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Pflichtteil berechnen

Wer im Testament übergangen wird, geht als Kind, Ehepartner oder Elternteil nicht leer aus. Der Pflichtteil ist die Hälfte des gesetzlichen Erbteils, ausgezahlt in Geld (§ 2303 BGB). Hinterlässt ein Vater Frau und zwei Kinder und setzt nur die Frau als Erbin ein, steht jedem Kind 1/8 des Nachlasses zu, bei 500.000 € also 62.500 €.

Stand: So werden die Rechner geprüft

Pflichtteil-Rechner

Dein Pflichtteil

62.500 €

Gesetzlicher Erbteil 1/4 · Pflichtteil 1/8 des Nachlasses

Dein gesetzlicher Erbteil wäre 1/4, der Pflichtteil ist die Hälfte davon: 1/8 des Nachlasses. Das sind 62.500 €, zahlbar in Geld von den Erben.

Nachlass nach Schulden
500.000 €
Pflichtteilsquote
1/8
davon Ergänzung
0 €

Rechenweg

Nachlass am Todestag500.000 €
× Pflichtteil 1/8 (Hälfte von 1/4)62.500 €
= dein Anspruch62.500 €

Verjährung: Der Pflichtteil verjährt nach 3 Jahren, gerechnet ab dem Ende des Jahres, in dem du vom Tod und von deiner Enterbung erfahren hast (§§ 195, 199 BGB). Auskunft über den Nachlass kannst du vorher vom Erben verlangen.

Auf dieser Seite
  1. § 2303 BGB erklärt
  2. Wer einen Pflichtteil hat
  3. Pflichtteilsquoten als Tabelle
  4. Rechenweg Schritt für Schritt
  5. Pflichtteil bei einem Haus
  6. Berliner Testament
  7. Pflichtteilsergänzung
  8. Anrechnung und Ausgleichung
  9. Auskunft und Klage
  10. Verjährung
  11. Entziehen und Verzichten
  12. Häufige Fragen
  13. Quellen

§ 2303 BGB: Was im Gesetz steht

§ 2303 BGB hat zwei Absätze mit je zwei Sätzen. Sie legen fest, wer den Pflichtteil verlangen kann, von wem und wie viel.

StelleWortlautWas das für dich heißt
Abs. 1 Satz 1„Ist ein Abkömmling des Erblassers durch Verfügung von Todes wegen von der Erbfolge ausgeschlossen, so kann er von dem Erben den Pflichtteil verlangen.“Kinder, Enkel und Urenkel, die ein Testament oder Erbvertrag enterbt. Zahlen muss der Erbe.
Abs. 1 Satz 2„Der Pflichtteil besteht in der Hälfte des Wertes des gesetzlichen Erbteils.“Erbteil ohne Testament bestimmen, dann halbieren. „Wert“ heißt: Du bekommst Geld, keinen Anteil am Haus.
Abs. 2 Satz 1„Das gleiche Recht steht den Eltern und dem Ehegatten des Erblassers zu, wenn sie durch Verfügung von Todes wegen von der Erbfolge ausgeschlossen sind.“Eltern nur, wenn keine Kinder oder Enkel vorgehen (§ 2309 BGB). Eingetragene Lebenspartner wie Ehegatten (§ 10 Abs. 6 LPartG).
Abs. 2 Satz 2„Die Vorschrift des § 1371 bleibt unberührt.“Ehepartner in Zugewinngemeinschaft ohne Erbe und Vermächtnis: kleiner Pflichtteil plus Zugewinnausgleich (§ 1371 Abs. 2 BGB).

Wortlaut nach gesetze-im-internet.de, abgerufen am 7. Oktober 2026.

Der Pflichtteil ist also ein Anspruch auf Geld. Du wirst nicht Miterbe, redest bei der Verteilung nicht mit und haftest nicht für Schulden des Verstorbenen. Dafür musst du ihn selbst geltend machen, von allein zahlt niemand. Was § 2303 offenlässt, regeln die §§ 2304 bis 2338 BGB. Die wichtigsten erklären die Abschnitte unten.

Wer einen Pflichtteil hat

Den Pflichtteil haben nur die engsten Angehörigen, und nur, wenn ein Testament oder Erbvertrag sie von der Erbfolge ausschließt (§ 2303 BGB):

  • Kinder, auch nichteheliche und adoptierte. Ist ein Kind gestorben, treten seine Kinder an seine Stelle (§ 1924 Abs. 3 BGB). Enkel, deren Elternteil lebt und den Pflichtteil verlangen kann, gehen leer aus (§ 2309 BGB).
  • Ehepartner und eingetragene Lebenspartner, solange die Ehe besteht. Hatte der Verstorbene die Scheidung beantragt oder ihr zugestimmt und lagen ihre Voraussetzungen vor, entfällt das Erbrecht und damit der Pflichtteil (§ 1933 BGB).
  • Eltern, aber nur, wenn keine Kinder oder Enkel da sind, die den Pflichtteil verlangen können oder etwas aus dem Erbe annehmen (§ 2309 BGB).

Keinen Pflichtteil haben Geschwister, Großeltern, Nichten und Neffen, Stiefkinder ohne Adoption, Schwiegerkinder und Lebensgefährten ohne Trauschein. Geschwister sind zwar gesetzliche Erben (§ 1925 BGB), § 2303 nennt sie aber nicht. Ein Testament kann sie ohne jeden Ausgleich übergehen.

Steht im Testament, dass jemand „den Pflichtteil“ bekommt, ist er im Zweifel nicht Erbe (§ 2304 BGB). Bist du Erbe, aber mit weniger als der Hälfte deines gesetzlichen Erbteils, verlangst du den Rest von den Miterben, den Zusatzpflichtteil (§ 2305 BGB).

Pflichtteilsquoten: Tabelle nach Familie und Güterstand

Die Höhe hängt davon ab, was du ohne Testament geerbt hättest, also wer sonst noch da ist und in welchem Güterstand der Verstorbene verheiratet war. Ohne Ehevertrag gilt die Zugewinngemeinschaft: Der Ehepartner bekommt neben Kindern ein Viertel und ein weiteres Viertel als pauschalen Zugewinnausgleich (§§ 1931, 1371 BGB). Bei Gütertrennung erbt er neben einem oder zwei Kindern zu gleichen Teilen mit ihnen (§ 1931 Abs. 4 BGB).

FamiliePflichtteil fürErbteilPflichtteilbei 500.000 €
Ehepartner und 1 KindKind1/21/4125.000 €
Ehepartner und 2 Kinderje Kind1/41/862.500 €
Ehepartner und 3 Kinderje Kind1/61/1241.667 €
Ehepartner und 2 Kinder, Gütertrennungje Kind1/31/683.333 €
Ehepartner und 3 Kinder, Gütertrennungje Kind1/41/862.500 €
Ehepartner und 2 Kinder, Gütergemeinschaftje Kind3/83/1693.750 €
Ehepartner und 2 Kinder, Ehepartner bekommt nichtsje Kind3/83/1693.750 €
nur 1 KindKind11/2250.000 €
nur 2 Kinderje Kind1/21/4125.000 €
Ehepartner und 2 KinderEhepartner1/41/862.500 €
Ehepartner, keine Kinder, Eltern lebenEhepartner1/21/4125.000 €
keine Kinder, kein Ehepartnerje Elternteil1/21/4125.000 €
keine Kinder, Ehepartner erbtje Elternteil1/81/1631.250 €

Zugewinngemeinschaft, wenn nicht anders angegeben. Ehepartner, die nichts bekommen, erhalten dazu den Ausgleich des tatsächlichen Zugewinns. Bei Gütergemeinschaft gehört vom Gesamtgut nur der Anteil des Verstorbenen zum Nachlass (§ 1482 BGB). Eltern: je Elternteil, wenn beide leben.

Mitgezählt werden auch enterbte Kinder, solche, die ausgeschlagen haben, und für erbunwürdig erklärte, nicht aber, wer durch Erbverzicht ausgeschieden ist (§ 2310 BGB).

Großer und kleiner Pflichtteil des Ehepartners

Bekommt der Ehepartner in Zugewinngemeinschaft etwas aus dem Erbe oder ein Vermächtnis, aber zu wenig, zählt der um ein Viertel erhöhte Erbteil: Neben zwei Kindern ist dieser große Pflichtteil 1/4, bei 500.000 € also 125.000 €. Geht er ganz leer aus oder schlägt er aus, bleibt der kleine Pflichtteil von 1/8 (62.500 €) plus Ausgleich des tatsächlichen Zugewinns (§ 1371 Abs. 2 und 3 BGB). Dann zählt der kleinere Erbteil auch für die Kinder: Ihr Pflichtteil steigt von 1/8 auf 3/16.

Pflichtteil berechnen: der Rechenweg Schritt für Schritt

Der Rechner oben rechnet genau so. Hier die Schritte mit einem durchgerechneten Fall:

Pflichtteil = (Vermögen am Todestag − Schulden) × gesetzlicher Erbteil × ½

  1. Vermögen am TodestagKonten, Depot, Immobilien zum Verkehrswert, Auto und Forderungen, jeweils mit dem Wert am Todestag (§ 2311 Abs. 1 BGB).
  2. Schulden abziehenKredite, offene Rechnungen und die Beerdigung (§ 1968 BGB). Vermächtnisse und Auflagen gehen nicht ab, sonst ließe sich der Pflichtteil wegvermachen. Den Hausrat, der dem Ehepartner als Voraus zusteht, rechnen Kinder und Eltern nicht mit (§ 2311 Abs. 1 Satz 2 BGB).
  3. Erbteil bestimmen und halbierenDas Ergebnis ist deine Pflichtteilsquote, wie in der Tabelle oben.
  4. Ergänzen und anrechnenSchenkungen der letzten 10 Jahre kommen dazu, Vorempfänge mit Anrechnungsbestimmung gehen ab.
Rechenbeispiel Vater stirbt, die Mutter erbt allein, zwei Kinder, Zugewinngemeinschaft
Haus, Verkehrswert am Todestag
380.000 €
Konten und Depot am Todestag
90.000 €
Restschuld des Hauskredits
−41.000 €
Kosten der Beerdigung (§ 1968 BGB)
−9.000 €
Nachlass für den Pflichtteil (§ 2311 BGB)
420.000 €
Erbteil je Kind ohne Testament: was neben der Mutter (1/2) bleibt, geteilt durch 2
1/4
Pflichtteil je Kind: die Hälfte davon
1/8
Anspruch je Kind: 420.000 € × 1/8
52.500 €

Fordern beide Kinder, zahlt die Mutter zusammen 105.000 €. Reicht das Konto nicht, muss sie das Haus beleihen oder verkaufen, wenn sie keine Stundung bekommt.

Pflichtteil bei einem Haus: Verkehrswert, Gutachten, Stundung

Gehört ein Haus zum Nachlass, entscheidet sein Wert über den Pflichtteil. Maßgeblich ist der Verkehrswert am Todestag (§ 2311 Abs. 1 BGB), also der Preis, der an diesem Tag am Markt zu erzielen gewesen wäre (§ 194 BauGB). Du sollst so gestellt werden, als wäre der Nachlass beim Tod in Geld umgesetzt worden (BGH, Urteil vom 29.09.2021, IV ZR 328/20). Im Beispiel oben bringen 10.000 € mehr Hauswert jedem Kind 1.250 € mehr.

Verkauft der Erbe bald nach dem Tod, zählt grundsätzlich der erzielte Kaufpreis, außergewöhnliche Verhältnisse ausgenommen. Hältst du ihn für zu niedrig, musst du Tatsachen vortragen und beweisen, nach denen er nicht dem Wert am Todestag entspricht (BGH, IV ZR 328/20).

Bleibt das Haus im Nachlass, wird geschätzt (§ 2311 Abs. 2 BGB). Eine Wertangabe des Verstorbenen im Testament zählt nicht. Du kannst verlangen, dass der Erbe den Wert durch einen unparteiischen Sachverständigen ermitteln lässt (§ 2314 Abs. 1 Satz 2 BGB), auch wenn er schon verkauft hat. Einen öffentlich bestellten Gutachter schreibt das Gesetz nicht vor (BGH, IV ZR 328/20). Die Kosten trägt der Nachlass (§ 2314 Abs. 2 BGB).

Schulden auf dem Haus zählen mit dem Betrag, der am Todestag offen war, nicht mit der Grundschuld im Grundbuch. Ein im Testament vermachtes Wohnrecht mindert den Pflichtteil nicht. Wie das Finanzamt dasselbe Haus bewertet, steht beim Erbschaftsteuer-Rechner.

Stundung: Müsste der Erbe für deine Auszahlung das Familienheim aufgeben, kann er Stundung verlangen, wenn die sofortige Zahlung eine unbillige Härte wäre. Deine Interessen werden dabei angemessen berücksichtigt (§ 2331a BGB). Ein schon zu Lebzeiten verschenktes Haus erfasst die Pflichtteilsergänzung.

Berliner Testament: Pflichtteil nach dem ersten Tod

Beim Berliner Testament setzen sich Eheleute gegenseitig als Alleinerben ein, die Kinder erben erst nach dem zweiten Tod (§ 2269 BGB). Nach dem ersten Tod sind die Kinder enterbt und können den Pflichtteil verlangen, bei 400.000 € Nachlass, Zugewinngemeinschaft und zwei Kindern 50.000 € je Kind. Oft steht eine Pflichtteilsstrafklausel im Testament: Wer jetzt fordert, bekommt auch nach dem zweiten Tod nur den Pflichtteil. Ob sich das lohnt, zeigt eine Rechnung über beide Erbfälle.

Rechenbeispiel Fordern oder warten: zwei Kinder, Strafklausel im Testament
Der Vater hinterlässt 400.000 €, die Mutter erbt allein und hat kein eigenes Vermögen. Bis zu ihrem Tod bleibt das Geld unverändert.
Kind A fordert nach dem Tod des Vaters den Pflichtteil (1/8)
50.000 €
Vermögen der Mutter danach
350.000 €
Nach dem Tod der Mutter bekommt Kind A wegen der Strafklausel nur den Pflichtteil (1/4)
87.500 €
Kind A bekommt insgesamt
137.500 €
Ohne Forderung erbt Kind A nach der Mutter 1/2 von 400.000 €
200.000 €
Das Fordern kostet Kind A
62.500 €

Kind B bekommt entsprechend mehr. Schrumpft das Vermögen bis zum zweiten Tod stark, etwa durch Pflegekosten, kann das frühe Fordern trotzdem besser sein. Lange warten geht nicht: Der Pflichtteil aus dem ersten Erbfall verjährt nach 3 Jahren.

Pflichtteilsergänzung: Schenkungen der letzten zehn Jahre

Damit niemand den Pflichtteil durch Verschenken aushöhlt, gibt es § 2325 BGB. Du kannst als Ergänzung den Betrag verlangen, um den sich dein Pflichtteil erhöht, wenn das Geschenk dem Nachlass hinzugerechnet wird (Abs. 1):

Ergänzung = Wert der Schenkung × Anteil, der noch zählt × deine Pflichtteilsquote

Wie viel noch zählt, hängt vom Abstand zwischen Schenkung und Tod ab (§ 2325 Abs. 3 BGB):

Zeit zwischen Schenkung und Todzählt mit
unter 1 Jahr100 %
1 bis unter 2 Jahre90 %
2 bis unter 3 Jahre80 %
3 bis unter 4 Jahre70 %
4 bis unter 5 Jahre60 %
5 bis unter 6 Jahre50 %
6 bis unter 7 Jahre40 %
7 bis unter 8 Jahre30 %
8 bis unter 9 Jahre20 %
9 bis unter 10 Jahre10 %
10 Jahre und mehr0 %
Rechenbeispiel Mutter, verwitwet, zwei Kinder; der Sohn hat das Haus schon bekommen und erbt allein
Nachlass beim Tod der Mutter
200.000 €
Pflichtteil der Tochter: 1/4
50.000 €
Haus, vor 4 vollen Jahren an den Sohn verschenkt
300.000 €
davon zählen 60 % (§ 2325 Abs. 3 BGB)
180.000 €
Ergänzung: 1/4 davon
45.000 €
Anspruch der Tochter
95.000 €

Ausnahmen: Bei Schenkungen an den Ehepartner beginnt die Frist nicht vor dem Ende der Ehe, sie zählen beim Tod also voll. Behält sich der Schenker an einem Haus den Nießbrauch vor, beginnt sie gar nicht, weil er es weiter nutzt wie vorher (BGH, Urteil vom 27.04.1994, IV ZR 132/93). Ein Wohnrecht an nur einem Teil des Hauses hindert den Fristbeginn dagegen in der Regel nicht (BGH, Urteil vom 29.06.2016, IV ZR 474/15). Die Frist läuft ab der Leistung (§ 2325 Abs. 3 Satz 2 BGB), bei einem Haus ab der Eintragung im Grundbuch, nicht ab dem Notartermin (§ 873 Abs. 1 BGB).

Ein Haus oder Depot zählt mit dem niedrigeren Wert am Tag der Schenkung oder am Todestag, Geld mit dem Wert bei der Schenkung (§ 2325 Abs. 2 BGB). Bei einer zugewandten Lebensversicherung zählt in der Regel der Rückkaufswert kurz vor dem Tod, weder die Beiträge noch die Auszahlung (BGH, Urteil vom 28.04.2010, IV ZR 73/08). Zahlen muss zuerst der Erbe; ist er nicht verpflichtet, haftet der Beschenkte mit dem Geschenk (§ 2329 BGB). Geschenke an dich selbst werden auf deine Ergänzung angerechnet (§ 2327 BGB). Den Wert des Nießbrauchs rechnet der Nießbrauch-Rechner.

Anrechnung und Ausgleichung: was du schon bekommen hast

Was du zu Lebzeiten bekommen hast, mindert den Pflichtteil nur, wenn der Verstorbene bei der Zuwendung bestimmt hat, dass es angerechnet wird (§ 2315 Abs. 1 BGB). Halte so eine Bestimmung schriftlich fest, sonst ist sie später kaum zu beweisen. Die Zuwendung wird mit ihrem damaligen Wert zum Nachlass gerechnet und danach abgezogen (§ 2315 Abs. 2 BGB).

Rechenbeispiel Vater, verwitwet, zwei Kinder; du hast vorab Geld mit Anrechnungsbestimmung bekommen
Nachlass
400.000 €
plus Zuwendung an dich, Wert bei der Zuwendung (§ 2315 Abs. 2 BGB)
50.000 €
Pflichtteil: 1/4 von 450.000 €
112.500 €
abzüglich der Zuwendung
−50.000 €
Anspruch
62.500 €

Ohne Bestimmung bekämst du 100.000 €. Die Anrechnung kostet dich also 37.500 €, nicht 50.000 €, weil 1/4 der Zuwendung ohnehin dein Pflichtteil gewesen wäre.

Unter Geschwistern kommt die Ausgleichung dazu (§ 2316 BGB). Eine Ausstattung, etwa Geld zur Heirat oder zur Existenzgründung (§ 1624 BGB), wird auch beim Pflichtteil ausgeglichen. Das kann der Verstorbene nicht zum Nachteil eines Pflichtteilsberechtigten ausschließen (§ 2316 Abs. 3 BGB). Andere Zuwendungen werden nur ausgeglichen, wenn er es bei der Zuwendung angeordnet hat (§ 2050 Abs. 3 BGB). Ist beides angeordnet, zählt die Anrechnung zur Hälfte (§ 2316 Abs. 4 BGB).

Auskunftsanspruch nach § 2314 BGB und Pflichtteilsklage

Du musst den Nachlass nicht kennen. Bist du nicht Erbe, muss dir der Erbe ein Verzeichnis aller Nachlassgegenstände vorlegen (§ 2314 Abs. 1 Satz 1, § 260 Abs. 1 BGB), samt den Schenkungen der letzten 10 Jahre. Du kannst bei der Aufnahme dabei sein und eine Wertermittlung sowie ein notarielles Verzeichnis verlangen (§ 2314 Abs. 1 Satz 2 und 3 BGB). Die Kosten trägt der Nachlass. Ist das Verzeichnis erkennbar nachlässig, muss der Erbe die Vollständigkeit an Eides statt versichern (§ 260 Abs. 2 BGB).

Mauert der Erbe, kommt die Stufenklage (§ 254 ZPO): erst Auskunft, bei Bedarf die eidesstattliche Versicherung, zuletzt die Zahlung, deren Höhe du erst nach der Auskunft nennen musst. Der Streitwert richtet sich nach dem höheren Anspruch, meist der Zahlung (§ 44 GKG). Über 10.000 € ist das Landgericht zuständig (§ 23 Nr. 1 GVG), und dort brauchst du einen Anwalt (§ 78 Abs. 1 ZPO).

Was das kostet: Bei 52.500 € Streitwert, dem Pflichtteil je Kind aus dem Rechenweg, fallen in erster Instanz 2.334 € Gerichtskosten an, die du als Kläger vorstreckst (§ 12 Abs. 1 GKG), und 4.357 € für deinen Anwalt. Verlierst du, zahlst du auch den Anwalt der Gegenseite, zusammen 11.048 € (§ 91 ZPO). Eine Rechtsschutzversicherung übernimmt im Erbrecht nach den Musterbedingungen nur die Beratung (ARB 2021, 2.2.11 und 3.2.10; mehr beim Rechtsschutz-Rechner). Andere Streitwerte rechnet der Anwaltskosten-Rechner.

Verjährung: 3 Jahre ab Kenntnis, Sonderfälle nach § 2332 BGB

Der Pflichtteil verjährt in 3 Jahren (§ 195 BGB), gerechnet ab dem Ende des Jahres, in dem du vom Tod und von deiner Enterbung erfahren hast oder ohne grobe Fahrlässigkeit hättest erfahren müssen (§ 199 Abs. 1 BGB). Ohne Kenntnis ist 30 Jahre nach dem Erbfall Schluss (§ 199 Abs. 3a BGB).

Von Tod und Testament erfahren im JahrPflichtteil verjährt mit Ablauf des
202331. Dezember 2026
202431. Dezember 2027
202531. Dezember 2028
202631. Dezember 2029

§ 2332 BGB ergänzt zwei Sonderfälle: Gegen einen Beschenkten läuft die Frist schon ab dem Erbfall, egal wann du von der Schenkung erfährst (Abs. 1). Und sie läuft auch, solange du noch ein Erbe oder Vermächtnis ausschlagen musst, um den Pflichtteil zu bekommen (Abs. 2).

Hemmen kannst du die Verjährung durch Verhandlungen über den Anspruch; enden sie, bleiben dir mindestens 3 Monate (§ 203 BGB). Sicher hemmen eine Klage, ein zugestellter Mahnbescheid oder ein Antrag auf Prozesskostenhilfe (§ 204 Abs. 1 Nr. 1, 3 und 14 BGB), bis 6 Monate nach dem Ende des Verfahrens (§ 204 Abs. 2 BGB).

Kenntnis 2023: Frist endet am 31. Dezember 2026

Hast du 2023 von Tod und Testament erfahren, verjährt dein Pflichtteil mit Ablauf des 31. Dezember 2026. Eine Mahnung an den Erben hält die Frist nicht auf.

Pflichtteil entziehen und auf den Pflichtteil verzichten

Entziehen kann der Erblasser den Pflichtteil nur aus den Gründen des § 2333 Abs. 1 BGB: Das Kind trachtet ihm, seinem Ehepartner, einem anderen Kind oder einer ähnlich nahen Person nach dem Leben, begeht gegen sie ein Verbrechen oder schweres vorsätzliches Vergehen, verletzt böswillig seine Unterhaltspflicht ihm gegenüber oder wird wegen einer vorsätzlichen Tat rechtskräftig zu mindestens einem Jahr Haft ohne Bewährung verurteilt, sodass seine Teilhabe am Nachlass unzumutbar ist. Für Eltern und Ehepartner gilt dasselbe (§ 2333 Abs. 2 BGB). Streit oder Funkstille reichen nicht.

Der Grund muss bei Errichtung des Testaments bestehen und darin angegeben sein (§ 2336 Abs. 2 BGB), beweisen muss ihn, wer sich darauf beruft, meist der Erbe (§ 2336 Abs. 3 BGB). Verzeiht der Erblasser, wird die Entziehung unwirksam (§ 2337 BGB).

Sicherer ist ein Pflichtteilsverzicht: ein notarieller Vertrag zu Lebzeiten (§ 2346 Abs. 2, § 2348 BGB), meist gegen eine Abfindung, die steuerlich als Schenkung gilt (§ 7 Abs. 1 Nr. 5 ErbStG). Ein mündliches Versprechen wirkt nicht. Die Gebühren für den Vertrag zeigt der Notarkosten-Rechner.

Häufige Fragen

Bekomme ich den Pflichtteil als Geld oder als Anteil am Haus?
Als Geld. Der Pflichtteil ist ein Zahlungsanspruch gegen die Erben (§ 2303 Abs. 1 BGB), auf einzelne Gegenstände hast du keinen Anspruch. Das Elternhaus gegen Verrechnung mit deinem Pflichtteil zu übernehmen, geht nur mit Zustimmung des Erben.
Wann muss der Erbe zahlen?
Sofort, der Anspruch entsteht mit dem Tod (§ 2317 Abs. 1 BGB). Zahlt der Erbe nach einer Mahnung nicht, ist er in Verzug (§ 286 Abs. 1 BGB) und schuldet 5 Prozentpunkte über dem Basiszinssatz (§ 288 Abs. 1 BGB), seit dem 1. Juli 2026 also 6,52 % im Jahr. Mehr Zeit bekommt er nur über eine Stundung (§ 2331a BGB).
Was ist, wenn ich nur ein kleines Vermächtnis bekomme?
Du hast die Wahl: ausschlagen und den vollen Pflichtteil verlangen oder annehmen und nur die Differenz zum Pflichtteil fordern (§ 2307 Abs. 1 BGB). Setzt dir der Erbe eine angemessene Frist und du erklärst dich nicht, gilt das Vermächtnis als ausgeschlagen (§ 2307 Abs. 2 BGB).
Kann ich das Erbe ausschlagen und stattdessen den Pflichtteil verlangen?
Meist nicht, denn wer ausschlägt, ist nicht durch ein Testament ausgeschlossen. Ausnahmen: Ist dein Erbteil mit Nacherbschaft, Testamentsvollstreckung, Teilungsanordnung, Vermächtnis oder Auflage belastet, darfst du ausschlagen und den Pflichtteil verlangen (§ 2306 Abs. 1 BGB). Ehepartner in Zugewinngemeinschaft können ausschlagen und den kleinen Pflichtteil plus Zugewinnausgleich wählen, außer sie haben verzichtet (§ 1371 Abs. 3 BGB).
Von wem bekomme ich das Geld, wenn es mehrere Erben gibt?
Von jedem von ihnen. Der Pflichtteil ist eine Nachlassverbindlichkeit (§ 1967 Abs. 2 BGB), für die alle Erben als Gesamtschuldner haften (§ 2058 BGB); untereinander gleichen sie aus. Vermächtnisse darf der Erbe anteilig kürzen, damit die Vermächtnisnehmer die Last mittragen (§ 2318 Abs. 1 BGB).
Muss ich auf den Pflichtteil Erbschaftsteuer zahlen?
Erst wenn du ihn verlangst, dann entsteht die Steuer (§ 3 Abs. 1 Nr. 1, § 9 Abs. 1 Nr. 1 Buchst. b ErbStG). Freibetrag: 400.000 € als Kind, 500.000 € als Ehepartner, 100.000 € als Elternteil (§ 16 Abs. 1 ErbStG). Schenkungen derselben Person aus 10 Jahren zählen mit (§ 14 ErbStG). Der Erbe zieht den Pflichtteil von seinem Erwerb ab (§ 10 Abs. 5 Nr. 2 ErbStG). Mehr beim Erbschaftsteuer-Rechner.
Muss ich für Schulden des Verstorbenen aufkommen?
Nein, du bist nicht Erbe. Die Schulden mindern nur den Nachlass. Ist er überschuldet, entfällt der ordentliche Pflichtteil, die Ergänzung aber nicht: Bei 60.000 € Vermögen, 90.000 € Schulden, zwei Kindern und 100.000 € Schenkung vor 3 vollen Jahren stehen jedem enterbten Kind 17.500 € zu, notfalls vom Beschenkten (§ 2329 BGB).
Mein Bruder hat unsere Mutter gepflegt. Sinkt dadurch mein Pflichtteil?
Möglicherweise. Hat ein Kind den Verstorbenen längere Zeit gepflegt oder durch Mitarbeit oder Geld dessen Vermögen erhalten oder vermehrt, wird das unter den Kindern ausgeglichen (§ 2057a Abs. 1 BGB), auch beim Pflichtteil (§ 2316 Abs. 1 BGB). Der Betrag geht vorab vom Nachlass ab, dein Pflichtteil sinkt. Feste Sätze gibt es nicht, es zählen Dauer, Umfang und Nachlasswert (§ 2057a Abs. 3 BGB). Angemessen bezahlte Pflege wird nicht ausgeglichen (§ 2057a Abs. 2 BGB).
Kann ich den Pflichtteil schon zu Lebzeiten meiner Eltern verlangen?
Nein. Der Anspruch entsteht erst mit dem Tod (§ 2317 Abs. 1 BGB). Zu Lebzeiten geht nur der umgekehrte Weg: ein notarieller Verzicht, meist gegen Abfindung.
Was passiert, wenn ich sterbe, bevor ich den Pflichtteil verlangt habe?
Der Anspruch geht auf deine Erben über (§ 2317 Abs. 2 BGB). Sie können ihn verlangen, solange er nicht verjährt ist. Du kannst ihn auch verkaufen oder abtreten.

Quellen

  1. § 2303 BGB: Pflichtteilsberechtigte; Höhe des Pflichtteils gesetze-im-internet.de
  2. § 1931 BGB: Erbteil des Ehepartners gesetze-im-internet.de
  3. § 1371 BGB: Zugewinnausgleich im Todesfall gesetze-im-internet.de
  4. § 2311 BGB: Wert des Nachlasses gesetze-im-internet.de
  5. § 2314 BGB: Auskunftspflicht des Erben gesetze-im-internet.de
  6. § 2315 BGB: Anrechnung von Zuwendungen gesetze-im-internet.de
  7. § 2325 BGB: Pflichtteilsergänzung bei Schenkungen gesetze-im-internet.de
  8. § 2332 BGB: Verjährung gesetze-im-internet.de
  9. § 199 BGB: Beginn der Verjährung gesetze-im-internet.de
  10. § 2333 BGB: Entziehung des Pflichtteils gesetze-im-internet.de
  11. BGH, Urteil vom 29.09.2021, IV ZR 328/20: Wertermittlung und Verkaufspreis dejure.org
  12. BGH, Urteil vom 29.06.2016, IV ZR 474/15: Wohnrecht und Zehnjahresfrist dejure.org
  13. GDV: Musterbedingungen ARB 2021: Rechtsschutz im Erbrecht gdv.de

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