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Wann der Mutterschutz beginnt und endet
Maßgeblich ist der errechnete Termin aus der Bescheinigung deiner Frauenärztin oder Hebamme. Die Schutzfrist beginnt 6 Wochen vorher, rechnerisch mit der 35. Schwangerschaftswoche (34+0). Bei einem Termin am Montag, 15. Februar 2027 ist das der Montag, 4. Januar 2027. Kommt das Kind pünktlich, endet der Mutterschutz am Montag, 12. April 2027.
Vor der Geburt darfst du weiterarbeiten, wenn du das ausdrücklich willst, und diese Erklärung jederzeit zurücknehmen (§ 3 Abs. 1 MuSchG). Solange du dafür Gehalt bekommst, ruht das Mutterschaftsgeld (§ 24i Abs. 4 SGB V). Nach der Geburt ist Arbeit verboten, auch wenn du selbst möchtest. Ausnahmen gelten nur für Schülerinnen und Studentinnen, die es ausdrücklich verlangen, und nach dem Tod des Kindes (§ 3 Abs. 3 und 4 MuSchG).
| Fall | Vor der Geburt | Nach der Geburt | Tage mit Geld |
|---|---|---|---|
| Geburt am errechneten Termin | 6 Wochen | 8 Wochen | 99 |
| Kind kommt früher | kürzer | 8 Wochen plus die verlorenen Tage | 99 |
| Kind kommt später | länger | 8 Wochen | 99 plus Verspätung |
| Mehrlinge, Frühgeburt mit Attest | 6 Wochen | 12 Wochen plus die verlorenen Tage | 127 |
| Behinderung des Kindes, auf Antrag | 6 Wochen | 12 Wochen | 127 |
| Totgeburt | 6 Wochen | 8 Wochen plus verlorene Tage, nie 12 | 99 |
| Fehlgeburt ab der 13. Woche | – | 2, 6 oder 8 Wochen | je nach Frist |
Der Tag der Geburt zählt extra: Geld gibt es für beide Schutzfristen und den Entbindungstag (§ 19 Abs. 1, § 20 Abs. 1 MuSchG). Grundlage der Fristen ist § 3 MuSchG.
Kommt das Kind früher, geht dir nichts verloren. Die Tage, die vor der Geburt fehlen, hängen am Ende dran (§ 3 Abs. 2 Satz 3 MuSchG). Der Mutterschutz endet deshalb am selben Tag wie bei einer pünktlichen Geburt. Kommt es 5 Tage später, verlängert sich die Frist davor, und du hast 104 Tage bis zum 17. April 2027.
- Errechneter Termin
- 15.02.2027
- Beginn der Schutzfrist, 6 Wochen vorher
- 04.01.2027
- Geburt, 10 Tage früher
- 05.02.2027
- Schutzfrist vor der Geburt
- 32 Tage
- Tag der Geburt
- 1 Tag
- Schutzfrist danach: 56 + 10 Tage
- 66 Tage
- Ende des Mutterschutzes
- 12.04.2027
- Tage mit Mutterschaftsgeld
- 99
Frühgeburt, Mehrlinge, Behinderung
Die Frist nach der Geburt verlängert sich auf 12 Wochen bei Zwillingen und anderen Mehrlingen und bei einer Frühgeburt. Als Frühgeburt zählt nach dem Leitfaden des Bundesfamilienministeriums ein Kind unter 2.500 Gramm oder eines, das wegen noch nicht ausgebildeter Reifezeichen deutlich mehr Pflege braucht. Das bescheinigt die Ärztin oder der Arzt. Kommt ein Kind vor der 37. Woche, erfüllt diese Kriterien aber nicht, bleibt es bei 8 Wochen plus den verlorenen Tagen. Wird innerhalb der ersten 8 Wochen eine Behinderung festgestellt, kannst du die 12 Wochen beantragen, beim Arbeitgeber oder bei der Krankenkasse.
Totgeburt und Fehlgeburt
Als Totgeburt gilt ein Kind ab 500 Gramm oder ab der 24. Schwangerschaftswoche. Rechtlich ist das eine Entbindung mit den normalen Fristen, nur die Verlängerung auf 12 Wochen gibt es nicht (§ 3 Abs. 2 Satz 5 MuSchG). Kommt das Kind vor dem Termin tot zur Welt, hängen die verlorenen Tage trotzdem an der Frist danach (Satz 3). Wenn du es ausdrücklich willst und ärztlich nichts dagegen spricht, darfst du ab der dritten Woche wieder arbeiten.
Seit dem 1. Juni 2025 gibt es auch nach einer Fehlgeburt eine Schutzfrist: ab der 13. Woche 2 Wochen, ab der 17. Woche 6 Wochen, ab der 20. Woche 8 Wochen (§ 3 Abs. 5 MuSchG). Du kannst trotzdem arbeiten, wenn du das ausdrücklich erklärst. Greift die Schutzfrist, gibt es dafür Mutterschaftsgeld und als Angestellte den Zuschuss. Kündigen darf dir der Arbeitgeber 4 Monate lang nicht (§ 17 Abs. 1 MuSchG). Beides setzt voraus, dass er von der Fehlgeburt erfährt. Ob du es ihm sagst, entscheidest du.
So wird das Mutterschaftsgeld berechnet
- 13 €Mutterschaftsgeld der Krankenkasse je Kalendertag, höchstens§ 24i Abs. 2 SGB V
- 210 €vom Bundesamt für Soziale Sicherung für die ganze Zeit, wenn du angestellt, aber nicht selbst Kassenmitglied bist§ 19 Abs. 2 MuSchG
- 99 Tagemit Mutterschaftsgeld im Regelfall, 127 bei 12 Wochen nach der Geburt§ 3 MuSchG
- 100 %des Zuschusses bekommt der Arbeitgeber aus der Umlage U2 zurück§ 1 Abs. 2 AAG
Mutterschaftsgeld und Zuschuss ersetzen zusammen dein Netto. Grundlage sind die letzten 3 abgerechneten Kalendermonate vor Beginn der Schutzfrist.
- Netto zusammenzählenAddiere das Netto der drei Monate, ohne Einmalzahlungen wie Weihnachts- oder Urlaubsgeld.
- Durch 90 teilenJeder Monat zählt mit 30 Tagen, bei Wochenlohn teilt man durch 91. Das Ergebnis ist dein Netto je Kalendertag.
- 13 € zahlt die KrankenkasseMehr zahlt sie nicht, auch bei hohem Gehalt.
- Den Rest zahlt der ArbeitgeberDer Zuschuss füllt die Lücke bis zu deinem Netto, für jeden Tag der Schutzfristen und den Tag der Geburt.
Zuschuss je Tag = Netto der drei Monate ÷ 90 − 13 €
Der Leitfaden zum Mutterschutz des Bundesfamilienministeriums rechnet mit 975 € Netto im Monat: 2.925 € in drei Monaten, geteilt durch 90, ergibt 32,50 € am Tag. Davon zahlt die Kasse 13 €, der Arbeitgeber 19,50 €. Der Rechner oben kommt auf dieselben Beträge.
Was beim Netto zählt
- Gehaltserhöhung: Wird sie in den drei Monaten dauerhaft wirksam, rechnet der Arbeitgeber für alle drei Monate mit dem neuen Gehalt. Kommt sie später, zählt sie ab ihrem Beginn (§ 21 Abs. 4 MuSchG).
- Fehlzeiten und Kurzarbeit: Monate ohne Lohn wegen unverschuldeter Fehlzeiten bleiben außen vor, Kürzungen durch Kurzarbeit ebenso. Hast du erst kürzer als drei Monate dort gearbeitet, zählt die kürzere Zeit (§ 21 Abs. 1 und 2).
- Mehrere Arbeitgeber: Die Nettobeträge werden zusammengerechnet. Jeder Arbeitgeber zahlt den Teil des Zuschusses, der seinem Anteil am Netto entspricht (§ 20 Abs. 2).
- Netto unter 390 € im Monat: Dann bleibt dein Netto je Tag unter 13 €. Die Kasse zahlt es allein, einen Zuschuss gibt es nicht.
§ 19 MuSchG: wer das Mutterschaftsgeld zahlt
- Absatz 1: Bist du Mitglied einer gesetzlichen Krankenkasse, zahlt sie das Mutterschaftsgeld nach dem SGB V für die Schutzfristen und den Tag der Geburt, höchstens 13 € am Tag (§ 24i SGB V).
- Absatz 2 Satz 1 und 2: Bist du nicht selbst Mitglied, etwa privat oder familienversichert, zahlt der Bund. Insgesamt gibt es höchstens 210 €, auf Antrag beim Bundesamt für Soziale Sicherung.
- Absatz 2 Satz 3: Endet dein Arbeitsverhältnis durch eine Kündigung, die die Arbeitsschutzbehörde ausnahmsweise erlaubt hat (§ 17 Abs. 2), bekommst du das Mutterschaftsgeld auch für die Zeit danach.
Den Unterschied zu deinem Netto zahlt der Arbeitgeber als Zuschuss (§ 20 MuSchG), mit der Formel oben.
Jeder Arbeitgeber zahlt ihn und bekommt ihn in voller Höhe über die Umlage U2 von der Krankenkasse zurück (§ 1 Abs. 2 AAG). Für Minijobs ist die Knappschaft-Bahn-See zuständig, die U2-Umlage liegt dort 2026 bei 0,22 % des Verdiensts.
Drei Beispiele
Alle drei sind gerechnet mit Geburt am errechneten Termin und 8 Wochen danach, mit demselben Rechenkern wie oben.
- Netto im Monat, Schnitt der letzten drei Monate
- 2.200,00 €
- ÷ 30 = Netto je Kalendertag
- 73,33 €
- davon Krankenkasse, höchstens 13 €
- 13,00 €
- davon Arbeitgeber: 73,33 € − 13 €
- 60,33 €
- Krankenkasse für 99 Tage
- 1.287,00 €
- Arbeitgeber für 99 Tage
- 5.972,67 €
- Zusammen
- 7.259,67 €
Davon stehen dir 4.179,81 € ab dem Tag der Geburt zu. Diesen Teil rechnet die Elterngeldstelle aufs Elterngeld an.
Das Bundesamt zahlt höchstens 210 € für die ganze Zeit. Der Arbeitgeber zieht beim Zuschuss trotzdem 13 € am Tag ab.
- Netto je Kalendertag
- 73,33 €
- Arbeitgeber je Tag, gerechnet ab 13 €
- 60,33 €
- Arbeitgeber für 99 Tage
- 5.972,67 €
- Bundesamt für Soziale Sicherung, einmal
- 210,00 €
- Zusammen
- 6.182,67 €
- Weniger als mit gesetzlicher Kasse
- −1.077,00 €
Ein Krankentagegeld kann die Lücke von 1.077,00 € ganz oder teilweise schließen, wenn dein Vertrag eins enthält. Der Versicherer muss es auch in den Schutzfristen zahlen, rechnet Mutterschaftsgeld und Zuschuss aber an (§ 192 Abs. 5 VVG).
Du arbeitest im Minijob an der Grenze von 603 € im Monat und zahlst den eigenen Rentenbeitrag. Über die Familienversicherung bist du nicht selbst Mitglied der Kasse.
- Minijob-Verdienst im Monat
- 603,00 €
- − eigener Rentenbeitrag 3,6 %
- −21,71 €
- = Netto
- 581,29 €
- Netto je Kalendertag
- 19,38 €
- Arbeitgeber je Tag: 19,38 € − 13 €
- 6,38 €
- Arbeitgeber für 99 Tage
- 631,62 €
- Bundesamt für Soziale Sicherung, einmal
- 210,00 €
- Zusammen
- 841,62 €
Wärst du selbst Mitglied einer Krankenkasse, etwa studentisch versichert, bekämst du 1.287,00 € von der Kasse statt der 210 € vom Bundesamt.
Selbstständig, Minijob, Studium: wer was bekommt
Das Mutterschutzgesetz gilt für Angestellte und Auszubildende, auch im Minijob und in der Probezeit (§ 1 Abs. 2 MuSchG). Für Schülerinnen und Studentinnen gilt der Gesundheitsschutz bei Pflichtveranstaltungen und Pflichtpraktika, Kündigungsschutz und Geld aus dem Gesetz aber nicht. Wie viel du in den Schutzfristen bekommst, hängt davon ab, wie du versichert bist.
| Deine Lage | Was du in den Schutzfristen bekommst |
|---|---|
| Angestellt, gesetzlich versichert | Bis 13 € am Tag von der Kasse, dazu den Zuschuss bis zum Netto |
| Angestellt, privat versichert | Höchstens 210 € vom Bundesamt, den Zuschuss ab 13 € am Tag, falls vereinbart Krankentagegeld |
| Minijob, familienversichert | Höchstens 210 € vom Bundesamt und den Zuschuss, wenn das Netto über 13 € am Tag liegt |
| Minijob, selbst Kassenmitgliedetwa studentisch versichert | Bis 13 € am Tag von der Kasse und gegebenenfalls den Zuschuss |
| Selbstständig, gesetzlich mit Krankengeld | Mutterschaftsgeld in Höhe des Krankengeldes, ohne Wartezeit |
| Selbstständig, privat mit Krankentagegeld | Das vereinbarte Krankentagegeld für die Schutzfristen (§ 192 Abs. 5 VVG) |
| Arbeitslos mit Arbeitslosengeld | Mutterschaftsgeld in Höhe des Arbeitslosengeldes |
| Grundsicherungsgeld | Kein Mutterschaftsgeld, dafür einen Mehrbedarf |
| Studentin ohne Job | Kein Mutterschaftsgeld, die studentische Versicherung hat kein Krankengeld |
Nach § 19 MuSchG, § 24i SGB V und der Übersicht im Leitfaden zum Mutterschutz. Beamtinnen fallen nicht unter das Gesetz (§ 1 Abs. 3), für sie gilt das Beamtenrecht, die Bezüge laufen weiter.
Selbstständige
Wer als Selbstständige freiwillig gesetzlich versichert ist und Krankengeld mitversichert hat, bekommt Mutterschaftsgeld in Höhe des Krankengeldes (§ 24i Abs. 2 SGB V). Das sind 70 % des Einkommens, nach dem die Beiträge bemessen werden. Bei 3.000 € im Monat sind das 70 € am Tag, für 99 Tage 6.930 €. Einkommen über der Beitragsbemessungsgrenze von 5.812,50 € zählt nicht mit, deshalb gibt es höchstens 135,63 € am Tag. Ohne Krankengeld in der Versicherung gibt es nichts.
Privat Versicherte mit Krankentagegeld bekommen es auch in den Schutzfristen, soweit sie keinen anderen angemessenen Ersatz haben (§ 192 Abs. 5 VVG). Versicherer dürfen dafür eine Wartezeit von bis zu acht Monaten ab Vertragsschluss vorsehen. Wer schon schwanger ist, sollte vor dem Abschluss klären, ab wann gezahlt wird.
Grundsicherungsgeld und befristeter Vertrag
Beim Grundsicherungsgeld, bis Juni 2026 Bürgergeld, gibt es kein Mutterschaftsgeld. Stattdessen erkennt das Jobcenter ab der 13. Schwangerschaftswoche bis zum Ende des Geburtsmonats einen Mehrbedarf von 17 % des Regelbedarfs an, bei Alleinstehenden 95,71 € im Monat (§ 21 Abs. 2 SGB II). Geld für die Erstausstattung bei Schwangerschaft und Geburt kommt dazu (§ 24 Abs. 3 SGB II).
Ein befristeter Vertrag endet auch im Mutterschutz zum vereinbarten Tag. Ab dann zahlt die Kasse gesetzlich Versicherten Mutterschaftsgeld in Höhe des Krankengeldes, der Zuschuss fällt weg. Kündigt der Arbeitgeber mit Erlaubnis der Behörde oder wird er zahlungsunfähig, übernimmt die Krankenkasse oder das Bundesamt den Zuschuss (§ 20 Abs. 3 MuSchG).
Wieder schwanger in der Elternzeit
Aus einem Job, der wegen der Elternzeit ruht, gibt es keinen Zuschuss (§ 22 MuSchG). Du darfst die Elternzeit aber ohne Zustimmung des Arbeitgebers beenden, um die Schutzfristen zu nehmen (§ 16 Abs. 3 BEEG). Dann zahlt er den Zuschuss wieder. Rückwirkend geht das nicht, sag also rechtzeitig vor dem Mutterschutz Bescheid. Hast du in der Elternzeit in Teilzeit gearbeitet, zählt dieses Gehalt nicht, wenn der Schnitt ohne diese Zeit höher ist (§ 21 Abs. 2 Nr. 3 MuSchG).
Steuer, Elterngeld und Elternzeit
Mutterschaftsgeld und Zuschuss sind steuerfrei (§ 3 Nr. 1 Buchst. a und d EStG), Sozialbeiträge fallen nicht an. Beides erhöht aber den Steuersatz auf dein übriges Einkommen, den sogenannten Progressionsvorbehalt (§ 32b EStG). Liegen solche Leistungen im Jahr über 410 €, musst du eine Steuererklärung abgeben (§ 46 Abs. 2 Nr. 1 EStG). Dabei kann eine Nachzahlung herauskommen.
- Zu versteuerndes Einkommen aus dem übrigen Jahr (angenommen)
- 25.000 €
- Einkommensteuer darauf ohne Mutterschaftsgeld
- 2.850 €
- Mutterschaftsgeld und Zuschuss aus Beispiel 1, zählen nur für den Steuersatz
- 7.259,67 €
- Steuersatz, gerechnet mit 32.259,67 €
- 15,0718 %
- Einkommensteuer: 25.000 € × 15,0718 %
- 3.767 €
- Mehr Steuer durch den Progressionsvorbehalt
- 917 €
Solidaritätszuschlag und Kirchensteuer sind nicht mitgerechnet. Ob du am Ende nachzahlst, hängt davon ab, wie viel Lohnsteuer im Jahr schon einbehalten wurde.
Anrechnung aufs Elterngeld
Was dir ab dem Tag der Geburt an Mutterschaftsgeld und Zuschuss zusteht, zieht die Elterngeldstelle vom Elterngeld ab, die bis zu 210 € vom Bundesamt nicht (§ 3 Abs. 1 BEEG). Als gesetzlich Versicherte bekommst du im Mutterschutz dein volles Netto, das Elterngeld beträgt aber nur 65 bis 100 % davon. Deshalb bleibt in den ersten beiden Lebensmonaten, bei 12 Wochen Schutzfrist in den ersten drei, meist nur ein kleiner Rest übrig. Diese Lebensmonate zählen trotzdem als Monate, in denen die Mutter Basiselterngeld bezieht (§ 4 Abs. 4 BEEG).
Kommt das Kind mindestens sechs Wochen vor dem Termin, gibt es zusätzliche Monate Elterngeld, bis zu vier bei einer Geburt 16 Wochen oder mehr vor dem Termin (§ 4 Abs. 5 BEEG).
Elternzeit direkt danach
Willst du im Anschluss an den Mutterschutz in Elternzeit gehen, musst du sie spätestens sieben Wochen vorher in Textform verlangen (§ 16 Abs. 1 BEEG). Bei 8 Wochen Schutzfrist nach der Geburt ist das schon rund eine Woche nach der Geburt. Die Schutzfrist nach der Geburt zählt bei der Mutter auf die drei Jahre Elternzeit (§ 15 Abs. 2 BEEG).
Kündigungsschutz und Beschäftigungsverbot
Vom Beginn der Schwangerschaft bis zum Ende der Schutzfrist nach der Geburt, mindestens aber 4 Monate nach der Entbindung, ist eine Kündigung unzulässig (§ 17 Abs. 1 MuSchG). Bei einer Geburt am Montag, 15. Februar 2027 also mindestens bis zum 15. Juni 2027. Das Verbot gilt auch in der Probezeit und im Minijob, und es erfasst schon Vorbereitungen wie die Suche nach einer dauerhaften Ersatzkraft. Voraussetzung: Der Arbeitgeber weiß von der Schwangerschaft, oder du sagst es ihm innerhalb von 2 Wochen nach der Kündigung. Verpasst du diese Frist ohne eigenes Verschulden, reicht es, die Mitteilung sofort nachzuholen.
Nur die Arbeitsschutzbehörde des Landes kann eine Kündigung ausnahmsweise erlauben, etwa bei einer Betriebsstilllegung. Ohne diese Erlaubnis ist sie unwirksam. Du musst trotzdem innerhalb von drei Wochen beim Arbeitsgericht klagen, sonst gilt sie als wirksam (§§ 4, 7 KSchG). Hat der Arbeitgeber die Erlaubnis beantragt, läuft die Frist erst, wenn dir die Entscheidung der Behörde bekannt gegeben wird.
Erfährst du erst nach den drei Wochen, dass du schon bei der Kündigung schwanger warst, lässt das Gericht die Klage nachträglich zu. Das Bundesarbeitsgericht hat am 3. April 2025 entschieden, dass dafür die frauenärztliche Untersuchung zählt: Ein positiver Test gut zwei Wochen nach der Kündigung zeigte noch nicht, dass die Schwangerschaft schon bei der Kündigung bestand (2 AZR 156/24). Den Antrag stellst du innerhalb von zwei Wochen, nachdem du Bescheid weißt.
Selbst kündigen oder einen Aufhebungsvertrag schließen darfst du jederzeit. Dann endet aber auch der Zuschuss, und beim Arbeitslosengeld droht eine Sperrzeit. Ein befristeter Vertrag verlängert sich durch die Schwangerschaft nicht.
Beschäftigungsverbot und Mutterschutzlohn
Außerhalb der Schutzfristen kann ein Beschäftigungsverbot gelten. Ärztlich, wenn deine Gesundheit oder die des Kindes bei der Arbeit gefährdet ist (§ 16 MuSchG). Betrieblich, wenn der Arbeitgeber eine unverantwortbare Gefährdung weder durch Umgestaltung noch durch einen anderen Arbeitsplatz ausschließen kann (§ 13). Dann zahlt er Mutterschutzlohn: dein durchschnittliches Bruttogehalt der letzten drei abgerechneten Monate vor Beginn der Schwangerschaft (§ 18). Der ist steuer- und beitragspflichtig wie normales Gehalt. Der Arbeitgeber bekommt ihn samt seinen Beiträgen über die U2 erstattet.
Mutterschutzlohn im Monat = Brutto der drei Monate vor der Schwangerschaft ÷ 3
Beginnt die Schwangerschaft im März, zählen Dezember, Januar und Februar. Mit 2.840 €, 3.020 € und 2.960 € brutto sind das 2.940 € im Monat, solange das Verbot gilt. Weihnachts- oder Urlaubsgeld zählt nicht mit, Kürzungen durch Kurzarbeit oder unverschuldete Fehlzeiten bleiben außen vor (§ 21 Abs. 1 und 2 MuSchG). Steigt dein Gehalt dauerhaft, gilt das neue Gehalt (§ 21 Abs. 4). Hast du die Stelle erst nach Beginn der Schwangerschaft angetreten, zählen die ersten drei Monate dort (§ 18 Satz 4).
Ob Beschäftigungsverbot oder Krankschreibung, entscheidet die Ärztin oder der Arzt. Steckt eine Krankheit hinter den Beschwerden, gibt es eine Krankschreibung: 6 Wochen Gehalt und danach Krankengeld. Gefährdet die Arbeit dich oder das Kind, ohne dass du krank bist, gibt es ein Beschäftigungsverbot, und der Mutterschutzlohn läuft ohne zeitliche Grenze. Das Attest dafür darf jede Ärztin und jeder Arzt ausstellen, egal welcher Fachrichtung.
Arbeitszeit und Stillen
- Höchstens 8,5 Stunden am Tag und 90 in der Doppelwoche ab 18 Jahren, nicht mehr als im Vertrag vereinbart (§ 4 MuSchG).
- Keine Nachtarbeit zwischen 20 und 6 Uhr. Bis 22 Uhr nur, wenn du zustimmst, ärztlich nichts dagegen spricht und die Aufsichtsbehörde es genehmigt (§§ 5, 28).
- Sonn- und Feiertage nur, wenn du ausdrücklich zustimmst und unter anderem einen Ersatzruhetag bekommst (§ 6).
- Vorsorgeuntersuchungen während der Arbeitszeit, ohne Lohnabzug und ohne Nacharbeiten (§§ 7, 23).
- Stillzeiten in den ersten 12 Monaten nach der Geburt: mindestens zweimal täglich 30 Minuten oder einmal 60 Minuten, bezahlt (§ 7 Abs. 2).
Häufige Fragen
Wann und wo beantrage ich das Mutterschaftsgeld?
Verfällt mein Urlaub durch den Mutterschutz?
Muss ich meinem Arbeitgeber die Schwangerschaft mitteilen?
Zählt der Mutterschutz für die Rente?
Was kann ich tun, wenn Krankenkasse oder Arbeitgeber nicht richtig zahlen?
Was regelt § 19 MuSchG?
Wie wird der Mutterschutzlohn beim Beschäftigungsverbot berechnet?
Bin ich im Mutterschutz krankenversichert?
Quellen
- § 3 MuSchG: Schutzfristen vor und nach der Entbindung, Fehlgeburt gesetze-im-internet.de
- § 17 MuSchG: Kündigungsverbot gesetze-im-internet.de
- § 19 MuSchG: Mutterschaftsgeld, höchstens 210 € vom Bundesamt gesetze-im-internet.de
- § 20 MuSchG: Zuschuss zum Mutterschaftsgeld, mehrere Arbeitgeber gesetze-im-internet.de
- § 18 MuSchG: Mutterschutzlohn beim Beschäftigungsverbot gesetze-im-internet.de
- § 21 MuSchG: Durchschnittliches Arbeitsentgelt gesetze-im-internet.de
- § 24i SGB V: Mutterschaftsgeld der Krankenkasse, 13 € je Kalendertag gesetze-im-internet.de
- § 1 AAG: Erstattung an den Arbeitgeber (U2) gesetze-im-internet.de
- § 3 BEEG: Anrechnung aufs Elterngeld gesetze-im-internet.de
- Leitfaden zum Mutterschutz, Bundesfamilienministerium: Broschüre, Stand Oktober 2025, mit Rechenbeispiel bmbfsfj.bund.de
- Bundesamt für Soziale Sicherung: Häufige Fragen zum Mutterschaftsgeld: privat und familienversicherte Frauen bundesamtsozialesicherung.de
- BAG, Urteil vom 03.04.2025, 2 AZR 156/24: Pressemitteilung 16/25, nachträgliche Klage nach Kündigung bundesarbeitsgericht.de