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Erbschaftsteuer-Rechner 2026

Ein Kind kann 400.000 € erben, ohne Erbschaftsteuer zu zahlen, mit der Pauschale für Beerdigung und Nachlass als Alleinerbe sogar 415.000 €. Ehepartner haben 500.000 € frei und bis zu 256.000 € Versorgungsfreibetrag dazu. Geschwister, Nichten und Neffen haben nur 20.000 € frei, Lebensgefährten ohne Trauschein 20.000 €. Der Rechner zieht Schulden, Kosten, ein selbst bezogenes Familienheim und frühere Schenkungen so ab, wie es das Erbschaftsteuergesetz vorsieht.

Stand: So werden die Rechner geprüft

Erbschaftsteuer-Rechner

Voraussichtliche Erbschaftsteuer

9.350 €

Steuerklasse I · Freibeträge 400.000 € · Steuersatz 11 %

Von 485.000 € nach Abzügen sind 400.000 € frei. Auf die übrigen 85.000 € fallen 11 % Steuer an: 9.350 €.

Erbe nach Abzügen
485.000 €
Steuerpflichtig
85.000 €
Steuer vom Erbe
1,9 %

Rechenweg

Wert des Erbes500.000 €
Beerdigung und Nachlasskosten−15.000 €
= Erbe nach Abzügen485.000 €
Freibetrag Steuerklasse I−400.000 €
= steuerpflichtig, auf 100 € abgerundet85.000 €
× 11 %9.350 €
= Erbschaftsteuer9.350 €

Familienheim: Hat der Verstorbene im geerbten Haus oder in der geerbten Wohnung gewohnt und ziehst du selbst ein, bleibt die Immobilie steuerfrei, bei Kindern bis 200 m² Wohnfläche. Du musst dann 10 Jahre darin wohnen. Den Wert trägst du unter „Haus, Hausrat, Pflege“ ein.

Auf dieser Seite
  1. So wird gerechnet
  2. Freibeträge und Steuersätze
  3. Beispiele und Tabelle
  4. Elternhaus und Familienheim
  5. Wert geerbter Immobilien
  6. Schenkungen der letzten 10 Jahre
  7. Betriebsvermögen
  8. Verfahren in Karlsruhe
  9. Häufige Fragen
  10. Quellen

So wird die Erbschaftsteuer berechnet

Jeder Erbe zahlt für sich, und zwar auf das, was er persönlich bekommt. Maßgeblich sind der Tag des Todes und das Verwandtschaftsverhältnis zum Verstorbenen.

  1. Wert feststellenKonten, Depot, Immobilien, Auto und Hausrat zählen mit ihrem Wert am Todestag. Immobilien bewertet das Finanzamt nach dem Bewertungsgesetz. Liegt der Verkehrswert laut Gutachten niedriger, gilt dieser (§ 198 BewG).
  2. AbziehenSchulden des Verstorbenen, Vermächtnisse und Pflichtteile, die du auszahlst, und die Kosten für Beerdigung, Grab und Nachlass. Für diese Kosten gibt es ohne Belege 15.000 € je Erbfall (§ 10 Abs. 5 ErbStG). Steuerfreie Teile wie ein Familienheim, in das du einziehst, fallen heraus.
  3. FreibeträgeVom Rest geht der persönliche Freibetrag ab, bei Ehepartnern und Kindern unter 27 auch der Versorgungsfreibetrag. Was übrig bleibt, wird auf volle 100 € abgerundet.
  4. SteuersatzJe nach Steuerklasse und Betrag gilt ein Satz zwischen 7 % und 50 % (§ 19 ErbStG), und zwar auf den ganzen steuerpflichtigen Erwerb.

Erbschaftsteuer = (Erbe − Schulden und Kosten − Freibeträge) × Steuersatz

Weil der Satz für den ganzen Betrag gilt, würde ein Euro über einer Stufe die Steuer sprunghaft erhöhen. Das mildert der Härteausgleich (§ 19 Abs. 3 ErbStG): Die Mehrsteuer gegenüber der Stufengrenze darf höchstens 50 % des Betrags über der Grenze ausmachen, bei Sätzen über 30 % höchstens 75 %. Der Rechner berücksichtigt ihn automatisch, in Klasse I etwa zwischen 300.000 € und 334.200 € steuerpflichtigem Erwerb.

Wo der Härteausgleich wirkt

Erwerb überKlasse IKlasse IIKlasse III
75.000 €bis 82.600 €bis 87.400 €–
300.000 €bis 334.200 €bis 359.900 €–
600.000 €bis 677.400 €bis 749.900 €–
6.000.000 €bis 6.888.800 €bis 6.749.900 €bis 10.799.900 €
13.000.000 €bis 15.260.800 €bis 14.857.100 €–
26.000.000 €bis 29.899.900 €bis 28.437.400 €–

Bis zu diesem steuerpflichtigen Erwerb senkt der Härteausgleich die Steuer, gesucht mit dem Rechner oben. In Klasse III bleibt der Satz bis 6.000.000 € bei 30 %, deshalb gibt es dort nur einen Sprung.

Erbfallkostenpauschale: 15.000 € ohne Belege

Die Pauschale deckt die Beerdigung, ein angemessenes Grabmal, die übliche Grabpflege und die Kosten, den Nachlass abzuwickeln, zu regeln und zu verteilen (§ 10 Abs. 5 Nr. 3 ErbStG). Nachweisen musst du nichts, nicht einmal, dass überhaupt Kosten angefallen sind (BFH, Urteil vom 1. Februar 2023, II R 3/20). Sie gilt je Erbfall einmal, Miterben teilen sie (BFH, Beschluss vom 24. Februar 2010, II R 31/08). Höhere Kosten setzt du mit Rechnungen an. Die Verwaltung des Nachlasses und deine eigene Erbschaftsteuer zählen nicht (§ 10 Abs. 5 Nr. 3 Satz 3 und Abs. 8). Für Erbfälle bis 2024 gelten noch 10.300 €.

Freibeträge und Steuersätze 2026

Steuerklasse und Freibetrag hängen allein davon ab, wie du mit dem Verstorbenen verwandt warst (§§ 15 und 16 ErbStG).

Verhältnis zum VerstorbenenKlasseFreibetrag
Ehepartner, eingetragene Lebenspartner§ 16 Abs. 1 Nr. 1I500.000 €
Kinder, Stief- und AdoptivkinderNr. 2I400.000 €
Enkel, deren Elternteil verstorben istNr. 2I400.000 €
EnkelNr. 3I200.000 €
Urenkel, Eltern und GroßelternNr. 4I100.000 €
Geschwister, Nichten und Neffen, Stiefeltern, Schwiegerkinder, Schwiegereltern, geschiedene EhepartnerNr. 5II20.000 €
Alle anderen, etwa Lebensgefährten ohne Trauschein, Tante und Onkel, Cousins, FreundeNr. 7III20.000 €

Eltern und Großeltern sind nur beim Erbfall in Klasse I, bei Schenkungen in Klasse II. Erbt ein Neffe von seiner Tante, gilt Klasse II, erbt die Tante von ihrem Neffen, Klasse III.

Steuerpflichtiger ErwerbKlasse IKlasse IIKlasse III
bis 75.000 €7 %15 %30 %
bis 300.000 €11 %20 %30 %
bis 600.000 €15 %25 %30 %
bis 6.000.000 €19 %30 %30 %
bis 13.000.000 €23 %35 %50 %
bis 26.000.000 €27 %40 %50 %
über 26.000.000 €30 %43 %50 %

Steuersätze nach § 19 Abs. 1 ErbStG. Der Satz gilt für den ganzen Betrag, knapp über einer Grenze mildert der Härteausgleich den Sprung.

Dazu kommen Freibeträge und Befreiungen, die nicht jeder bekommt:

Freibetrag oder Regel2026Grundlage
Versorgungsfreibetrag Ehepartner256.000 €§ 17 Abs. 1 ErbStG
Versorgungsfreibetrag Kinder unter 27, je nach Alter10.300 € bis 52.000 €§ 17 Abs. 2 ErbStG
Hausrat, Wäsche, Kleidung in Klasse I41.000 €§ 13 Abs. 1 Nr. 1 ErbStG
Auto und andere Gegenstände in Klasse I12.000 €§ 13 Abs. 1 Nr. 1 ErbStG
Hausrat und Gegenstände zusammen in Klasse II und III12.000 €§ 13 Abs. 1 Nr. 1 ErbStG
Unentgeltliche Pflege des Verstorbenenbis 20.000 €§ 13 Abs. 1 Nr. 9 ErbStG
Beerdigung und Nachlasskosten ohne Belege, je Erbfall15.000 €§ 10 Abs. 5 Nr. 3 ErbStG
Vermietete Wohnimmobilien zählen mit90 %§ 13d ErbStG
Kleinbetrag: keine Steuer bis50 €§ 22 ErbStG

Den Versorgungsfreibetrag gibt es nur beim Erbfall. Kinder bekommen je nach Alter 52.000 € (bis 5 Jahre), 41.000 € (bis 10), 30.700 € (bis 15), 20.500 € (bis 20) oder 10.300 € (bis zum 27. Geburtstag). Bezieht der Hinterbliebene wegen des Todes eine Rente, etwa eine Witwen- oder Waisenrente, kürzt das Finanzamt den Freibetrag um deren Kapitalwert (§ 17 ErbStG). Der Rechner rechnet diesen Kapitalwert mit den amtlichen Vervielfältigern für 2026.

Beispiele und Tabelle

Die Beispiele und die Tabelle kommen aus demselben Rechenkern wie der Rechner oben, jeweils mit der Pauschale von 15.000 €.

Rechenbeispiel Kind erbt 725.000 € auf Konten und im Depot

Der steuerpflichtige Erwerb liegt knapp über der Grenze von 300.000 €. Der Härteausgleich spart hier 8.500 €.

Konten und Depot
725.000 €
Pauschale für Beerdigung und Nachlass
−15.000 €
Freibetrag Kind
−400.000 €
= steuerpflichtiger Erwerb
310.000 €
15 % auf alles wären
46.500 €
Härteausgleich: Steuer auf 300.000 € plus 50 % von 10.000 €
33.000 € + 5.000 €
Erbschaftsteuer
38.000 €
Rechenbeispiel Witwe erbt Haus und 700.000 €

Sie ist 72 Jahre alt, wohnt weiter im gemeinsamen Haus und bekommt 1.100 € Witwenrente brutto im Monat. Deren Kapitalwert: 13.200 € im Jahr mal 10,447 (Vervielfältiger für 72-jährige Frauen) ergibt 137.900 €. Um diesen Betrag sinkt der Versorgungsfreibetrag.

Haus, Konten und Depot
1.300.000 €
Familienheim, sie wohnt weiter darin
−600.000 €
Pauschale für Beerdigung und Nachlass
−15.000 €
Freibetrag Ehepartner
−500.000 €
Versorgungsfreibetrag 256.000 € minus 137.900 €
−118.100 €
= steuerpflichtiger Erwerb
66.900 €
Erbschaftsteuer, 7 %
4.683 €

Was ein Erbe je nach Verwandtschaft kostet

Wer erbt100.000 €250.000 €500.000 €1.000.000 €
EhepartnerKlasse I, Freibetrag 500.000 €0 €0 €0 €25.190 €
KindKlasse I, Freibetrag 400.000 €0 €0 €9.350 €87.750 €
EnkelKlasse I, Freibetrag 200.000 €0 €2.450 €31.350 €149.150 €
Eltern, GroßelternKlasse I, Freibetrag 100.000 €0 €14.850 €57.750 €168.150 €
Geschwister, Nichte, NeffeKlasse II, Freibetrag 20.000 €9.750 €43.000 €116.250 €289.500 €
Lebensgefährte, FreundeKlasse III, Freibetrag 20.000 €19.500 €64.500 €139.500 €289.500 €

Erbschaftsteuer auf ein Erbe im Wert der Spaltenköpfe, nach Abzug der Pauschale von 15.000 €, ohne Schulden und ohne Familienheim. Ehepartner mit vollem Versorgungsfreibetrag, also ohne Hinterbliebenenrente, Kinder älter als 27.

Elternhaus und Familienheim erben

Das Haus oder die Wohnung, in der der Verstorbene gewohnt hat, bleibt für Ehepartner ohne Wertgrenze steuerfrei, für Kinder bis zu einer Wohnfläche von 200 m² (§ 13 Abs. 1 Nr. 4b und 4c ErbStG). Das gilt auch für Enkel, deren Elternteil schon gestorben ist. Geschwister, Enkel mit lebenden Eltern und Lebensgefährten bekommen diese Befreiung nicht.

  • Der Verstorbene hat darin gewohnt, bis zum Tod oder bis er aus zwingenden Gründen nicht mehr konnte.
  • Du ziehst unverzüglich selbst ein. Der Bundesfinanzhof hält dafür in der Regel sechs Monate für angemessen (Urteil vom 28. Mai 2019, II R 37/16), aber nicht als starre Frist (Beschluss vom 27. Mai 2026, II B 41/25). Wer länger braucht, muss erklären, warum das nicht an ihm lag.
  • Du wohnst 10 Jahre lang darin. Ziehst du früher aus, entfällt die Befreiung rückwirkend. Ausnahme: Das Wohnen dort ist dir objektiv unmöglich oder unzumutbar, etwa aus gesundheitlichen Gründen. Bloße Zweckmäßigkeit reicht nicht (Urteil vom 1. Dezember 2021, II R 1/21).
Vergleich Elternhaus für 650.000 € und 250.000 € Guthaben

Ein Kind erbt allein, das Haus hat 140 m² Wohnfläche. Der Unterschied hängt nur daran, ob es selbst einzieht.

Kind zieht ein: Haus steuerfrei, 235.000 € liegen unter dem Freibetrag
0 €
Kind zieht nicht ein: 485.000 € steuerpflichtig, 15 %
72.750 €

Ist das Haus größer als 200 m², bleibt bei Kindern der entsprechende Anteil frei, bei 250 m² also 80 % des Werts. Muss das Haus laut Testament an jemand anderen gehen oder gibst du es bei der Teilung des Nachlasses an einen Miterben ab, geht die Befreiung nicht an dich. Übernimmt ein begünstigter Miterbe das Haus und zieht selbst ein, gilt sie für ihn. Einen Kredit auf dem befreiten Teil darfst du nicht als Schuld abziehen. Seit 2025 gilt das anteilig auch für Schulden, die keinem einzelnen Gegenstand zuzuordnen sind (§ 10 Abs. 6a ErbStG).

Geerbte Immobilie: Welchen Wert das Finanzamt ansetzt

Für Häuser, Wohnungen und Grundstücke zählt nicht der Kaufpreis von damals, sondern ein Grundbesitzwert zum Todestag. Ihn stellt das Finanzamt am Ort der Immobilie in einem eigenen Bescheid fest (§§ 151, 152 BewG), je nach Art des Objekts mit einem anderen Verfahren (§ 182 BewG):

ImmobilieVerfahrenSo entsteht der Wert
Eigentumswohnung, Ein- und ZweifamilienhausVergleichswert§§ 182 Abs. 2, 183 BewGKaufpreise vergleichbarer Objekte oder Vergleichsfaktoren des Gutachterausschusses
Mehrfamilienhaus, Geschäftshaus mit ortsüblicher MieteErtragswert§§ 182 Abs. 3, 184 bis 188 BewGBodenwert plus Gebäudeertragswert, abgeleitet aus der Jahresmiete
Haus ohne Vergleichswerte, übrige GeschäftsgrundstückeSachwert§§ 182 Abs. 4, 189 bis 191 BewGBodenwert plus Gebäudesachwert, angepasst mit einer Wertzahl
Unbebautes GrundstückBodenwert§ 179 BewGFläche mal Bodenrichtwert

Die Verfahren rechnen mit typisierten Werten wie Bodenrichtwerten. Ist deine Immobilie tatsächlich weniger wert, etwa wegen eines Sanierungsstaus, weist du das mit einem Gutachten des Gutachterausschusses oder eines zertifizierten Sachverständigen nach oder mit einem Kaufpreis aus dem Jahr vor oder nach dem Todestag (§ 198 BewG). Die Kosten des Gutachtens zählen zu den Nachlasskosten (BFH, Urteil vom 19. Juni 2013, II R 20/12), wirken sich also nur aus, wenn alle Kosten zusammen die Pauschale übersteigen.

Vermietete Wohnung: 10 % Abschlag

Zu Wohnzwecken vermietete Häuser und Wohnungen zählen nur mit 90 % ihres Werts (§ 13d ErbStG), außerhalb von EU und EWR nur, wenn der Staat Deutschland in Erbschaftsteuersachen Amtshilfe leistet. Gewerbeflächen und Wohnungen im begünstigten Betriebsvermögen sind ausgenommen. Ein Kredit auf der Wohnung ist nur zu 90 % abziehbar (§ 10 Abs. 6a).

Rechenbeispiel Kind erbt eine vermietete Wohnung für 500.000 €

Sonst gehört nichts zum Erbe.

Wert der Wohnung
500.000 €
Abschlag 10 % für die Vermietung
−50.000 €
Pauschale für Beerdigung und Nachlass
−15.000 €
Freibetrag Kind
−400.000 €
= steuerpflichtiger Erwerb
35.000 €
Erbschaftsteuer, 7 %
2.450 €

Ohne den Abschlag wären 85.000 € steuerpflichtig und 9.350 € Steuer fällig. Der Abschlag spart hier 6.900 €.

Schenkungen der letzten 10 Jahre zählen mit

Was dir der Verstorbene in den 10 Jahren vor seinem Tod geschenkt hat, rechnet das Finanzamt zum Erbe dazu (§ 14 ErbStG). Die Freibeträge gibt es für alles zusammen nur einmal. Von der Steuer auf den Gesamtbetrag geht die Steuer ab, die auf die Schenkungen entfiele. Die Anzeige an das Finanzamt soll deshalb auch frühere Zuwendungen nennen (§ 30 Abs. 4 Nr. 6 ErbStG).

Rechenbeispiel Schenkung und Erbe vom selben Elternteil

Das Kind hat vor sechs Jahren 400.000 € geschenkt bekommen, damals steuerfrei. Jetzt erbt es 300.000 €. Ohne die Schenkung wäre das Erbe steuerfrei (0 €).

Schenkung vor sechs Jahren
400.000 €
+ Erbe nach der Pauschale
285.000 €
Freibetrag Kind, nur einmal
−400.000 €
= steuerpflichtig zusammen
285.000 €
Steuer darauf, 11 %
31.350 €
Steuer, die auf die Schenkung allein entfiele
0 €
Erbschaftsteuer
31.350 €

Schenken statt vererben

Schenkungen, die länger als 10 Jahre zurückliegen, zählen nicht mehr. Ein Elternteil kann deshalb jedem Kind alle 10 Jahre 400.000 € steuerfrei schenken. Versorgungsfreibetrag und Erbfallkostenpauschale gibt es bei Schenkungen nicht. Wie sich das rechnet, zeigt der Schenkungsteuer-Rechner.

Eine Grenze setzt der Pflichtteil: Pflichtteilsberechtigte können verlangen, dass Schenkungen aus den zehn Jahren vor dem Tod dem Nachlass hinzugerechnet werden, mit jedem Jahr Abstand ein Zehntel weniger. Bei Schenkungen an den Ehepartner beginnt diese Frist erst mit dem Ende der Ehe (§ 2325 BGB). Was das ausmacht, zeigt der Pflichtteil-Rechner.

Betriebsvermögen und Firmenanteile erben

Erbst du eine Firma, einen Anteil an einer Personengesellschaft oder mehr als 25 % einer Kapitalgesellschaft, bleibt der größte Teil steuerfrei, wenn du den Betrieb fortführst und die Löhne hältst (§§ 13a, 13b ErbStG). Du hast zwei Wege:

BedingungRegelverschonungOptionsverschonung
Steuerfrei bleiben85 %100 %
Antragnicht nötigunwiderruflich
Betrieb behalten und fortführen5 Jahre7 Jahre
Lohnsumme in dieser Zeit bei mehr als 15 Beschäftigten400 %700 %
11 bis 15 Beschäftigte300 %565 %
6 bis 10 Beschäftigte250 %500 %
Anteil Verwaltungsvermögenunter 90 %höchstens 20 %

Gezählt werden die Löhne der ganzen Frist im Verhältnis zum Jahresschnitt der fünf Jahre vor dem Erbfall. 400 % in 5 Jahren heißt: Die Löhne dürfen im Schnitt auf 80 % sinken. Bis 5 Beschäftigte entfällt die Prüfung (§ 13a Abs. 3 und 10 ErbStG).

Verfehlst du die Lohnsumme, sinkt die Verschonung im selben Verhältnis. Verkaufst oder schließt du den Betrieb vor Ablauf der Frist, fällt sie zeitanteilig weg, beides rückwirkend (§ 13a Abs. 3 und 6). Vermietete Grundstücke, Wertpapiere, Kunst oder Beteiligungen bis 25 % gelten als Verwaltungsvermögen und bleiben im Grundsatz steuerpflichtig (§ 13b Abs. 4). Was nach dem Abschlag von 85 % übrig bleibt, ist bis 150.000 € frei, darüber schmilzt dieser Abzugsbetrag ab (§ 13a Abs. 2). Ein Betrieb mit einem begünstigten Wert bis 1.000.000 € bleibt so ganz steuerfrei. Über 26.000.000 € gelten Sonderregeln (§§ 13c, 28a). Der Rechner oben bildet die Verschonung nicht ab, für einen Betrieb im Erbe brauchst du einen Steuerberater.

Karlsruhe verhandelt im Oktober über die Erbschaftsteuer

Das Bundesverfassungsgericht verhandelt am 12. und 13. Oktober 2026 in zwei Verfahren über das Erbschaftsteuergesetz.

  • 12. Oktober, Antrag Bayerns (1 BvF 1/23): Die Bayerische Staatsregierung hält die Bewertung von Grundbesitz, die Freibeträge und die Steuersätze für verfassungswidrig. Dem Bund fehle die Gesetzgebungskompetenz, Freibeträge und Sätze seien nicht an die Preissteigerung angepasst, und die Freibeträge berücksichtigten die regional sehr unterschiedlichen Immobilienpreise nicht.
  • 13. Oktober, Verfassungsbeschwerde (1 BvR 804/22): Ein Mann, der von seiner Tante Wertpapiere und Immobilien geerbt hat, hält es für gleichheitswidrig, dass Betriebsvermögen weitgehend verschont wird, Privatvermögen aber nicht. Die frühere Fassung dieser Verschonung hatte das Gericht schon 2014 für unvereinbar mit dem Grundgesetz erklärt (1 BvL 21/12). Die heutigen Verschonungsregeln gelten für Erbfälle seit Juli 2016.

Bis zu einem Urteil gilt das Gesetz, wie es ist, und danach rechnet auch der Rechner. Wann Karlsruhe entscheidet, steht nicht fest.

Bescheid offenhalten

Gegen einen Erbschaftsteuerbescheid kannst du binnen eines Monats Einspruch einlegen (§ 355 AO) und dich auf die anhängigen Verfahren berufen. Das Einspruchsverfahren ruht dann, bis das Gericht entschieden hat (§ 363 Abs. 2 AO). Zahlen musst du trotzdem (§ 361 Abs. 1 AO).

Häufige Fragen

Muss ich eine Erbschaft dem Finanzamt melden?
Ja, schriftlich und binnen 3 Monaten, nachdem du von der Erbschaft erfahren hast, auch wenn keine Steuer anfällt (§ 30 Abs. 1 ErbStG). Ausnahme: Du erbst aufgrund eines Testaments, das ein deutsches Nachlassgericht oder ein Notar eröffnet hat, dein Verhältnis zum Verstorbenen geht daraus klar hervor, und es gehören weder Immobilien noch Betriebsvermögen, GmbH-Anteile oder Auslandsvermögen dazu (§ 30 Abs. 3). Banken und Versicherungen melden das Vermögen des Verstorbenen ohnehin (§ 33). Das Finanzamt kann dich zu einer Erbschaftsteuererklärung auffordern, die Frist dafür beträgt mindestens einen Monat (§ 31 Abs. 1). Mehrere Erben dürfen sie gemeinsam abgeben, ein Testamentsvollstrecker gibt sie selbst ab (§ 31 Abs. 4 und 5).
Zahlt mein Lebensgefährte Erbschaftsteuer?
Ja, sobald das Erbe nach Abzug der Kosten mehr als 20.000 € beträgt. Ohne Trauschein oder eingetragene Partnerschaft gehört er zur Steuerklasse III, und dort beginnt der Satz bei 30 % (§§ 15, 16, 19 ErbStG). Unter Partnern gibt es den Versorgungsfreibetrag und die Befreiung für das Familienheim nur für Ehepartner und eingetragene Lebenspartner. Was bei 100.000 € bis 1.000.000 € anfällt, zeigt die Tabelle bei den Beispielen.
Fällt auf eine Lebensversicherung Erbschaftsteuer an?
Ja, wenn der Verstorbene die Versicherung abgeschlossen hatte und du als Bezugsberechtigter das Geld bekommst. Die Auszahlung gehört dann zwar nicht zum Nachlass, zählt aber als Erwerb von Todes wegen (§ 3 Abs. 1 Nr. 4 ErbStG). Die Versicherung meldet sie dem Finanzamt, bevor sie auszahlt (§ 33 Abs. 3). Warst du selbst Versicherungsnehmer, zahlt die Versicherung aus deinem eigenen Vertrag, das ist kein Erwerb vom Verstorbenen.
Fällt beim geerbten Haus Grunderwerbsteuer an?
Nein. Der Erwerb eines Grundstücks von Todes wegen ist von der Grunderwerbsteuer befreit (§ 3 Nr. 2 GrEStG). Frei bleibt auch, wenn ein Miterbe das Haus bei der Teilung des Nachlasses übernimmt (§ 3 Nr. 3 GrEStG). Ob und was die Umschreibung im Grundbuch kostet, erklärt der Notarkosten-Rechner.
Kann ich die Erbschaftsteuer in Raten zahlen?
Bei Wohnimmobilien ja: Kannst du die Steuer nur aufbringen, indem du ein geerbtes Haus oder eine Wohnung verkaufst, stundet das Finanzamt sie auf Antrag bis zu 10 Jahre, beim Erbfall ohne Zinsen (§ 28 Abs. 3 ErbStG). Die Stundung endet, wenn die Immobilie an andere übergeht oder nicht mehr zum Wohnen dient. Für begünstigtes Betriebsvermögen gibt es bis zu 7 Jahre, zinslos nur das erste Jahr (§ 28 Abs. 1). Daneben bleibt die allgemeine Stundung bei erheblicher Härte (§ 222 AO).
Wer bekommt den Pflegefreibetrag?
Wer den Verstorbenen ohne oder gegen zu wenig Bezahlung gepflegt oder unterhalten hat. Bis zu 20.000 € bleiben dann zusätzlich steuerfrei, soweit das Erbe als angemessener Lohn für die Pflege gelten kann (§ 13 Abs. 1 Nr. 9 ErbStG). Das gilt auch für Kinder, die ihre Eltern gepflegt haben, obwohl sie ihnen gesetzlich Unterhalt schulden (BFH, Urteil vom 10. Mai 2017, II R 37/15). Wie viel angemessen ist, hängt von Umfang und Dauer der Pflege ab.
Wann verjährt die Erbschaftsteuer?
Das Finanzamt hat für den Bescheid 4 Jahre Zeit (§ 169 Abs. 2 AO). Musst du das Erbe anzeigen, beginnt diese Frist erst mit Ablauf des Jahres, in dem die Anzeige eingeht, spätestens mit Ablauf des 3. Jahres nach dem Todesjahr, aber nie vor Ablauf des Jahres, in dem du vom Erbe erfahren hast (§ 170 Abs. 2 Satz 1 Nr. 1 und Abs. 5 Nr. 1 AO). Bei einem Erbfall 2026, von dem du sofort erfährst, endet sie ohne Anzeige also erst mit Ablauf des Jahres 2033. Bei Hinterziehung beträgt sie 10 Jahre, bei leichtfertiger Verkürzung 5.
Was gilt bei Wohnsitz oder Vermögen im Ausland?
Lebt der Verstorbene oder du in Deutschland, ist das ganze Erbe hier steuerpflichtig, auch Vermögen im Ausland. Deutsche gelten noch fünf Jahre nach dem Wegzug als Inländer (§ 2 Abs. 1 Nr. 1 ErbStG). Lebt keiner von euch hier, zählt nur Inlandsvermögen wie Immobilien oder Betriebsvermögen in Deutschland, mit anteilig gekürztem Freibetrag (§ 2 Abs. 1 Nr. 3, § 16 Abs. 2 ErbStG, § 121 BewG). Im Ausland gezahlte Erbschaftsteuer auf Auslandsvermögen rechnet das Finanzamt auf Antrag an (§ 21 ErbStG). Abkommen gegen Doppelbesteuerung bei Erbschaften hat Deutschland nur mit Dänemark, Frankreich, Griechenland, der Schweiz und den USA (Stand 1. Januar 2026).

Quellen

  1. Erbschaftsteuer- und Schenkungsteuergesetz (ErbStG): Steuerpflicht § 2, Befreiungen §§ 13 bis 13d, Zusammenrechnung § 14, Klassen und Freibeträge §§ 15 bis 17, Sätze § 19, Anzeige §§ 30, 31 gesetze-im-internet.de
  2. § 10 ErbStG: Erbfallkosten, Schuldenabzug, Abrundung auf 100 € gesetze-im-internet.de
  3. Bewertungsgesetz (BewG): Grundbesitzwert §§ 151 bis 198, Inlandsvermögen § 121, Vervielfältiger § 14 gesetze-im-internet.de
  4. § 170 AO: Beginn der Festsetzungsfrist, Abs. 5 für die Erbschaftsteuer gesetze-im-internet.de
  5. § 2325 BGB: Pflichtteilsergänzung bei Schenkungen gesetze-im-internet.de
  6. BMF-Schreiben vom 21. Oktober 2025: Vervielfältiger für lebenslange Renten ab 2026 (§ 14 BewG) bundesfinanzministerium.de
  7. BMF-Schreiben vom 7. Januar 2026: Stand der Doppelbesteuerungsabkommen am 1. Januar 2026, Abkommen zu Erbschaft- und Schenkungsteuern bundesfinanzministerium.de
  8. BFH, Urteil vom 17. Juni 2026, II R 25/23: Pauschale von 10.300 € für Erbfälle bis 2024, auch für Vermächtnisnehmer bundesfinanzhof.de
  9. BFH, Urteil vom 1. Februar 2023, II R 3/20: Pauschale ohne Nachweis von Kosten, einmal je Erbfall (mit Verweis auf II R 31/08) bundesfinanzhof.de
  10. BFH, Urteil vom 19. Juni 2013, II R 20/12: Kosten eines Wertgutachtens als Nachlassverbindlichkeit bundesfinanzhof.de
  11. BFH, Urteil vom 28. Mai 2019, II R 37/16: Familienheim: Einzug in der Regel binnen sechs Monaten bundesfinanzhof.de
  12. BFH, Beschluss vom 27. Mai 2026, II B 41/25: Die sechs Monate sind keine starre Frist bundesfinanzhof.de
  13. BFH, Urteil vom 1. Dezember 2021, II R 1/21: Auszug aus dem Familienheim aus zwingenden Gründen bundesfinanzhof.de
  14. BFH, Urteil vom 10. Mai 2017, II R 37/15: Pflegefreibetrag auch für unterhaltspflichtige Kinder bundesfinanzhof.de
  15. Bundesverfassungsgericht, Pressemitteilung 48/2026: Verhandlung 1 BvF 1/23 am 12. Oktober 2026 bundesverfassungsgericht.de
  16. Bundesverfassungsgericht, Pressemitteilung 49/2026: Verhandlung 1 BvR 804/22 am 13. Oktober 2026 bundesverfassungsgericht.de

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