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Wer braucht eine Haus- und Grundbesitzerhaftpflicht?
Die kurze Antwort: alle, die ein Haus oder eine Wohnung vermieten oder ein unbebautes Grundstück besitzen. Wer selbst im eigenen Einfamilienhaus oder in der eigenen Wohnung wohnt, ist in der Regel über die Privathaftpflicht geschützt. So steht es in den Musterbedingungen des Versicherungsverbands, und so sieht es auch die Verbraucherzentrale.
| Dein Fall | Privathaftpflicht deckt es | Eigene Police nötig | Grundlage |
|---|---|---|---|
| Einfamilienhaus, selbst bewohnt | ja | nein | AVB PHV A1-6.3.1 b |
| Eigentumswohnung, selbst bewohnt | ja, dein Sondereigentum | nein, das Gemeinschaftseigentum versichert die Gemeinschaft | A1-6.3.1 a, § 19 WEG |
| Einzelne Zimmer im eigenen Haus vermietet | bis zur Zahl im Vertrag | erst darüber | A1-6.3.2 b |
| Ferienhaus in Deutschland, nur selbst genutzt | ja | nein | A1-6.3.1 c |
| Ferienhaus im Ausland | nach dem Muster nein | ja, oder Tarif mit Einschluss | A1-6.3.1 c |
| Zweifamilienhaus mit vermieteter Wohnung | nach dem Muster nein | ja, oder Tarif mit Einschluss | A1-6.3.1, A1-6.3.2 b |
| Vermietete Wohnung oder vermietetes Haus | nein | ja | Verbraucherzentrale |
| Mehrfamilienhaus | nein | ja | Verbraucherzentrale |
| Unbebautes Grundstück | nein | ja | Verbraucherzentrale |
AVB PHV: GDV-Musterbedingungen für die Privathaftpflicht, Stand 2020. Das Muster deckt Wohnungen, Einfamilien- und Ferienhäuser nur im Inland und nur, wenn du sie ausschließlich selbst zum Wohnen nutzt. Versicherer dürfen mehr einschließen, die Zahl der vermietbaren Zimmer und die Bausumme lässt das Muster offen.
Verkehrssicherungspflicht: wofür du als Eigentümer haftest
Wer ein Grundstück besitzt, muss dafür sorgen, dass andere dort nicht zu Schaden kommen. Die Musterbedingungen nennen typische Pflichten: bauliche Instandhaltung, Beleuchtung, Reinigung, Streuen und Schneeräumen auf Gehwegen. Verletzt du sie schuldhaft, musst du den Schaden ersetzen (§ 823 BGB), bei Verletzten auch Behandlung, Verdienstausfall und Schmerzensgeld (§ 253 Abs. 2 BGB). Bäume solltest du regelmäßig ansehen lassen, ein morscher Ast über dem Gehweg ist ein typischer Fall.
Stürzt ein Gebäude ein oder lösen sich Teile davon, etwa Dachziegel oder Fassadenplatten, wird es für dich enger: Dann musst du beweisen, dass du die nötige Sorgfalt beachtet hast (§ 836 Abs. 1 BGB). Nach einem Verkauf haftest du dafür noch ein Jahr (§ 836 Abs. 2 BGB).
- Forderung des Verletzten
- 1.500.000 €
- Versicherungssumme im Vertrag
- 1.000.000 €
- Die Versicherung zahlt
- −1.000.000 €
- Du zahlst selbst
- 500.000 €
Was über der Versicherungssumme liegt, schuldest du dem Geschädigten persönlich, ohne Obergrenze.
Den Winterdienst kannst du per Mietvertrag oder Hausordnung auf die Mieter übertragen. Die Verbraucherzentrale weist aber darauf hin, dass du damit nicht aus der Pflicht bist: Du musst kontrollieren, ob geräumt wird.
Öltank, Bauarbeiten, Photovoltaik: was extra versichert werden muss
Gelangt Heizöl aus deinem Tank ins Grundwasser oder ein anderes Gewässer und verschlechtert das Wasser, haftest du als Betreiber auch ohne Verschulden, außer bei höherer Gewalt (§ 89 Abs. 2 WHG). Die Privathaftpflicht schließt Gewässerschäden aus Anlagen nur für kleine Behälter ein. Die Verbraucherzentrale erwartet als Mindeststandard 50 Liter je Gebinde und 250 Liter zusammen. Ein Heizöltank liegt fast immer darüber, dafür brauchst du eine Gewässerschadenhaftpflicht oder eine Erweiterung deines Vertrags.
Baust du, baust du um oder reißt du ab, haftest du als Bauherr, etwa wenn die Baustelle nicht gesichert ist. Die Privathaftpflicht deckt das nur bis zu einer Bausumme, die in deinem Vertrag steht (A1-6.3.2 c). Liegt dein Vorhaben darüber, brauchst du eine Bauherrenhaftpflicht. Für eine Photovoltaikanlage reicht laut Verbraucherzentrale je nach Anlage eine Erweiterung der bestehenden Haftpflicht.
Versicherungssumme, Beitrag und Umlage auf die Mieter
Einen Beitrag schätzt diese Seite bewusst nicht, er hängt von Objekt, Lage, Versicherer und Umfang ab. Hol dir Angebote und trag den Beitrag oben ein. Achte vor allem auf die Versicherungssumme: Für die Privathaftpflicht rät die Verbraucherzentrale zu mindestens 10 Millionen Euro, besser 50 oder 100 Millionen. Bei Haus und Grundstück geht es um dieselben Schäden. Im Beitrag stecken 19 % Versicherungsteuer (§ 6 Abs. 1 VersStG).
- Jahresbeitrag laut Rechnung
- 150,00 €
- darin Versicherungsteuer 19 %
- 23,95 €
- Anteil der Mieter, 50 % der Wohnfläche
- −75,00 €
- Dein Anteil
- 75,00 €
Die Mieter zahlen 6,25 € im Monat über die Betriebskosten.
Umlegen darfst du den Beitrag, wenn der Mietvertrag vorsieht, dass die Mieter Betriebskosten tragen (§ 556 Abs. 1 BGB). Die Haftpflicht für Gebäude, Öltank und Aufzug zählt ausdrücklich dazu (§ 2 Nr. 13 BetrKV). Ohne andere Vereinbarung wird nach Wohnfläche verteilt (§ 556a Abs. 1 BGB), den Anteil für deine eigene Wohnung trägst du selbst. Als Vermieter setzt du den Teil des Beitrags, der auf die vermietete Fläche entfällt, bei den Mieteinnahmen als Werbungskosten an, die umgelegten Beträge zählen dort als Einnahmen. Den Anteil für deine eigene Wohnung kannst du nicht absetzen.
Eigentumswohnung: was die Gemeinschaft versichert
Treppenhaus, Dach, Hof und die Wege auf dem Grundstück gehören in der Regel zum Gemeinschaftseigentum. Dafür schließt die Gemeinschaft der Wohnungseigentümer eine Haus- und Grundbesitzerhaftpflicht ab, das gehört zur ordnungsmäßigen Verwaltung (§ 19 Abs. 2 Nr. 3 WEG). Du zahlst sie über das Hausgeld mit.
Deine eigene Wohnung, das Sondereigentum, deckt die Privathaftpflicht, solange du selbst darin wohnst. Beschädigst du Gemeinschaftseigentum, zahlt sie auch die Ansprüche der Gemeinschaft, nur nicht für deinen eigenen Miteigentumsanteil (A1-6.3.1 a). Vermietest du die Wohnung, gilt das nach dem Muster nicht mehr, dann brauchst du eine eigene Police oder einen Tarif, der vermietete Wohnungen einschließt.
Viele Fragen klärt ein Blick in die Bedingungen deiner Privathaftpflicht: wie viele Zimmer du vermieten darfst, bis zu welcher Bausumme Bauarbeiten versichert sind und wie viel Liter Öl eingeschlossen sind. Oft lässt sich eine Lücke dort günstig schließen.
Haus- und Grundbesitzerhaftpflicht oder Wohngebäudeversicherung?
Beides brauchen die meisten Eigentümer, denn die Versicherungen decken verschiedene Schäden. Die Wohngebäudeversicherung zahlt Schäden am eigenen Haus, etwa nach Feuer, Leitungswasser oder Sturm. Elementarschäden wie Schneedruck oder Hochwasser musst du laut Verbraucherzentrale extra versichern. Die Haus- und Grundbesitzerhaftpflicht zahlt dagegen, wenn andere durch dein Grundstück zu Schaden kommen. Was die Wohngebäudeversicherung kostet und worauf es ankommt, zeigt der Wohngebäude-Rechner.
Häufige Fragen
Was ist die Haus- und Grundbesitzerhaftpflicht?
Brauche ich sie für mein selbst bewohntes Haus?
Wer haftet, wenn der Mieter nicht streut?
Darf ich den Beitrag auf die Mieter umlegen?
Welche Versicherungssumme ist sinnvoll?
Brauche ich für den Öltank eine eigene Versicherung?
Hafte ich nach dem Verkauf noch für das Haus?
Ist die Haus- und Grundbesitzerhaftpflicht Pflicht?
Quellen
- GDV: Musterbedingungen AVB PHV: A1-6.3 Haus- und Grundbesitz, A2-1 Gewässerschäden gdv.de
- Verbraucherzentrale: Private Haftpflichtversicherung: Wer eine eigene Police braucht, Mindeststandards verbraucherzentrale.de
- Verbraucherzentrale: Schnee, Eis, Glätte: Winterdienst, Übertragung auf Mieter verbraucherzentrale.de
- § 836 BGB: Haftung für Einsturz und herabfallende Teile gesetze-im-internet.de
- § 89 WHG: Haftung für Gewässerschäden gesetze-im-internet.de
- § 19 WEG: Versicherung in der Eigentümergemeinschaft gesetze-im-internet.de
- § 2 BetrKV: Nr. 13: Haftpflicht als Betriebskosten gesetze-im-internet.de
- § 556a BGB: Umlage nach Wohnfläche gesetze-im-internet.de
- § 6 VersStG: Versicherungsteuer 19 % gesetze-im-internet.de