500 % |
| Anteil Verwaltungsvermögen | unter 90 % | höchstens 20 % |
Gezählt werden die Löhne der ganzen Frist im Verhältnis zum Jahresschnitt der fünf Jahre vor dem Erbfall. 400 % in 5 Jahren heißt: Die Löhne dürfen im Schnitt auf 80 % sinken. Bis 5 Beschäftigte entfällt die Prüfung (§ 13a Abs. 3 und 10 ErbStG).
Verfehlst du die Lohnsumme, sinkt die Verschonung im selben Verhältnis. Verkaufst oder schließt du den Betrieb vor Ablauf der Frist, fällt sie zeitanteilig weg, beides rückwirkend (§ 13a Abs. 3 und 6). Vermietete Grundstücke, Wertpapiere, Kunst oder Beteiligungen bis 25 % gelten als Verwaltungsvermögen und bleiben im Grundsatz steuerpflichtig (§ 13b Abs. 4). Was nach dem Abschlag von 85 % übrig bleibt, ist bis 150.000 € frei, darüber schmilzt dieser Abzugsbetrag ab (§ 13a Abs. 2). Ein Betrieb mit einem begünstigten Wert bis 1.000.000 € bleibt so ganz steuerfrei. Über 26.000.000 € gelten Sonderregeln (§§ 13c, 28a). Der Rechner oben bildet die Verschonung nicht ab, für einen Betrieb im Erbe brauchst du einen Steuerberater.
Karlsruhe verhandelt im Oktober über die Erbschaftsteuer
Das Bundesverfassungsgericht verhandelt am 12. und 13. Oktober 2026 in zwei Verfahren über das Erbschaftsteuergesetz.
- 12. Oktober, Antrag Bayerns (1 BvF 1/23): Die Bayerische Staatsregierung hält die Bewertung von Grundbesitz, die Freibeträge und die Steuersätze für verfassungswidrig. Dem Bund fehle die Gesetzgebungskompetenz, Freibeträge und Sätze seien nicht an die Preissteigerung angepasst, und die Freibeträge berücksichtigten die regional sehr unterschiedlichen Immobilienpreise nicht.
- 13. Oktober, Verfassungsbeschwerde (1 BvR 804/22): Ein Mann, der von seiner Tante Wertpapiere und Immobilien geerbt hat, hält es für gleichheitswidrig, dass Betriebsvermögen weitgehend verschont wird, Privatvermögen aber nicht. Die frühere Fassung dieser Verschonung hatte das Gericht schon 2014 für unvereinbar mit dem Grundgesetz erklärt (1 BvL 21/12). Die heutigen Verschonungsregeln gelten für Erbfälle seit Juli 2016.
Bis zu einem Urteil gilt das Gesetz, wie es ist, und danach rechnet auch der Rechner. Wann Karlsruhe entscheidet, steht nicht fest.
Gegen einen Erbschaftsteuerbescheid kannst du binnen eines Monats Einspruch einlegen (§ 355 AO) und dich auf die anhängigen Verfahren berufen. Das Einspruchsverfahren ruht dann, bis das Gericht entschieden hat (§ 363 Abs. 2 AO). Zahlen musst du trotzdem (§ 361 Abs. 1 AO).
Häufige Fragen
Muss ich eine Erbschaft dem Finanzamt melden?
Zahlt mein Lebensgefährte Erbschaftsteuer?
Fällt auf eine Lebensversicherung Erbschaftsteuer an?
Fällt beim geerbten Haus Grunderwerbsteuer an?
Kann ich die Erbschaftsteuer in Raten zahlen?
Wer bekommt den Pflegefreibetrag?
Wann verjährt die Erbschaftsteuer?
Was gilt bei Wohnsitz oder Vermögen im Ausland?
Quellen
- Erbschaftsteuer- und Schenkungsteuergesetz (ErbStG): Steuerpflicht § 2, Befreiungen §§ 13 bis 13d, Zusammenrechnung § 14, Klassen und Freibeträge §§ 15 bis 17, Sätze § 19, Anzeige §§ 30, 31 gesetze-im-internet.de
- § 10 ErbStG: Erbfallkosten, Schuldenabzug, Abrundung auf 100 € gesetze-im-internet.de
- Bewertungsgesetz (BewG): Grundbesitzwert §§ 151 bis 198, Inlandsvermögen § 121, Vervielfältiger § 14 gesetze-im-internet.de
- § 170 AO: Beginn der Festsetzungsfrist, Abs. 5 für die Erbschaftsteuer gesetze-im-internet.de
- § 2325 BGB: Pflichtteilsergänzung bei Schenkungen gesetze-im-internet.de
- BMF-Schreiben vom 21. Oktober 2025: Vervielfältiger für lebenslange Renten ab 2026 (§ 14 BewG) bundesfinanzministerium.de
- BMF-Schreiben vom 7. Januar 2026: Stand der Doppelbesteuerungsabkommen am 1. Januar 2026, Abkommen zu Erbschaft- und Schenkungsteuern bundesfinanzministerium.de
- BFH, Urteil vom 17. Juni 2026, II R 25/23: Pauschale von 10.300 € für Erbfälle bis 2024, auch für Vermächtnisnehmer bundesfinanzhof.de
- BFH, Urteil vom 1. Februar 2023, II R 3/20: Pauschale ohne Nachweis von Kosten, einmal je Erbfall (mit Verweis auf II R 31/08) bundesfinanzhof.de
- BFH, Urteil vom 19. Juni 2013, II R 20/12: Kosten eines Wertgutachtens als Nachlassverbindlichkeit bundesfinanzhof.de
- BFH, Urteil vom 28. Mai 2019, II R 37/16: Familienheim: Einzug in der Regel binnen sechs Monaten bundesfinanzhof.de
- BFH, Beschluss vom 27. Mai 2026, II B 41/25: Die sechs Monate sind keine starre Frist bundesfinanzhof.de
- BFH, Urteil vom 1. Dezember 2021, II R 1/21: Auszug aus dem Familienheim aus zwingenden Gründen bundesfinanzhof.de
- BFH, Urteil vom 10. Mai 2017, II R 37/15: Pflegefreibetrag auch für unterhaltspflichtige Kinder bundesfinanzhof.de
- Bundesverfassungsgericht, Pressemitteilung 48/2026: Verhandlung 1 BvF 1/23 am 12. Oktober 2026 bundesverfassungsgericht.de
- Bundesverfassungsgericht, Pressemitteilung 49/2026: Verhandlung 1 BvR 804/22 am 13. Oktober 2026 bundesverfassungsgericht.de
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