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Grundsteuer-Rechner 2026

Grundsteuer im Jahr = Messbetrag × Hebesatz. Den Messbetrag setzt das Finanzamt fest, den Hebesatz deine Gemeinde, und genau diese zwei Zahlen trägst du oben ein. Hast du nur den Grundsteuerwert, leitet der Rechner den Messbetrag in den elf Ländern mit Bundesmodell selbst her, auch mit den eigenen Messzahlen von Berlin, Bremen, Sachsen und dem Saarland. Für Baden-Württemberg, Bayern, Hamburg, Hessen und Niedersachsen steht unten je ein Rechenweg mit Beispiel.

Stand: So werden die Rechner geprüft

Grundsteuer-Rechner

Grundsteuer pro Jahr

1.645,00 €

monatlich 137,08 € · quartalsweise 411,25 €

Messbetrag 350,00 € mal Hebesatz 470 % ergibt eine Jahres-Grundsteuer von 1.645,00 €, fällig in vier Quartalsraten.

Pro Jahr
1.645,00 €
Pro Quartal
411,25 €
Pro Monat
137,08 €

Hinweis · Die Grundsteuer wird vierteljährlich (15.2./15.5./15.8./15.11.) erhoben. Bei Mietobjekten ist sie auf den Mieter umlagefähig, sie zählt zu den Betriebskosten nach §2 Nr. 1 BetrKV.

Auf dieser Seite
  1. So wird gerechnet
  2. Bundesmodell und Grundsteuerwert
  3. Baden-Württemberg
  4. Bayern und München
  5. Hamburg
  6. Hessen
  7. Niedersachsen
  8. Grundsteuer für 1.000 m²
  9. Wohnung, Mieter, Vermieter
  10. Grundsteuer A
  11. Hebesätze 2024 und 2025
  12. Typische Fehler
  13. Bescheide, Einspruch, Fristen
  14. Ist die neue Grundsteuer rechtens?
  15. Häufige Fragen
  16. Quellen

So wird die Grundsteuer berechnet

Seit dem 1. Januar 2025 gilt das neue Grundsteuerrecht (§ 37 Abs. 1 GrStG). Bewertet wurde nach den Verhältnissen am 1. Januar 2022, gezahlt wird nach den neuen Werten seit 2025. In jedem Land läuft es auf dieselbe Kette hinaus, nur die erste Stufe unterscheidet sich.

  1. BewertenDas Finanzamt stellt den Grundsteuerwert fest (Bundesmodell und Baden-Württemberg) oder die Äquivalenzbeträge aus den Flächen (Bayern, Hamburg, Niedersachsen). Hessen überspringt diese Stufe und setzt gleich den Messbetrag fest.
  2. Messbetrag festsetzenWert mal Steuermesszahl ergibt den Grundsteuermessbetrag (§ 13 GrStG). Er steht im Grundsteuermessbescheid, die Gemeinde bekommt ihn ebenfalls.
  3. Hebesatz anwendenDie Gemeinde multipliziert den Messbetrag mit ihrem Hebesatz (§ 25 GrStG) und schickt dir den Grundsteuerbescheid. In Berlin und Hamburg kommt auch dieser Bescheid vom Finanzamt.

Grundsteuer im Jahr = Grundsteuerwert × Steuermesszahl × Hebesatz ÷ 100
= Messbetrag × Hebesatz ÷ 100

Ein Beispiel aus dem nächsten Abschnitt: 109,06 € Messbetrag mal 470 % Hebesatz ergeben 512,58 € im Jahr. Genau so rechnest du mit dem Messbetrag aus deinem Bescheid, in jedem Bundesland und auch für frühere Jahre.

Es gibt zwei Grundsteuern mit eigenen Hebesätzen: die Grundsteuer A für Betriebe der Land- und Forstwirtschaft und die Grundsteuer B für alle anderen Grundstücke, also auch für Häuser, Wohnungen und Gewerbe (§ 2 GrStG). Die Grundsteuer C ist keine dritte Steuer, sondern ein höherer Sonderhebesatz, den eine Gemeinde für baureife, aber unbebaute Grundstücke festsetzen kann (§ 25 Abs. 5 GrStG).

Abschläge für Denkmäler oder geförderten Wohnraum, die Grundsteuer C und getrennte Hebesätze für Wohnen und Gewerbe bildet der Rechner über deine Eingaben ab: Du nimmst den Messbetrag aus dem Bescheid, in dem die Abschläge schon stecken, und den Hebesatz, der für dein Grundstück gilt.

Bundesmodell: vom Grundsteuerwert zur Grundsteuer

Sieben Länder übernehmen das Bundesmodell unverändert: Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Sachsen-Anhalt, Schleswig-Holstein und Thüringen. Berlin, Bremen, Sachsen und das Saarland bewerten genauso, setzen aber eigene Messzahlen an. Stichtag der Bewertung war der 1. Januar 2022 (§ 266 Abs. 1 BewG). Alle 7 Jahre wird neu bewertet (§ 221 BewG), das nächste Mal auf den 1. Januar 2029 mit Wirkung ab 2031 (§ 16 Abs. 2 GrStG).

Welches Verfahren das Finanzamt nimmt, hängt von der Grundstücksart ab (§ 250 BewG). Ein- und Zweifamilienhäuser, Mietwohngrundstücke und Eigentumswohnungen laufen durch das Ertragswertverfahren. Geschäftsgrundstücke, gemischt genutzte Grundstücke, Teileigentum wie ein eigener Tiefgaragenplatz und sonstige bebaute Grundstücke kommen ins Sachwertverfahren: Herstellungskosten des Gebäudes nach Anlage 42 abzüglich Alterswertminderung, plus Bodenwert, mal Wertzahl aus Anlage 43 (§§ 258 bis 260 BewG). Bei unbebauten Grundstücken zählt nur Fläche mal Bodenrichtwert (§ 247 BewG).

Das Ertragswertverfahren in fünf Schritten:

  1. RohertragDas Gesetz unterstellt eine Nettokaltmiete je m² aus Anlage 39, abhängig von Land, Gebäudeart, Wohnfläche und Baujahr, Stand 1. Januar 2022. Je nach Mietniveaustufe der Gemeinde kommt ein Abschlag bis 20 % oder ein Zuschlag bis 40 % dazu (§ 254 BewG). Deine tatsächliche Miete spielt keine Rolle.
  2. ReinertragDavon gehen pauschale Bewirtschaftungskosten nach Anlage 40 ab, je nach Gebäudeart und Restnutzungsdauer zwischen 18 % und 31 % (§ 255 BewG).
  3. KapitalisierenDen Reinertrag multipliziert das Finanzamt mit dem Vervielfältiger aus Anlage 37. Der hängt vom Liegenschaftszins ab, 2,5 % beim Ein- und Zweifamilienhaus und 3 % bei der Eigentumswohnung (§ 256 BewG), und von der Restnutzungsdauer: 80 Jahre Gesamtnutzungsdauer minus Alter am Stichtag, mindestens 24 Jahre (§ 253 BewG).
  4. Boden dazuFläche mal Bodenrichtwert, beim Ein- und Zweifamilienhaus mit einem Faktor für die Grundstücksgröße aus Anlage 36, abgezinst mit dem Faktor aus Anlage 41 (§ 257 BewG).
  5. AbrundenDie Summe, mindestens 75 % des Bodenwerts (§ 251 BewG), wird auf volle 100 € abgerundet (§ 230 BewG). Das ist dein Grundsteuerwert.
Rechenbeispiel Einfamilienhaus in Berlin, Bundesmodell

Baujahr 1985, 140 m² Wohnfläche, 600 m² Grundstück, keine Garage. Berlin liegt in Mietniveaustufe 4. Am Stichtag war das Haus 37 Jahre alt, bleiben 43 Jahre Restnutzungsdauer.

Nettokaltmiete laut Anlage 39 (Berlin, Einfamilienhaus ab 100 m², Baujahr 1979 bis 1990)
6,63 €/m²
+ 10 % für Mietniveaustufe 4
7,293 €/m²
× 140 m² × 12 Monate = Rohertrag
12.252,24 €
− 21 % Bewirtschaftungskosten (Restnutzungsdauer 43 Jahre)
−2.572,97 €
= Reinertrag
9.679,27 €
× Vervielfältiger 26,17 (2,5 % Zins, 43 Jahre)
253.306,49 €
+ Bodenwert 600 m² × 500 €/m² × 0,95 = 285.000 €, abgezinst mit 0,3458
98.553,00 €
= Ertragswert
351.859,49 €
Grundsteuerwert, auf volle 100 € abgerundet
351.800 €
× Messzahl 0,31 ‰ = Messbetrag
109,06 €
× Hebesatz Berlin 470 % = Grundsteuer im Jahr
512,58 €

Bodenrichtwert zum 1. Januar 2022 angenommen. Die Mietniveaustufe deiner Gemeinde steht in der Mietniveau-Einstufungsverordnung, den Bodenrichtwert zeigt das Bodenrichtwertportal deines Landes. Monatlich sind das 42,72 €.

Liegt der Bodenrichtwert über 500 €/m², sinkt der Liegenschaftszins beim Ein- und Zweifamilienhaus um 0,1 Prozentpunkte je volle 100 €, bis auf 1,5 % (§ 256 Abs. 2 BewG). Ein niedrigerer Zins heißt höherer Vervielfältiger und damit höherer Wert. Bei Eigentumswohnungen beginnt die Absenkung erst ab 2.000 €/m² (Abs. 3). Eine Garage setzt das Gesetz mit einem Festwert von 35 € Monatsmiete an (Anlage 39).

Steuermesszahlen in den Ländern mit Bundesmodell
MesszahlWohnenNichtwohnenUnbebaut
Bundesmodell: BB, MV, NRW, RP, SH, ST, TH0,31 ‰0,34 ‰0,34 ‰
Berlin0,31 ‰0,45 ‰0,45 ‰
Bremen0,31 ‰0,75 ‰0,75 ‰
Sachsen0,36 ‰0,72 ‰0,36 ‰
Saarland0,34 ‰0,64 ‰0,64 ‰

Wohnen: Ein- und Zweifamilienhäuser, Mietwohngrundstücke, Eigentumswohnungen. Nichtwohnen: Geschäftsgrundstücke, gemischt genutzte Grundstücke, Teileigentum und sonstige bebaute Grundstücke. Grundlage: § 15 GrStG, Berliner und Bremisches Grundsteuermesszahlengesetz von 2024, Sächsisches Grundsteuermesszahlengesetz, Saarländisches Grundsteuergesetz. Geförderter Wohnraum und Wohnungen kommunaler oder gemeinnütziger Gesellschaften und Genossenschaften bekommen auf Antrag 25 % Abschlag auf die Messzahl für Wohnen, Baudenkmäler 10 % (§ 15 Abs. 2 bis 6 GrStG).

Den Rechner oben stellst du dafür auf „Aus Grundsteuerwert" und wählst dein Land. Hält das Finanzamt dein Grundstück für viel wertvoller, als es ist, kannst du einen niedrigeren Wert nachweisen: Liegt der Grundsteuerwert mindestens 40 % über dem gemeinen Wert, also dem Verkehrswert, gilt der niedrigere Wert (§ 220 Abs. 2 BewG). Als Nachweis dient ein Gutachten oder ein Kaufpreis aus dem Jahr vor oder nach dem Stichtag.

Baden-Württemberg: Bodenwertmodell

Baden-Württemberg bewertet nur den Boden. Der Grundsteuerwert ist die Grundstücksfläche mal Bodenrichtwert zum 1. Januar 2022 (§ 38 Abs. 1 LGrStG), das Gebäude zählt nicht. Die Messzahl beträgt 1,30 ‰ (§ 40 Abs. 2). Dient das Grundstück überwiegend dem Wohnen, sinkt sie um 30 % auf 0,91 ‰ (Abs. 3). Geförderter Wohnraum und Wohnungen kommunaler oder gemeinnütziger Gesellschaften bekommen weitere 25 % Abschlag (Abs. 4 und 5).

Grundsteuer = Fläche × Bodenrichtwert × 0,91 ‰ × Hebesatz ÷ 100

Rechenbeispiel Einfamilienhaus in Stuttgart, Bodenwertmodell

Dasselbe Haus wie oben, 600 m² Grundstück, angenommener Bodenrichtwert 1.000 €/m². Ob darauf ein Bungalow oder ein großes Haus steht, ändert nichts.

600 m² Grundstück × Bodenrichtwert 1.000 €/m²
600.000 €
× Messzahl 1,30 ‰ − 30 % für Wohnen = 0,91 ‰
546,00 €
× Hebesatz Stuttgart 160 % = Grundsteuer im Jahr
873,60 €
Grundsteuer für Wohngrundstücke in Stuttgart nach Bodenrichtwert und Fläche
Bodenrichtwert300 m²600 m²1.000 m²
500 €/m²218 €437 €728 €
1.000 €/m²437 €874 €1.456 €
1.500 €/m²655 €1.310 €2.184 €
2.000 €/m²874 €1.747 €2.912 €

Grundsteuer im Jahr für ein überwiegend bewohntes Grundstück, auf volle Euro gerundet, Hebesatz Stuttgart 160 %. Für eine andere Gemeinde teilst du durch 160 und multiplizierst mit ihrem Hebesatz.

Stuttgart hat den Hebesatz zum 1. Januar 2025 von 520 % auf 160 % gesenkt, mit dem Ziel, insgesamt gleich viel einzunehmen wie vorher. Der nächste Bewertungsstichtag ist laut Stadt der 1. Januar 2029. Weicht der tatsächliche Wert deines Bodens um mehr als 30 % vom Grundsteuerwert ab, kannst du mit einem qualifizierten Gutachten einen anderen Wert beantragen (§ 38 Abs. 4 LGrStG), etwa vom Gutachterausschuss oder einem zertifizierten Sachverständigen.

Bayern: Flächenmodell, Beispiel München

Bayern fragt weder nach Bodenrichtwert noch nach Baujahr. Es zählen nur die Flächen: 0,04 € je m² Grundstück und 0,50 € je m² Gebäudefläche (Art. 3 BayGrStG). Die Messzahl beträgt 100 %, für Wohnflächen 70 % (Art. 4 Abs. 1). Ein gleich großes Haus kostet in Schwabing deshalb genauso viel wie in Pasing.

Rechenbeispiel Einfamilienhaus in München, Flächenmodell

Dasselbe Haus: 600 m² Grundstück, 140 m² Wohnfläche. Bayern rundet Messbetrag und Steuer jeweils auf volle Cent ab (Art. 1 BayGrStG).

600 m² Grundstück × 0,04 € × 100 %
24,00 €
+ 140 m² Wohnfläche × 0,50 € × 70 %
49,00 €
= Grundsteuermessbetrag
73,00 €
× Hebesatz München 824 % = Grundsteuer im Jahr
601,52 €

Monatlich 50,13 €. München hat den Hebesatz wegen der neuen Berechnungsgrundlage von 535 % (2010 bis 2024) auf 824 % angehoben.

Grundsteuer in München für typische Objekte
Objekt in MünchenMessbetragim Jahr
Wohnung 60 m², Grundanteil 40 m²22,60 €186,22 €
Wohnung 80 m², Grundanteil 60 m²30,40 €250,49 €
Reihenhaus 120 m² auf 250 m²52,00 €428,48 €
Einfamilienhaus 140 m² auf 600 m²73,00 €601,52 €
Einfamilienhaus 140 m² auf 1.000 m²89,00 €733,36 €
Unbebautes Grundstück 600 m²24,00 €197,76 €

Hebesatz München 824 %, Wohnungen mit ihrem Anteil am Grundstück laut Miteigentumsanteil. Ein Tiefgaragen- oder Garagenplatz, der zur Wohnung gehört, bleibt bis 50 m² außer Ansatz.

Ein paar Regeln entscheiden über ein paar Euro mehr oder weniger. Garagen bis 50 m² und Nebengebäude wie ein Gartenhaus bis 30 m² bleiben außer Ansatz, wenn sie zur Wohnung gehören (Art. 2 Abs. 2 und 3). Ein Grundstück mit weniger als 30 m² Gebäudefläche gilt als unbebaut (Abs. 4). Ist ein Wohngrundstück größer als das Zehnfache der Wohnfläche, zählt der Rest nur zu 50 %, und für Flächen über 10.000 m² auf weitgehend unbebauten Grundstücken gilt eine eigene, stark dämpfende Formel (Art. 3 Abs. 1). Baudenkmäler und Wohnungen mit Sozialbindung bekommen 25 % Abschlag auf die Messzahl (Art. 4 Abs. 3 und 4).

Bayern bewertet nicht turnusmäßig neu (Art. 6 Abs. 1). Ändern sich Flächen oder Nutzung, zeigst du das bis zum 31. März des Folgejahres an (Art. 6 Abs. 5 und Art. 7 Abs. 2). Eine Grundsteuer C gibt es in Bayern nicht (Art. 5 Abs. 2).

Hamburg: Wohnlagemodell

Hamburg rechnet mit denselben Flächenbeträgen wie Bayern: 0,04 € je m² Grundstück, 0,50 € je m² Wohn- oder Nutzfläche. Die Messzahl für den Boden beträgt 100 %, für Wohnflächen 70 % und für Nutzflächen seit einem Beschluss der Bürgerschaft von 2024 87 %. Liegt die Wohnung in normaler Wohnlage, sinkt die Messzahl für die Wohnfläche um weitere 25 % (§ 4 HmbGrStG). Ob deine Straße als normale oder gute Lage gilt, steht im Wohnlagenverzeichnis, das sich am Mietenspiegel orientiert. Die meisten Mietwohnungen liegen laut Finanzbehörde in normaler Lage.

Rechenbeispiel Einfamilienhaus in Hamburg, normale Wohnlage

Dasselbe Haus, 600 m² Grundstück und 140 m² Wohnfläche.

600 m² Grundstück × 0,04 € × 100 %
24,00 €
+ 140 m² Wohnfläche × 0,50 € × 70 % × 75 % (normale Wohnlage)
36,75 €
= Grundsteuermessbetrag
60,75 €
× Hebesatz Hamburg 975 % = Grundsteuer im Jahr
592,31 €

In guter Wohnlage fällt der Abschlag weg: Messbetrag 73,00 €, Grundsteuer 711,75 € im Jahr.

In Hamburg kommen alle drei Bescheide vom Finanzamt für Verkehrsteuern und Grundbesitz. Die Hebesätze: Grundsteuer A 100 %, Grundsteuer B 975 % und Grundsteuer C 8.000 %. Die C trifft nur baureife Grundstücke, auf denen ein Mehrfamilienhaus möglich wäre. Ist der Messbetrag nicht höher als 2 €, verzichtet Hamburg ganz auf die Grundsteuer, das sind bei der B bis zu 19,50 € im Jahr.

Hessen: Flächen-Faktor-Verfahren

Hessen nimmt dieselben Flächenbeträge und Messzahlen (100 %, Wohnflächen 70 %) und multipliziert das Ergebnis mit einem Faktor für die Lage (§§ 5 bis 7 HGrStG). Dafür setzt das Finanzamt den Bodenrichtwert deines Grundstücks ins Verhältnis zum durchschnittlichen Bodenrichtwert der Gemeinde und rechnet das hoch 0,3. Der Faktor wird auf zwei Nachkommastellen abgerundet, der Ausgangsbetrag vorher auf volle Euro. Es gibt nur einen Bescheid vom Finanzamt, den Messbescheid.

Messbetrag = (Grundstück × 0,04 € + Wohnfläche × 0,50 € × 70 %) × (Bodenrichtwert ÷ Gemeindeschnitt)0,3

Rechenbeispiel Einfamilienhaus in Wiesbaden

Dasselbe Haus in durchschnittlicher Lage. Wiesbaden folgte mit 690,06 % der Empfehlung des Landes, 2024 lag der Satz bei 492 %.

600 m² × 0,04 € × 100 % + 140 m² × 0,50 € × 70 %
73,00 €
Ausgangsbetrag, auf volle Euro abgerundet
73 €
× Faktor 1,00 (Bodenrichtwert gleich Gemeindeschnitt) = Messbetrag
73,00 €
× Hebesatz Wiesbaden 690,06 % = Grundsteuer im Jahr
503,74 €

Der Exponent dämpft die Lage stark. Ist dein Bodenrichtwert halb so hoch wie der Gemeindeschnitt, beträgt der Faktor 0,81, die Steuer sinkt um 19 %. Ist er doppelt so hoch, steigt sie mit Faktor 1,23 nur um 23 %. Kulturdenkmäler und geförderter Wohnraum bekommen 25 % Abschlag auf die Messzahl. Das Land hat jeder Gemeinde einen aufkommensneutralen Hebesatz empfohlen und alle Empfehlungen veröffentlicht; ob deine Gemeinde darüber liegt, siehst du im Vergleich mit ihrem beschlossenen Satz.

Niedersachsen: Flächen-Lage-Modell

Niedersachsen multipliziert jeden einzelnen Flächenbetrag mit dem Lage-Faktor und rundet auf Cent ab (§ 2 Abs. 3 NGrStG). Der Lage-Faktor ist der Bodenrichtwert des Grundstücks geteilt durch den Durchschnittsbodenwert der Gemeinde, hoch 0,3, abgerundet auf zwei Nachkommastellen (§ 5 Abs. 1). Als Durchschnitt gilt der Median aller Bodenrichtwerte für Bauflächen in der Gemeinde (§ 5 Abs. 3). Bodenrichtwert, Durchschnitt und Lage-Faktor deines Grundstücks zeigt der Grundsteuer-Viewer der Finanzverwaltung (§ 5 Abs. 5). Die Messzahl beträgt 100 %, für Wohnflächen 70 % (§ 6 Abs. 1).

Rechenbeispiel Einfamilienhaus in Hannover

Dasselbe Haus, Bodenrichtwert 20 % über dem Gemeindeschnitt. Daraus ergibt sich der Lage-Faktor 1,05.

600 m² × 0,04 € × Lage-Faktor 1,05 × 100 %
25,20 €
+ 140 m² × 0,50 € × Lage-Faktor 1,05 = 73,50 €, davon 70 %
51,45 €
= Grundsteuermessbetrag
76,65 €
× Hebesatz Hannover 900 % = Grundsteuer im Jahr
689,85 €
Grundsteuer in Hannover nach Lage
BodenrichtwertLage-Faktorim Jahr
halb so hoch wie der Schnitt0,81532,17 €
genau im Gemeindeschnitt1,00657,00 €
20 % über dem Schnitt1,05689,85 €
doppelt so hoch wie der Schnitt1,23808,11 €

Einfamilienhaus mit 140 m² Wohnfläche auf 600 m², Hebesatz Hannover 900 %.

Jede Gemeinde musste ausrechnen und veröffentlichen, welcher Hebesatz ihr Aufkommen gleich hält (§ 7 NGrStG). Hannover kam auf 909,65 % und hat 900 % beschlossen. Die Regeln für Garagen bis 50 m², Nebengebäude bis 30 m² und große Gärten gelten wie in Bayern (§§ 3 und 4 NGrStG), Baudenkmäler und Sozialwohnungen bekommen 25 % Abschlag (§ 6). Bodenrichtwerte und Durchschnitt werden alle 7 Jahre aktualisiert (§ 5 Abs. 4).

Härtefall-Erlass: Antrag für 2025 bis 31. Dezember 2026

In besonders gelagerten Härtefällen kann die Gemeinde die Grundsteuer B ganz oder teilweise erlassen (§ 10 Abs. 2 NGrStG). Gemeint sind vor allem dauerhaft leer stehende frühere Hof- und Wirtschaftsgebäude mit mehr als 300 m² Nutzfläche, unbebaute und dauerhaft ungenutzte Flächen über 3.000 m² wie Wiesen, Teiche oder Moore und Grundstücke, die einem gemeinnützigen Träger für den Sport überlassen sind. Bei Gebäuden und Flächen wird nur der Teil über der Grenze erlassen. Für das Jahr 2025 muss der Antrag bis zum 31. Dezember 2026 bei der Gemeinde sein (§ 10 Abs. 3).

Wie viel Grundsteuer für 1.000 m²?

Eine Pauschale gibt es nicht, weil jedes Land anders rechnet. Die Tabelle zeigt ein unbebautes Grundstück mit 1.000 m² und dasselbe Grundstück mit dem Einfamilienhaus aus den Beispielen (140 m² Wohnfläche, Baujahr 1985) in sechs Städten, jeweils mit dem Hebesatz seit 2025.

Grundsteuer B im Jahr für 1.000 m² in sechs Städten
Stadtunbebautmit Haus
Berlin
Bundesmodell, Bodenrichtwert 500 €/m²
1.057,50 €580,64 €
Stuttgart
Bodenwertmodell, Bodenrichtwert 1.000 €/m²
2.080,00 €1.456,00 €
München
Flächenmodell, Lage zählt nicht
329,60 €733,36 €
Hamburg
Wohnlagemodell, normale Wohnlage
390,00 €748,31 €
Wiesbaden
Flächen-Faktor, Faktor 1,00
276,02 €614,15 €
Hannover
Flächen-Lage, Lage-Faktor 1,05
378,00 €841,05 €

Grundsteuer B im Jahr. In Berlin gilt für unbebaute Grundstücke die Messzahl 0,45 ‰. In Hamburg kann ein baureifes Grundstück, auf dem ein Mehrfamilienhaus möglich ist, unter die Grundsteuer C fallen: Dann kosten die 1.000 m² 3.200 € im Jahr.

Auffällig: In Berlin und Stuttgart kostet das leere Grundstück mehr als das bebaute. Für unbebautes Land gilt dort eine höhere Messzahl (0,45 ‰ statt 0,31 ‰ in Berlin, ohne den Wohnabschlag in Baden-Württemberg), und im Ertragswertverfahren zählt der Boden unter einem Haus nur abgezinst. Der Abstand zwischen den Städten ist groß, weil der Boden so unterschiedlich zählt. In den vier Flächenmodellen bringen 1.000 m² Boden immer 40 € in die Rechnung, danach ändern nur Lage-Faktor und Hebesatz etwas. In Baden-Württemberg wächst die Steuer im gleichen Verhältnis wie der Bodenrichtwert, im Bundesmodell etwas schwächer, weil dort auch die Miete zählt. Gehört die Fläche als Acker, Wiese oder Wald zu einem landwirtschaftlichen Betrieb, fällt stattdessen Grundsteuer A an, und die ist viel niedriger (siehe Grundsteuer A).

Grundsteuer für eine Wohnung: Eigentümer, Mieter, Vermieter

Jede Eigentumswohnung ist ein eigenes Steuerobjekt mit ihrem Anteil am Grundstück laut Miteigentumsanteil. Im Bundesmodell gelten für sie die Mieten der Mietwohngrundstücke aus Anlage 39 und ein Liegenschaftszins von 3 %, ein Größenfaktor für den Boden entfällt.

Rechenbeispiel Eigentumswohnung in Berlin, Bundesmodell

Baujahr 1998, 80 m² Wohnfläche, Anteil am Grundstück 60 m², angenommener Bodenrichtwert 1.400 €/m². Restnutzungsdauer 56 Jahre.

Nettokaltmiete laut Anlage 39 (Berlin, Wohnung 60 bis 100 m², Baujahr 1991 bis 2000)
7,44 €/m²
+ 10 % für Mietniveaustufe 4
8,184 €/m²
× 80 m² × 12 Monate = Rohertrag
7.856,64 €
− 25 % Bewirtschaftungskosten (Restnutzungsdauer 56 Jahre)
−1.964,16 €
= Reinertrag
5.892,48 €
× Vervielfältiger 26,97 (3 % Zins, 56 Jahre)
158.920,19 €
+ Bodenwert 60 m² × 1.400 €/m² = 84.000 €, abgezinst mit 0,1910
16.044,00 €
= Ertragswert
174.964,19 €
Grundsteuerwert, auf volle 100 € abgerundet
174.900 €
× Messzahl 0,31 ‰ = Messbetrag
54,22 €
× Hebesatz Berlin 470 % = Grundsteuer im Jahr
254,83 €

Das sind 21,24 € im Monat oder 0,27 € je m² Wohnfläche und Monat. Dieselbe Wohnung kostet in München mit 30,40 € Messbetrag 250,49 € im Jahr.

Als Mieter zahlst du die Grundsteuer meist über die Nebenkosten. Der Vermieter darf sie umlegen, wenn der Mietvertrag die Betriebskosten erfasst (§ 2 Nr. 1 BetrKV). Ohne andere Vereinbarung wird nach Wohnfläche verteilt (§ 556a Abs. 1 BGB). Abgerechnet wird jährlich, spätestens 12 Monate nach Ende des Abrechnungszeitraums (§ 556 Abs. 3 BGB). Kam der Grundsteuerbescheid erst später, darf der Vermieter nur nachfordern, wenn er die Verspätung nicht zu vertreten hat (Satz 3). Nach einer Abrechnung können beide Seiten die Vorauszahlungen anpassen (§ 560 Abs. 4 BGB). Im Betriebskostenspiegel des Deutschen Mieterbunds lag die Grundsteuer für das Abrechnungsjahr 2024, also noch nach altem Recht, bei 0,18 € je m² und Monat. Deine Abrechnung prüfst du mit dem Nebenkosten-Rechner.

Als Vermieter setzt du die Grundsteuer als Werbungskosten ab (§ 9 Abs. 1 Satz 3 Nr. 2 EStG), soweit der Mieter sie dir nicht erstattet; wie sich das auf deine Steuer auswirkt, zeigt der Vermietungs-Rechner. Fällt die übliche Miete ohne dein Verschulden um mehr als 50 % aus, erlässt die Gemeinde auf Antrag 25 % der Grundsteuer, bei vollem Ausfall 50 % (§ 34 GrStG). Der Antrag muss bis zum 31. März des Folgejahres gestellt sein (§ 35 Abs. 2). Selbstnutzer können die Grundsteuer nicht absetzen.

Grundsteuer A für Land- und Forstwirtschaft

Die Grundsteuer A zahlen Betriebe der Land- und Forstwirtschaft (§ 2 Nr. 1 GrStG). Das Wohnhaus des Landwirts gehört seit der Reform nicht mehr dazu, es fällt unter die Grundsteuer B (§ 232 Abs. 4 Nr. 1 BewG). Bewertet wird der Reinertrag jeder Nutzung mit festen Bewertungsfaktoren (§ 237 BewG mit Anlage 27 und den folgenden Anlagen), der Ertragswert ist das 18,6-fache davon (§ 236 Abs. 4 BewG). Für Acker und Grünland gibt es einen Grundbetrag von 2,52 € je Ar und 0,041 € je Ertragsmesszahl, also Acker- oder Grünlandzahl mal Ar (Anlage 27). Die Messzahl beträgt 0,55 ‰ (§ 14 GrStG). Bayern übernimmt diese Bewertung mit kleinen Ergänzungen (Art. 9 und 10 BayGrStG), Baden-Württemberg hat dieselbe Messzahl (§ 40 Abs. 1 LGrStG).

Rechenbeispiel Ein Hektar Acker, Ackerzahl 50, in München

Ein Hektar sind 100 Ar. Zum Vergleich: Für 1.000 m² Bauland zahlst du in München unbebaut 329,60 €.

100 Ar × 2,52 € Grundbetrag
252,00 €
+ 5.000 Ertragsmesszahlen (Ackerzahl 50 × 100 Ar) × 0,041 €
205,00 €
= Reinertrag
457,00 €
× 18,6 = Ertragswert, abgerundet auf volle 100 €
8.500 €
× Messzahl 0,55 ‰ = Messbetrag
4,68 €
× Hebesatz A München 824 % = Grundsteuer A im Jahr
38,56 €

Im Rechner trägst du dafür den Messbetrag aus dem Bescheid für die Grundsteuer A ein und den Hebesatz A deiner Gemeinde. Die Gemeinden haben für die Grundsteuer A eigene Hebesätze: In Hamburg sind es 100 %, in Hannover 600 %, in Stuttgart 160 %. Fällt der tatsächliche Reinertrag eines Betriebs ohne dein Verschulden um mehr als 50 %, erlässt die Gemeinde auf Antrag 25 %, bei vollem Ausfall 50 % (§ 33 GrStG), aber nur, wenn die Einziehung nach der wirtschaftlichen Lage des Betriebs unbillig wäre.

Hebesätze 2024 und 2025: was sich geändert hat

Den Hebesatz legt jede Gemeinde selbst fest (§ 25 GrStG). Weil die neuen Messbeträge mit den alten nichts zu tun haben, haben viele Gemeinden ihre Sätze für 2025 neu beschlossen, meist mit dem Ziel, insgesamt ungefähr so viel einzunehmen wie vorher. Für dich kann die Grundsteuer trotzdem kräftig steigen oder sinken.

Hebesätze der Grundsteuer B vor und nach der Reform
Stadt, Modell2024seit 2025
Berlin
Bundesmodell
810 %470 %
Hamburg
Wohnlagemodell
540 %975 %
München
Flächenmodell
535 %824 %
Stuttgart
Bodenwertmodell
520 %160 %
Wiesbaden
Flächen-Faktor
492 %690,06 %
Hannover
Flächen-Lage
–900 %

Grundsteuer B. Sätze seit 2025 laut Gemeinde, 2024 laut Destatis-Realsteuervergleich; für die Stadt Hannover weist die Statistik keinen eigenen Wert aus. Je 100 € Messbetrag zahlst du so viele Euro, wie der Hebesatz Prozent hat, in Berlin also 470 €. Vergleichbar sind Hebesätze nur bei gleichem Modell, weil Flächenmodelle viel kleinere Messbeträge liefern.

Grundsteuer 2024 berechnen: Für 2024 und früher gilt das alte Recht weiter (§ 37 Abs. 2 GrStG). Du rechnest mit dem alten Messbetrag aus dem Einheitswertverfahren und dem Hebesatz 2024, also in Berlin zum Beispiel Messbetrag mal 810 %. Den Rechner oben kannst du dafür genauso nutzen. Wer den neuen Messbetrag mit dem alten Hebesatz multipliziert, bekommt eine Zahl, die es nie gab.

Den Beschluss über den Hebesatz kann die Gemeinde bis zum 30. Juni mit Wirkung ab Jahresbeginn fassen (§ 25 Abs. 3 GrStG), deshalb kommen Erhöhungen manchmal mitten im Jahr. Bleibt die Steuer gleich, darf die Gemeinde sie statt mit neuem Bescheid per öffentlicher Bekanntmachung festsetzen (§ 27 Abs. 3). Nach Bundesrecht gilt ein einheitlicher Hebesatz für alle Grundstücke einer Gemeinde (§ 25 Abs. 4). Nordrhein-Westfalen erlaubt seit 2025 getrennte Sätze für Wohn- und Nichtwohngrundstücke, wobei der für Nichtwohnen nicht niedriger sein darf (§ 1 NWGrStHsG). In Niedersachsen musste jede Gemeinde ihren aufkommensneutralen Hebesatz veröffentlichen (§ 7 NGrStG), in Hessen hat das Finanzministerium für jede Gemeinde einen empfohlen.

Typische Fehler beim Nachrechnen

Weicht dein Ergebnis vom Bescheid ab, liegt es fast immer an einem dieser Punkte:

  • Promille als Prozent gelesen. 0,31 ‰ sind 0,00031, nicht 0,0031. Ein Faktor 10 zu viel fällt sofort auf, wenn du das Ergebnis mit dem Bescheid vergleichst.
  • Grundsteuerwert und Messbetrag verwechselt. Der Grundsteuerwert ist meist ein fünf- oder sechsstelliger Betrag, der Messbetrag ein viel kleinerer. Ins Feld „Messbetrag" gehört nur der kleine.
  • Falscher Hebesatz. Der Satz von 2024, der Satz der Nachbargemeinde oder bei unbebautem Bauland der Satz der Grundsteuer C ergeben andere Zahlen.
  • Falsche Messzahl. In Berlin, Bremen, Sachsen und im Saarland gelten eigene Messzahlen, und Garagen oder Gewerbeflächen im Teileigentum sind keine Wohngrundstücke.
  • Heutige Werte statt Stichtagswerte. Bodenrichtwert, Fläche und Nutzung zählen zum 1. Januar 2022, Änderungen erst nach einer Fortschreibung.
  • Grundbesitzabgaben statt Grundsteuer. Steht im Bescheid auch Müll, Abwasser oder Straßenreinigung, ist das mehr als die Grundsteuer.

Bescheide, Einspruch und Fristen

Im Bundesmodell und in Baden-Württemberg bekommst du drei Bescheide: den Grundsteuerwertbescheid und den Messbescheid vom Finanzamt, danach den Grundsteuerbescheid der Gemeinde. In Bayern und Niedersachsen stellt das Finanzamt statt des Grundsteuerwerts die Äquivalenzbeträge fest, in Hessen gibt es nur den Messbescheid. Jeder Bescheid baut auf dem vorigen auf. Einwände gegen Fläche, Baujahr oder Bodenrichtwert musst du deshalb gegen den ersten Bescheid richten, gegen die späteren Bescheide kannst du sie nicht mehr vorbringen (§ 351 Abs. 2 AO).

  • Einspruch gegen die Bescheide des Finanzamts: innerhalb eines Monats nach Bekanntgabe (§ 355 Abs. 1 AO). Ein Brief gilt am vierten Tag nach der Aufgabe zur Post als bekannt gegeben (§ 122 Abs. 2 Nr. 1 AO).
  • Gegen den Bescheid der Gemeinde: je nach Land Widerspruch oder gleich Klage beim Verwaltungsgericht, jeweils innerhalb eines Monats (§§ 70 und 74 VwGO). Was gilt, steht in der Rechtsbehelfsbelehrung. Angreifen kannst du hier nur Hebesatz und Rechnung, nicht die Bewertung.
  • Zahlen musst du trotzdem: Einspruch und Widerspruch halten die Zahlung nicht auf (§ 361 Abs. 1 AO, § 80 Abs. 2 Nr. 1 VwGO). Bestehen ernstliche Zweifel am Bescheid, kannst du beantragen, die Vollziehung auszusetzen (§ 361 Abs. 2 AO).
  • Zahltermine: je ein Viertel am 15. Februar, 15. Mai, 15. August und 15. November (§ 28 Abs. 1 GrStG).
  • Zu spät gezahlt: 1 % Säumniszuschlag je angefangenem Monat auf den auf volle 50 € abgerundeten Betrag (§ 240 AO).

Ist die Einspruchsfrist vorbei und der Wert trotzdem falsch, bleibt die Fortschreibung zur Fehlerbeseitigung (§ 222 Abs. 3 BewG). Sie wirkt aber erst ab dem Jahr, in dem das Finanzamt von dem Fehler erfährt (§ 222 Abs. 4 Nr. 2), und im Bundesmodell nur, wenn der Wert um mehr als 15.000 € abweicht. Wer früh widerspricht, ist besser dran.

Änderungen bis 31. März melden

Baust du an, reißt ab, baust neu oder änderst die Nutzung, musst du das dem Finanzamt gesammelt bis zum 31. März des Folgejahres anzeigen (§ 228 Abs. 2 BewG, in Bayern Art. 6 Abs. 5 BayGrStG). Dasselbe gilt, wenn die Voraussetzungen für eine ermäßigte Messzahl wegfallen (§ 19 Abs. 2 GrStG). Danach gibt es einen neuen Wert und einen neuen Bescheid der Gemeinde.

Ist die neue Grundsteuer rechtens?

Auslöser der Reform war das Bundesverfassungsgericht: Es hat am 10. April 2018 die Einheitswerte für bebaute Grundstücke in den alten Ländern, die noch auf 1964 beruhten, für verfassungswidrig erklärt (1 BvL 11/14). Seit 2025 gilt das neue Recht überall, auch in den neuen Ländern, wo bis dahin Werte von 1935 galten. Das Grundgesetz erlaubt den Ländern, bei der Grundsteuer vom Bundesrecht abzuweichen (Art. 72 Abs. 3 Satz 1 Nr. 7 GG). Fünf haben ein eigenes Modell gewählt, vier weitere nur eigene Messzahlen.

Der Bundesfinanzhof hat das Bundesmodell am 12. November 2025 in drei Musterverfahren bestätigt (II R 25/24, II R 31/24, II R 3/25), am 22. April 2026 auch das Bodenwertmodell in Baden-Württemberg (II R 26/24, II R 27/24). Gegen diese Urteile sind beim Bundesverfassungsgericht Verfassungsbeschwerden anhängig, zum Bundesmodell 1 BvR 472/26 und 1 BvR 551/26, zu Baden-Württemberg 1 BvR 1977/26 und 1 BvR 2005/26. Weitere Revisionen zum Bundesmodell liegen noch beim Bundesfinanzhof.

Über die Ländermodelle hat er noch nicht entschieden. Zu Hamburg (II R 15/25) und Hessen (II R 12/25) verhandelt er am 11. November 2026, zu Bayern sind II R 33/25 und II R 40/25 anhängig. Das Niedersächsische Finanzgericht hat das Flächen-Lage-Modell am 18. Juni 2026 für verfassungsgemäß gehalten (1 K 38/24), die Revision läuft unter II R 21/26.

Ist dein Bescheid noch nicht bestandskräftig, kannst du Einspruch einlegen und dich auf eines dieser Verfahren berufen. Das Einspruchsverfahren ruht dann, bis das Gericht entschieden hat (§ 363 Abs. 2 Satz 2 AO). Zahlen musst du trotzdem.

Häufige Fragen

Wo finde ich meinen Grundsteuermessbetrag?
Im Grundsteuermessbescheid des Finanzamts. Er kam meist zusammen mit dem Bescheid über den Grundsteuerwert, in Bayern und Niedersachsen über die Äquivalenzbeträge; Hessen verschickt nur den Messbescheid. Viele Gemeinden drucken den Messbetrag zusätzlich auf den Grundsteuerbescheid. Es ist ein Eurobetrag mit Cent, meist zwei- oder dreistellig. Steht vor dem Komma eine sechsstellige Zahl, hast du den Grundsteuerwert erwischt.
Wie berechne ich die Grundsteuer für 2024?
Für 2024 und die Jahre davor gilt noch das alte Recht mit den Einheitswerten (§ 37 Abs. 2 GrStG). Du nimmst den alten Messbetrag aus dem Messbescheid zum Einheitswert und den Hebesatz, den deine Gemeinde für 2024 beschlossen hatte, in Berlin zum Beispiel 810 %, in München 535 %. Der Rechner oben rechnet das genauso, wenn du beide Zahlen einträgst. Neuen Messbetrag und alten Hebesatz darfst du nicht mischen.
Wie viel Grundsteuer zahlt man für 1.000 m² Grundstück?
Das hängt vor allem vom Landesmodell ab. Unbebaut kosten 1.000 m² in den Beispielen hier zwischen 276,02 € und 2.080 € im Jahr, mit Einfamilienhaus zwischen 580,64 € und 1.456 €. In Bayern sind es unbebaut 329,60 € in München, egal wie teuer der Boden ist. In Baden-Württemberg und im Bundesmodell steigt die Steuer mit dem Bodenrichtwert. Die Tabelle für 1.000 m² zeigt alle sechs Fälle mit ihren Annahmen.
Was ist der Unterschied zwischen Grundsteuer A, B und C?
Die Grundsteuer A zahlen Betriebe der Land- und Forstwirtschaft (§ 2 Nr. 1 GrStG), die Grundsteuer B alle übrigen Grundstücke, also auch Häuser, Wohnungen und Gewerbe (§ 2 Nr. 2). Für A und B hat jede Gemeinde einen eigenen Hebesatz. Die Grundsteuer C ist ein höherer Sonderhebesatz für baureife, aber unbebaute Grundstücke (§ 25 Abs. 5 GrStG). Hamburg verlangt dafür 8.000 %, in Bayern ist sie ausgeschlossen (Art. 5 Abs. 2 BayGrStG).
Was sind Grundbesitzabgaben?
So heißt der Bescheid, mit dem viele Gemeinden die Grundsteuer und die Gebühren für das Grundstück gemeinsam anfordern, etwa für Müllabfuhr, Straßenreinigung oder Abwasser. Die Gebühren richtet die Gemeinde nach ihren Satzungen aus, mit der Grundsteuer haben sie nur den Bescheid gemeinsam. Der Rechner zeigt allein den Grundsteueranteil. Vermieter dürfen beides als Betriebskosten umlegen (§ 2 Nr. 1, 3 und 8 BetrKV), wenn der Mietvertrag das vorsieht.
Wer zahlt die Grundsteuer, wenn ich im Laufe des Jahres verkaufe?
Gegenüber der Gemeinde der Verkäufer für das ganze Jahr. Steuerschuldner ist, wem das Grundstück bei der Feststellung zugerechnet ist, mehrere Eigentümer schulden gemeinsam (§ 10 GrStG). Maßgeblich sind die Verhältnisse am 1. Januar (§ 9 GrStG), und das Finanzamt rechnet das Grundstück dem Käufer erst ab dem folgenden 1. Januar zu (§ 222 Abs. 2 und 4 BewG). Im Kaufvertrag vereinbart ihr meist, dass der Käufer seinen Anteil ab Übergabe erstattet. Rückstände bleiben am Grundstück hängen: Es haftet als öffentliche Last (§ 12 GrStG), und der Käufer haftet für die Steuer seit Beginn des Vorjahres mit (§ 11 Abs. 2). Bei einer Erbschaft gehen offene Grundsteuerschulden auf die Erben über (§ 45 AO).
Darf mein Vermieter die Grundsteuer auf mich umlegen?
Ja, wenn der Mietvertrag die Umlage der Betriebskosten vorsieht. Die Grundsteuer steht in § 2 Nr. 1 der Betriebskostenverordnung. Ohne anderen Schlüssel wird nach Wohnfläche verteilt (§ 556a Abs. 1 BGB). Steigt die Grundsteuer, geht die Erhöhung in die nächste Abrechnung. Kommt der Grundsteuerbescheid erst nach Ablauf der Abrechnungsfrist, darf der Vermieter nur nachfordern, wenn er die Verspätung nicht zu vertreten hat (§ 556 Abs. 3 Satz 3 BGB).
Kann ich die Grundsteuer auf einmal zahlen?
Ja. Auf Antrag zahlst du den Jahresbetrag in einer Summe am 1. Juli (§ 28 Abs. 3 GrStG). Der Antrag muss bis zum 30. September des Vorjahres bei der Gemeinde sein und gilt, bis du ihn änderst. Für Kleinbeträge kann die Gemeinde andere Termine bestimmen: bis 15 € im Jahr alles am 15. August, bis 30 € je die Hälfte am 15. Februar und 15. August (§ 28 Abs. 2 GrStG).
Kann ich die Grundsteuer von der Steuer absetzen?
Als Vermieter ja: Sie gehört zu den Werbungskosten bei den Einkünften aus Vermietung (§ 9 Abs. 1 Satz 3 Nr. 2 EStG), soweit du sie nicht über die Nebenkosten vom Mieter zurückbekommst. Wohnst du selbst im eigenen Haus oder in der eigenen Wohnung, kannst du sie nicht absetzen.
Bekomme ich Grundsteuer erlassen, wenn meine Wohnung leer steht?
Teilweise und nur auf Antrag. Fällt die übliche Miete ohne dein Verschulden um mehr als 50 % aus, erlässt die Gemeinde 25 % der Grundsteuer, bei vollem Ausfall 50 % (§ 34 GrStG). Der Antrag muss bis zum 31. März des Folgejahres bei der Gemeinde sein (§ 35 Abs. 2). Ob du den Leerstand zu vertreten hast, prüft die Gemeinde; leg deine Vermietungsbemühungen gleich bei.
Muss ich nach einem Umbau eine neue Erklärung abgeben?
Ja, eine Anzeige: Änderungen, die sich auf den Grundsteuerwert, die Vermögensart oder die Grundstücksart auswirken, meldest du dem Finanzamt gesammelt bis zum 31. März des Folgejahres (§ 228 Abs. 2 BewG), in Bayern ebenso (Art. 6 Abs. 5 BayGrStG). Das gilt für Anbau, Abriss, Neubau oder eine andere Nutzung. Einen neuen Grundsteuerwert gibt es im Bundesmodell aber erst, wenn er um mehr als 15.000 € vom alten abweicht (§ 222 Abs. 1 BewG).

Quellen

  1. Grundsteuergesetz (GrStG): Messbetrag § 13, Messzahlen §§ 14 und 15, Hebesatz § 25, Fälligkeit § 28, Erlass §§ 32 bis 35 gesetze-im-internet.de
  2. Bewertungsgesetz, §§ 218 bis 266 mit Anlagen 27 und 36 bis 43: Grundsteuerwert im Bundesmodell, Ertrags- und Sachwertverfahren gesetze-im-internet.de
  3. Mietniveau-Einstufungsverordnung (MietNEinV): Mietniveaustufe jeder Gemeinde gesetze-im-internet.de
  4. Abgabenordnung, §§ 45, 122, 240, 351, 355, 361, 363: Erben, Bekanntgabe, Säumniszuschlag, Einspruch, Ruhen des Verfahrens gesetze-im-internet.de
  5. Betriebskostenverordnung, § 2: Grundsteuer als Betriebskosten gesetze-im-internet.de
  6. Berliner Grundsteuermesszahlengesetz (BlnGrStMG): GVBl. 2024 S. 422 berlin.de
  7. Bremisches Grundsteuermesszahlengesetz (BremGrStMG): Brem.GBl. 2024 Nr. 102 gesetzblatt.bremen.de
  8. Landesgrundsteuergesetz Baden-Württemberg (LGrStG): § 38 Bewertung, § 40 Messzahlen landesrecht-bw.de
  9. Bayerisches Grundsteuergesetz (BayGrStG): GVBl. 2021 S. 638, Art. 1 bis 8 verkuendung-bayern.de
  10. Finanzbehörde Hamburg: Fragen und Antworten zur neuen Grundsteuer: Messzahlen, Wohnlage, Hebesätze A, B und C hamburg.de
  11. Hessen: Anwendungserlass zum Hessischen Grundsteuergesetz: StAnz. 2022 S. 642, Flächen-Faktor-Verfahren finanzamt.hessen.de
  12. Niedersächsisches Grundsteuergesetz (NGrStG): Fassung ab 26.06.2026, §§ 2 bis 7 und 10 voris.wolterskluwer-online.de
  13. Grundsteuerhebesatzgesetz Nordrhein-Westfalen (NWGrStHsG): getrennte Hebesätze für Wohnen und Nichtwohnen recht.nrw.de
  14. Senatsverwaltung für Finanzen Berlin: Hebesatz 470 %: Beschluss im Abgeordnetenhaus berlin.de
  15. Landeshauptstadt München: Hebesätze: Grundsteuer A und B seit 1965 stadt.muenchen.de
  16. Landeshauptstadt Stuttgart: Hebesätze ab 2025: Pressemitteilung vom 21.11.2024 stuttgart.de
  17. Landeshauptstadt Wiesbaden: Hebesatz Grundsteuer B: Pressemitteilung vom 08.01.2025 wiesbaden.de
  18. Landeshauptstadt Hannover: Hebesatzsatzung: mit aufkommensneutralem Hebesatz nach § 7 NGrStG hannover.de
  19. Hessisches Finanzministerium: Hebesatzempfehlungen: Pressekonferenz vom 06.06.2024 finanzen.hessen.de
  20. Destatis: Realsteuervergleich 2024: Hebesätze der Gemeinden 2024 destatis.de
  21. Deutscher Mieterbund: Betriebskostenspiegel: Abrechnungsjahr 2024 mieterbund.de
  22. Bundesfinanzhof: Im Fokus Grundsteuer: entschiedene und anhängige Verfahren, Verfassungsbeschwerden bundesfinanzhof.de
  23. Niedersächsisches Finanzgericht, Urteil vom 18.06.2026, 1 K 38/24: Pressemitteilung finanzgericht.niedersachsen.de
  24. BVerfG, Urteil vom 10.04.2018, 1 BvL 11/14: Einheitswerte verfassungswidrig bundesverfassungsgericht.de

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