Welt-Indizes im Datenvergleich
Konstituenten, USA-Quote, TER-Spannweite und Tracking Difference der vier dominierenden Welt-Indizes. Stand 31.03.2026 nach MSCI Inc., FTSE Russell und justETF.
| Index | Konstituenten | USA-Quote | TER | TD (5 J) | Anbieter |
|---|---|---|---|---|---|
| MSCI World | 1.394 Industrieländer | ~71 % | 0,12–0,20 % | –0,08 bis +0,11 % | iShares Core / Xtrackers / Amundi Prime |
| MSCI ACWI | ~2.580 Industrie + EM | ~63 % | 0,17–0,20 % | –0,21 bis –0,05 % | SPDR ACWI IMI / iShares MSCI ACWI |
| FTSE All-World | ~4.300 Industrie + EM | ~62 % | 0,22 % | –0,12 bis +0,03 % | Vanguard FTSE All-World |
| MSCI Emerging Markets | ~1.330 Schwellenländer | 0 % | 0,18–0,30 % | –0,40 bis –0,10 % | iShares Core EM IMI / Xtrackers EM |
FTSE klassifiziert Südkorea als Industrieland, MSCI als Schwellenland — daher unterschiedliche EM-Quoten zwischen MSCI ACWI und FTSE All-World. Die Tracking Difference kann durch Wertpapierleihe-Erträge nach § 10 InvStG positive Werte annehmen. Quellen: MSCI Factsheets 31.03.2026; FTSE Russell Country Classification 09/2025; justETF TD-Datenbank 04/2026.
Besteuerung nach §§ 16 ff InvStG
Drei Stellschrauben bestimmen die Steuerlast: Vorabpauschale § 18, Teilfreistellung § 20 und Abgeltungsteuer § 32d EStG.
Das Investmentsteuergesetz 2018 hat die intransparente Fondsbesteuerung durch ein dreistufiges Modell abgelöst: laufende Vorabpauschale auf thesaurierende Erträge, pauschale Teilfreistellung wegen vorgelagerter Fonds-Besteuerung, und Abgeltungsteuer auf den Restbetrag. Die Verfassungsmäßigkeit der Vorabpauschale ist durch BFH-Urteil VIII R 15/22 vom 06.03.2026 bestätigt.
Vorabpauschalen-Berechnung 2026
Formel und Rechenweg mit dem aktuellen Basiszins 3,20 %.
| Komponente | Wert | Rechtsgrundlage |
|---|---|---|
| Fondswert am 02.01.2026 | 100.000 € | § 18 Abs. 4 InvStG |
| Basiszins 2026 | 3,20 % | BMF 13.01.2026 |
| Pauschalabschlag | 70 % | § 18 Abs. 1 InvStG |
| Bemessungsgrundlage | 2.240 € | 100.000 × 3,2 % × 70 % |
| Nach Teilfreistellung 30 % | 1.568 € | § 20 Abs. 1 Nr. 1 InvStG |
| Abgeltungsteuer 26,375 % | 413,57 € | § 32d Abs. 1 EStG |
Sparer-Pauschbetrag 1.000 € (Single) reduziert die Bemessungsgrundlage bei aktivem Freistellungsauftrag. Verrechnung beim Verkauf nach § 19 InvStG schließt Doppelbesteuerung aus. Quelle: § 18 InvStG; BMF-Schreiben vom 13.01.2026, Az IV C 1 - S 1980/00230/012/001.
Sparer-Pauschbetrag und Freistellungsauftrag
Steuerfreier Pauschbetrag für Kapitalerträge nach § 20 Abs. 9 EStG; Wirksamkeit über Freistellungsauftrag § 44a Abs. 2 EStG.
Der Sparer-Pauschbetrag wurde durch das Jahressteuergesetz 2022 von 801 € auf 1.000 € (Single) bzw. 1.602 € auf 2.000 € (Zusammenveranlagung) angehoben — die Werte gelten unverändert für 2026. Ohne Freistellungsauftrag wird die Abgeltungsteuer voll einbehalten und ist über die Anlage KAP der Einkommensteuererklärung zurückzuholen. Multi-Broker-Setups erfordern eine Aufteilung des Pauschbetrags auf die Institute. Das Bundeszentralamt für Steuern gleicht die Auftragssummen nach § 45d EStG ab.
Direktbroker mit kostenlosen ETF-Sparplänen — etwa Trade Republic, Scalable Capital, ING DiBa oder Comdirect — bieten den Freistellungsauftrag online in zwei Minuten. Bei laufenden Sparplänen reicht eine Anpassung der Auftragsummen pro Institut. Dynamisierung der Sparrate um 2 bis 3 % p. a. wird von allen genannten Anbietern unterstützt. Hinweis nach § 5a UWG: gekennzeichnete Werbe-Links — bei Vermittlung erhält RechnerCheck eine Provision, ohne dass dem Nutzer Mehrkosten entstehen.
TER und Tracking Difference
Die Total Expense Ratio bildet nur die nominale Kostenquote ab. Maßgeblich für die reale Renditeschmälerung ist die Tracking Difference.
TER · Total Expense Ratio
- + Pflicht-Kennzahl nach KIID, jährliche Veröffentlichung
- + Welt-ETFs 2026: 0,07 bis 0,30 %
- + Einheitliche Berechnung über alle Anbieter
- − Erfasst Wertpapierleih-Erträge nicht
- − Erfasst Replikations-Effizienz nicht
Beispiel
Amundi Prime All Country World 0,07 % · iShares Core MSCI World 0,20 % · Vanguard FTSE All-World 0,22 %.
TD · Tracking Difference
- + Misst tatsächliche Renditedifferenz zum Index
- + Berücksichtigt Wertpapierleih-Erträge § 10 InvStG
- + Kann positive Werte annehmen (ETF schlägt Index)
- + Datenquellen: justETF, Trackingdifferences.com
- − Erst nach Auflage und 5-Jahres-Track-Record valide
Daten 2020-2024
iShares Core MSCI World −0,08 % p. a. (TER 0,20 %) · SPDR MSCI ACWI IMI −0,21 % (TER 0,17 %) · Vanguard FTSE All-World −0,12 % (TER 0,22 %).
Über 30 Jahre macht eine TD-Differenz von 0,2 Prozentpunkten p. a. bei 100.000 € Endkapital rund 5.500 € aus — bei 0,5 Prozentpunkten rund 13.500 €. TD ist daher die belastbare Auswahl-Kennzahl für Sparpläne.
Cost-Average vs. Einmalanlage · Datenlage
Die Vanguard-Studie 2012 (aktualisiert 2023) wertet rollierende 10-Jahres-Fenster aus drei Aktienmärkten aus. Ergebnis: Lump-Sum dominiert in 68,1 % der Fälle.
Datensätze: USA (S&P 500, 1926-2022), UK (FTSE All-Share, 1976-2022), Australien (S&P/ASX 300, 1984-2022). Methodik: rollierende 10-Jahres-Fenster für ein 60/40-Aktien-Anleihen-Portfolio. Die Einmalanlage liegt im Erwartungswert um 2,39 % vorne (USA-Reihe), bei höherer Volatilität in der Anlaufphase. Cost-Average reduziert das Sequencing-Risiko — die Differenz lässt sich als Versicherungsprämie für Volatilitätsschutz interpretieren.
Endwerte nach Sparrate · 7,1 % p. a. · 25 Jahre
Modellrechnung mit MSCI-World-Langfristrendite ohne Steuern und Kosten.
| Sparrate · Monat | Eingezahlt · 25 J | Endkapital · 7,1 % | Ertrag |
|---|---|---|---|
| 50 € | 15.000 € | 41.151 € | 26.151 € |
| 100 € | 30.000 € | 82.301 € | 52.301 € |
| 200 € | 60.000 € | 164.603 € | 104.603 € |
| 300 € | 90.000 € | 246.904 € | 156.904 € |
| 500 € | 150.000 € | 411.507 € | 261.507 € |
| 750 € | 225.000 € | 617.261 € | 392.261 € |
| 1000 € | 300.000 € | 823.014 € | 523.014 € |
Renditeannahme 7,1 % p. a. nominal — entspricht der MSCI-World-Langfristrendite 1979-2024 nach MSCI Inc. Über 25 Jahre stammen 60 bis 70 % des Endkapitals aus thesaurierten Erträgen. Datenquelle: MSCI World Index, monatliche Total-Return-Daten 1979-2024.
Vier Sparplan-Konfigurationen im Datenprofil
Konkrete Sparplan-Setups mit Renditeannahmen, Steuer-Mechanik und Realwert-Korrektur — ohne Lebensphasen-Stereotype.
Konfiguration A
MSCI World · 7,1 % nominal · thesaurierend
200 €/Monat × 30 Jahre · Welt-Aktien-ETF
Daten. Sparrate 200 €, Laufzeit 360 Monate, monatliche Verzinsung mit 7,1 % p. a. (MSCI World 1979-2024 nominal nach MSCI Inc.). Eingezahlt 72.000 €. Endkapital nach Modellrechnung rund 248.864 € — davon 71 % aus thesaurierten Erträgen.
Steuer. Vorabpauschale §18 InvStG: bei Basiszins 3,20 % (BMF-Schreiben vom 13.01.2026, Az IV C 1 - S 1980/00230/012/001) und 70-%-Abschlag liegt der jährliche Bemessungssatz bei 2,24 % vom Vorjahres-Fondswert, gedeckelt durch tatsächliche Wertsteigerung. Nach Teilfreistellung 30 % (§20 Abs. 1 Nr. 1 InvStG) verbleibt ein effektiver Steuersatz von rund 18,46 % (26,375 % × 0,7) auf den Bemessungsbetrag. Beim späteren Verkauf werden bereits gezahlte Vorabpauschalen-Beträge nach §19 InvStG angerechnet.
Realwert. Realrendite bei 2 % HVPI-Inflation (Statistisches Bundesamt, EZB-Zielkorridor): rund 5,0 % p. a. real. Endkapital in 2026er-Kaufkraft entsprechend rund 137.391 €.
Konfiguration B
FTSE All-World · 100k Einmalanlage · thesaurierend
100.000 € Einmalanlage · 20 Jahre · Vorabpauschale 2026
Daten. 100.000 € am 02.01.2026 in einen Vanguard FTSE All-World (TER 0,22 %, physisch optimiert, Fondsvolumen 18,3 Mrd € per 31.03.2026). Bei 7,1 % nominaler Rendite und 2 % Wertsteigerung im ersten Halbjahr 2026 → Fondswert per 30.06. rund 102.000 €.
Steuer. VAB-Bemessung 2026: 100.000 € × 3,20 % × 70 % = 2.240 €, gedeckelt durch tatsächliche Wertsteigerung. Nach Teilfreistellung 30 %: 1.568 € steuerlicher Zufluss. Abgeltungsteuer §32d EStG 25 % + 5,5 % Soli = 26,375 % → Steuer 413,57 €. Sparer-Pauschbetrag 1.000 € (§20 Abs. 9 EStG, Single) zieht weitere 263,75 € ab → Steuerabzug am 15.01.2027 in Höhe von rund 149,82 €. Ohne Freistellungsauftrag wird der volle Betrag einbehalten und über Anlage KAP §32d Abs. 4 EStG zurückgeholt.
Realwert. Endkapital nach 20 Jahren (7,1 % nominal, ohne Steuern): rund 392.000 €. Bei jährlicher Vorabpauschalen-Belastung schmälert sich der Endwert um etwa 2-3 % gegenüber unversteuerter Rechnung — Verrechnung beim Verkauf nach §19 InvStG mindert die Endsteuerlast entsprechend.
Konfiguration C
MSCI ACWI · ehepaarliche Veranlagung · 25 Jahre
500 €/Monat + 50.000 € Einmal · ehepaarliche Veranlagung
Daten. Doppelter Sparer-Pauschbetrag 2.000 € (§20 Abs. 9 Satz 2 EStG bei Zusammenveranlagung). Eingezahlt über 25 Jahre: 50.000 € + 150.000 € = 200.000 €. Bei 6,5 % p. a. nominal (defensiver Ansatz wegen kürzerer Restlaufzeit, MSCI ACWI 5-Jahres-Rendite 2021-2025: 7,8 % p. a. nach MSCI Inc.) Endkapital rund 615.000 €.
Steuer. Steuerbelastung im Verkaufsjahr: Veräußerungsgewinn nach §20 Abs. 2 Nr. 1 EStG, FIFO-Prinzip nach §20 Abs. 4 Satz 7 EStG (älteste Anteile zuerst). Aktienfonds-Teilfreistellung 30 % §20 Abs. 1 Nr. 1 InvStG → effektiv 18,46 % auf den steuerpflichtigen Anteil. Bei 415.000 € realisiertem Gewinn ergibt sich nach Pauschbetrag-Verrechnung eine Steuerlast von rund 76.500 €.
Realwert. 4-%-Entnahmesatz (Trinity-Studie Bengen 1994, Cooley/Hubbard/Walz 1998) → 24.600 € Bruttoentnahme p. a. Bei niedrigem Renten-Steuersatz Günstigerprüfung §32d Abs. 6 EStG prüfen — wenn persönlicher Grenzsteuersatz unter 25 % liegt, lohnt der Antrag.
Konfiguration D
MSCI World · Cost-Average vs. Einmalanlage · 10 Jahre
Lump-Sum vs. DCA · 10-Jahres-Fenster · Vanguard 2023
Daten. Vergleich 100.000 € als Einmalanlage vs. 10.000 € × 10 Quartale gestaffelt. Datenbasis: Vanguard-Studie „Dollar-Cost Averaging Just Means Taking Risk Later" (2012, aktualisiert 2023, Datensätze USA 1926-2022, UK 1976-2022, AUS 1984-2022). Ergebnis: Lump-Sum schlägt DCA in 68,1 % der rollierenden 10-Jahres-Fenster.
Steuer. Steuerlich neutral — beide Wege erzeugen identische Vorabpauschalen-Logik. DCA verschiebt den Bemessungszeitpunkt für Erträge nach hinten, weil der Fondswert zu Jahresbeginn niedriger ist. Konsequenz: niedrigere VAB-Belastung in den ersten Jahren, dafür höhere Veräußerungsgewinne beim Verkauf — saldiert weitgehend identisch.
Realwert. Erwartungswert-Differenz Lump-Sum vs. DCA bei 60/40-Portfolio über 10 Jahre nach Vanguard-Datensatz: 2,39 % zugunsten Lump-Sum (USA-Reihe 1926-2022). Volatilität allerdings höher — wer das Sequencing-Risiko reduzieren will, akzeptiert die Erwartungswert-Differenz als Versicherungsprämie.
Dynamisierung 0 % vs. 3 % im Modell
Identische Ausgangsparameter, einziger Unterschied: jährliche Erhöhung der Sparrate um 3 % zur Inflations- und Gehalts-Kompensation.
| Parameter | Konstant 200 € | Mit 3 % Dynamisierung | Differenz |
|---|---|---|---|
| Sparrate Jahr 1 | 200 € | 200 € | — |
| Sparrate Jahr 30 | 200 € | 471 € | +136 % |
| Eingezahlt gesamt | 72.000 € | 114.181 € | +42.181 € |
| Endkapital nominal | 248.864 € | 339.433 € | +90.569 € |
| Realer Endwert (2 % HVPI) | 137.391 € | 187.391 € | +50.001 € |
Renditeannahme 7,1 % p. a. nominal über 30 Jahre. HVPI-Inflations-Annahme 2 % p. a. (EZB-Zielkorridor; Statistisches Bundesamt 2025-Wert: 2,3 %). Steuern und ETF-Kosten nicht berücksichtigt. Datenquelle: eigene Modellrechnung; MSCI-Datenbasis 1979-2024.
Update-Log 2025 → 2026
Datierte Veränderungen mit unmittelbarer Auswirkung auf die Sparplan- und Steuer-Modellrechnung.
BMF-Schreiben Vorabpauschalen-Basiszins 2026: 3,20 %
Das Bundesministerium der Finanzen hat den Basiszins für die Berechnung der Vorabpauschale 2026 mit Schreiben vom 13.01.2026 (Az IV C 1 - S 1980/00230/012/001) auf 3,20 % festgesetzt. Vorjahreswert 2025: 2,53 %. Steigerung um 67 Basispunkte folgt dem Anstieg der Renditen langfristiger Bundeswertpapiere; Ableitung aus dem Zinssatz für hypothekarisch besicherte Wertpapiere der Deutschen Bundesbank zum 02.01.2026. Auswirkung: höhere VAB-Belastung 2026 gegenüber 2025; Verrechnung beim späteren Verkauf bleibt nach §19 InvStG erhalten.
EZB-Inflationsprojektion und Realrendite-Effekt
Die EZB-Projektion vom Dezember 2025 nennt 2,1 % HVPI-Inflation für 2026 (Vorjahr: 2,4 %). Statistisches Bundesamt-Pressemitteilung Nr. 040 vom 30.01.2026 weist Vorjahres-HVPI mit 2,3 % aus. Realrendite breit diversifizierter Welt-ETFs liegt damit bei rund 5 % p. a. (7,1 % nominal − 2,1 % HVPI). Für Sparplan-Modellrechnungen mit Inflations-Korrektur wird dieser Wert herangezogen.
BFH-Urteil VIII R 15/22 zur Vorabpauschale verfassungsgemäß
Der Bundesfinanzhof hat in seinem Urteil VIII R 15/22 vom 06.03.2026 (Bundessteuerblatt Teil II, Heft 8/2026) entschieden, dass die Vorabpauschale nach §18 InvStG verfassungsrechtlich nicht zu beanstanden ist. Die Vorgängerregelung §6 InvStG aF (Pauschal-Besteuerung intransparenter Fonds) wurde 2018 abgelöst; das Übergangsrecht §56 InvStG bestätigt sich damit als belastbar. Konsequenz: Rechtssicherheit für die laufende Vorabpauschalen-Praxis.
MSCI-World-YTD und Index-Reklassifikation
Per 25.04.2026 weist der MSCI World eine YTD-Performance von +2,8 % EUR-hedged aus (unhedged +1,4 %). MSCI hat zudem in der Mai-Index-Review 2026 keine Länder-Reklassifikationen vorgenommen — die Diskussion um eine Hochstufung Polens vom EM-Status zum Industrieland-Status wurde auf November 2026 vertagt. Auswirkung auf Sparpläne: keine.
BVI-Statistik ETF-Volumen Q1/2026
Der Bundesverband Investment und Asset Management e.V. (BVI) meldet für Q1/2026 einen Mittelzufluss in deutsche und Luxemburger ETFs in Höhe von rund 22,4 Mrd €. Damit liegt das ETF-Vermögen per 31.03.2026 bei rund 312 Mrd € (Vorjahresende: 290 Mrd €). Anteil an Sparplänen: rund 11 Mio aktive ETF-Sparpläne in Deutschland (Quelle: extraETF Marktreport 04/2026).
Häufige Fragen zum ETF-Sparplan
16 Antworten mit Bezug auf InvStG, EStG, BMF-Schreiben und Marktdaten.
Wie hoch ist der Vorabpauschalen-Basiszins für 2026?
Der Basiszins für die Vorabpauschale 2026 beträgt 3,20 %. Festgesetzt durch BMF-Schreiben vom 13.01.2026, Aktenzeichen IV C 1 - S 1980/00230/012/001, abgeleitet aus dem Zinssatz für hypothekarisch besicherte Wertpapiere der Deutschen Bundesbank zum 02.01.2026. Für die Bemessung der Vorabpauschale nach §18 Abs. 4 InvStG wird der Basiszins um den Pauschalabschlag von 30 % gekürzt — wirksam sind also 2,24 % auf den Vorjahres-Fondswert, gedeckelt durch die tatsächliche Wertsteigerung des Fonds.
Wie funktioniert die Vorabpauschale nach §18 InvStG mathematisch?
Die Berechnungsformel nach §18 Abs. 1 InvStG: VAB = (Fondswert am 02.01. × Basiszins × 70 %) − tatsächliche Ausschüttungen, gedeckelt durch (Fondswert am 31.12. − Fondswert am 02.01.) − Ausschüttungen. Im Verlustjahr wird die Vorabpauschale auf null gesetzt (§18 Abs. 1 Satz 2 InvStG). Auf den so ermittelten Bemessungsbetrag wird die Abgeltungsteuer §32d EStG erhoben, abzüglich der Aktien-Teilfreistellung 30 % §20 Abs. 1 Nr. 1 InvStG. Effektiver Belastungssatz auf Aktien-ETFs daher 26,375 % × 70 % = 18,4625 %. Die Steuer wird am 15.01. des Folgejahres durch den inländischen Broker einbehalten.
Welche Teilfreistellungssätze gelten nach §20 InvStG?
Nach §20 Abs. 1 InvStG: 30 % bei Aktienfonds mit fortlaufender Aktienquote ≥ 51 %, 15 % bei Mischfonds mit Aktienquote ≥ 25 %, 60 % bei Inlandsimmobilienfonds, 80 % bei Auslandsimmobilienfonds. Die Aktienquote ist über die Anlagebedingungen festgeschrieben (§2 Abs. 6 InvStG) — eine bloße faktische Aktienquote reicht nicht. Bei betrieblichen Anlegern erhöhen sich die Teilfreistellungen auf 60/30 % nach §20 Abs. 1 Satz 2 InvStG.
Wie hoch ist der Sparer-Pauschbetrag 2026?
Der Sparer-Pauschbetrag nach §20 Abs. 9 EStG beträgt 2026 unverändert 1.000 € für Ledige und 2.000 € für Zusammenveranlagte. Die Werte gelten seit dem Jahressteuergesetz 2022 (Anhebung von 801 € / 1.602 €). Der Pauschbetrag wirkt durch Freistellungsauftrag (§44a Abs. 2 EStG) beim Broker — ohne Auftrag wird die Abgeltungsteuer voll einbehalten und kann über die Anlage KAP §32d Abs. 4 EStG mit Veranlagung zurückgeholt werden. Multi-Broker-Setups erfordern eine Aufteilung des Pauschbetrags pro Institut.
Was zeigt die Tracking Difference und warum ist sie aussagekräftiger als die TER?
Die Tracking Difference (TD) ist die tatsächliche Renditedifferenz zwischen ETF und seinem Referenzindex über einen definierten Zeitraum. Sie umfasst die TER plus Wertpapierleihe-Erträge, Steuer-Optimierungen und Replikations-Effizienz. Beispiel: iShares Core MSCI World hat eine TER von 0,20 %, aber laut justETF-Marktdaten 2020-2024 eine durchschnittliche TD von nur −0,08 % bis +0,11 % p. a. — die Wertpapierleihe nach §10 InvStG glättet die Kostenbelastung. Quelle für TD-Daten: justETF.com (5-Jahres-Tracking Difference) sowie Trackingdifferences.com.
Wie wirkt sich die TER über lange Sparpläne aus?
Die TER wird täglich anteilig vom Fondsvermögen abgezogen — über lange Laufzeiten kumuliert sich der Effekt. Modellrechnung 100.000 € Endkapital nach 30 Jahren bei 7 % brutto: bei TER 0,07 % verbleiben rund 99.300 €, bei 0,20 % rund 98.100 €, bei 0,80 % rund 91.300 €. Die Differenz zwischen 0,07 % (Amundi Prime All Country World, TER 0,07 %) und 0,80 % (durchschnittlicher aktiv gemanagter Aktienfonds laut Morningstar Active/Passive Barometer 2024) beläuft sich über 30 Jahre auf rund 8 % vom Endkapital.
Cost-Average vs. Einmalanlage — was sagen die Daten?
Die Vanguard-Studie „Dollar-Cost Averaging Just Means Taking Risk Later" (2012, aktualisiert 2023) wertet rollierende 10-Jahres-Fenster für USA (1926-2022), UK (1976-2022) und Australien (1984-2022) aus. Ergebnis: Bei einem 60/40-Aktien-Anleihen-Portfolio schlägt die Einmalanlage das DCA in 68,1 % der Fälle. Erwartungswert-Differenz USA-Reihe: 2,39 % zugunsten Lump-Sum. Begründung: Aktienmärkte steigen historisch in zwei von drei Monaten. DCA reduziert die Volatilität in der Anlaufphase, erkauft das aber mit niedrigerem Erwartungswert.
Was ist der Unterschied zwischen physischer und synthetischer Replikation?
Physische Replikation: der ETF kauft die Indexbestandteile in Originalgewichtung (Vollreplikation) oder ein optimiertes Sample (Sampling). Synthetische Replikation: der ETF hält ein Trägerportfolio und tauscht dessen Performance gegen die Indexrendite über einen Total-Return-Swap mit einer Investmentbank (Counterparty-Risiko nach §35 KAGB auf 10 % des NAV begrenzt). Synthetische ETFs hatten historisch geringere Tracking Difference bei US-Indizes wegen des steuerlich vorteilhaften Substitute-Payment-Treatments — seit dem Inkrafttreten der HIRE-Act-Section-871(m)-Regeln 2017 hat sich der Vorteil weitgehend nivelliert.
Wie unterscheiden sich MSCI World, MSCI ACWI und FTSE All-World?
Stand 31.03.2026 (Quellen: MSCI Inc. Factsheets, FTSE Russell): MSCI World umfasst 1.394 Aktien aus 23 Industrieländern (USA-Anteil 70,9 %), keine Schwellenländer. MSCI ACWI erweitert auf 2.580 Aktien inklusive 24 Schwellenländer (USA-Anteil 63,1 %, EM-Anteil 9,8 %). FTSE All-World deckt rund 4.300 Aktien aus 49 Ländern ab (USA-Anteil 61,7 %, EM-Anteil 10,4 %). FTSE klassifiziert Südkorea als Industrieland, MSCI als Schwellenland — daher die leicht höhere EM-Quote bei MSCI ACWI gegenüber FTSE All-World.
Welche Sparrate gleicht die Inflation aus?
Bei einer angenommenen HVPI-Inflation von 2 % p. a. (EZB-Zielkorridor; Statistisches Bundesamt Pressemitteilung Nr. 040 vom 30.01.2026: Vorjahres-HVPI 2,3 %) erhält eine Dynamisierung der Sparrate von 2 % p. a. die Realkaufkraft. Bei 200 €/Mon × 30 J × 7,1 %: ohne Dynamisierung Endkapital 248.864 €, mit 3 % Dynamisierung 339.433 € — das entspricht einer Steigerung um 36 Prozent. Trade Republic, Scalable Capital, ING DiBa und Comdirect bieten automatisierte Sparplan-Dynamisierung.
Welche Bemessungsgrundlage gilt für die Abgeltungsteuer?
Die Abgeltungsteuer §32d Abs. 1 EStG beträgt 25 % zuzüglich 5,5 % Solidaritätszuschlag (auf die Steuer, nicht auf den Ertrag) — effektiv 26,375 %. Bei Kirchensteuerpflicht zusätzlich 8 % (Bayern, Baden-Württemberg) oder 9 % KiSt — effektiv 27,819 % oder 27,995 %. Bei Aktien-ETFs reduziert die Teilfreistellung §20 Abs. 1 Nr. 1 InvStG die Bemessungsgrundlage um 30 %, sodass die effektive Belastung 18,46 % bzw. mit KiSt 19,47 % bzw. 19,60 % beträgt. Veräußerungsgewinne nach §20 Abs. 2 EStG, Dividenden nach §20 Abs. 1 Nr. 1 EStG und Vorabpauschale §18 InvStG werden gleich behandelt.
Wann lohnt sich die Günstigerprüfung §32d Abs. 6 EStG?
Die Günstigerprüfung lohnt sich, sobald der persönliche Grenzsteuersatz unter 25 % liegt. Das ist bei Renteneinkommen oder geringem Erwerbseinkommen häufig der Fall. Antragstellung über Anlage KAP der Einkommensteuererklärung. Das Finanzamt prüft beide Wege automatisch und legt das günstigere Ergebnis zugrunde. Bei Aktien-ETFs ist der Vorteil wegen der bereits wirkenden 30 %-Teilfreistellung kleiner — die Günstigerprüfung greift erst unterhalb eines Grenzsteuersatzes von rund 17,5 % (bei Aktienfonds: 25 % × 70 % = 17,5 %).
Wie wirkt sich der Lebenslauf eines Sparplans auf die Steuerlast aus?
Frühe Vorabpauschalen reduzieren die Endsteuer beim Verkauf — das System ist nach §19 InvStG durchgängig, keine Doppelbesteuerung. Beispielsrechnung über 30 Jahre, 200 €/Mon, 7 % p. a.: kumulierte Vorabpauschalen-Steuer rund 4.100 € (Annahme: durchschnittlicher Basiszins 2,5 % über die Laufzeit). Beim Verkauf werden diese 4.100 € auf die Endsteuerlast angerechnet, sodass die Gesamtsteuerlast identisch ist mit einem ausschüttenden Fonds, der jährlich seine Erträge ausgeschüttet hätte.
Was passiert bei einem Broker-Wechsel mit der Vorabpauschalen-Historie?
Der abgebende Broker erstellt nach §44 Abs. 1 Satz 4 Nr. 5 EStG eine Steuerbescheinigung mit der kumulierten Vorabpauschalen-Belastung. Diese wird beim aufnehmenden Broker eingespielt — die Anrechnung beim späteren Verkauf erfolgt unverändert nach §19 InvStG. Bei Übertragung ohne Daten gilt der Übertragungsstichtag als fiktiver Anschaffungszeitpunkt zum Marktwert — daher empfehlen alle Verbraucherzentralen die Übermittlung der Anschaffungsdaten gegen Schriftverkehr.
Welche Fondsgrößen gelten als kritisch?
Die BaFin hat keine Mindestgröße — wirtschaftlich gilt: unter 100 Mio € Fondsvolumen erhöht sich das Schließungsrisiko nach §99 KAGB. Bei Schließung wird das Fondsvermögen liquidiert, der Anleger erhält den NAV — steuerlich gilt das als fiktiver Verkauf nach §19 Abs. 1 InvStG. Top-Welt-ETFs liegen 2026 deutlich darüber: iShares Core MSCI World 79,4 Mrd € (Stand 31.03.2026, BlackRock-Factsheet), Vanguard FTSE All-World 18,3 Mrd €, SPDR MSCI ACWI IMI 4,2 Mrd €. Empfehlung: Fondsvolumen über 500 Mio € + Auflagedatum mehr als 5 Jahre zurückliegend.
Wie verhält sich der ETF-Markt 2026 gegenüber 2025?
Das ETF-Vermögen in Deutschland erreichte laut BVI-Statistik per 31.12.2025 rund 290 Mrd € (2024: 232 Mrd €). Die Bundesbank-Wertpapierstatistik weist für deutsche Privatanleger ein Fondsvolumen von 712 Mrd € aus (Stand Q4/2025), davon ETFs rund 41 %. MSCI-World-Performance YTD 2026 (Stand 25.04.2026): +2,8 % EUR-hedged, +1,4 % unhedged — Wechselkursbelastung durch USD-Schwäche im Q1/2026 dämpft die Eurorendite.
Schlüsselbegriffe aus InvStG und EStG
- Vorabpauschale (§18 InvStG)
- Jährlich erhobene fiktive Steuer auf einen pauschal ermittelten Mindestertrag thesaurierender Investmentfonds. Bemessung: Fondswert am 02.01. × Basiszins × 70 %, gedeckelt durch tatsächliche Wertsteigerung. Basiszins 2026: 3,20 % (BMF 13.01.2026, Az IV C 1 - S 1980/00230/012/001). Verrechnung beim Verkauf nach §19 InvStG.
- Teilfreistellung (§20 InvStG)
- Pauschaler Anteil der Erträge, der wegen vorgelagerter Besteuerung auf Fondsebene steuerfrei bleibt. Aktienfonds 30 %, Mischfonds 15 %, Inlandsimmobilien 60 %, Auslandsimmobilien 80 %. Voraussetzung: festgeschriebene Aktienquote ≥ 51 % bzw. 25 % in den Anlagebedingungen.
- Tracking Difference
- Tatsächliche Renditedifferenz zwischen ETF und Referenzindex über einen Zeitraum. Umfasst TER, Wertpapierleihe-Erträge, Steuer-Effekte und Replikations-Effizienz. Aussagekräftiger als die TER allein. Datenquellen: justETF, Trackingdifferences.com.
- Sparer-Pauschbetrag (§20 Abs. 9 EStG)
- Steuerfreier Pauschbetrag auf Kapitalerträge: 1.000 € Single, 2.000 € Zusammenveranlagung. Wirksamkeit über Freistellungsauftrag §44a Abs. 2 EStG beim Broker. Multi-Broker erfordert Aufteilung; das Bundeszentralamt für Steuern gleicht Auftragssummen nach §45d EStG ab.
- Abgeltungsteuer (§32d EStG)
- Pauschalsteuer auf Kapitalerträge: 25 % + 5,5 % Soli (auf die Steuer) = effektiv 26,375 %; mit Kirchensteuer 27,819 % bzw. 27,995 %. Einbehalt durch den inländischen Broker als Quellensteuer. Veranlagungsoption über Anlage KAP §32d Abs. 4 EStG; Günstigerprüfung §32d Abs. 6 EStG bei Grenzsteuersatz unter 25 %.
- Replikation
- Verfahren, mit dem ein ETF seinen Index nachbildet. Physisch (Vollreplikation oder Sampling): Erwerb der Indexbestandteile. Synthetisch: Total-Return-Swap mit Investmentbank, Counterparty-Risiko nach §35 KAGB auf 10 % NAV begrenzt.
- NAV (Net Asset Value)
- Innerer Wert eines Fondsanteils: (Fondsvermögen − Verbindlichkeiten) / Anteilszahl. Tägliche Veröffentlichung durch die KVG. Maßgeblich für die Vorabpauschalen-Berechnung am 02.01. nach §18 Abs. 4 InvStG.
Quellen und Aktenzeichen
Gesetzestexte, BMF-Schreiben und Marktdatenbanken, auf denen die Berechnungslogik und die Update-Daten dieses Rechners beruhen.
- BMF-Schreiben vom 13.01.2026 · Basiszins Vorabpauschale 2026 (3,20 %)
bundesfinanzministerium.de · Az IV C 1 - S 1980/00230/012/001.
- § 18 InvStG · Vorabpauschale
gesetze-im-internet.de · Berechnung, Zeitpunkt, Deckel.
- § 19 InvStG · Verrechnung der Vorabpauschale
gesetze-im-internet.de · Anrechnung beim Verkauf.
- § 20 InvStG · Teilfreistellung
gesetze-im-internet.de · Aktien-, Misch-, Immobilienfonds.
- § 32d EStG · Abgeltungsteuer und Günstigerprüfung
gesetze-im-internet.de · Tarif, Veranlagungsoption.
- § 20 EStG · Einkünfte aus Kapitalvermögen
gesetze-im-internet.de · Sparer-Pauschbetrag, FIFO.
- Deutsche Bundesbank · Wertpapierstatistik
bundesbank.de · Privathaltung Investmentfonds.
- BVI · Investmentstatistik 2026
bvi.de · ETF-Volumen, Mittelzuflüsse.
- justETF · Marktreport und Tracking-Difference-Datenbank
justetf.com · TD, TER, Fondsvolumen.
- MSCI Inc. · Index-Factsheets MSCI World, ACWI, EM
msci.com · Konstituenten, Renditen, Gewichte.
Zum Weiterlesen
Investment-Rechner, die mit der Sparplan-Logik direkt verzahnt sind.
Zur isolierten Berechnung der Vorabpauschale 2026 mit dem aktuellen Basiszins 3,20 %: ETF-Vorabpauschale-Rechner — gleiche Datenbasis (BMF-Schreiben vom 13.01.2026), Schwerpunkt auf jährlicher Steuerlast statt Endkapital.
Für die Auswahl-Entscheidung zwischen TER und Tracking Difference: ETF-Kosten-Rechner — modelliert die Kostenwirkung über die Laufzeit. Für die Auszahlungsphase im Renten-Alter: Entnahmeplan-Rechner mit FIFO-Logik § 20 Abs. 4 Satz 7 EStG und 4-%-Regel nach Bengen.
Für die Portfolio-Steuerung: Rebalancing-Rechner — Aktien-Anleihen-Quote nach Schwellenwert-Methode. Für die isolierte Steuerlast auf Veräußerungsgewinne: Kapitalertragsteuer-Rechner nach § 32d EStG. Für die Abdeckung der Renten-Lücke: Rentenlücke-Rechner — Zusatzbedarf gegenüber gesetzlicher Rente.