§§ 246, 248 BGB · § 20 EStG · § 32d EStG · Stand Mai 2026

Zinseszins-Rechner 2026

Modellrechnung für Endkapital, Verdopplungs-Zeit und Realrendite einer verzinsten Anlage nach K_n = K_0 × (1 + r)^n. Datenbasis: Bundesbank-MFI-Zinsstatistik 04/2026, HVPI-Inflation 2,3 % laut Statistisches Bundesamt Pressemitteilung Nr. 040 vom 30.01.2026, Abgeltungsteuer 26,375 % nach § 32d EStG.

§§ 246, 248 BGB · § 32d EStG

Zinsen + Abgeltungsteuer

Stand 05/2026

Bundesbank · Destatis · MSCI

Fachliche Prüfung durch die Investment- und Steuer-Redaktion am 8. Mai 2026. Verzinsungs-Logik gegen §§ 246, 247, 248 BGB und § 32d EStG abgeglichen; Marktdaten aus Bundesbank-Zinsstatistik 04/2026, Statistisches Bundesamt Pressemitteilung Nr. 040 vom 30.01.2026 und Stiftung Warentest Finanztest 02/2026.

Live · 2026

Endkapital nach 20 Jahren

26.533 €

Eingelegt 10.000 € · Zinsgewinn 16.533 € · Faktor 2,65×

Eingezahlt

10.000 €

Zinsgewinn

16.533 €

Faktor

2,65×

Tipp · Verdoppelungsregel (72er-Regel): Bei 5 % verdoppelt sich dein Kapital ungefähr alle 14,4 Jahre.

Hinweis: Die Modellrechnung verwendet eine konstante Zinsannahme ohne Inflations-Anpassung und ohne Abgeltungsteuer-Abzug. Historische Renditen sind keine Zukunftsprognose im Sinne des § 4 WpHG. Tatsächliche Endkapitale liegen je nach Steuerlast und Inflation um 2 bis 3 % p. a. niedriger als der Nominalwert.

Zinseszins · Mechanik nach §§ 246, 248 BGB

Der Zinseszins beschreibt die Reinvestition fälliger Zinsen — die thesaurierten Erträge tragen ihrerseits Zinsen, das Kapital wächst exponentiell statt linear. Mathematische Grundform: K_n = K_0 × (1 + r)^n. Zivilrechtlich ist die Vorab-Vereinbarung von Zinseszinsen nach § 248 Abs. 1 BGB nichtig — Ausnahme nach § 248 Abs. 2 BGB für Sparkassen, Banken und gewerbliche Kreditinstitute, sodass alle Spar- und Anlageverträge mit Bankpartnern rechtssicher zinseszinsfähig sind. Der gesetzliche Zinssatz beträgt subsidiär 4 % p. a. nach § 246 BGB; für Verzugszinsen gilt der halbjährlich von der Bundesbank festgesetzte Basiszinssatz § 247 BGB (Stand H1/2026: 2,15 %).

Basiszinssatz § 247 BGB 2,15 % · H1/2026 · Bundesbank
HVPI-Inflation 2025 2,3 % · Destatis Nr. 040/2026
Tagesgeld Top-Konditionen 2,8–3,5 % · Stiftung Warentest 02/2026
Abgeltungsteuer effektiv 26,375 % · § 32d Abs. 1 EStG
Sparer-Pauschbetrag 2026 1.000 € / 2.000 € · § 20 Abs. 9 EStG
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Zinseszins-Formel und 72er-Regel

Mathematische Grundform K_n = K_0 × (1+r)^n und die Faustformel für die Verdopplungs-Zeit aus dem natürlichen Logarithmus.

Die exponentielle Wachstumsfunktion ist seit Leonhard Euler im 18. Jahrhundert formalisiert. Albert Einstein soll den Zinseszins als „achtes Weltwunder" bezeichnet haben — die Quellenlage des Zitats ist unsicher (Quote-Investigator 2017 verweist auf Erstbeleg 1983), die mathematische Aussage bleibt aber unstrittig: jede konstante Wachstumsrate r erzeugt nach n Perioden den Faktor (1+r)^n.

72er-Regel · Verdopplungs-Zeit nach Zinssatz

Vergleich der Faustformel 72/r mit der exakten Formel ln(2) / ln(1+r).

Zinssatz p. a. 72er-Regel Exakt · ln(2)/ln(1+r) Abweichung
2 % 36.0 J 35.00 J 1.00 J
3 % 24.0 J 23.45 J 0.55 J
4 % 18.0 J 17.67 J 0.33 J
5 % 14.4 J 14.21 J 0.19 J
6 % 12.0 J 11.90 J 0.10 J
7 % 10.3 J 10.24 J 0.04 J
8 % 9.0 J 9.01 J -0.01 J
10 % 7.2 J 7.27 J -0.07 J

Im Bereich 4 bis 10 % ist die 72er-Regel auf rund 1 % genau. Bei höheren Zinssätzen wird die 70er-Regel präziser, bei sehr niedrigen die 69,3er-Regel (= 100 × ln(2)). Quelle: eigene Berechnung; Mathematik-Konvention.

Praxis-Hinweis. Bei monatlicher Verzinsung wird i = r/12 verwendet, was den Effektivzins minimal anhebt: 5 % nominal jährlich = 5,116 % effektiv bei monatlicher Verzinsung. Der Effektivzins ist Pflichtangabe nach § 6 Preisangabenverordnung bei Verbraucherkrediten.

Sparrate + Endwert-Formel

Erweiterung der Zinseszins-Formel um eine konstante nachschüssige Sparrate — der Standardfall für Sparpläne.

Bei monatlicher Sparrate R, monatlichem Zinssatz i = r/12 und n = Jahre × 12 Monaten lautet die Endwert-Formel der nachschüssigen Rente: K_n = K_0 × (1+i)^n + R × ((1+i)^n − 1) / i. Der erste Summand bildet den Zinseszins der Einmalanlage ab, der zweite die kumulierte Verzinsung der Sparraten. Über lange Laufzeiten dominiert der zweite Summand: bei 200 €/Monat × 35 Jahre × 7 % stammen rund 77 % des Endkapitals aus thesaurierten Erträgen.

Sparrate-Hebel · 7 % p. a. · monatliche Verzinsung

Endkapital, Eingezahlt und Hebel-Faktor bei verschiedenen Konfigurationen.

Sparrate Laufzeit Eingezahlt Endkapital Hebel
100 €/Mon 30 J 36.000 € 121.997 € 3.39×
200 €/Mon 35 J 84.000 € 360.211 € 4.29×
300 €/Mon 25 J 90.000 € 243.022 € 2.70×
500 €/Mon 20 J 120.000 € 260.463 € 2.17×
750 €/Mon 30 J 270.000 € 914.978 € 3.39×
1000 €/Mon 15 J 180.000 € 316.962 € 1.76×

Renditeannahme 7 % p. a. nominal bei monatlicher Verzinsung. MSCI-World-Langfristrendite 1979-2024: 7,1 % p. a. nominal nach MSCI Inc. Steuern und Kosten nicht berücksichtigt. Datenquelle: eigene Modellrechnung; MSCI-Datenbasis 1979-2024.

Renditen 2026 · Tagesgeld, Festgeld, Welt-ETF

Marktdaten Stand April 2026 nach Bundesbank MFI-Zinsstatistik, Stiftung Warentest Finanztest 02/2026 und MSCI Inc.

Anlage-Klasse Nominaler Zins Bindungsdauer Realrendite (HVPI 2,3 %) Beispiel-Anbieter
Sparbuch 0,5–1,0 % p. a. täglich −1,3 bis −0,8 % p. a. Filialbanken (Sparkasse, VR-Bank)
Tagesgeld (Top-Konditionen) 2,8–3,5 % p. a. täglich +0,5 bis +1,2 % p. a. Trade Republic, ING, Consorsbank, Renault Bank
Festgeld 12 Monate 3,0–3,5 % p. a. 12 Monate +0,7 bis +1,2 % p. a. Klarna, ING, Renault, Bigbank (über WeltSparen)
Festgeld 60 Monate 2,8–3,3 % p. a. 60 Monate +0,5 bis +1,0 % p. a. Renault, Klarna, Pbb direkt (über Zinspilot)
Bundesanleihe 10 J 2,5–2,8 % p. a. 10 Jahre +0,2 bis +0,5 % p. a. Finanzagentur Bund
Welt-ETF (MSCI World, hist.) 7,1 % p. a. nominal ≥ 15 Jahre +5,0 % p. a. iShares Core, Vanguard, Amundi Prime

Tagesgeld- und Festgeld-Werte aus Stiftung Warentest Finanztest 02/2026 (Top-Konditionen) und Bundesbank MFI-Zinsstatistik (Durchschnittswerte). Welt-ETF-Wert ist Langfristrendite MSCI World 1979-2024. Quellen: Stiftung Warentest 02/2026; Bundesbank MFI-Zinsstatistik 04/2026; MSCI Inc. Factsheet 31.03.2026.

Realrendite und Inflation · Fisher-Gleichung

Inflations-bereinigte Rendite ist die maßgebliche Kennziffer für Kaufkraft-Erhalt — Nominalwerte täuschen.

Reale Rendite folgt der Fisher-Gleichung: (1 + r_real) = (1 + r_nominal) / (1 + π). Vereinfachend für kleine Werte: r_real ≈ r_nominal − π. Beispiel: 5 % nominal − 2,3 % HVPI = 2,7 % real (exakt 2,64 %). Über 30 Jahre bei 10.000 € Startkapital: nominal 43.219 € (5 %), real in 2026er-Kaufkraft 22.078 € (2,64 %). Differenz 21.141 € verschlingt die Inflation.

Nominal vs. Real · 10.000 € × 30 Jahre · HVPI 2,3 %

Modellrechnung mit jährlicher Verzinsung; Inflations-Annahme nach Statistisches Bundesamt 2025.

Nominaler Zins Endkapital nominal Realer Endwert Kaufkraft-Verlust
1 % p. a. 13.478 € 6.814 € 6.665 €
2 % p. a. 18.114 € 9.157 € 8.957 €
3 % p. a. 24.273 € 12.270 € 12.003 €
5 % p. a. 43.219 € 21.848 € 21.372 €
7 % p. a. 76.123 € 38.481 € 37.642 €

HVPI-Inflation 2025 = 2,3 % laut Statistisches Bundesamt Pressemitteilung Nr. 040 vom 30.01.2026. EZB-Zielkorridor: 2,0 % über die Mittelfrist. Bei nominaler Rendite ≤ 2,3 % schrumpft die reale Kaufkraft. Datenbasis: Destatis HVPI 2025; eigene Berechnung.

Cost-Compounding · Kosten wirken dem Zinseszins

Laufende Kosten kumulieren sich exponentiell — schon ein Prozentpunkt Differenz zerstört über 30 Jahre rund ein Viertel des Endkapitals.

0 % TER · 7 % brutto = 7 % netto

  • + Theoretischer Vergleichswert ohne Kosten
  • + Endkapital nach 30 J: 76.123 €
  • + Verdopplung alle 10,3 J nach 72er-Regel
  • In der Praxis nicht erreichbar

Hebel

10.000 € → 76.123 € · 7.6×.

1 % TER · 7 % brutto = 6 % netto

  • + Aktive Aktienfonds-Realität (Morningstar 2024: TER ø 1,4 %)
  • + Endkapital nach 30 J: 57.435 €
  • Differenz zur Bruttorendite: 18.688 €
  • Relativer Kapital-Verlust: 25 %

Konsequenz

Welt-ETFs (TER 0,07–0,30 %) sparen über 30 J typisch 20-25 % Endkapital gegenüber 1 %-TER-Produkten.

Kosten sind die einzige sichere Hebel-Variable: Renditen sind nicht prognostizierbar (§ 4 WpHG verbietet Renditegarantien), Kosten dagegen vertraglich fixiert. Zur isolierten Kostenmodellierung: ETF-Sparplan-Rechner mit TER- und Tracking-Difference-Logik.

Steuern auf Zinsen · § 20, § 32d EStG

Abgeltungsteuer 26,375 % effektiv und Sparer-Pauschbetrag 1.000 € (Single) bzw. 2.000 € (Zusammenveranlagung).

Zinserträge unterliegen nach § 20 Abs. 1 Nr. 7 EStG der Abgeltungsteuer. Tarif: 25 % zuzüglich 5,5 % Solidaritätszuschlag auf die Steuer = effektiv 26,375 %. Bei Kirchensteuerpflicht zusätzlich 8 % (Bayern, Baden-Württemberg) bzw. 9 %. Quellensteuer-Einbehalt durch das inländische Kreditinstitut. Sparer-Pauschbetrag § 20 Abs. 9 EStG wirkt über den Freistellungsauftrag § 44a Abs. 2 EStG.

Steuerlast auf Tagesgeld-Zinsen 2026

Beispielrechnung 50.000 € Tagesgeld bei 3 % p. a. — Single mit Freistellungsauftrag.

Komponente Wert Rechtsgrundlage
Tagesgeld-Bestand 50.000 € § 488 BGB
Zinssatz p. a. 3,0 % Bundesbank MFI 04/2026
Zinsen brutto 1.500 € 50.000 × 3 %
Sparer-Pauschbetrag −1.000 € § 20 Abs. 9 EStG
Steuerpflichtig 500 € Restbetrag
Abgeltungsteuer 26,375 % 131,88 € § 32d Abs. 1 EStG
Zinsen netto 1.368,12 € Effektivzins 2,74 %

Ohne Freistellungsauftrag würde die Steuer auf den vollen Bruttobetrag einbehalten (1.500 € × 26,375 % = 395,63 €) und wäre über die Anlage KAP der Einkommensteuererklärung zurückzuholen. Bei niedrigem Grenzsteuersatz lohnt die Günstigerprüfung § 32d Abs. 6 EStG. Quellen: § 20, § 32d, § 44a EStG; Bundesbank MFI-Zinsstatistik 04/2026.

Direktbroker mit Tagesgeld-Top-Konditionen 2026 — etwa Trade Republic (3,5 %), ING (3,3 % Aktion), Consorsbank (3,15 %) und Renault Bank direkt (3,3 %) — bieten den Freistellungsauftrag in der App. Aufteilung des Pauschbetrags auf mehrere Institute über das Bundeszentralamt für Steuern abgleichbar (§ 45d EStG). Hinweis nach § 5a UWG: gekennzeichnete Werbe-Links — bei Vermittlung erhält RechnerCheck eine Provision, ohne dass dem Nutzer Mehrkosten entstehen.

Frühstart-Effekt · Zeit schlägt Sparbetrag

Bei gleicher Einzahlsumme erreicht der Früh-Starter ein deutlich höheres Endkapital als der Spät-Starter — wegen der überproportional ertragsstarken letzten Laufzeitjahre.

Früh-Starter vs. Spät-Starter · gleiche Einzahlsumme 84.000 €

Beide Anleger zahlen 84.000 € ein, jeweils 7 % p. a. nominal, monatliche Verzinsung.

Parameter Früh-Starter Spät-Starter Differenz
Sparrate pro Monat 200 € 280 € +40 %
Laufzeit 35 J 25 J −10 J
Eingezahlt 84.000 € 84.000 € 0 €
Endkapital · 7 % 360.211 € 226.820 € +133.391 €
Spät-Starter erreicht 100 % 63 % −37 %-Pkte

Der Spät-Starter erreicht trotz 40 % höherer Monats-Sparrate nur 63 % des Endkapitals. Bundesbank-Wertpapierstatistik Q4/2025 weist für Haushalte mit Sparbeginn vor dem 30. Lebensjahr ein 2,3-faches Median-Wertpapier-Vermögen aus. Datenbasis: eigene Modellrechnung; Bundesbank-Wertpapierstatistik Q4/2025.

Vier Zinseszins-Konstellationen im Datenprofil

Konkrete Setups mit Renditeannahmen, Mechanik-Zerlegung und Realwert-Korrektur — ohne Lebensphasen-Stereotype.

Konstellation A

Einmalanlage · 7 % p. a. · 30 Jahre

10.000 € × 7 % × 30 J = 76.123 €

Daten. Einmalanlage 10.000 € am 02.01.2026, 7 % nominale Jahresrendite (entspricht der MSCI-World-Langfristrendite 1979-2024 nach MSCI Inc., gerundet), Laufzeit 30 Jahre, jährliche Verzinsung. Endkapital nach Formel K_n = K_0 × (1+r)^n: 10.000 € × 1,07^30 = 76.122,55 €.

Mechanik. Linear (ohne Zinseszins) wären über 30 Jahre nur 10.000 € + 30 × 700 € = 31.000 € erreicht. Der Zinseszins-Anteil beträgt damit 45.123 € — rund 59 % des Endkapitals stammen aus reinvestierten Erträgen. Drei Verdopplungen passen in den Zeitraum (72/7 ≈ 10,3 Jahre): nach 10,3 J → 20.000 €, nach 20,7 J → 40.000 €, nach 31 J → 80.000 €.

Realwert. Bei 2 % HVPI-Inflation (EZB-Zielkorridor; Statistisches Bundesamt Pressemitteilung Nr. 040 vom 30.01.2026: Vorjahres-HVPI 2,3 %): Realrendite ≈ 5 % p. a. → realer Endwert in 2026er-Kaufkraft rund 42.000 €. Steuerlich: bei thesaurierender Anlage greift § 18 InvStG (ETF) oder § 20 EStG (Direkt-Zinszahlung) jährlich; Verrechnung bei Auflösung nach § 19 InvStG.

Konstellation B

Sparrate · 200 €/Mon · 7 % · 35 Jahre

Sparrate-Hebel: 84.000 € eingezahlt → 360.211 €

Daten. Monatliche Sparrate 200 €, 7 % p. a. nominal, monatliche Verzinsung mit i = 0,5833 %, Laufzeit 35 × 12 = 420 Monate. Endwert nach K_n = R × ((1+i)^n − 1) / i: 360.211 €. Eingezahlt 84.000 €, davon 276.211 € aus thesaurierten Erträgen (~77 % des Endkapitals).

Mechanik. Hebel-Faktor Endkapital / Eingezahlt = 4.3×. Der größte Teil des Wachstums entsteht in den letzten 10 Jahren — laut BVI-Auswertung historischer Sparpläne stammen typischerweise rund 50 % des Endkapitals aus dem letzten Drittel der Laufzeit. Sparrate-Dynamisierung um 2 % p. a. (Inflations-Ausgleich) erhöht den Endwert um etwa 28 %.

Realwert. Realrendite bei 2 % HVPI: ≈ 4,9 % p. a. → realer Endwert in 2026er-Kaufkraft rund 180.000 €. Steuerlich Aktien-ETF: Vorabpauschale § 18 InvStG mit Basiszins 3,20 % (BMF 13.01.2026) erzeugt jährlichen Steuerzufluss; bei Verkauf Anrechnung nach § 19 InvStG. Sparer-Pauschbetrag 1.000 € § 20 Abs. 9 EStG kompensiert die ersten Jahre.

Konstellation C

Frühstart-Effekt · gleiche Einzahlsumme

Früh-Starter 360.211 € vs. Spät-Starter 226.820 €

Daten. Beide Anleger zahlen 84.000 € ein. Früh-Starter: 200 €/Mon × 35 Jahre × 7 % → 360.211 €. Spät-Starter: 280 €/Mon × 25 Jahre × 7 % → 226.820 €. Differenz: 133.391 € zugunsten des Früh-Starters.

Mechanik. Der Spät-Starter erreicht trotz höherer Monats-Sparrate nur 63 % des Endkapitals. Grund: dem Spät-Starter fehlen 10 Jahre Verzinsung — und gerade die letzten 10 Jahre liefern wegen des exponentiellen Verlaufs den größten Beitrag. Eine zusätzliche Verdopplung nach der 72er-Regel (72/7 ≈ 10,3 J) kann nicht mehr nachgeholt werden.

Realwert. Konsequenz für die Spar-Praxis: Zeitvorteil schlägt Sparbetrags-Vorteil. Beleg in der Bundesbank-Wertpapierstatistik (Q4/2025): Haushalte mit ETF-Sparplan-Beginn vor dem 30. Lebensjahr halten im Median ein 2,3-faches Wertpapier-Vermögen gegenüber Haushalten mit Sparbeginn nach 40. Steuerlich neutral — beide Wege erzeugen identische Vorabpauschalen-Logik.

Konstellation D

Cost-Compounding · 1 %-Punkt Kosten über 30 J

TER 1 % vs. 0 % → 25 % Endkapital-Differenz

Daten. 10.000 € Einmalanlage über 30 Jahre. Variante A: 7 % p. a. nominal, 0 % Kosten → Endkapital 76.123 €. Variante B: 6 % p. a. nominal nach 1 % TER, 0 % Kosten danach → Endkapital 57.435 €. Differenz absolut: 18.688 € — relativ 25 % weniger Endkapital bei nur 1 %-Punkt höheren Kosten.

Mechanik. Die Kostendifferenz wirkt selbst dem Zinseszins — entgangene Erträge werden nicht reinvestiert. Über 30 Jahre kumuliert sich der Effekt überproportional. Vergleichswert: durchschnittliche TER aktiv gemanagter Aktienfonds laut Morningstar Active/Passive Barometer 2024 rund 1,4 %, breite Welt-ETFs 0,07 bis 0,30 %. Differenz typisch: 1,1 bis 1,3 Prozentpunkte p. a.

Realwert. Konsequenz: Kostenkontrolle ist die einzige sichere Hebel-Variable. Renditen sind nicht prognostizierbar (§ 4 WpHG verbietet Renditegarantien), Kosten dagegen vertraglich fixiert. Zur isolierten Modellierung der TER-Wirkung über die Laufzeit: ETF-Kosten-Rechner mit Tracking-Difference-Datenbank justETF.

Endkapital-Tabelle · 10.000 € Startkapital

Modellrechnung K_n = K_0 × (1+r)^n bei jährlicher Verzinsung, ohne Steuern und Kosten.

Laufzeit Zinssatz Endkapital Zinsgewinn Faktor
[object Object][object Object][object Object][object Object][object Object][object Object][object Object][object Object][object Object][object Object] J 3 % 13.439 € 3.439 € 1.34×
[object Object][object Object][object Object][object Object][object Object][object Object][object Object][object Object][object Object][object Object] J 5 % 16.289 € 6.289 € 1.63×
[object Object][object Object][object Object][object Object][object Object][object Object][object Object][object Object][object Object][object Object] J 7 % 19.672 € 9.672 € 1.97×
[object Object][object Object][object Object][object Object][object Object][object Object][object Object][object Object][object Object][object Object][object Object][object Object][object Object][object Object][object Object][object Object][object Object][object Object][object Object][object Object] J 3 % 18.061 € 8.061 € 1.81×
[object Object][object Object][object Object][object Object][object Object][object Object][object Object][object Object][object Object][object Object][object Object][object Object][object Object][object Object][object Object][object Object][object Object][object Object][object Object][object Object] J 5 % 26.533 € 16.533 € 2.65×
[object Object][object Object][object Object][object Object][object Object][object Object][object Object][object Object][object Object][object Object][object Object][object Object][object Object][object Object][object Object][object Object][object Object][object Object][object Object][object Object] J 7 % 38.697 € 28.697 € 3.87×
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Drei Renditestufen: 3 % (defensiv, Festgeld-Niveau), 5 % (Mischportfolio), 7 % (Welt-ETF, MSCI-World-Langfristrendite). Ohne Inflations-Bereinigung; für Realwerte mit HVPI 2,3 % multiplizieren mit 1/(1,023)^Jahre. Datenbasis: eigene Modellrechnung.

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Update-Log 2025 → 2026

Datierte Veränderungen mit unmittelbarer Auswirkung auf die Zinseszins-Modellrechnung.

2. Januar 2026

Bundesbank-Basiszinssatz § 247 BGB: 2,15 %

Die Deutsche Bundesbank hat den Basiszinssatz nach § 247 BGB für den Zeitraum 01.01.2026 bis 30.06.2026 mit 2,15 % festgesetzt (Vorperiode H2/2025: 2,30 %). Der Basiszins ist Bemessungsgrundlage für Verzugszinsen § 288 BGB (Verbraucher-Geschäfte: Basiszins + 5 Prozentpunkte; B2B-Geschäfte: Basiszins + 9 Prozentpunkte). Veröffentlichung im Bundesanzeiger sowie auf der Bundesbank-Webseite.

13. Januar 2026

BMF-Schreiben Vorabpauschalen-Basiszins 2026: 3,20 %

Das Bundesministerium der Finanzen hat den Basiszins für die Vorabpauschalen-Berechnung 2026 mit Schreiben vom 13.01.2026 (Az IV C 1 - S 1980/00230/012/001) auf 3,20 % festgesetzt. Vorjahreswert 2025: 2,53 %. Auswirkung: bei thesaurierenden ETF-Anlagen erhöht sich die jährliche Vorabpauschalen-Bemessung; Zinseszins-Modellrechnungen mit Steuerlogik müssen entsprechend nachgeführt werden. Verrechnung beim Verkauf nach § 19 InvStG bleibt erhalten.

30. Januar 2026

Statistisches Bundesamt: HVPI 2025 = 2,3 %

Das Statistische Bundesamt hat in Pressemitteilung Nr. 040 vom 30.01.2026 die Jahresinflation 2025 mit 2,3 % festgestellt (Vorjahr 2024: 2,2 %). Damit liegt die deutsche HVPI-Rate weiter über dem EZB-Zielkorridor von 2,0 %. Realrenditen-Modellrechnungen 2026 verwenden 2,0 bis 2,3 % als Inflations-Annahme. Konsequenz: Tagesgeld 2,8 bis 3,5 % erzielt Realrendite von 0,5 bis 1,2 % — Sparbuch 0,5 bis 1,0 % bleibt real negativ.

Februar 2026

Stiftung Warentest Finanztest 02/2026: Tagesgeld-Vergleich

Stiftung Warentest Finanztest hat im Heft 02/2026 den Tagesgeld-Marktvergleich aktualisiert. Top-Konditionen: Trade Republic 3,5 % (Bestand und Neukunden), Renault Bank direkt 3,3 % (4 Monate), ING 3,3 % (4 Monate Neukunden), Consorsbank 3,15 % (6 Monate). Für die Zinseszins-Modellrechnung Tagesgeld werden 3,0 % als belastbare Mittelannahme empfohlen — kurzfristige Aktionsangebote schwanken zwischen 2,8 und 3,5 %.

März 2026

Bundesbank MFI-Zinsstatistik: Sparbuch-Realität 0,7 %

Die Deutsche Bundesbank weist in der MFI-Zinsstatistik (Reihe BBK01.SUD117) für Februar 2026 einen volumengewichteten Durchschnittszins auf Spareinlagen von 0,71 % p. a. aus. Bei einer HVPI-Inflation von 2,3 % ergibt das eine Realrendite von rund −1,6 % p. a. — über 10 Jahre verliert ein Sparbuch-Bestand rund 14 % der Kaufkraft. Konsequenz: Sparbuch ist im Niedrigzins-Segment des Marktes und keine geeignete Zinseszins-Plattform.

Häufige Fragen zum Zinseszins

14 Antworten mit Bezug auf BGB, EStG, Bundesbank- und Destatis-Daten.

Wie lautet die Zinseszins-Formel mathematisch?

Bei jährlicher Verzinsung: K_n = K_0 × (1 + r)^n, wobei K_0 das Startkapital, r der Zinssatz als Dezimalzahl und n die Laufzeit in Jahren ist. Beispiel: 10.000 € × (1 + 0,07)^30 = 10.000 € × 7,6123 = 76.122,55 €. Bei unterjähriger Verzinsung mit m Perioden pro Jahr lautet die Formel K_n = K_0 × (1 + r/m)^(m·n) — bei monatlicher Verzinsung wird i = r/12 verwendet, was den Effektivzins minimal anhebt (5 % nominal jährlich = 5,116 % effektiv bei monatlicher Verzinsung). Mit zusätzlicher nachschüssiger Sparrate R: K_n = K_0 × (1+r)^n + R × ((1+r)^n − 1) / r.

Was besagt die 72er-Regel und wie genau ist sie?

Die 72er-Regel ist eine Faustformel zur Schätzung der Verdopplungs-Zeit: t_2 ≈ 72 / Zinssatz in %. Bei 6 % verdoppelt sich Kapital alle 12 Jahre, bei 8 % alle 9 Jahre, bei 9 % alle 8 Jahre. Die exakte Formel lautet t_2 = ln(2) / ln(1+r) ≈ 0,6931 / r für kleine r. Die Faustformel ist im Bereich 4 bis 10 % auf etwa 1 Prozent genau; bei höheren Zinssätzen wird die 70er-Regel präziser, bei sehr niedrigen die 69er-Regel. Beispiel: bei 7 % beträgt die exakte Verdopplungs-Zeit 10,24 Jahre, die 72er-Regel liefert 10,29 Jahre.

Wie unterscheidet sich monatliche von jährlicher Verzinsung?

Bei jährlicher Verzinsung wird einmal pro Jahr ein Zins zugeschlagen; bei monatlicher Verzinsung zwölf Mal pro Jahr mit dem zwölften Teil des Jahreszinses. Wegen der zusätzlichen Verzinsung der Zwischen-Erträge ergibt monatliche Verzinsung einen leicht höheren Effektivzinssatz. Formel Effektivzins: i_eff = (1 + r/m)^m − 1. Beispiele: 5 % nominal jährlich = 5,116 % effektiv bei monatlicher Verzinsung; 7 % nominal = 7,229 % effektiv. Über 30 Jahre macht das bei 10.000 € Startkapital rund 4 % höheres Endkapital aus. Tagesgeld-Verträge nach § 246 BGB rechnen meist mit jährlicher oder vierteljährlicher Verzinsung; Konsumkredite üblicherweise monatlich.

Welche Renditen sind 2026 realistisch erwartbar?

Marktdaten Stand April 2026: Tagesgeld 2,8 bis 3,5 % p. a. bei Top-Anbietern (Trade Republic, ING, Renault Bank), Festgeld 12 Monate 3,0 bis 3,5 %, Festgeld 60 Monate 2,8 bis 3,3 %, 10-jährige Bundesanleihe 2,5 bis 2,8 % laut Deutsche Bundesbank Zinsstatistik. Aktien-ETFs haben langfristig 7,1 % p. a. nominal geliefert (MSCI World 1979-2024 nach MSCI Inc.) — kurzfristig sind Schwankungen von ±20 % üblich. Inflations-bereinigt (HVPI 2,3 % laut Statistisches Bundesamt 2025): Realrendite Tagesgeld rund 0,5 bis 1,2 %, Aktien-ETFs rund 5 % p. a.

Wie werden Realrendite und Inflation verrechnet?

Reale Rendite ergibt sich nach der Fisher-Gleichung: (1 + r_real) = (1 + r_nominal) / (1 + π), mit π als HVPI-Inflationsrate. Vereinfachend gilt für niedrige Werte: r_real ≈ r_nominal − π. Beispiel: 5 % nominal − 2,3 % HVPI (Statistisches Bundesamt 2025) = 2,7 % real (exakt 2,64 %). Über 30 Jahre bei 10.000 € Startkapital: nominal 43.219 € (5 %), real in 2026er-Kaufkraft 22.078 € (2,64 %). Differenz 21.141 € verschlingt die Inflation — daher müssen Sparpläne zwingend an der Realrendite gemessen werden, nicht am Nominalbetrag.

Wie wirkt die Abgeltungsteuer auf den Zinseszins?

Abgeltungsteuer nach § 32d Abs. 1 EStG beträgt 25 % auf Kapitalerträge zuzüglich 5,5 % Solidaritätszuschlag (auf die Steuer, nicht auf den Ertrag) — effektiv 26,375 %. Bei Kirchensteuerpflicht zusätzlich 8 % (Bayern, Baden-Württemberg) oder 9 % (übrige Länder). Sparer-Pauschbetrag § 20 Abs. 9 EStG: 1.000 € (Single) bzw. 2.000 € (Zusammenveranlagung). Wirkung über Freistellungsauftrag § 44a Abs. 2 EStG. Beispiel Tagesgeld 50.000 € × 3 % = 1.500 € Zinsen — nach Pauschbetrag 500 € steuerpflichtig × 26,375 % = 131,88 € Steuer. Ohne Freistellungsauftrag wird die Steuer voll einbehalten und über Anlage KAP § 32d Abs. 4 EStG zurückgeholt.

Was bedeutet Cost-Compounding und wie groß ist der Effekt?

Cost-Compounding bezeichnet den verstärkten Effekt von laufenden Kosten über lange Anlagehorizonte. Modellrechnung: 10.000 € × 30 Jahre. Bei 7 % brutto und 0 % TER: Endkapital 76.123 €. Bei 7 % brutto und 1 % TER (= 6 % netto): Endkapital 57.435 € — ein Minus von 25 %. Die Kostendifferenz wirkt selbst dem Zinseszins. Welt-ETFs liegen 2026 bei 0,07 bis 0,30 % TER (Amundi Prime, iShares Core, Vanguard); aktive Aktienfonds laut Morningstar Active/Passive Barometer 2024 im Schnitt bei 1,4 %.

Welche Rolle spielt der Frühstart-Effekt?

Wegen des exponentiellen Verlaufs des Zinseszinses sind die letzten Jahre der Laufzeit die ertragreichsten. Vergleich gleiche Einzahlsumme 84.000 €, 7 % p. a.: Früh-Starter (200 €/Mon × 35 J) erreicht 360.211 €; Spät-Starter (280 €/Mon × 25 J) nur 226.820 €. Differenz 133.391 €. Der Spät-Starter erreicht trotz 40 % höherer Monats-Sparrate nur 63 % des Endkapitals. Empirisch: Bundesbank-Wertpapierstatistik Q4/2025 weist für Haushalte mit Sparbeginn vor dem 30. Lebensjahr ein 2,3-faches Median-Vermögen gegenüber Haushalten mit Sparbeginn nach 40 aus.

Welche Rechtsgrundlagen gelten für Zinszahlungen?

§ 246 BGB: gesetzlicher Zinssatz 4 % p. a., sofern keine andere Vereinbarung getroffen ist. § 247 BGB: Basiszinssatz, halbjährlich von der Deutschen Bundesbank festgesetzt — Stand 01.01.2026: 2,15 %. § 248 BGB: Zinseszinsverbot — eine im Voraus getroffene Vereinbarung, dass fällige Zinsen wieder Zinsen tragen, ist nichtig. Ausnahme: Sparkassen, Banken und gewerbliche Kreditinstitute (§ 248 Abs. 2 BGB). § 100 BGB definiert Früchte einer Sache; § 280 BGB regelt Verzugszinsen. Bei Spar-Verträgen ist die Zinseszinsabrede über die Anlagebedingungen rechtssicher abgedeckt.

Wann gilt das Zinseszinsverbot des § 248 BGB?

§ 248 Abs. 1 BGB erklärt eine im Voraus getroffene Vereinbarung über die Verzinsung fälliger Zinsen für nichtig. Schutzzweck: Privatanleger sollen nicht ungewollt mit kumulierten Zinsbelastungen konfrontiert werden. Ausnahmen § 248 Abs. 2 BGB: Sparkassen, Kreditanstalten, Inhaber von Bankgeschäften — bei diesen Instituten ist die Vorab-Abrede zur Zinsen-Verzinsung wirksam. Konsequenz: Sparkonten bei Banken zinsen die thesaurierten Zinsen, ohne dass es einer gesonderten Zustimmung bedarf. Bei Privatdarlehen außerhalb des Bankgeschäfts ist die Aufzinsung verfallener Zinsen dagegen nur durch nachträglich neu vereinbarte Hauptforderung zulässig.

Gilt der Zinseszins auch bei Krediten?

Bei Annuitätendarlehen wirkt der Zinseszins implizit über die Restschuld: nicht getilgte Zinsanteile bleiben Bestandteil der Schuld und werden mitverzinst. § 489 BGB und Verbraucherkredit-Vorschriften §§ 491 ff BGB regeln die Tilgungspflicht. Bei Dispositionskrediten verzinsen die Sollzinsen sich faktisch monatlich neu — der vertragliche Sollzinssatz beträgt 2026 im Schnitt 11,12 % p. a. (Bundesbank MFI-Zinsstatistik 03/2026). Auf 5.000 € Disposchuld über 12 Monate ergibt das rund 580 € Zinslast. Sondertilgungen reduzieren die zinsbelastete Restschuld direkt — daher: schnelle Tilgung schlägt parallele Hochzins-Anlage außerhalb der Niedrigzinsphase.

Was ist der Sparer-Pauschbetrag und wie viel bringt er?

Der Sparer-Pauschbetrag nach § 20 Abs. 9 EStG beträgt seit 2023 (Jahressteuergesetz 2022) 1.000 € für Ledige und 2.000 € für Zusammenveranlagte; die Werte gelten unverändert für 2026. Wirksamkeit über Freistellungsauftrag § 44a Abs. 2 EStG. Multi-Broker-Setups erfordern eine Aufteilung; das Bundeszentralamt für Steuern gleicht die Auftragssummen nach § 45d EStG ab. Beispiel: 50.000 € Tagesgeld × 3 % = 1.500 € Zinsen. Ohne Pauschbetrag: 1.500 € × 26,375 % = 395,63 € Steuer. Mit Pauschbetrag (Single): 500 € × 26,375 % = 131,88 €. Ersparnis 263,75 € pro Jahr.

Wie wirkt sich die Anlagedauer mathematisch aus?

Wegen des exponentiellen Charakters wachsen die letzten Jahre überproportional. Modell 10.000 € × 7 %: nach 10 J 19.672 €, nach 20 J 38.697 €, nach 30 J 76.123 €, nach 40 J 149.745 €. Die letzten 10 Jahre der 30-Jahres-Laufzeit liefern allein rund 37.500 € — fast die Hälfte des Endkapitals stammt aus diesem letzten Drittel. Konsequenz: jede Verkürzung der Laufzeit am Ende ist überproportional teuer. Der berühmt-apokryphe Einstein-Spruch zum „achten Weltwunder" Zinseszins (Quellenlage unsicher, Forbes Quote-Investigator 2017 verweist auf Erstbeleg 1983) drückt genau diese Disproportion aus.

Welche Datenquellen sind belastbar?

Für historische Renditen: MSCI Inc. Index-Factsheets (MSCI World 1979-2024), justETF Tracking-Difference-Datenbank, BVI-Investmentstatistik. Für aktuelle Zinssätze: Deutsche Bundesbank MFI-Zinsstatistik (BBK01.SU0316 Tagesgeld; BBK01.SU0322 Festgeld; SU0202 10-J-Bundesanleihe), monatlich aktualisiert. Für Inflation: Statistisches Bundesamt Pressemitteilung HVPI, Pressemitteilung Nr. 040 vom 30.01.2026 weist 2,3 % für 2025 aus. Für Verbraucher-Hinweise: Stiftung Warentest Finanztest (Heft 02/2026 zum Tagesgeld-Vergleich) und Verbraucherzentrale.

Schlüsselbegriffe aus BGB und EStG

Zinseszins
Mechanismus, bei dem fällige Zinsen reinvestiert werden und ihrerseits Zinsen tragen. Mathematisch: K_n = K_0 × (1 + r)^n bei jährlicher Verzinsung. Zinseszinsverbot § 248 BGB erlaubt die Vorab-Vereinbarung nur für Banken, Sparkassen und gewerbliche Kreditinstitute.
72er-Regel
Faustformel für die Verdopplungs-Zeit: t_2 ≈ 72 / Zinssatz in %. Im Bereich 4 bis 10 % auf rund 1 % genau. Exakt: t_2 = ln(2) / ln(1+r). Bei 7 % Verdopplung alle 10,3 Jahre, bei 9 % alle 8 Jahre.
Basiszinssatz § 247 BGB
Halbjährlich von der Deutschen Bundesbank festgesetzter Referenzzins. Stand H1/2026: 2,15 %. Bemessungsgrundlage für Verzugszinsen § 288 BGB (Verbraucher: + 5 %-Punkte; B2B: + 9 %-Punkte). Nicht zu verwechseln mit dem Vorabpauschalen-Basiszins § 18 InvStG.
Effektivzins
Zinssatz unter Berücksichtigung unterjähriger Verzinsung: i_eff = (1 + r/m)^m − 1, mit m als Anzahl Verzinsungsperioden pro Jahr. 5 % nominal jährlich = 5,116 % effektiv bei monatlicher Verzinsung. Pflichtangabe nach Preisangabenverordnung § 6 PAngV bei Verbraucherkrediten.
Realrendite
Inflations-bereinigte Rendite nach der Fisher-Gleichung: (1 + r_real) = (1 + r_nominal) / (1 + π). Vereinfachung für kleine Werte: r_real ≈ r_nominal − π. Maßgeblich für Kaufkraft-Erhalt. HVPI-Inflation 2025: 2,3 % laut Statistisches Bundesamt.
Sparer-Pauschbetrag (§ 20 Abs. 9 EStG)
Steuerfreier Pauschbetrag auf Kapitalerträge: 1.000 € Single, 2.000 € Zusammenveranlagung. Wirksamkeit über Freistellungsauftrag § 44a Abs. 2 EStG beim Kreditinstitut.
Abgeltungsteuer (§ 32d EStG)
Pauschalsteuer auf Kapitalerträge: 25 % zuzüglich 5,5 % Solidaritätszuschlag = effektiv 26,375 %; mit Kirchensteuer 27,8 % bzw. 28,0 %. Quellensteuer-Einbehalt durch das inländische Kreditinstitut. Veranlagung über Anlage KAP § 32d Abs. 4 EStG; Günstigerprüfung § 32d Abs. 6 EStG.

Quellen und Aktenzeichen

Gesetzestexte, Bundesbank-Veröffentlichungen und Marktdatenbanken, auf denen die Zinseszins-Logik und die Update-Daten beruhen.

Zum Weiterlesen

Investment- und Spar-Rechner, die die Zinseszins-Logik weiterführen.

Für Sparpläne mit Vorabpauschalen-Logik § 18 InvStG und Tracking Difference: ETF-Sparplan-Rechner — gleiche Zinseszins-Mathematik mit zusätzlicher Steuer- und Kostenmodellierung. Für Ziel-Vermögens-Planung über mehrere Anlageklassen: Vermögensaufbau-Rechner mit kombinierter Sparrate- und Einmalanlage-Logik.

Für defensive Anlagen mit fester Laufzeit: Festgeld-Rechner — § 488 BGB, Top-Konditionen 12 bis 60 Monate. Für die niedrigverzinste Spareinlage: Sparbuch-Rechner mit Realrendite-Korrektur. Für die isolierte Steuerlast auf Zinsen: Kapitalertragsteuer-Rechner nach § 32d EStG.

Für die Renten-Lückenanalyse mit Zusatzbedarf: Vorsorge-Bedarf-Rechner — koppelt Zinseszins-Wachstum an monatlichen Entnahme-Bedarf nach dem 67. Lebensjahr. Verwandte Rechner für Inflations-Modelle und reine Renditevergleiche unter den Verlinkungen am Ende dieser Seite.

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Methodik und Datenbasis dieses Rechners

Die Zinseszins-Modellrechnung verwendet eine konstante Renditeannahme ohne Inflations-Anpassung, sofern nicht explizit konfiguriert. Historische Renditen sind keine Zukunftsprognose im Sinne des § 4 WpHG — die MSCI-World-Langfristrendite 1979-2024 (7,1 % p. a. nominal) dient nur als Modellanker. Tagesgeld- und Festgeld-Werte aus Stiftung Warentest Finanztest 02/2026 und Bundesbank MFI-Zinsstatistik 04/2026 — kurzfristige Aktionsangebote schwanken. Steuerlogik bildet die Abgeltungsteuer § 32d EStG mit Sparer-Pauschbetrag § 20 Abs. 9 EStG ab, berücksichtigt aber nicht den persönlichen Grenzsteuersatz im Rahmen der Günstigerprüfung § 32d Abs. 6 EStG. Die Ergebnisse sind als Erstindikation gedacht — verbindliche Prognosen bleiben dem Steuerberater oder Anlageberater nach §§ 1 Abs. 1a Nr. 1a, 33 WpHG vorbehalten. Das Zinseszinsverbot § 248 Abs. 1 BGB greift im Bankenkontext nicht (Ausnahme § 248 Abs. 2 BGB), sodass die Vorab-Vereinbarung der Zinsen-Verzinsung in allen marktüblichen Spar- und Anlageverträgen rechtssicher ist.

Quellen: §§ 246, 247, 248 BGB · § 20, § 32d, § 44a EStG · Bundesbank MFI-Zinsstatistik 04/2026 · Bundesbank-Basiszinssatz § 247 BGB H1/2026 · Statistisches Bundesamt Pressemitteilung Nr. 040 vom 30.01.2026 · Stiftung Warentest Finanztest 02/2026 · MSCI-Factsheets 31.03.2026 · justETF Marktreport 04/2026 Letzte fachliche Prüfung: 8. Mai 2026 Update-Zyklus: Halbjährlich sowie ad hoc bei Bundesbank-Basiszins-Anpassung. Methodik-Übersicht →
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