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Gewerbesteuer-Rechner 2026

Gewerbesteuer zahlt jeder Gewerbebetrieb an seine Gemeinde. Nach § 11 GewStG nimmt das Finanzamt 3,5 % vom Gewerbeertrag als Messbetrag, bei Einzelunternehmen und Personengesellschaften erst oberhalb von 24.500 €. Die Gemeinde multipliziert ihn mit ihrem Hebesatz. Bei 60.000 € Gewinn und 400 % sind das 4.968 € im Jahr. Als Einzelunternehmer ziehst du genau diesen Betrag wieder von deiner Einkommensteuer ab, wenn sie hoch genug ist.

Stand: So werden die Rechner geprüft

Gewerbesteuer-Rechner

Gewerbesteuer an die Gemeinde

4.968,00 €

Messbetrag 1.242 € × Hebesatz 400 %

Über die Einkommensteuer bekommst du davon 4.968,00 € zurück (§ 35 EStG). Unterm Strich kostet dich die Gewerbesteuer 0,00 €.

Messbetrag (3,5 %)
1.242 €
Ermäßigung ESt
4.968 €
Belastung
0 €

Rechenweg

Gewinn aus Gewerbebetrieb60.000 €
Gewerbeertrag, auf volle 100 € abgerundet60.000 €
− Freibetrag (§ 11)24.500 €
× 3,5 % = Steuermessbetrag1.242 €
× Hebesatz 400 % = Gewerbesteuer4.968,00 €
− Ermäßigung der Einkommensteuer (§ 35 EStG)4.968,00 €
= Belastung nach Anrechnung0,00 €

Die Ermäßigung ist das Kleinste aus drei Beträgen: Vierfaches des Messbetrags 4.968 €, gezahlte Gewerbesteuer 4.968,00 € und Einkommensteuer auf den Gewinn 14.233,00 €. Hier begrenzt das Vierfache des Messbetrags die Ermäßigung.

Tipp · Bis 400 % Hebesatz holst du die Gewerbesteuer über die Einkommensteuer ganz zurück, solange die Einkommensteuer auf deinen Gewinn hoch genug ist. Ab 2027 muss jede Gemeinde mindestens 280 % verlangen.

Auf dieser Seite
  1. So wird gerechnet
  2. § 11 GewStG: Freibetrag und Messzahl
  3. Werte und Tabelle 2026
  4. Wer Gewerbesteuer zahlt
  5. Einzelunternehmen und GmbH
  6. Anrechnung nach § 35 EStG
  7. Hebesätze 2026
  8. Hinzurechnungen § 8
  9. Kürzungen § 9
  10. Verlustvortrag § 10a
  11. Erklärung und Vorauszahlungen
  12. Häufige Fragen
  13. Quellen

So wird die Gewerbesteuer berechnet

Das Finanzamt ermittelt den Messbetrag, die Gemeinde macht daraus die Steuer. Den Weg dahin regelt das Gewerbesteuergesetz in sechs Schritten:

  1. GewinnAusgangspunkt ist der Gewinn aus deiner Einnahmenüberschussrechnung oder Bilanz, wie er für die Einkommen- oder Körperschaftsteuer ermittelt wird (§ 7 GewStG).
  2. HinzurechnungenZinsen, Mieten, Leasingraten und Lizenzgebühren gehen anteilig in eine Summe ein. Was davon 200.000 € übersteigt, kommt zu einem Viertel wieder zum Gewinn (§ 8 Nr. 1).
  3. Kürzungen und VerlustvortragAbgezogen werden etwa die Grundsteuer für eigene Betriebsgrundstücke (§ 9) und Verluste aus Vorjahren (§ 10a). Das Ergebnis ist der Gewerbeertrag.
  4. Abrunden und FreibetragDer Gewerbeertrag wird auf volle 100 € abgerundet. Einzelunternehmen und Personengesellschaften ziehen 24.500 € ab, GmbH, UG und AG nichts (§ 11 Abs. 1).
  5. Messbetrag3,5 % vom Rest sind der Steuermessbetrag, abgerundet auf volle Euro (§ 11 Abs. 2, R 14.1 Satz 3 GewStR). Ihn setzt das Finanzamt fest (§ 14).
  6. HebesatzDie Gemeinde multipliziert den Messbetrag mit ihrem Hebesatz (§ 16). Ein Hebesatz von 470 % bedeutet das 4,7-Fache des Messbetrags.

Gewerbesteuer = (Gewerbeertrag, abgerundet − Freibetrag) × 3,5 % × Hebesatz

Rechenweg Einzelunternehmen mit 250.000 € Gewinn, Schritt für Schritt

Betrieb in Stuttgart, Inhaber alleinstehend, keine weiteren Einkünfte. Im Gewinn stecken als Kosten 120.000 € Kreditzinsen, 180.000 € Miete für die Halle und 100.000 € Leasing für Fahrzeuge. Das Bürogebäude gehört dem Betrieb, darauf fallen 4.000 € Grundsteuer an.

Gewinn aus Gewerbebetrieb (§ 7)
250.000 €
+ Hinzurechnung: 25 % von 30.000 € (§ 8 Nr. 1)
+7.500 €
− Kürzung: Grundsteuer für das eigene Bürogebäude (§ 9 Nr. 1)
−4.000 €
= Gewerbeertrag
253.500 €
auf volle 100 € abgerundet, − Freibetrag 24.500 € (§ 11 Abs. 1)
229.000 €
× 3,5 % = Steuermessbetrag (§ 11 Abs. 2)
8.015 €
× Hebesatz Stuttgart 430 % = Gewerbesteuer (§ 16)
34.464,50 €
− Ermäßigung der Einkommensteuer, 4,0 × Messbetrag (§ 35 EStG)
−32.060,00 €
Belastung nach Anrechnung
2.404,50 €

Finanzierungsanteile: Zinsen voll, Miete zur Hälfte, Leasing zu einem Fünftel, also 120.000 € + 90.000 € + 20.000 € = 230.000 €. Die Einkommensteuer auf den Gewinn reicht für die volle Ermäßigung, siehe Anrechnung nach § 35 EStG.

§ 11 GewStG: Freibetrag 24.500 € und Steuermesszahl 3,5 %

In § 11 GewStG stehen die beiden Zahlen, mit denen jede Gewerbesteuer-Rechnung beginnt. Den amtlichen Wortlaut findest du auf gesetze-im-internet.de, das steht in den drei Absätzen:

§ 11 GewStGWas dort steht
Abs. 1 Satz 1 und 2Die Steuer wird aus einem Steuermessbetrag berechnet: Steuermesszahl mal Gewerbeertrag.
Abs. 1 Satz 3Der Gewerbeertrag ist „auf volle 100 Euro nach unten abzurunden“ und um einen Freibetrag zu kürzen, „höchstens jedoch in Höhe des abgerundeten Gewerbeertrags“. Einen Verlust macht der Freibetrag also nicht größer.
Abs. 1 Satz 3 Nr. 124.500 € für natürliche Personen und Personengesellschaften: Einzelunternehmen, GbR, OHG und KG, auch die GmbH & Co. KG.
Abs. 1 Satz 3 Nr. 25.000 € für Vereine mit wirtschaftlichem Geschäftsbetrieb (§ 2 Abs. 3), für nach § 3 teilweise befreite Unternehmen wie gemeinnützige Körperschaften und für Betriebe der öffentlichen Hand.
Abs. 2Die Steuermesszahl beträgt 3,5 %, für alle Rechtsformen gleich, in dieser Fassung seit 2008.
Abs. 3Für Hausgewerbetreibende und ihnen nach dem Heimarbeitsgesetz Gleichgestellte sinkt die Messzahl auf 56 %, also 1,96 % (R 11.2 GewStR).

GmbH, UG und AG stehen in keiner der beiden Nummern. Sie haben keinen Freibetrag.

Der Freibetrag ist keine Freigrenze. Wer ihn überschreitet, zahlt nur auf den Teil darüber. Wegen der Abrundung auf volle 100 € und des Messbetrags in vollen Euro fällt Gewerbesteuer erst ab einem Gewerbeertrag von 24.600 € an: Der Messbetrag liegt dann bei 3 €, bei 400 % Hebesatz sind das 12 € im Jahr.

Der Freibetrag gilt je Betrieb, nicht je Gesellschafter, und in voller Höhe auch dann, wenn du den Betrieb im Lauf des Jahres eröffnest oder schließt (R 11.1 Sätze 1 und 2 GewStR).

Werte 2026 und Tabelle nach Gewinn

Wert2026Grundlage
Freibetrag für Einzelunternehmen und Personengesellschaften (GmbH, UG, AG: keiner)24.500 €§ 11 Abs. 1 GewStG
Steuermesszahl3,5 %§ 11 Abs. 2 GewStG
Mindesthebesatz (280 % ab 2027)200 %§ 16 Abs. 4 GewStG
Freibetrag bei den Hinzurechnungen200.000 €§ 8 Nr. 1 GewStG
Verlustvortrag: bis 1.000.000 € voll, vom Ertrag darüber höchstens60 %§ 10a GewStG
Anrechnung auf die Einkommensteuer4,0 × Messbetrag§ 35 EStG

Jede Vorschrift ist mit dem Gesetzestext auf gesetze-im-internet.de verlinkt.

Gewerbesteuer nach Gewinn

GewinnMessbetragbei 400 %bei 490 %Rest bei 490 %GmbH bei 400 %
25.000 €17 €68 €83 €15 €3.500 €
30.000 €192 €768 €941 €173 €4.200 €
40.000 €542 €2.168 €2.656 €488 €5.600 €
50.000 €892 €3.568 €4.371 €803 €7.000 €
60.000 €1.242 €4.968 €6.086 €1.118 €8.400 €
80.000 €1.942 €7.768 €9.516 €1.748 €11.200 €
100.000 €2.642 €10.568 €12.946 €2.378 €14.000 €
150.000 €4.392 €17.568 €21.521 €3.953 €21.000 €
200.000 €6.142 €24.568 €30.096 €5.528 €28.000 €
300.000 €9.642 €38.568 €47.246 €8.678 €42.000 €
500.000 €16.642 €66.568 €81.546 €14.978 €70.000 €

Gerechnet mit dem Rechner oben: Einzelunternehmen, alleinstehend, keine weiteren Einkünfte, ohne Hinzurechnungen und Kürzungen. Bis 400 % gleicht die Anrechnung die Steuer ganz aus. Bei 490 % wie in München bleiben 0,90 € je Euro Messbetrag als Rest. Die GmbH hat weder Freibetrag noch Anrechnung.

Eine Progression wie bei der Einkommensteuer gibt es nicht. Von jedem Euro Gewerbeertrag über dem Freibetrag gehen 3,5 % in den Messbetrag, bei 400 % Hebesatz kostet er also 14 Cent Gewerbesteuer, bei 490 % 17,15 Cent. Den Unterschied zwischen zwei Betrieben mit gleichem Gewinn macht allein der Hebesatz.

Wer Gewerbesteuer zahlt

Steuerpflichtig ist jeder stehende Gewerbebetrieb mit einer Betriebsstätte im Inland (§ 2 Abs. 1 GewStG). Gewerbe ist nach § 15 Abs. 2 EStG eine selbständige, nachhaltige Tätigkeit mit Gewinnabsicht am Markt, die weder Land- und Forstwirtschaft noch freier Beruf noch andere selbständige Arbeit ist. Händler, Handwerker, Gastronomen, Onlinehändler und Makler gehören dazu. Steuerschuldner ist der Unternehmer, bei einer Personengesellschaft die Gesellschaft selbst (§ 5 Abs. 1).

GmbH, UG, AG und Genossenschaften sind immer und mit ihrer gesamten Tätigkeit gewerbesteuerpflichtig, auch wenn darin nur Freiberufler arbeiten (§ 2 Abs. 2). Vereine zahlen nur für ihren wirtschaftlichen Geschäftsbetrieb (§ 2 Abs. 3).

Keine Gewerbesteuer zahlen:

  • Freiberufler wie Ärzte, Rechtsanwälte, Steuerberater, Architekten, Ingenieure, Journalisten und Übersetzer und wer selbständig wissenschaftlich, künstlerisch, schriftstellerisch oder unterrichtend arbeitet (§ 18 Abs. 1 Nr. 1 EStG). Fachlich ausgebildete Mitarbeiter sind erlaubt, solange du selbst leitend und eigenverantwortlich tätig bist.
  • Land- und Forstwirte (§ 15 Abs. 2 EStG).
  • wer nur eigenes Vermögen verwaltet, etwa Wohnungen vermietet oder Geld verzinslich anlegt (§ 14 Satz 3 AO).
  • gemeinnützige Körperschaften, außer mit ihrem wirtschaftlichen Geschäftsbetrieb (§ 3 Nr. 6 GewStG).
  • Betreiber einer Solaranlage bis 30 Kilowatt auf, an oder in einem Gebäude, wenn sie nur Strom daraus erzeugen und vermarkten (§ 3 Nr. 32 GewStG).

Vorsicht in zwei Fällen. Übt eine GbR oder Partnerschaft neben der freiberuflichen auch eine gewerbliche Tätigkeit aus, gilt ihre gesamte Tätigkeit als Gewerbebetrieb, auch wenn der gewerbliche Teil Verlust macht (§ 15 Abs. 3 Nr. 1 EStG). Und eine GmbH & Co. KG, bei der nur die GmbH haftet und die Geschäfte führt, ist kraft Prägung gewerblich, selbst wenn sie nur Vermögen verwaltet (§ 15 Abs. 3 Nr. 2 EStG).

Einzelunternehmen und GmbH im Vergleich

Rechenbeispiel Einzelunternehmen in Hamburg, 60.000 € Gewinn

Alleinstehend, keine weiteren Einkünfte, keine Hinzurechnungen oder Kürzungen.

Gewinn aus Gewerbebetrieb
60.000 €
− Freibetrag
−24.500 €
= Gewerbeertrag nach Freibetrag
35.500 €
× 3,5 % = Steuermessbetrag, abgerundet
1.242 €
× Hebesatz Hamburg 470 % = Gewerbesteuer
5.837,40 €
− Ermäßigung der Einkommensteuer, 4,0 × Messbetrag
−4.968,00 €
Belastung nach Anrechnung
869,40 €

Die Einkommensteuer auf den Gewinn beträgt 14.233 € und reicht für die volle Ermäßigung. Übrig bleiben die 70 Prozentpunkte über 400 %: 1.242 € × 0,7 = 869,40 €.

Rechenbeispiel GmbH in Berlin, 200.000 € Gewinn
Gewinn, kein Freibetrag
200.000 €
× 3,5 % = Steuermessbetrag
7.000 €
× Hebesatz Berlin 410 % = Gewerbesteuer
28.700 €
+ Körperschaftsteuer 15 %
+30.000 €
+ Solidaritätszuschlag, 5,5 % der Körperschaftsteuer
+1.650 €
Steuern der GmbH zusammen
60.350 €

Das sind 30,18 % des Gewinns. Schüttet die GmbH den Rest aus, zahlt der Gesellschafter darauf noch einmal Steuer, im Privatvermögen meist Abgeltungsteuer.

Ein Einzelunternehmer mit demselben Gewinn in Berlin zahlt 25.182,20 € Gewerbesteuer und holt sich 24.568,00 € davon über die Einkommensteuer zurück. Eine GmbH oder UG bekommt weder Freibetrag noch Anrechnung. Mit Körperschaftsteuer und Soli gehen bei 400 % Hebesatz rund 29,8 % ihres Gewinns an Steuern, bei 490 % rund 33 %. Ab 2028 sinkt die Körperschaftsteuer um einen Prozentpunkt pro Jahr bis auf 10 % ab 2032 (§ 23 Abs. 1 KStG), die Gewerbesteuer bleibt.

Anrechnung auf die Einkommensteuer nach § 35 EStG

Einzelunternehmer ziehen das 4,0-Fache des Messbetrags von ihrer Einkommensteuer ab, Gesellschafter einer GbR, OHG oder KG das 4,0-Fache ihres Anteils am Messbetrag (§ 35 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 und 2 EStG). Bei 400 % Hebesatz hebt sich das genau auf. Die Ermäßigung hat drei Obergrenzen, es gilt die niedrigste:

  • das 4,0-Fache des festgesetzten Messbetrags,
  • die Gewerbesteuer, die du tatsächlich zahlst (§ 35 Abs. 1 Satz 5),
  • die Einkommensteuer, die anteilig auf deine gewerblichen Einkünfte entfällt, der Ermäßigungshöchstbetrag (Sätze 1 und 2).

Ermäßigungshöchstbetrag = positive gewerbliche Einkünfte ÷ Summe aller positiven Einkünfte × tarifliche Einkommensteuer

Wegen der zweiten Grenze wird ein niedriger Hebesatz kein Geschäft: In Monheim am Rhein mit 250 % zahlst du bei 60.000 € Gewinn 3.105,00 € Gewerbesteuer, und genau so viel geht von der Einkommensteuer ab, nicht 4.968 €. Über 400 % bleibt je Euro Messbetrag der Teil darüber an dir hängen, in München mit 490 % also 0,90 €.

Die dritte Grenze greift, wenn deine Einkommensteuer niedrig ist: beim Splitting mit einem Partner ohne eigenes Einkommen, bei hohen Abzügen oder wenn Verluste aus anderen Einkunftsarten die Steuer drücken. Was über die Grenzen hinausgeht, verfällt, einen Vortrag in andere Jahre gibt es nicht. Deine Einkommensteuer rechnet der Einkommensteuer-Rechner.

Rechenbeispiel Ehepaar, 45.000 € Gewinn: Die Einkommensteuer reicht nicht

Zusammenveranlagung, keine weiteren Einkünfte, 9.000 € Abzüge für Versicherungen und Sonderausgaben, Hebesatz 400 %.

Steuermessbetrag
717 €
Gewerbesteuer bei 400 %
2.868 €
4,0 × Messbetrag
2.868 €
Einkommensteuer im Splittingtarif auf 36.000 €
2.166 €
Ermäßigung, begrenzt auf die Einkommensteuer
2.166 €
Gewerbesteuer, die als Belastung bleibt
702 €

In einer Personengesellschaft wird der Messbetrag nach dem allgemeinen Gewinnverteilungsschlüssel auf die Gesellschafter verteilt, Vorabgewinne zählen dabei nicht (§ 35 Abs. 2 Satz 2 EStG). Der Rechner oben nimmt den ganzen Messbetrag, rechnet also so, als gehöre dir der Betrieb allein.

Hebesätze 2026 und Mindesthebesatz ab 2027

Es gilt der Hebesatz der Gemeinde, in der dein Betrieb seine Betriebsstätte hat. Er steht in ihrer Hebesatz- oder Haushaltssatzung und auf deinem letzten Gewerbesteuerbescheid. Jede Gemeinde legt ihn selbst fest, für alle Betriebe im Ort gleich (§ 16 Abs. 1 und 4 GewStG). Einen höheren Satz muss sie bis zum 30. Juni beschließen, er gilt dann ab 1. Januar desselben Jahres (§ 16 Abs. 3). Für 2026 steht er also fest:

StadtHebesatz 2026GewerbesteuerErmäßigung EStbleibt
Monheim am Rhein250 %3.105,00 €3.105,00 €0,00 €
Eschborn330 %4.098,60 €4.098,60 €0,00 €
Berlin410 %5.092,20 €4.968,00 €124,20 €
Stuttgart430 %5.340,60 €4.968,00 €372,60 €
Düsseldorf440 %5.464,80 €4.968,00 €496,80 €
Frankfurt am Main460 %5.713,20 €4.968,00 €745,20 €
Hamburg470 %5.837,40 €4.968,00 €869,40 €
Köln475 %5.899,50 €4.968,00 €931,50 €
Hannover480 %5.961,60 €4.968,00 €993,60 €
München490 %6.085,80 €4.968,00 €1.117,80 €

Einzelunternehmen mit 60.000 € Gewinn, alleinstehend, keine weiteren Einkünfte, Messbetrag 1.242 €. Hebesätze laut Satzung oder Veröffentlichung der Stadt, Frankfurt und Eschborn laut IHK Frankfurt, nachgesehen zwischen dem 28. September und dem 1. Oktober 2026.

Im Schnitt aller Gemeinden lag der Hebesatz 2024 bei 409 % (Statistisches Bundesamt). 2026 muss er mindestens 200 % betragen, ab 2027 mindestens 280 % (§ 16 Abs. 4 Satz 2, § 36 Abs. 5b GewStG). Monheim am Rhein mit 250 % muss dann erhöhen. Einzelunternehmer mit genug Einkommensteuer merken davon nichts, die Anrechnung steigt mit. Eine GmbH zahlt dort mindestens 1,05 % ihres Gewinns mehr.

Hat dein Betrieb Betriebsstätten in mehreren Gemeinden, zerlegt das Finanzamt den Messbetrag, in der Regel nach den dort gezahlten Arbeitslöhnen, abgerundet auf volle 1.000 € (§§ 28, 29 GewStG). Jede Gemeinde wendet auf ihren Anteil den eigenen Hebesatz an (§ 4 Abs. 1 Satz 2).

Hinzurechnungen nach § 8 GewStG

Die Gewerbesteuer soll den Ertrag des Betriebs treffen, unabhängig davon, wie er finanziert ist. Deshalb kommen Teile von Zinsen, Mieten und Lizenzgebühren wieder zum Gewinn (§ 8 Nr. 1 GewStG). Außerhalb dieser Summe werden unter anderem Dividenden aus Beteiligungen unter 15 % (Nr. 5) und Verlustanteile an anderen Personengesellschaften (Nr. 8) hinzugerechnet.

Aufwandzählt zur Summehinzugerechnet§ 8 Nr. 1
Zinsen und andere Entgelte für Schulden, Renten und dauernde Lasten, Gewinnanteile stiller Gesellschafter100 %25 %Buchst. a bis c
Miete, Pacht und Leasing für bewegliche Anlagegüter wie Fahrzeuge und Maschinen20 %5 %Buchst. d
Miete und Pacht für Grundstücke, Gebäude und Räume50 %12,5 %Buchst. e
Lizenzen, Konzessionen und andere befristet überlassene Rechte25 %6,25 %Buchst. f

Von der Summe bleiben 200.000 € frei, vom Rest wird ein Viertel zum Gewinn addiert. Die Spalte „hinzugerechnet“ zeigt, welcher Teil des Aufwands oberhalb des Freibetrags am Ende beim Gewinn landet.

  • Zu den Entgelten für Schulden zählen auch unübliche Skonti und der Diskont beim Verkauf von Wechseln und anderen Geldforderungen (Buchst. a). Betriebsrenten aus einer Direktzusage gelten nicht als dauernde Last (Buchst. b).
  • Miete und Leasing für Elektrofahrzeuge, bestimmte Plug-in-Hybride und Fahrräder gehen nur mit 10 % statt 20 % in die Summe ein, bei Verträgen ab 2020 und letztmals für 2030 (Buchst. d Satz 2, § 36 Abs. 4).
  • Lizenzen, die nur zur Weitergabe an Dritte berechtigen, und Honorare, auf die Künstlersozialabgabe anfällt, werden nicht hinzugerechnet (Buchst. f).

Kleine Betriebe bleiben meist weit unter dem Freibetrag. Ein Handwerksbetrieb in Düsseldorf mit 40.000 € Zinsen, 150.000 € Werkstattmiete und 60.000 € Leasing kommt auf 40.000 € + 75.000 € + 12.000 € = 127.000 €, eine Hinzurechnung fällt nicht an. Und für Einzelunternehmer wiegt sie weniger schwer, solange die Anrechnung voll greift, denn mit dem Messbetrag steigt auch die Ermäßigung der Einkommensteuer. Im Rechenweg oben macht die Hinzurechnung die Gewerbesteuer um 1.130,90 € teurer, die Belastung nach Anrechnung nur um 78,90 €.

Kürzungen nach § 9 GewStG

Kürzungen verhindern, dass derselbe Ertrag doppelt belastet wird. Sie werden von der Summe aus Gewinn und Hinzurechnungen abgezogen (§ 9 GewStG).

Kürzung§ 9Was gilt
Grundsteuer für eigene BetriebsgrundstückeNr. 1 Satz 1seit 2025 die im Jahr als Betriebsausgabe gebuchte Grundsteuer (§ 36 Abs. 4b)
Erweiterte Kürzung für GrundstücksunternehmenNr. 1 Satz 2 bis 6auf Antrag bleibt der Ertrag aus dem eigenen Grundbesitz ganz frei
Gewinnanteile an OHG, KG und anderen MitunternehmerschaftenNr. 2die Gesellschaft zahlt darauf selbst Gewerbesteuer
Dividenden aus Beteiligungen ab 15 %Nr. 2a, 7, 8Beteiligung zu Beginn des Jahres
Ertrag ausländischer BetriebsstättenNr. 3besteuert wird nur der Teil im Inland
Spenden und Mitgliedsbeiträge für steuerbegünstigte ZweckeNr. 5bis 20 % des Gewinns oder 4 Promille der Summe aus Umsätzen, Löhnen und Gehältern

Eine GmbH in Köln mit 90.000 € Gewinn und 3.000 € Grundsteuer für ihr Betriebsgrundstück senkt so ihren Messbetrag von 3.150 € auf 3.045 €. Bei 475 % sind das 498,75 € weniger Gewerbesteuer.

Unternehmen, die nur eigenen Grundbesitz verwalten, etwa eine vermietende GmbH, können statt der Grundsteuer die erweiterte Kürzung beantragen (§ 9 Nr. 1 Satz 2). Strom aus erneuerbaren Energien und Ladestationen schaden nicht, solange die Einnahmen daraus höchstens 20 % der Mieteinnahmen ausmachen, andere Leistungen an Mieter höchstens 5 % (Satz 3). Dient der Grundbesitz dem Gewerbebetrieb eines Gesellschafters, ist die erweiterte Kürzung ausgeschlossen (Satz 5 Nr. 1).

Verlustvortrag nach § 10a GewStG

Ist der Gewerbeertrag negativ, stellt das Finanzamt einen Fehlbetrag fest (§ 10a Satz 6 GewStG). Er mindert den Gewerbeertrag der folgenden Jahre, bis 1.000.000 € voll und vom Ertrag darüber höchstens zu 60 % (Sätze 1 und 2). Einen Rücktrag in frühere Jahre gibt es bei der Gewerbesteuer nicht, anders als bei der Einkommensteuer (§ 10d Abs. 1 EStG).

Rechenbeispiel GmbH in Köln mit 2.000.000 € Verlustvortrag
Gewerbeertrag vor Verlustabzug
1.500.000 €
− Verlust bis 1.000.000 € voll
−1.000.000 €
− 60 % des übrigen Ertrags von 500.000 €
−300.000 €
= Gewerbeertrag
200.000 €
× 3,5 % = Steuermessbetrag
7.000 €
× Hebesatz Köln 475 % = Gewerbesteuer
33.250 €

Für die Folgejahre bleiben 700.000 € Verlust übrig. Ohne die Grenze wäre in diesem Jahr keine Gewerbesteuer angefallen.

Das Bundesverfassungsgericht hält diese Mindestgewinnbesteuerung bei Kapitalgesellschaften für verfassungsgemäß, auch wenn ein Teil der Verluste wegen einer späteren Insolvenz endgültig verloren geht (Beschluss vom 23. Juli 2025, 2 BvL 19/14).

Geht der Betrieb im Ganzen auf einen anderen Unternehmer über, kann der Nachfolger die alten Fehlbeträge nicht abziehen (§ 10a Satz 8 mit § 2 Abs. 5). Werden bei einer GmbH innerhalb von fünf Jahren mehr als die Hälfte der Anteile an einen Erwerber übertragen, gehen nicht genutzte Verluste grundsätzlich unter, auch der Gewerbeverlust (§ 10a Satz 10 GewStG mit § 8c KStG).

Erklärung, Bescheide und Vorauszahlungen

Einzelunternehmen und Personengesellschaften geben eine Gewerbesteuererklärung ab, wenn der Gewerbeertrag über 24.500 € lag, ein Verlustvortrag festgestellt war oder das Finanzamt sie verlangt. Für Vereine und Betriebe der öffentlichen Hand gilt die Grenze von 5.000 €, GmbH, UG und AG geben immer eine ab (§ 25 Abs. 1 GewStDV). Übermittelt wird elektronisch, etwa über ELSTER (§ 14a GewStG). Die Fristen stehen in den Fragen unten.

Nach Ablauf des Jahres setzt das Finanzamt den Messbetrag fest (§ 14). Erhebungszeitraum ist das Kalenderjahr, beginnt oder endet die Steuerpflicht im Lauf des Jahres, nur dieser Teil. Die Gemeinde wendet ihren Hebesatz an und verrechnet die Vorauszahlungen, die Steuer entsteht mit Ablauf des Jahres (§ 18).

Einspruch gegen den richtigen Bescheid

Stimmen Gewinn, Hinzurechnungen oder Kürzungen nicht, legst du innerhalb eines Monats Einspruch gegen den Messbescheid des Finanzamts ein (§ 355 AO). Der Bescheid der Gemeinde übernimmt nur den Messbetrag, dort lässt er sich nicht mehr angreifen (§ 351 Abs. 2 AO).

Vorauszahlungen sind am 15. Februar, 15. Mai, 15. August und 15. November fällig, jeweils ein Viertel der Steuer aus der letzten Veranlagung, abgerundet auf volle Euro (§ 19 Abs. 1, 2 und 5). Beim Einzelunternehmen aus Hamburg mit 5.837,40 € Gewerbesteuer sind das 1.459 € je Termin. Beträge unter 50 € setzt die Gemeinde nicht fest, bei 400 % Hebesatz gibt es also erst ab 26.000 € Gewinn Vorauszahlungen.

Läuft das Jahr anders als das letzte, kann die Gemeinde die Vorauszahlungen bis zum Ende des 15. Monats nach Ablauf des Jahres anpassen. Willst du sie senken, wendest du dich ans Finanzamt: Es kann einen voraussichtlichen Messbetrag festsetzen, an den die Gemeinde gebunden ist (§ 19 Abs. 3). Im Gründungsjahr richten sich die ersten Vorauszahlungen nach dem Gewinn, der sich voraussichtlich ergibt (§ 19 Abs. 4).

Häufige Fragen

Ab welchem Gewinn zahlt man Gewerbesteuer?
Als Einzelunternehmen oder Personengesellschaft ab einem Gewerbeertrag von 24.600 €, bei den meisten kleinen Betrieben ist das der Gewinn. Du zahlst nur auf den Teil über 24.500 €, bei 30.000 € Gewinn und 400 % Hebesatz also 768 € im Jahr. Die holst du über die Ermäßigung der Einkommensteuer zurück. GmbH, UG und AG zahlen vom ersten Euro an.
Bekommt jeder Gesellschafter den Freibetrag von 24.500 €?
Nein, der Freibetrag gilt je Betrieb (R 11.1 Satz 1 GewStR). Eine GbR, OHG oder KG bekommt ihn einmal für alle Gesellschafter zusammen, denn Steuerschuldner ist die Gesellschaft (§ 5 Abs. 1 Satz 3 GewStG). Führst du als Einzelunternehmer zwei Betriebe verschiedener Art, zählt jeder für sich, gleichartige Betriebe in derselben Gemeinde gelten in der Regel als einer (R 2.4 GewStR).
Müssen Kleinunternehmer Gewerbesteuer zahlen?
Die Kleinunternehmerregelung befreit nur von der Umsatzsteuer (§ 19 UStG). Für die Gewerbesteuer zählt der Gewinn: Als Einzelunternehmer zahlst du erst, wenn dein Gewerbeertrag über 24.500 € liegt, und dann nur auf den Teil darüber. Anmelden musst du das Gewerbe trotzdem (§ 14 GewO). Die Umsatzgrenzen zeigt der Kleinunternehmer-Rechner.
Müssen Freiberufler Gewerbesteuer zahlen?
Nein, solange die Arbeit freiberuflich ist (§ 18 Abs. 1 Nr. 1 EStG). Eine GmbH zahlt dagegen immer, auch wenn darin nur Freiberufler arbeiten (§ 2 Abs. 2 GewStG). In einer GbR oder Partnerschaft kann schon ein kleiner gewerblicher Teil die ganze Gesellschaft gewerbesteuerpflichtig machen, siehe Wer Gewerbesteuer zahlt.
Bis wann muss die Gewerbesteuererklärung beim Finanzamt sein?
Ohne Steuerberater war die Erklärung für 2025 bis 31. Juli 2026 fällig. Macht sie ein Steuerberater, läuft die Frist bis 1. März 2027: Der 28. Februar 2027 ist ein Sonntag, deshalb endet sie erst am nächsten Werktag (§ 149 Abs. 3, § 108 Abs. 3 AO). Für 2026 gilt der 2. August 2027, weil der 31. Juli auf einen Samstag fällt, mit Steuerberater der 29. Februar 2028. Wer abgeben muss, steht unter Erklärung und Vorauszahlungen.
Ist die Gewerbesteuer eine Betriebsausgabe?
Nein. Seit 2008 mindert die Gewerbesteuer den Gewinn nicht mehr, weder für die Einkommen- noch für die Körperschaftsteuer (§ 4 Abs. 5b EStG). Der Bundesfinanzhof hält das für verfassungsgemäß (Urteil vom 10. September 2015, IV R 8/13). Zum Ausgleich gibt es für Einzelunternehmer und Gesellschafter von Personengesellschaften die Anrechnung nach § 35 EStG, eine GmbH geht leer aus.
Senkt die Anrechnung auch Soli und Kirchensteuer?
Den Soli ja, die Kirchensteuer nicht. Der Solidaritätszuschlag bemisst sich nach der festzusetzenden Einkommensteuer, also nach Abzug der Ermäßigung (§ 3 Abs. 2 SolzG, § 2 Abs. 6 EStG). Für die Kirchensteuer wird die Einkommensteuer dagegen so angesetzt, als gäbe es § 35 EStG nicht (§ 51a Abs. 2 Satz 3 EStG).
Was ändert sich 2027 und in den Jahren danach?
Ab 2027 muss jede Gemeinde mindestens 280 % verlangen (§ 16 Abs. 4 Satz 2, § 36 Abs. 5b GewStG), Monheim am Rhein mit bisher 250 % muss erhöhen. Ab 2028 sinkt die Körperschaftsteuer jedes Jahr um einen Prozentpunkt bis auf 10 % ab 2032 (§ 23 Abs. 1 KStG). Die halbe Hinzurechnung für geleaste Elektrofahrzeuge und Fahrräder gilt letztmals für 2030 (§ 36 Abs. 4 GewStG).

Quellen

  1. Gewerbesteuergesetz (GewStG): Steuerpflicht, Gewerbeertrag, Hebesatz, Vorauszahlungen, Zerlegung gesetze-im-internet.de
  2. § 11 GewStG: Freibetrag 24.500 € und 5.000 €, Steuermesszahl 3,5 % gesetze-im-internet.de
  3. § 8 GewStG: Hinzurechnungen, Freibetrag 200.000 € gesetze-im-internet.de
  4. § 9 GewStG: Kürzungen gesetze-im-internet.de
  5. § 10a GewStG: Gewerbeverlust gesetze-im-internet.de
  6. § 36 GewStG: Mindesthebesatz ab 2027, Elektrofahrzeuge gesetze-im-internet.de
  7. § 35 EStG: Steuerermäßigung bei Einkünften aus Gewerbebetrieb gesetze-im-internet.de
  8. § 15 EStG: Gewerbebetrieb, Abfärbung, gewerbliche Prägung gesetze-im-internet.de
  9. § 25 GewStDV: Pflicht zur Gewerbesteuererklärung gesetze-im-internet.de
  10. Gewerbesteuer-Richtlinien 2009, R 11.1: Freibetrag je Betrieb, auch im Gründungsjahr voll datenbank.nwb.de
  11. Gewerbesteuer-Richtlinien 2009, R 2.4: mehrere Betriebe eines Unternehmers datenbank.nwb.de
  12. Finanzministerium Rheinland-Pfalz: Ablauf der Steuererklärungsfristen: Fristen für 2020 bis 2025 fm.rlp.de
  13. § 23 KStG: Körperschaftsteuersatz bis 2032 gesetze-im-internet.de
  14. BFH, Urteil vom 10.09.2015, IV R 8/13: Gewerbesteuer als Betriebsausgabe ausgeschlossen, verfassungsgemäß bundesfinanzhof.de
  15. BVerfG, Beschluss vom 23.07.2025, 2 BvL 19/14: Mindestgewinnbesteuerung verfassungsgemäß, Pressemitteilung Nr. 71/2025 bundesverfassungsgericht.de
  16. Statistisches Bundesamt, Pressemitteilung Nr. 309 vom 21.08.2025: Gewerbesteuer 2024 und durchschnittlicher Hebesatz destatis.de

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