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So wird aus der Ausbildungsvergütung Netto
Im Ausbildungsvertrag stehen Höhe und Zahlung deiner Vergütung (§ 11 Abs. 1 Satz 2 Nr. 7 BBiG), gemeint ist der Bruttobetrag. Davon zieht der Betrieb die Sozialbeiträge und, falls fällig, die Lohnsteuer ab und überweist den Rest spätestens am letzten Arbeitstag des Monats (§ 18 Abs. 2 BBiG).
- SozialversicherungVon der ganzen Vergütung gehen 21,15 % ab: 8,75 % Krankenversicherung mit durchschnittlichem Zusatzbeitrag, 1,8 % Pflege, 9,3 % Rente und 1,3 % Arbeitslosenversicherung. Ab dem Monat nach deinem 23. Geburtstag kommen ohne Kind 0,6 % Pflege-Zuschlag dazu. Bis 325 € im Monat zahlt der Betrieb alles allein.
- LohnsteuerDer Betrieb rechnet deine Monatsvergütung aufs Jahr hoch und zieht Arbeitnehmer-Pauschbetrag, Sonderausgaben-Pauschbetrag und Vorsorgepauschale ab. Erst was danach über dem Grundfreibetrag von 12.348 € liegt, kostet Steuer. In Steuerklasse I ist das ab 1.427 € im Monat der Fall.
- Kirchensteuer und SoliKirchensteuer zahlst du nur als Kirchenmitglied und nur, wenn Lohnsteuer anfällt: 9 % davon, in Bayern und Baden-Württemberg 8 %. Der Soli beginnt erst bei einer Lohnsteuer über 20.350 € im Jahr, mit einer Ausbildungsvergütung erreichst du das nicht.
Unter 23 oder mit Kind, Steuerklasse I, keine Kirchensteuer, durchschnittlicher Zusatzbeitrag.
- Ausbildungsvergütung
- 724,00 €
- Krankenversicherung
- −63,35 €
- Pflegeversicherung
- −13,03 €
- Rentenversicherung
- −67,33 €
- Arbeitslosenversicherung
- −9,41 €
- Lohnsteuer
- 0,00 €
- Netto
- 570,88 €
Warum die Lohnsteuer so spät einsetzt, zeigt der Rechenweg bei 1.500 € im Monat. Die Pauschbeträge und die Vorsorgepauschale für Renten-, Kranken- und Pflegeversicherung bleiben steuerfrei, und auf den Rest gilt der Tarif mit dem Grundfreibetrag (§ 39b Abs. 2, § 32a EStG).
Steuerklasse I, gesetzlich versichert, ohne Zuschlag für Kinderlose.
- Jahresbrutto (12 × 1.500 €)
- 18.000 €
- Arbeitnehmer-Pauschbetrag
- −1.230 €
- Sonderausgaben-Pauschbetrag
- −36 €
- Vorsorgepauschale
- −3.574 €
- Zu versteuernder Betrag
- 13.160 €
- davon über dem Grundfreibetrag
- 812 €
- Lohnsteuer im Jahr
- 119 €
- Lohnsteuer im Monat
- 9,91 €
Bei 1.427 € im Monat liegt der zu versteuernde Betrag zum ersten Mal über dem Grundfreibetrag. Darunter bleibt die Lohnsteuer null.
Ausbildungsvergütung brutto in netto 2026: Tabelle
Nach diesen Vergütungen wird am häufigsten gesucht. Jede Zeile ist ein Monat, gerechnet mit dem Rechner oben in Steuerklasse I ohne Kirchensteuer.
| Brutto im Monat | Sozialabgaben | Lohnsteuer | Netto | Netto ab 23 ohne Kind |
|---|---|---|---|---|
| 325 €bis hier zahlt der Betrieb alles | 0,00 € | 0,00 € | 325,00 € | 325,00 € |
| 600 € | 126,90 € | 0,00 € | 473,10 € | 469,50 € |
| 700 € | 148,05 € | 0,00 € | 551,95 € | 547,75 € |
| 724 €Mindestvergütung 1. Jahr, Beginn 2026 | 153,12 € | 0,00 € | 570,88 € | 566,53 € |
| 800 € | 169,20 € | 0,00 € | 630,80 € | 626,00 € |
| 805 €Mindestvergütung 2. Jahr, Beginn 2025 | 170,26 € | 0,00 € | 634,74 € | 629,91 € |
| 850 € | 179,78 € | 0,00 € | 670,22 € | 665,12 € |
| 854 €Mindestvergütung 2. Jahr, Beginn 2026 | 180,61 € | 0,00 € | 673,39 € | 668,26 € |
| 900 € | 190,35 € | 0,00 € | 709,65 € | 704,25 € |
| 910 € | 192,47 € | 0,00 € | 717,53 € | 712,07 € |
| 977 €Mindestvergütung 3. Jahr, Beginn 2026 | 206,64 € | 0,00 € | 770,36 € | 764,50 € |
| 1.000 € | 211,50 € | 0,00 € | 788,50 € | 782,50 € |
| 1.014 €Mindestvergütung 4. Jahr, Beginn 2026 | 214,46 € | 0,00 € | 799,54 € | 793,45 € |
| 1.050 € | 222,08 € | 0,00 € | 827,92 € | 821,62 € |
| 1.100 € | 232,65 € | 0,00 € | 867,35 € | 860,75 € |
| 1.200 € | 253,80 € | 0,00 € | 946,20 € | 939,00 € |
| 1.300 € | 274,95 € | 0,00 € | 1.025,05 € | 1.017,25 € |
| 1.350 € | 285,53 € | 0,00 € | 1.064,47 € | 1.056,37 € |
| 1.368,26 €TVAöD 1. Jahr, ab Mai 2026 | 289,39 € | 0,00 € | 1.078,87 € | 1.070,66 € |
| 1.400 € | 296,10 € | 0,00 € | 1.103,90 € | 1.095,50 € |
| 1.427 €ab hier Lohnsteuer | 301,81 € | 0,16 € | 1.125,03 € | 1.116,47 € |
| 1.455 € | 307,74 € | 3,83 € | 1.143,43 € | 1.134,70 € |
| 1.500 € | 317,25 € | 9,91 € | 1.172,84 € | 1.164,50 € |
| 1.527,59 €TVAöD 4. Jahr, ab Mai 2026 | 323,09 € | 13,83 € | 1.190,67 € | 1.182,68 € |
| 1.600 € | 338,40 € | 23,91 € | 1.237,69 € | 1.229,75 € |
Gesetzlich versichert mit dem durchschnittlichen Zusatzbeitrag von 2,9 %. Letzte Spalte: mit dem Pflege-Zuschlag, den Kinderlose ab dem Monat nach dem 23. Geburtstag zahlen. In Sachsen ist dein Pflegebeitrag 0,5 Prozentpunkte höher (§ 58 Abs. 3 SGB XI), bei 724 € sind das 3,62 € weniger netto.
Zwei Sprünge fallen auf. Bis 325 € bleibt Netto gleich Brutto, schon bei 325,01 € zahlst du den vollen Anteil auf die ganze Vergütung. Ab 1.427 € kommt Lohnsteuer dazu, anfangs nur ein paar Euro. Dazwischen bleiben dir von jedem Euro brutto 79 Cent. Wie viel genau, hängt noch vom Zusatzbeitrag deiner Krankenkasse ab: Jeder Zehntelpunkt mehr kostet dich bei 724 € rund 0,36 € im Monat.
Mindestausbildungsvergütung 2026 und 2027: brutto und netto
Ist dein Betrieb nicht an einen Tarifvertrag gebunden, muss er dir mindestens die Mindestausbildungsvergütung zahlen, und zwar in der Höhe, die bei Beginn deiner Ausbildung galt (§ 17 Abs. 2, § 18 Abs. 3 BBiG). Für einen Beginn im Jahr 2026:
| Ausbildungsjahr | Aufschlag | Brutto | Netto | Netto ab 23 ohne Kind |
|---|---|---|---|---|
| 1. Jahr | – | 724 € | 570,88 € | 566,53 € |
| 2. Jahr | +18 % | 854 € | 673,39 € | 668,26 € |
| 3. Jahr | +35 % | 977 € | 770,36 € | 764,50 € |
| 4. Jahr | +40 % | 1.014 € | 799,54 € | 793,45 € |
Netto im Monat, Steuerklasse I, keine Kirchensteuer. Lohnsteuer fällt in keinem der vier Jahre an.
Mindestausbildungsvergütung 2027 für Azubis, die 2027 anfangen
Für einen Beginn zwischen dem 1. Januar und dem 31. Dezember 2027 steht die Mindestvergütung fest: 764 € im ersten Jahr, 40 € mehr als bei einem Beginn 2026. Die Bekanntmachung des Bildungsministeriums vom 30. September 2026 steht im Bundesgesetzblatt (2026 I Nr. 287). Die Aufschläge im zweiten bis vierten Jahr sind dieselben.
| Ausbildungsjahr | Beginn 2027 | zum Vergleich Beginn 2026 | Netto mit Abgaben 2026 |
|---|---|---|---|
| 1. Jahr | 764 € | 724 € | 602,42 € |
| 2. Jahr | 902 € | 854 € | 711,22 € |
| 3. Jahr | 1.031 € | 977 € | 812,95 € |
| 4. Jahr | 1.070 € | 1.014 € | 843,69 € |
Brutto im Monat nach § 17 Abs. 2 BBiG und der Bekanntmachung vom 30. September 2026. Das Netto ist mit den Beitragssätzen und dem Steuertarif von 2026 gerechnet, unter 23 oder mit Kind, Steuerklasse I. Zusatzbeitrag und Rentenbeitrag für 2027 sind noch nicht bekannt gemacht.
Wenn deine Ausbildung früher begonnen hat
Die Aufschläge im zweiten bis vierten Jahr rechnen sich immer auf den Betrag deines Beginnjahres: plus 18, 35 und 40 Prozent, auf volle Euro gerundet (§ 17 Abs. 2 Satz 1 Nr. 2 bis 4 BBiG). Wer im August 2025 angefangen hat, bekommt ab August 2026 im zweiten Jahr deshalb mindestens 805 €, netto 634,74 €. Die 854 € gelten erst für Azubis, die 2026 anfangen.
| Ausbildungsbeginn | 1. Jahr | 2. Jahr | 3. Jahr | 4. Jahr |
|---|---|---|---|---|
| Beginn 2023 | 620 € | 732 € | 837 € | 868 € |
| Beginn 2024 | 649 € | 766 € | 876 € | 909 € |
| Beginn 2025 | 682 € | 805 € | 921 € | 955 € |
| Beginn 2026 | 724 € | 854 € | 977 € | 1.014 € |
Mindestvergütung brutto im Monat nach § 17 Abs. 2 BBiG und den Bekanntmachungen im Bundesgesetzblatt. Das Netto zu jedem Betrag steht in der Tabelle oben oder im Rechner.
Den Betrag für das erste Jahr schreibt das Bildungsministerium jedes Jahr fort, nach der Entwicklung der durchschnittlichen Ausbildungsvergütungen in den beiden Vorjahren, und gibt ihn spätestens bis zum 1. November im Bundesgesetzblatt bekannt (§ 17 Abs. 2 Satz 2 bis 5 BBiG). 2020 startete die Mindestvergütung mit 515 €, für einen Beginn 2026 sind es 724 €, für einen Beginn 2027 764 €.
Sie gilt für Ausbildungen nach dem Berufsbildungsgesetz und der Handwerksordnung. Schulische Ausbildungen und Beamtenanwärter fallen nicht unter das Gesetz (§ 3 BBiG). In der Pflege verlangt das Pflegeberufegesetz eine angemessene Vergütung, nennt aber keinen Mindestbetrag (§ 19 Abs. 1 PflBG).
Tarifvertrag und 20-%-Regel: wann die Vergütung zu niedrig ist
Deine Vergütung muss angemessen sein und mit fortschreitender Ausbildung mindestens einmal im Jahr steigen (§ 17 Abs. 1 BBiG). Gilt für deinen Betrieb ein Tarifvertrag, zählt dessen Vergütung, selbst wenn sie unter der Mindestvergütung liegt (§ 17 Abs. 3 BBiG). Ob ein Tarif anzuwenden ist, muss im Ausbildungsvertrag stehen (§ 11 Abs. 1 Satz 2 Nr. 11 BBiG).
Ist dein Betrieb nicht tarifgebunden, reicht die Mindestvergütung allein nicht immer. Liegt deine Vergütung mehr als 20 % unter dem Tarif, der für deine Branche und Region gilt, ist sie in der Regel nicht angemessen (§ 17 Abs. 4 BBiG). Sieht der Tarif 1.100 € vor, liegt die Grenze bei 880 €. Was du dann tun kannst, steht unten bei den Fragen.
Sonderfälle
- Teilzeitausbildung: Die Vergütung darf sinken, prozentual aber höchstens so stark wie die Ausbildungszeit (§ 17 Abs. 5 BBiG). Bei 75 % der Zeit sind im ersten Jahr mindestens 543 € fällig. Für die Monate, um die sich die Ausbildung dadurch verlängert, muss sie nicht weiter steigen.
- Kost und Wohnung: Stellt der Betrieb Unterkunft oder Verpflegung, darf er sie mit den amtlichen Sachbezugswerten anrechnen, höchstens bis 75 % der Bruttovergütung (§ 17 Abs. 6 BBiG).
- Überstunden: Was über die vereinbarte tägliche Ausbildungszeit hinausgeht, muss der Betrieb extra bezahlen oder mit Freizeit ausgleichen (§ 17 Abs. 7 BBiG). Unter 18 sind höchstens acht Stunden am Tag und 40 in der Woche erlaubt (§ 8 Abs. 1 JArbSchG).
- Krankheit: Bist du krank, zahlt der Betrieb bis zu sechs Wochen weiter (§ 19 Abs. 1 Nr. 2 BBiG). Danach bekommst du Krankengeld von deiner Krankenkasse, wie viel, zeigt der Krankengeld-Rechner.
Ausbildungsentgelt im öffentlichen Dienst (TVAöD) 2026
Wer bei Bund oder Kommunen in einem Beruf nach dem Berufsbildungsgesetz ausgebildet wird, bekommt das Ausbildungsentgelt nach dem TVAöD. Mit der Tarifeinigung vom 6. April 2025 stieg es zweimal um je 75 €, zum 1. April 2025 und zum 1. Mai 2026.
| Ausbildungsjahr | bis April 2026 | ab Mai 2026 | Lohnsteuer | Netto ab Mai |
|---|---|---|---|---|
| 1. Jahr | 1.293,26 € | 1.368,26 € | 0,00 € | 1.078,87 € |
| 2. Jahr | 1.343,20 € | 1.418,20 € | 0,00 € | 1.118,25 € |
| 3. Jahr | 1.389,02 € | 1.464,02 € | 5,00 € | 1.149,39 € |
| 4. Jahr | 1.452,59 € | 1.527,59 € | 13,83 € | 1.190,67 € |
TVAöD, Besonderer Teil BBiG, monatlich brutto. Netto in Steuerklasse I ohne Kirchensteuer, unter 23 oder mit Kind. Für Azubis der Länder gilt ein eigener Tarif (TVA-L BBiG) mit anderen Beträgen.
Im dritten und vierten Jahr liegt das Entgelt über 1.427 €, dort fallen ein paar Euro Lohnsteuer an. Mit Fahrtkosten über dem Pauschbetrag holst du sie dir über die Steuererklärung oft fast ganz zurück, ein Beispiel steht weiter unten. Ab 2027 gibt es auch für Azubis im TVöD einen zusätzlichen Urlaubstag. Wer die Abschlussprüfung mindestens mit „befriedigend“ besteht, wird für die Laufzeit der Einigung bei Bedarf und einer passenden freien Stelle unbefristet übernommen (Tarifeinigung, Teil A Nr. 4 und 5). Das Gehalt danach rechnet der TVöD-Rechner.
Sozialabgaben für Azubis: 325-€-Grenze und kein Midijob
Die Beiträge teilen sich Betrieb und Azubi wie bei allen Beschäftigten. Den Zuschlag für Kinderlose zahlst du allein.
| Versicherung | Dein Anteil | Betrieb | Grundlage |
|---|---|---|---|
| Krankenversicherung mit durchschnittlichem Zusatzbeitrag | 8,75 % | 8,75 % | §§ 241, 242a, 249 SGB V |
| Pflegeversicherung | 1,8 % | 1,8 % | §§ 55, 58 SGB XI |
| Zuschlag für Kinderlose ab 23 | +0,6 % | – | § 55 Abs. 3 SGB XI |
| Rentenversicherung | 9,3 % | 9,3 % | § 168 SGB VI |
| Arbeitslosenversicherung | 1,3 % | 1,3 % | § 346 SGB III |
| Zusammen | 21,15 % | 21,15 % |
Beitragssätze 2026. Ab 23 ohne Kind zahlst du zusammen 21,75 %.
Bis 325 € zahlt der Betrieb alles
Liegt deine Vergütung bei höchstens 325 € im Monat, trägt der Betrieb den gesamten Beitrag allein (§ 20 Abs. 3 Satz 1 Nr. 1 SGB IV). Die Grenze ist ein fester Betrag und steigt nicht mit. Hebt eine Einmalzahlung wie Weihnachtsgeld die Vergütung in einem Monat über 325 €, teilt ihr euch die Beiträge auf den Teil über der Grenze je zur Hälfte (§ 20 Abs. 3 Satz 2 SGB IV). Weil fast jede Ausbildungsvergütung höher liegt, ist Netto bei Azubis selten gleich Brutto.
Kein Übergangsbereich wie beim Midijob
Beschäftigte, die mehr als 603 € und bis 2.000 € verdienen, zahlen im Übergangsbereich ermäßigte Beiträge. Für Menschen in Berufsausbildung gilt das ausdrücklich nicht (§ 20 Abs. 2a SGB IV). Bei 724 € zahlst du deshalb 153,12 € im Monat, ein Beschäftigter mit demselben Lohn nur 36,64 €.
| Brutto im Monat | Azubi | Midijob | Azubi zahlt mehr |
|---|---|---|---|
| 724 € | 153,12 € | 36,64 € | 116,48 € |
| 854 € | 180,61 € | 76,00 € | 104,61 € |
| 1.000 € | 211,50 € | 120,21 € | 91,29 € |
| 1.200 € | 253,80 € | 180,77 € | 73,03 € |
| 1.500 € | 317,25 € | 271,61 € | 45,64 € |
| 1.800 € | 380,70 € | 362,45 € | 18,25 € |
Eigene Beiträge zur Sozialversicherung im Monat, ohne Zuschlag für Kinderlose. Für die Rente zählt bei beiden der volle Lohn.
Ein Minijob ist eine Ausbildung auch bei sehr niedriger Vergütung nicht: Eine Beschäftigung im Rahmen betrieblicher Berufsbildung bleibt versicherungspflichtig (§ 7 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 SGB V).
Eigene Krankenkasse
Mit dem ersten Ausbildungstag bist du selbst pflichtversichert (§ 5 Abs. 1 Nr. 1 SGB V), die beitragsfreie Familienversicherung über deine Eltern endet (§ 10 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 SGB V). Die Krankenkasse suchst du dir selbst aus und bleibst mindestens zwölf Monate (§ 175 Abs. 4 SGB V), die Pflegeversicherung folgt ihr. Weil jede Kasse ihren Zusatzbeitrag selbst festlegt, lohnt der Vergleich vor dem Start.
Lohnsteuer und Steuererklärung als Azubi
Ledig hast du Steuerklasse I, alleinerziehend Klasse II, verheiratet IV oder III und V. Für einen zweiten Job, den der Arbeitgeber nicht pauschal versteuert, gilt Klasse VI (§ 38b EStG). In Klasse I beginnt die Lohnsteuer bei 1.427 €, bei 1.500 € sind es 9,91 € im Monat.
Eine Steuererklärung ist für die meisten Azubis freiwillig (§ 46 Abs. 2 Nr. 8 EStG). Du kannst sie bis zu vier Jahre rückwirkend abgeben, für 2026 also bis Ende 2030 (§ 169 Abs. 2 Satz 1 Nr. 2 AO), kostenlos über Mein ELSTER. Pflicht wird sie zum Beispiel, wenn du nebenher einen Job mit Steuerklasse VI hattest (§ 46 Abs. 2 Nr. 2 EStG) oder im Jahr mehr als 410 € Krankengeld oder andere Lohnersatzleistungen bekommen hast (§ 46 Abs. 2 Nr. 1 EStG).
Wann sich die Steuererklärung lohnt
Zurück bekommst du nur, was vorher einbehalten wurde. Unter 1.427 € bringt die Erklärung deshalb meist nichts, mit einer Ausnahme: Bei langem Arbeitsweg gibt es die Mobilitätsprämie, auch ohne Lohnsteuer.
| Fall | Lohnsteuer im Jahr einbehalten | Zurück mit der Erklärung |
|---|---|---|
| Mindestvergütung 724 €, kurzer Arbeitsweg | 0,00 € | 0,00 € |
| Mindestvergütung 724 €, 30 km Arbeitsweg an 200 Tagen | 0,00 € | 106,40 € Mobilitätsprämie |
| TVAöD 4. Jahr (1.527,59 €), 30 km an 200 Tagen | 165,96 € | 158,00 € |
| 7 Monate Ausbildung mit 1.500 €, ab August 3.000 € bei einem neuen Arbeitgeber | 1.559,37 € | 174,37 € |
Steuerklasse I, keine Kirchensteuer, Arbeitsweg mit 0,38 € je Kilometer der einfachen Strecke. Vereinfacht gerechnet mit dem Lohnsteuerkern, ohne weitere Werbungskosten. Im letzten Fall wurde die Lohnsteuer im neuen Job so einbehalten, als würdest du das ganze Jahr 3.000 € verdienen.
Im Jahr des Wechsels lohnt sich die Erklärung fast immer. Bleibst du im selben Betrieb, kann er zu viel gezahlte Lohnsteuer schon mit der Dezember-Abrechnung erstatten, ab zehn Beschäftigten muss er das in vielen Fällen tun (§ 42b EStG).
Was Azubis absetzen können
Die Kosten deiner ersten Ausbildung sind Werbungskosten, weil sie in einem Arbeitsverhältnis stattfindet (§ 9 Abs. 6 EStG). Sie zählen, soweit sie zusammen über dem Pauschbetrag von 1.230 € liegen und du sie selbst bezahlt hast:
- Fahrten zum Ausbildungsbetrieb mit 0,38 € je Kilometer der einfachen Strecke, ab dem ersten Kilometer (§ 9 Abs. 1 Satz 3 Nr. 4 EStG). Ab wann sich das lohnt, zeigt der Pendlerpauschale-Rechner.
- Fahrten zur Berufsschule: Deine erste Tätigkeitsstätte ist der Betrieb (§ 9 Abs. 4 EStG), die Berufsschule gilt als auswärtige Tätigkeit. Mit dem Auto setzt du deshalb 0,30 € je gefahrenem Kilometer an, also für Hin- und Rückweg (§ 9 Abs. 1 Satz 3 Nr. 4a EStG mit § 5 Abs. 2 BRKG).
- Arbeitsmittel wie Werkzeug, Fachbücher und typische Berufskleidung, dazu Kosten für Bewerbungen und einen Umzug wegen der Ausbildung.
Liegt dein zu versteuerndes Einkommen unter dem Grundfreibetrag, bringen die Fahrtkosten keine Steuerersparnis. Dann gibt es auf Antrag die Mobilitätsprämie: 14 % der Pauschale für die Kilometer ab dem 21., soweit deine Werbungskosten insgesamt über 1.230 € liegen (§ 101 EStG). Du beantragst sie mit der Steuererklärung.
Kindergeld und Urlaub in der Ausbildung
Kindergeld läuft bis 25 weiter
Deine Eltern bekommen für dich bis zum 25. Geburtstag weiter 259 € im Monat (§ 32 Abs. 4 Satz 1 Nr. 2 Buchst. a, § 66 Abs. 1 EStG). Wie viel du verdienst, ist dabei egal. Auch eine zweite Ausbildung schadet nicht: Nach dem ersten Abschluss zählt nur eine Erwerbstätigkeit mit mehr als 20 Stunden in der Woche, ein Ausbildungsverhältnis ist ausdrücklich unschädlich (§ 32 Abs. 4 Satz 2 und 3 EStG).
Zwischen Schule und Ausbildung gibt es Kindergeld für eine Übergangszeit von höchstens vier Monaten, und auch, solange du mangels Ausbildungsplatz nicht anfangen kannst (§ 32 Abs. 4 Satz 1 Nr. 2 Buchst. b und c EStG). Rückwirkend zahlt die Familienkasse nur für die sechs Monate vor dem Antragsmonat (§ 70 Abs. 1 Satz 2 EStG). Unterstützen dich deine Eltern nicht, kannst du beantragen, dass das Kindergeld an dich geht (§ 74 Abs. 1 EStG). Details zu Anspruch und Auszahlung stehen beim Kindergeld-Rechner.
Urlaub
| Alter am 1. Januar | Mindesturlaub | Grundlage |
|---|---|---|
| unter 16 | 30 Werktage | § 19 JArbSchG |
| unter 17 | 27 Werktage | § 19 JArbSchG |
| unter 18 | 25 Werktage | § 19 JArbSchG |
| ab 18 | 24 Werktage | § 3 BUrlG |
Werktage sind Montag bis Samstag: 24 Werktage entsprechen bei einer Fünf-Tage-Woche 20 Arbeitstagen. Tarif- und Ausbildungsverträge sehen oft mehr vor.
Bist du unter 18, soll der Betrieb dir den Urlaub in den Berufsschulferien geben. Liegt er außerhalb, bekommst du für jeden Berufsschultag, an dem du im Urlaub zur Schule gehst, einen weiteren Urlaubstag (§ 19 Abs. 3 JArbSchG). Endet die Ausbildung ohne Übernahme, bevor du den Urlaub nehmen konntest, wird er ausgezahlt (§ 7 Abs. 4 BUrlG). Übernimmt dich der Betrieb, endet das Arbeitsverhältnis nicht, und du nimmst den restlichen Urlaub als Fachkraft. Anteiligen Urlaub bei Beginn oder Ende im Lauf des Jahres rechnet der Urlaubsrechner.
Berufsausbildungsbeihilfe (BAB): Zuschuss bei eigener Wohnung
Reicht die Vergütung nicht, zahlt die Arbeitsagentur Berufsausbildungsbeihilfe als Zuschuss, den du nicht zurückzahlst. Bekommen kannst du sie, wenn du nicht bei deinen Eltern wohnst. Unter 18 muss außerdem der Betrieb von der Wohnung der Eltern aus nicht in angemessener Zeit erreichbar sein, ab 18 entfällt diese Bedingung (§ 60 SGB III).
Als Bedarf zählen 822 € für Lebensunterhalt und Unterkunft (§ 61 Abs. 1 SGB III mit § 13 BAföG), dazu die Pauschale für Arbeitskleidung und Fahrkosten zu Betrieb und Berufsschule (§§ 63, 64 SGB III). Darauf rechnet die Agentur deine Vergütung an, nach Abzug von Steuern und einer Sozialpauschale. 85 € davon bleiben frei, Werbungskosten zählen nicht (§ 67 Abs. 2 SGB III). Auch das Einkommen deiner Eltern wird angerechnet, soweit es über ihren Freibeträgen liegt. Ist der Betrieb von zu Hause aus nicht in angemessener Zeit erreichbar, bleiben bei ihnen weitere 901 € im Monat frei.
Erstes Jahr mit der Mindestvergütung, eigene Wohnung, Einkommen der Eltern unter ihren Freibeträgen, Fahrkosten nicht eingerechnet.
- Lebensunterhalt
- 442,00 €
- Unterkunft außerhalb des Elternhauses
- 380,00 €
- Arbeitskleidung
- 16,00 €
- Bedarf ohne Fahrkosten
- 838,00 €
- Angerechnet: 724 € minus 22,3 % Sozialpauschale minus 85 € Freibetrag
- −477,55 €
- Berufsausbildungsbeihilfe im Monat
- 360,45 €
Gerechnet nach §§ 61, 64 und 67 SGB III mit § 21 BAföG. Die Arbeitsagentur rechnet mit deinen tatsächlichen Fahrkosten und dem Einkommen deiner Eltern, ihr BAB-Rechner gibt vorab eine Schätzung.
BAB gibt es frühestens ab dem Monat, in dem du sie beantragst (§ 325 Abs. 1 SGB III). Stell den Antrag deshalb am besten schon vor Ausbildungsbeginn, auch wenn noch Unterlagen fehlen. Wohnst du allein und kannst BAB dem Grunde nach bekommen, gibt es kein Wohngeld (§ 20 Abs. 2 WoGG).
Häufige Fragen
Gilt der gesetzliche Mindestlohn auch für Azubis?
Darf ich neben der Ausbildung einen Minijob haben?
Was darf der Betrieb steuerfrei zusätzlich zahlen?
Was kann ich tun, wenn meine Vergütung zu niedrig ist?
Wie kann ein Ausbildungsverhältnis gekündigt werden?
Welche Regeln gelten für Berufsschule und Prüfung?
Wer hilft bei Streit mit dem Ausbildungsbetrieb?
Bekomme ich als Azubi BAföG oder Wohngeld?
Muss mich der Betrieb nach der Ausbildung übernehmen?
Was ändert sich nach der Ausbildung beim Netto?
Zahle ich als Azubi Kirchensteuer?
Quellen
- § 17 BBiG: Mindestvergütung, Tarifvorrang, 20-%-Regel, Teilzeit, Sachleistungen, Überstunden gesetze-im-internet.de
- § 18 BBiG: Zahlung spätestens am letzten Arbeitstag des Monats gesetze-im-internet.de
- § 19 BBiG: Vergütung für Berufsschule, Prüfungen und bei Krankheit gesetze-im-internet.de
- BIBB: Mindestausbildungsvergütung 2026: 724, 854, 977 und 1.014 € für Ausbildungsbeginn 2026 bibb.de
- Bekanntmachung der Mindestvergütung 2027 (BGBl. 2026 I Nr. 287): 764, 902, 1.031 und 1.070 € für Ausbildungsbeginn 2027 recht.bund.de
- § 20 SGB IV: 325-€-Grenze, kein Übergangsbereich für Azubis gesetze-im-internet.de
- § 7 SGB V: Ausbildung ist nie versicherungsfreier Minijob gesetze-im-internet.de
- § 55 SGB XI: Pflege-Zuschlag für Kinderlose ab 23 gesetze-im-internet.de
- Tarifeinigung TVöD vom 6. April 2025 (dbb): Ausbildungsentgelte je 75 € mehr ab April 2025 und Mai 2026 dbb.de
- GdP: Entgelttabelle 2025/2026: TVAöD BBiG ab 1. April 2025 gdp.de
- § 46 EStG: Steuererklärung: Pflicht und Antrag gesetze-im-internet.de
- § 9 EStG: Werbungskosten, erste Tätigkeitsstätte, Kosten der Ausbildung gesetze-im-internet.de
- § 101 EStG: Mobilitätsprämie gesetze-im-internet.de
- § 32 EStG: Kindergeld für Kinder in Ausbildung bis 25 gesetze-im-internet.de
- § 19 JArbSchG: Urlaub für Jugendliche und Berufsschüler gesetze-im-internet.de
- § 60 SGB III: Wer Berufsausbildungsbeihilfe bekommen kann gesetze-im-internet.de
- § 67 SGB III: Anrechnung von Vergütung und Elterneinkommen gesetze-im-internet.de
- § 13 BAföG: Bedarfssätze, die auch für die BAB gelten gesetze-im-internet.de
- § 20 WoGG: kein Wohngeld bei Anspruch auf BAB gesetze-im-internet.de
- Bundesagentur für Arbeit: Berufsausbildungsbeihilfe: Antrag und BAB-Rechner arbeitsagentur.de
Passende Rechner
- Brutto-Netto Für das erste Gehalt nach der Ausbildung
- Minijob Nebenjob neben der Ausbildung
- Pendlerpauschale Fahrtkosten zum Betrieb absetzen
- TVöD Gehalt im öffentlichen Dienst nach der Übernahme
- Kindergeld Anspruch und Höhe 2026
- Urlaubsanspruch Urlaubstage bei Teilzeit und Wechsel
- Werkstudent Netto und Abgaben im Studentenjob